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Übernachten im Baumzelt – ein Erfahrungsbericht

Übernachten im Baumzelt – ein Erfahrungsbericht

Wir sind auf dem Weg zum Schluchsee. Ein See im Süden Deutschlands, mitten im Schwarzwald. Vor einigen Wochen haben wir einen Gutschein für eine Übernachtung im Baumzelt geschenkt bekommen. Heute ist der große Tag. Die große Nacht, meine ich. Wir werden in einem Zelt schlafen, welches nicht mit kleinen Heringen auf einer Wiese abgespannt wurde, sondern mit hoffentlich stabilen Spanngurten zwischen hohen Bäumen hängt. Diese Nacht zwischen den Bäumen verbinden wir mit einer Woche Urlaub in unserem alten Mercedes-Campingmobil.

„Was meinst du, bekommen wir da einen Klettergurt, um das Zelt überhaupt zu erreichen?“, frage ich meinen Freund Patrick, der neben mir sitzt und das Steuer in der Hand hält. Für den einen oder anderen Adrenalinkick bin ich immer zu haben und ich hoffe, dass dieses Zelt in der Nacht auch etwas hin und her schwankt. Ein bisschen wenigstens. Patrick grinst. „Lass dich doch einfach überraschen. Ich weiß ja auch nicht mehr als du.“. Mist. Recht hat er, aber meine Neugier wächst von Kilometer zu Kilometer.

Wir sind da. Das Schwarzwaldcamp, welches hier am Schluchsee Übernachtungen in Baumzelten anbietet, entpuppt sich als kleiner sympathischer Platz mit persönlichem Flair. Noch habe ich die Zelte zwischen den Bäumen nicht erspäht. Der Rezeptionist begrüßt uns freundlich und sofort werden wir mit „du“ angesprochen. Genau so mag ich das. Ich schaue mich um. Der Wald besteht zu einem großen Teil aus rötlichen Kiefern, die diesem Ort ein beinahe mediterranes Ambiente verleihen. Der Duft von Kiefernnadeln und frischer Waldluft steigt mir in die Nase. Ich fühle mich mehr wie in Südfrankreich, weniger wie im dunklen Schwarzwald. Zwischen den Bäumen haben einige andere Camper mit ihren Zelten und Campervans ihre Lager aufgeschlagen. Die Stellflächen sind zwischen Büschen und Hecken versteckt und das Gelände hat seinen naturnahen Charakter behalten. Dafür schätzen Camper diesen Platz, wie ich später erfahren soll.

Es geht los. Voller Spannung schleichen wir dem netten Rezeptionisten über die Waldwege hinterher. Dann sehe ich das erste Baumzelt. Es ist ein grünes dreieckiges Gebilde, welches circa drei Meter in der Luft hängt. Unter dem Zelt ist zur Sicherheit ein weiteres Netz gespannt. Einen Klettergurt braucht man dafür aber nicht. Das Zelt sieht schön aus und passt sich gut der Umgebung an. Irgendwie futuristisch und doch so unspektakulär. Wir schleichen weiter über kleine Wurzeln und Kiefernnadeln. Der Weg schlängelt sich durch Blaubeerensträucher, vorbei an einigen Tipis, die auf hölzernen Plattformen errichtet wurden.

Die Zelte bieten Platz für Gruppen bis zu vier Personen, wie wir von unserem Waldführer erfahren. Auch eine Gondel wurde hier als Übernachtungsmöglichkeit auf einer Plattform installiert. Ein weiteres Baumzelt. Dieses hängt noch ein wenig niedriger. Der Zeltboden ist auf meiner Augenhöhe. „Das ist euer Zelt!“, sagt der Rezeptionist. Wirklich? Ach! Ok. Schön ist es ja, nur höher hatte ich es erwartet. Hineinklettern möchte ich trotzdem sofort. Wie fühlt sich das wohl an? Ob der Boden durchhängt? Wir erfahren, dass wir nicht unter dem Zelt stehen sollen, währen die andere Person hineinklettert, da das Zelt unter dem Gewicht etwa einen halben Meter nach unten sackt. Unter dem Zelt sind zwei hölzerne Stühle und eine rote Kiste platziert, in der wir unser Essen verstauen können. Bevor wir unser neues Domizil aber erkunden können, bekommen wir noch einige Infos zum Platz.

Das Schwarzwaldcamp ist infrastrukturell an den benachbarten vier Sterne Campingplatz angeschlossen und wir können dort die Duschen benutzen. Hier auf dem ein Hektar großen Camp-Gelände gibt es Komposttoiletten. Kein Strom. Kein Internet. Zwei Feuerstellen, an denen wir Feuer machen dürfen. Naturerlebnis soll es sein. Auch Ole, unser vierbeiniger Reisebegleiter darf hier Urlaub machen. Nur nicht mit ins Zelt. Schade eigentlich, aber mehr als verständlich. Wir gehen zurück zum Bus und packen unsere Decke und zwei Wolldecken als Schlafunterlage ein. Isomatten haben wir ehrlich gesagt vergessen, da wir für eine Woche Urlaub im Wohnmobil gepackt hatten. Für eine Nacht sollte es aber gehen.

Wir richten uns im Baumzelt ein. Durch ein kleines Loch in der Mitte können wir hinaufklettern. Patrick stopft die Decken durch das Loch zu mir ins Zelt. Die Bodenfestigkeit des Zeltes lässt sich mit der eines Trampolins vergleichen, wie ich finde. Gut gespannt und trotzdem weich. Patrick klettert durch das Loch zu mir herauf, wir schieben die obere Zeltplane zurück und schauen durch das Moskitonetz hinauf in die Baumkronen.

Den Nachmittag verbringen wir am Schluchsee. Nur vier Minuten zu Fuß von unserem Baumzelt entfernt. Ich bin begeistert, wie idyllisch es in der eigenen Heimat ist und frage mich, wozu ich überhaupt noch Fernreisen unternehmen sollte. Am Ufer ruhen große, weiße Steine und wir finden eine kleine Bucht mit Sandstrand, an der wir ganz alleine sind. Am Abend machen wir Brotzeit an einem der hölzernen Tische im Wald auf dem Campgelände. Ein weiteres junges Paar gesellt sich zu uns. Ebenfalls aus der Gegend. Die beiden sind für eine Woche mit E-Tandem und Zelt unterwegs und dürfen ihren Akku heute Nacht an der Rezeption aufladen. Wir sitzen gemeinsam unter den Kiefern und die Farbe des Himmels hat sich schon längst von blau über orange-rosa hin zu schwarz mit weißen Punkten gewandelt. Es wird Zeit, endlich in unser Baumzelt zurück zu klettern.

Wir suchen uns eine bequeme Position. Das Loch, durch welches wir hinaufgeklettert sind, lässt sich mit einem Reißverschluss verschließen, dennoch rutsche ich immer wieder dort hinein. Wir vermuten, dass die Liegeposition normalerweise rechts und links neben dem Loch gedacht ist. Wir aber müssen uns die Liegeunterlage teilen und finden so nur in der Zeltmitte platz. Ich schnappe mir meinen Pulli und stopfe das Loch damit zu. Viel besser. Wir liegen nebeneinander auf unseren Wolldecken im offenen Hängematten-Trampolin-Baumzeltland unter einem Moskitonetz und schauen in die Sterne. Die Nacht ist hell und der Vollmond erleuchtet die Baumwipfel. Patrick ist schon immer der weltbeste Einschläfer der Welt gewesen und so liege ich noch eine Weile alleine wach und lausche den Geräuschen des Waldes. Es ist schön. Ein Käuzchen ruft. Dann schlafe auch ich ein. In der Nacht werde ich mehrmals wach, weil ich immer wieder in Richtung Loch rutsche. Ich hatte schon erholsamere Nächte, aber jedes Mal, wenn ich aufwache, sehe ich die Bäume, den Mond und die Sterne und so erlebe ich die Nacht im Baumzelt als eine gute Erfahrung. Mit Sicherheit ist es bequemer mit Isomatte anstatt Wolldecke unter dem Po.

Am nächsten Morgen erfrischt uns die Waldluft mit ihrem einzigartigen Duft. Ole hat die ganze Nacht unter dem Zelt gelegen und ich bin froh, dass unser haariger Freund ein so tapferes Kerlchen ist. Wir bleiben noch eine Weile im Zelt, albern ein wenig herum, dann packen wir unser Frühstück und schlendern zum See. Auf dem Weg treffen wir unsere neuen Freunde von letzter Nacht und so frühstücken wir gemeinsam am Wasser.

Eine Nacht im Baumzelt kostet am Schluchsee im Schwarzwaldcamp circa 80€. Berechnet wird pro Nacht und Zelt. Du solltest unbedingt eine Isomatte und einen Schlafsack, sowie eine Stirnlampe mitbringen. Falls du dein Smartphone gerne mal für Fotos nutzt, möchte ich dir auch eine Powerbank empfehlen. Mit Essen kannst du dich im zehn Minuten zu Fuß entfernten Supermarkt eindecken, oder gleich etwas von Zuhause mitbringen. Ich persönlich habe die Nacht im Baumzelt vor Allem wegen des offenen Zelthimmels genossen. So haben wir schwebend mitten im Wald geschlafen. Bei Regenwetter ist das mit Sicherheit eine andere Erfahrung aber wer weiß, vielleicht ist auch das Prasseln des Regens unter den hohen Kiefern eine Übernachtung Wert. Das Schwarzwaldcamp ist optimal für heiße Tage, da der Wald viel kühlen Schatten spendet und der Schluchsee für eine ordentliche Erfrischung sorgt. Für Paare ist eine Übernachtung im Baumzelt besonders passend, auch wenn ihr eigentlich nicht nebeneinander liegen sollt. Aus reiner Bequemlichkeit.

In Deutschland gibt es inzwischen viele naturnahe Campingplätze, die eine Übernachtung im Baumzelt anbieten. Schau dich einfach mal um, was es so in deiner Nähe gibt. Die Preise für eine Übernachtung im Baumzelt variieren sehr stark. Direkt am Schluchsee ist es eher teurer als günstiger. Auch als Gutschein für Freunde ist eine Baumzelt-Übernachtung immer eine tolle Idee. Wir zumindest haben uns riesig gefreut.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich gleich ein ganz eigenes Baumzelt für den Garten oder für unterwegs zu kaufen. Im Internet findest du verschiedene Anbieter, Ausführungen und Größen. Für ein schwebendes Zelt musst du etwa zwischen 280€ und 2.000€ in die Hand nehmen.

Fotos: (c) Geraldine Schüle


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