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Abreißseil für den Caravan richtig befestigen – Wo braucht man eine „Holland-Öse“?

Abreißseil für den Caravan richtig befestigen – Wo braucht man eine „Holland-Öse“?

Viel wurde darüber schon in Facebookgruppen und Foren diskutiert, seit Kurzem finden offenbar verstärkte Kontrollen statt. Die Rede ist von der berühmt-berüchtigten „Wohnwagen-Öse“, an der das Abreißseil befestigt werden muss oder sollte. Doch wo gelten welche Vorschriften? Was mache ich, wenn ich gar keine solche Öse habe? Und wo genau gelten diese Bestimmungen?

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten rund um dieses Thema für euch zusammengestellt:

Was ist ein Abreißseil und wozu braucht man das?

Ein Abreißseil ist das „Metallkabel“, das an der Wohnwagendeichsel befestigt ist und als Sicherheitsvorrichtung dient, falls die Wohnwagenkupplung während der Fahrt vom Kugelkopf der Anhängerkupplung springen sollte. Es ist mit der Bremse des Caravans verbunden und bringt ihn bei Bedarf mit einem „Ruck“ schnell zum Stehen.

In Deutschland und anderen Ländern ist es bislang üblich, sie mit dem Karabiner zu einer Schlinge zu formen und diese dann einfach über die Anhängerkupplung des Zugfahrzeugs zu legen. In den oben genannten drei Ländern kann diese Nachlässigkeit allerdings teuer werden – unter Facebook-Nutzern und unseren Lesern ist die Rede von mehreren Hundert Euro Bußgeld bei Verstößen.

Wie wird das Abreißseil am Zugfahrzeug befestigt? 

Das Abreißseil in Deutschland

In Deutschland ist das Abreißseil an sich zwar Pflicht, aber uns ist kein Gesetz bekannt, in dem geregelt ist, wie die Sicherung des Wohnwagens durch das Abreißseil korrekt durchzuführen ist.

In der EU-Richtlinie 71/320/EWG, M7 heißt es nur:

2.2.2.9 – Die Bremsanlagen müssen so beschaffen sein, daß beim Abreißen der Verbindungseinrichtung während der Fahrt der Anhänger selbsttätig gebremst wird. Diese Vorschrift gilt jedoch nicht für einachsige Anhänger, deren Gesamtmasse 1,5 t nicht übersteigt, vorausgesetzt, daß diese Anhänger außer der Verbindungseinrichtung eine Sicherungsverbindung aufweisen (Kette, Seil usw.), die bei Bruch der Verbindungseinrichtung verhindert, daß die Anhängerdeichsel den Boden berührt, und die dem Anhänger noch eine gewisse Führung gibt.

Deshalb ist es hierzulande häufig üblich, es einfach lose über die Anhängerkupplung zu schlingen. 

Sicherer wäre es, wenn ihr das Ganze durch eine Öse, Bohrung oder Schelle an der Karrosserie fädelt und schließt die so entstandene Schlaufe mit dem Federhaken oder Karabiner, sodass sie sich auch bei abrupten Bewegungen wie Ausweich- oder Bremsmanövern nicht lösen kann.  Bei fest montierten wie auch bei den meisten abnehmbaren oder schwenkbaren Anhängerkupplungen sind solche Befestigungsmöglichkeiten in der Regel vorhanden.

Das Abreißseil in Österreich

In Österreich ist ebenfalls lediglich das Vorhandensein einer „Sicherungsverbindung“ Pflicht, das Kraftfahrtgesetz (KFG, § 13) sagt aber nichts darüber aus, ob diese fest mit dem Zugfahrzeug verbunden sein muss:

(5) Anhänger, die nicht selbsttätig zum Stehen gebracht werden, wenn sie ohne den Willen des Lenkers nicht mehr durch die Anhängevorrichtung mit dem Zugfahrzeug verbunden sind, außer Sattelanhängern, müssen außer der Anhängerdeichsel (Abs. 4) eine Sicherungsverbindung aufweisen, mit der sie, auch wenn der Anhänger ohne den Willen des Lenkers nicht mehr durch die Anhängevorrichtung mit dem Zugfahrzeug verbunden ist, so gezogen werden können, daß ihre Radspur auf gerader, waagrechter Fahrbahn von der Richtung der Radspur des Zugfahrzeuges nur geringfügig abweichen und die Anhängerdeichsel nur geringfügig abfallen kann; dies gilt jedoch nicht für landwirtschaftliche Anhänger, mit denen eine Geschwindigkeit von 25 km/h nicht überschritten werden darf.

Das Abreißseil in der Schweiz

Auch in der Schweiz gibt es keine explizite gesetzliche Regelung, wie und wo das Abreißseil am Zugfahrzeug angebracht werden muss.

In der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge sagt in Artikel 189 lediglich:

4. Die Bremse muss selbsttätig wirken, wenn sich der Anhänger unbeabsichtigt vom Zugfahrzeug löst. Ausgenommen davon sind Anhänger, deren Gesamtgewicht 1,50 t nicht übersteigt und die mit einer zusätzlichen Sicherheitsverbindung nach Absatz 5 ausgerüstet sind.

5. Bei Anhängern ohne Betriebsbremsanlage ist eine zusätzliche Sicherheitsverbindung (Seil, Kette) mit dem Zugfahrzeug erforderlich.

Die Praxis ist hier aber eine andere als in Deutschland. Immer wieder wird von den Straßenverkehrsämtern darauf hingewiesen, dass ein „lasso-mäßiges Überwerfen der Abreissleine“ (ich muss das zitieren, das ist so niedlich!) nicht gestattet ist und das Abreißseil auf jeden Fall durch eine feste Öse mit dem Zugfahrzeug verbunden werden muss.

Nachzulesen ist das unter anderem in einem Infoblatt des Kantons Graubünden.

Das Abreißseil in den Niederlanden (Holland)

In den Niederlanden ist die Gesetzeslage deutlich klarer und strenger: Für Wohnwagen ist dort eine so genannte „losbreekreminrichting“, also eine „Losreißeinrichtung“ Pflicht. Das Kabel (Abreißseil) oder eine Kette müssen hierbei über einen Bügel oder eine Öse fest mit dem Zugfahrzeug verbunden sein. Dafür sind eigene Vorrichtungen montiert, die bei uns unter Campern den etwas flapsigen Namen „Holland-Öse“ tragen.

Eine gute Übersicht (auf Niederländisch, aber mit schönen, selbsterklärenden Bildern :-)) findet ihr auf der Seite caravanendewet.nl

Und wenn keine Öse am Fahrzeug vorhanden ist oder der Federhaken nicht durchpasst?

Falls ihr keine Ösen oder Langlöcher an Bauteilen habt, die fest mit dem Fahrzeug verbunden sind, könnt ihr bei starren und auch bei einigen abnehmbaren Anhängerkupplungen (z.B. von Westfalia) eine Sicherungsschelle nachrüsten lassen.  

Sollten Ösen vorhanden sein, der Federhaken am Abreißseil aber nicht durchpassen, könnt ihr entweder den Federhaken durch einen speziellen Karabinerhaken ersetzen (lassen), der stabil genug ist, um direkt in die Öse oder Schelle eingeklinkt zu werden.

Anmerkung: Nach mehreren Gesprächen mit niederländischen Campern scheint es zumindest in den Niederlanden teilweise Praxis zu sein, den serienmäßigen Federhaken in die Öse einzuhängen. Dies stellt aus unserer Sicht keine ausreichende Sicherung dar, da der Haken sich leicht aufbiegen kann!

Sind auch deutsche Fahrzeuge von den Regelungen im Ausland betroffen?

Es wird immer wieder diskutiert, ob auch in Deutschland zugelassene Gespanne sich an die Vorschriften der anderen Länder halten müssen. Nach der aktuellen Interpretation der Gesetzeslage: Ja!

Das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr legt als internationaler Vertrag einheitliche Standards fest, die länderübergreifend (bisher über 70 Ländern weltweit) für mehr Sicherheit sorgen sollen.

Hier heißt es in Anhang 5:

16. Die Bremsanlagen müssen so ausgestaltet sein, dass sie beim Bruch der Anhängevorrichtung während der Fahrt den Anhänger selbsttätig zum Stehen bringen. Das gilt jedoch nicht für einachsige Anhänger oder für zweiachsige mit einem Achsabstand von weniger als 1 m (40 Zoll), wenn ihre höchste zulässige Gesamtmasse 1500 kg (3300 Pfund) nicht übersteigt und wenn sie – ausgenommen Sattelanhänger – neben der üblichen Anhängevorrichtung eine Hilfsverbindung haben.

Nach Einschätzung von Rechtsexperten, unter anderem des ADAC, liegen die in den Niederlanden und der Schweiz festgesetzten Reglungen nicht über den Anforderungen des Wiener Übereinkommens und sind daher auch von ausländischen Verkehrsteilnehmern zu beachten.

Bestätigt wird diese Ansicht auch durch die immer häufiger verhängten empfindlichen Geldstrafen, die sich in der Regel im Bereich von mehreren Hundert Euro bewegen.

Also haltet euch besser dran – eurer eigenen Sicherheit und der Reisekasse zuliebe.

Wir wünschen gute, sichere und bußgeldfreie Fahrt!


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Träumte seit ihrer Kindheit von einem Leben auf Rädern. Tourt jetzt mit Mann und Hund ganzjährig im Wohnwagen durch Europa.

Lieblingsspots: Andalusien, Baskenland & Mexiko.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Hallo Nele, danke für deine Zusammenfassung. Da ich kurz vor meiner Reise in die Schweiz genau über dieses Thema gestolpert bin, habe ich nach vielen Recherchen folgende Lösung, die auch für die anderen Länder gültig sein dürfte.

    Problem: ich habe an meinem Passat eine abnehmbare Anhängerkupplung und keine Öse verfügbar. In der Schweiz gilt meinen Recherchen nach die „Holland“-Öse nicht, da diese mit dem abnehmbaren Teil der AHK und nicht mit dem PKW verbunden ist! Somit wirkt das Abreißseil nicht, wenn man die AHK verliert.

    Lösung: VW hat in der Schweiz ein Nachrüstkitt im Programm, wo ein Stahlseil um die AHK-Quertraverse am PKW gewickelt und nach unten mit einem Karabiner verschlossen wird. Der Karabiner hängt somit auf Höhe der AHK, wo man dann auch leicht das Abreißseil durchschlingen kann.

    Meine LÖSUNG: Genau dieses System kann man sich aber auch selber und somit billiger zusammenstellen. Wichtig ist nur, dass die Bremskraft für das Abreißseil von ca. 450kg (4.500N) gewährleistet ist. Somit ergibt sich für das Seil & Karabiner eine Tragkraft > 450kg, wobei die Bruchkraft dann bei > 900kg meist liegt.

    Gerne kann ich hier auch eine ausführliche Beschreibung und Details zu Seil, Karabiner oder besser Schäkel liefern.
    Gruß, Stefan

    1. Lieber Stefan,

      herzlichen Dank für deine Ausführungen!

      Sie kommen genau zur richtigen Zeit, denn ich sitze gerade mal wieder an der Aktualisierung des Artikels – in diesem doch recht komplexen Thema haben sich offenbar schon wieder neue Regelungen bzw. Interpretationen ergeben, deshalb wäre ich dir für weitere Hinweise sehr dankbar. Jedes noch so kleine Detail unterstützt uns dabei, unseren Lesern möglichst hilfreiche und fachlich in die Tiefe gehende Informationen zur Verfügung stellen zu können.

      Viele Grüße und danke im Voraus!
      Nele

  2. Eine Öse wie für die Niederlande und Schweiz gefordert ist bei unserem Fahrzeug nicht möglich. Soweit die Auskunft unseres TÜVs und auch des Autoherstellers VW.
    Wir haben an unserem Fahrzeug eine abschwenkbare Anhängerkupplung. Sie ist fest mit dem Fahrzeug verbunden.
    Gibt es hierfür eine Lösung? Oder dürfen wir jetzt nicht mehr in die Schweiz oder in die Niederlande mit Caravan fahren?
    Gibt es sonst noch eine Stelle, die hierüber genau Bescheid weiß?
    Danke für Ihre Mühe.

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