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Ratgeber: Auflastung beim Wohnmobil

Ratgeber: Auflastung beim Wohnmobil

Worauf es bei der richtigen Beladung ankommt, hast du im entsprechenden Artikel bereits erfahren. Doch was tun, wenn die vom Hersteller vorgegebene Zuladung nicht ausreicht und du trotz aller Anstrengungen ständig das zulässige Gesamtgewicht überschreitest?

Hier könnte eine Auflastung die Lösung für dich sein!

Gerade bei Wohnmobilen bis 3,5 t tritt häufig der Fall ein, dass zwischen Leergewicht und zulässigem Gesamtgewicht nur noch wenig „Luft“ ist. So manches Mal bleiben nur noch 150 bis 200 kg, die durch Campingmöbel, Markise und Tanks oder auch einen zweiten oder dritten Mitreisenden schnell aufgebraucht sind. Dann sind die Fahrzeuge überladen, was zu empfindlichen Strafen und dem Verbot der Weiterfahrt führen kann.

Schon beim Kauf kannst du viele Fehler machen. Lass dir vom Verkäufer ganz genau sagen, was im Leergewicht alles enthalten ist – und vor allem: was nicht! Zubehör, volle Tanks, persönliches Gepäck, Mitfahrer, Hunde etc. sind nämlich oft noch zusätzlich dazuzurechnen. Siehe dazu auch die Norm DIN 1646-2.

Diese Norm regelt unter anderem auch, dass die Gewichtsangaben der Hersteller eine Toleranz von 5 Prozent haben dürfen. Denn jedes Wohnmobil kann ein anderes Gewicht haben. Bleche, Hölzer und andere Bauteile haben Fertigungstoleranzen, die sich auf das Gewicht auswirken können.

Bei einem 3,5 t Wohnmobil sind 5 % ganze 175 kg. Im schlimmsten Fall hast du also allein schon durch die Fertigungstoleranz 175 kg weniger Zuladung. Ganz genau wissen kannst du es also nur, wenn du das Fahrzeug wiegst.

Und dann rechnest du noch das Gewicht des vollen Wasser-, Treibstoff- und anderer Tanks dazu, je Fahrgast 10 kg Gepäck und das Gewicht der Gäste dazu. Vergiss auch nicht die Sonderausstattung. Außerdem gern auch noch pro Meter Länge weitere 10 kg. So hast du einen ganz guten Schätzwert.

Vor der Auflastung: Wiegen

Als erstes solltest du auch hier mit dem Wohnmobil auf die Waage. Ermittle dabei nicht nur das Gewicht für dein gesamtes Fahrzeug, sondern idealerweise auch die jeweiligen Achslasten und sogar die Belastung der Räder im Einzelnen. So erkennst du ungleiche Beladung und gefährliche Überlastungen nur einer Achse. Bei Wohnmobilen ist vor allem die Hinterachse häufig davon betroffen.

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Varianten der Auflastung

1. Dokumentenauflastung ohne technische Änderung

Oftmals sind die Fahrwerke von Wohnmobilen bereits für höhere Gewichtsgrenzen ausgelegt. Zumeist werden Fahrzeuge jedoch aus Gründen der Fahrerlaubnis nur auf 3,5 t Gesamtgewicht zugelassen. Die Klasse B im neuen Führerschein endet nämlich genau dort. So dürfen möglichst viele Kunden die Fahrzeuge fahren.

In diesem Fall reicht es oft schon aus, sich vom Fahrwerkshersteller eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen zu lassen. Die Fahrzeugprüfstelle (TÜV, Dekra etc.) muss die Änderung abnehmen, damit sie anschließend von der Zulassungsstelle in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden kann.

Diese Variante ist sehr kostengünstig und kommt ohne technische Eingriffe aus.

2. Montage von Zusatzfederungen / Austausch des Federsystems

Die nächste Stufe wäre der Einbau von Zusatzfederungen, durch die vorhandene Federungen unterstützt werden, oder der Austausch des vorhandenen Federsystems.

Bereits höherwertige Blatt- oder Schraubfedern können einen wirkungsvollen Effekt erzielen und die Zuladung signifikant erhöhen. Noch komfortabler und sicherer wird das Reisen mit Zusatz- oder Vollluftfederungen, die neben einer gesteigerten Zuladung auch für mehr Bodenfreiheit, eine verbesserte Trimmlage und nicht zuletzt für ein einfacheres Beladen sorgen, da sie automatisch oder manuell angehoben und abgesenkt werden können. Gleichzeitig werden Aufbau und Reifen durch die verbesserte Federung geschont, was wiederum zum Werterhalt des Fahrzeugs beiträgt.

Hier kommst du um eine individuelle Beratung durch Experten nicht herum. Es gibt sehr viele Möglichkeiten mit verschiedenen Vor- und Nachteilen, die du abwägen musst.

3. Austausch der Felgen

Oft finden der Austausch oder die Aufrüstung der Federsysteme zusammen mit einem Wechsel auf belastbarere Alufelgen statt. Dabei muss auch darauf geachtet werden, dass die Reifen zum neuen maximalen Gesamtgewicht passen.

Was brauchst du zur Prüfung einer Auflastung?

Für Fahrzeuge mit AL-KO Chassis genügt die ZFA (Fahrgestellnummer). Noch besser ist natürlich immer eine Kopie der Zulassungsbescheinigung (eventuell noch mit genauer Modellbezeichnung des Aufbauherstellers).

Kosten für eine Auflastung

Die Preise für eine Auflastung beginnen je nach Umfang bei etwa 350 Euro für die Dokumentenauflastung und enden bei rund 5.000 Euro für einen kompletten Umbau mit Zusatzluftfederung und neuer Bereifung.

Vor- und Nachteile einer Auflastung

Eine technische Wohnmobil-Auflastung bringt neben der erhöhten Zuladung eine ganze Reihe weiterer Vorteile mit sich:

Das Gewicht wird im Fahrzeug gleichmäßiger verteilt und die Traktion verbessert. Dies sorgt für mehr Fahrkomfort, eine längere Lebensdauer des Reisemobils und vor allem für mehr Sicherheit unterwegs.

Vor der Auflastung solltest du aber auch einige wichtige Punkte beachten, denn selbst wenn die Anpassungen nur auf dem Papier erfolgen, können höhere Folgekosten entstehen oder veränderte Verkehrsbestimmungen greifen:

Bei einer Auflastung auf mehr als 3,5 t ist unter Umständen eine andere Führerscheinklasse erforderlich (z.B. C1 statt B/BE). Darüber hinaus können die Preise für Maut und Vignetten steigen, der Turnus für die Hauptuntersuchung verkürzt werden, zusätzliche Sicherheitsausrüstung vorgeschrieben sein und Steuererhöhungen anfallen.

In punkto Geschwindigkeitsbegrenzung oder Überholverbot werden auf mehr als 3,5 t aufgelastete Wohnmobile wie Lkws behandelt und müssen sich an die entsprechenden Vorschriften halten.

Um festzustellen, welche Auflastung für dich wirklich sinnvoll ist, welche Möglichkeiten es ganz konkret für dein Fahrzeug gibt und was du in der Folge beachten musst, solltest du dich unbedingt beraten lassen.

Ablastung

Solltest du den – zugegebenermaßen eher unüblichen – Weg anstreben, um eine Reduzierung des zulässigen Gesamtgewichts zu erreichen, kannst du dein Wohnmobil ablasten lassen. Dies kann dann Sinn ergeben, wenn dein Camper über eine sehr hohe Zuladung verfügt, du aber z.B. nur einen B-Führerschein besitzt.

Hier musst du in der Regel nichts weiter beachten, da in den allermeisten Fällen nur eine Dokumentenablastung über einen Technischen Dienst erfolgt, welche keine Auswirkungen auf die Fahrdynamik hat.

Sofern du mit der Ablastung also nicht unter das aktuelle Leergewicht deines Reisemobils kommst, ist das eine sehr günstige Angelegenheit. Eventuell musst du aber zusätzlich zur TÜV-Prüfung und der Eintragung in den Fahrzeugpapieren auch noch ein geändertes Typenschild bei deinem Wohnmobilhersteller beantragen.

Foto: photobeps / yayimages.com

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