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Fahrstabilität für den Wohnwagen: So funktioniert das Antischlingersystem ATC

Fahrstabilität für den Wohnwagen: So funktioniert das Antischlingersystem ATC

Viele Wohnwagenbesitzer kennen und fürchten die Situation: Durch Unebenheiten auf der Fahrbahn, zu hohe Geschwindigkeit, ungleichmäßige Beladung oder starken Seitenwind kann sich der Caravan „aufschaukeln“. Im schlimmsten Fall so heftig, dass das Gespann außer Kontrolle gerät und schwere Unfälle die Folge sein können. Neben einer defensiven, vorausschauenden Fahrweise und der richtigen Beladung tragen auch technische Hilfsmittel zu mehr Stabilität und Sicherheit bei – zum Beispiel eine Antischlingerkupplung oder das elektronische System ATC.

An unserem neuen Wohnwagen haben wir das moderne Anti-Schleuder-System ebenfalls verbauen lassen und erklären dir in diesem Beitrag, was es genau bewirkt, wie viel es kostet und welche Erfahrungen wir damit gemacht haben.

Was ist ein ATC?

ATC ist die Abkürzung für „AL-KO Trailer Control“. Es handelt sich hierbei um eine eine elektromechanische Komponente, die an der Achse angebracht und mit den Radbremsen verbunden wird. Mit Hilfe von Sensoren kontrolliert das ATC die Bewegungen deines Wohnwagens während der Fahrt. Fängt der Caravan an zu pendeln, greift das System ein und stabilisiert das Gespann.

Wie funktioniert das ATC?

Das ATC funktioniert ähnlich wie ein ESP (Electronic Stability Program) beim Auto. Bei der Montage werden im System die maximal zulässigen Querbewegungen für den Wohnwagen hinterlegt und während der Fahrt durch einen so genannten Querbeschleunigungssensor konstant gemessen. Werden die vorgegebenen Grenzwerte überschritten, so aktiviert das System automatisch die Bowdenzüge und damit die Radbremsen.

Durch diese kontrollierten, leichten Bremsungen beruhigt sich das pendelnde Gespann und läuft wieder normal in der Spur – und das übrigens viel früher als bei einem Anhänger-ESP, das evtl. im Zugfahrzeug vorhanden ist.

Angeschlossen und mit Strom versorgt wird das ATC über die Verteilerdose des Wohnwagens. Jedes Mal, wenn du deinen Wohnwagen mit dem Zugfahrzeug verbindest, ertönt ein kleiner Signalton und die LED-Lampe an der Deichsel leuchtet grün – das bedeutet, dass das ATC einsatzbereit ist und die Reise losgehen kann.

Für welche Wohnwagen ist das ATC geeignet?

Das ATC kann an jedem Caravan mit AL-KO Chassis (ab Baujahr 1998) sowie an Wohnwagen der Marke Hobby (mit Knott-Achse ab 1997) installiert werden. Der Einbau erfolgt direkt beim Hersteller AL-KO oder in einer der bundesweiten Partnerwerkstätten. Bei vielen neuen Wohnwagen wird es mittlerweile bereits ab Werk angeboten.

Wie und wie häufig muss ich das ATC warten?

Ist das System einmal eingebaut, ist es nach Herstellerangaben wartungsfrei. Du musst also nur vor jeder Fahrt kontrollieren, ob es selbsttätig den oben beschriebenen Funktionscheck durchführt. Ansonsten brauchst du dich um nichts weiter zu kümmern.

Allerdings sollten die Radbremsen regelmäßig gewartet werden – denn das beste Antischleudersystem funktioniert natürlich nur, wenn die Bremsen auch greifen!

Wie hoch sind die Kosten für ein ATC?

Die Preise für das Antischleudersystem bewegen sich je nach Anbieter meist zwischen 650 und 770 Euro zzgl. Montage.

Kann ich die Funktionen des ATC auch während der Fahrt kontrollieren?

Wenn du Besitzer einer 2LINK-Box bist, kannst du dir die kostenlose 2LINK-App herunterladen. Damit kannst du auch vom Zugfahrzeug aus während der Fahrt Informationen darüber zu erhalten, ob und wann das ATC reagiert.

Was wie eine Spielerei für Technik- und Connectivity-Fans aussieht, hat einen ganz praktischen Hintergrund: Du erkennst so, in welchen Situationen dein Gespann die Stabilität verliert, und kannst diese Risiken durch eine angepasste Fahrweise von vornherein vermeiden.

Die 2LINK-App steht für für Android und iPhone zur Verfügung.

Das ATC in der Praxis: Unsere Erfahrungen

Obwohl wir stets sehr vor- und umsichtig fahren, gab es auch bei uns schon so einige kritische Momente, in denen unser Gespann zu pendeln begann. Kein Wunder bei rund 50.000 Wohnwagenkilometern, die wir mittlerweile zurückgelegt haben…

Insbesondere auf der Autobahn, wo man ja auch mal etwas zügiger unterwegs ist, wirken sich äußere Einflüsse sehr viel deutlicher aus als auf der Landstraße. Bei uns waren es zum Beispiel starke Windböen, unerwartete Ausweich- oder Bremsmanöver, die Veränderung im Luftdruck durch überholende Lkw oder Straßenunebenheiten, die den Wohnwagen aus der Spur brachten.

Unser vorheriger Caravan (ohne ATC) schlingerte in diesen Fällen munter vor sich hin und wir mussten die Pendelbewegungen selbst durch gezieltes Entschleunigen oder Bremsen ausgleichen. Beim neuen Camper dagegen konnten wir feststellen, dass das ATC diese Arbeit für uns übernommen hat und das Gespann meist innerhalb weniger Sekunden wieder ruhig lief.

Diese Eingriffe durch das ATC sind im Zugfahrzeug als leichtes „Holpern“ wahrnehmbar und werden – falls man das ATC mit der 2LINK-App gekoppelt hat, auf dem Display des Smartphones angezeigt. Nach außen hin bekommt man davon nichts mit, denn die Bremsleuchten werden nicht aktiviert.

Grenzen des Systems: Kein Freifahrschein für Überladung oder wilde Rennen!

Bei aller Begeisterung für den technischen Fortschritt – auch ein ATC kann natürlich nicht zaubern. Denn wenn du völlig überladen oder mit 20 km/h zu viel auf dem Tacho unterwegs bist, kann es trotzdem passieren, dass du deinen schlingernden Wohnwagen nicht mehr „eingefangen“ bekommst. Deshalb an dieser Stelle nochmal unser dringender Appell an dich: Setze nicht all dein Vertrauen in die moderne Technik, sondern halte dich unbedingt an die für dein Gespann vorgegebenen Geschwindigkeits- und Gewichtsbegrenzungen. Das ATC ist und bleibt ein Notfallsystem und sollte keinesfalls als Freifahrschein für wilde Rennen mit dem Wohnwagen gesehen werden!

Weitere Tipps und Infos rund um das Thema Fahrsicherheit findest du in unseren Beiträgen „Wohnwagen richtig beladen“ und „100er Zulassung beim Wohnwagen“.

Technische Details zum ATC gibt es auf den Seiten des Herstellers AL-KO Fahrzeugtechnik.

Weitere Anbieter von elektronischen Stabilitätssystemen sind z.B. die Firmen Knott, BL-Trading oder der niederländische Hersteller Triorep.

Fotos: (c) CamperStyle

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Träumte seit ihrer Kindheit von einem Leben auf Rädern. Tourt jetzt mit Mann und Hund ganzjährig im Wohnwagen durch Europa.

Lieblingsspots: Andalusien, Baskenland & Mexiko.

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