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Abhängen am Abgrund: Schwebend zelten im Cloefhänger

Abhängen am Abgrund: Schwebend zelten im Cloefhänger

Wie kleine, bunte Laternen hängen die Zelte in den Bäumen. Die Sonne geht langsam unter und der Nebel legt sich als wallende Wolke über den gewundenen Fluss. Ein paar gelbe Funken vom Lagerfeuer schlagen in die Dunkelheit, während Wind und Waldgeräusche das Tal füllen. Im Naturpark Saar-Hunsrück an der Saarschleife könnt ihr auf ganz besondere Weise übernachten: im Cloefhänger. Eure Unterkunft schwebt dabei einige Meter über dem Boden im Baum und noch einige Meter höher über einem der schönsten Panoramen Deutschlands. Abgehoben ins Hotel gehen kann jeder – aber abgehoben campen könnt ihr nur hier.

Gleich hinter dem kleinen Ortsteil Orscholz der Gemeinde Mettlach hat die Saar beschlossen, nicht geradeaus weiterzufließen, sondern auf direktem Weg umzukehren und dabei eine Schleife von fast 360 Grad zu ziehen. Die beste Sicht auf dieses Naturschauspiel bietet der Aussichtspunkt Cloef. 180 Meter hoch liegt er auf einem Felsen über dem Wasser. Und genau dort könnt ihr einen romantischen Sonnenuntergang und ein Erwachen über brodelnden Nebelfeldern erleben. Jeden Samstag zwischen Juni und September bietet der Weltenbummler und Trekking-Fan Martin Hager die Möglichkeit, in einem seiner Cloefhänger zu übernachten.

Schwindelfrei schweben im Cloefhänger

Die Zelte hängen dabei etwa zwei bis drei Meter über dem Boden – und direkt über der Kante der Saarsteilhänge. „Das ist ein Erlebnis, das sonst nur geübten Alpinisten gegönnt ist“, sagt Hager stolz, der auf seinen zahlreichen Reisen selbst oft an Klippen, auf Booten oder im Dschungel geschlafen hat. Eine drei Meter hohe und freihängende Strickleiter müsst ihr unfallfrei erklettern können, um in eure Behausung zu gelangen. Wer also das nächste Mal hohen Puls hat, weil er nicht in seine vom Nachbarn zugeparkte Garage kommt, sollte einfach mal daran denken, dass es auch noch aufregender sein könnte!
Vorher gibt es aber auch detaillierte Sicherheitseinweisungen. Ihr solltet weiterhin älter als 16 Jahre und schwindelfrei sein. In jedes Zelt passen maximal zwei Personen. Die Tragelast ist hierbei auf 200 Kilo begrenzt.

Leider ist auch die Zeit des Aufenthalts begrenzt: Ihr könnt bloß eine einzige Übernachtung buchen und diese beginnt um 18 Uhr und endet um etwa 9 Uhr morgens. Außerdem wird das gesamte Erlebnis vom Cloefhänger-Team betreut. Treffpunkt ist der Parkplatz „Am Märchenwald“. Von dort aus wandert ihr mit einem Guide etwa 300 Meter hoch zum Cloef. Oben angekommen gibt es ein bisschen Input zum Cloefhänger und gemeinsam werden die Zelte errichtet und aufgehängt. Aus welchem Material sie bestehen und wie genau sie in den Bäumen befestigt werden, möchte Martin Hager nicht verraten, um die Einzigartigkeit seiner Idee zu wahren.

Lagerfeuer ohne Dusche an der Saarschleife

Und wann gibt’s was zu Essen? Natürlich noch am selben Abend und natürlich auch ganz stilecht am Lagerfeuer mit Spießen und Getränken. Dazu bringt Martin Hager alles mit, sodass sich jeder seinen eigenen Spieß bauen kann. Morgens warten dann Muffins mit Kaffee und Tee. Eine Dusche und warmes Wasser gibt es auf dem Gelände leider nicht aber immerhin ein Toilettenhäuschen. Wenn ihr so viel Gepäck dabei habt, dass es nicht in den Cloefhänger passt, bietet der Veranstalter auch alternativen Stauraum.
Eine Übernachtung kostet 119 Euro pro Person. Bis zu zehn Personen können gleichzeitig an einem Termin teilnehmen. Seid ihr solo unterwegs, ist auch eine Buchung ab einer Person möglich. Mitbringen solltet ihr einen warmen Schlafsack, Stirn- oder Taschenlampe, Zahnbürste, bequeme Kleidung, festes Schuhwerk und eventuell eine Isomatte.

Da der Cloefhänger sehr beliebt ist, solltet ihr euch früh genug anmelden. In diesem Jahr waren schon Mitte Juni fast alle Termine weg. Plätze für das kommende Jahr sind ab Ende Januar 2019 online auf der Homepage des Cloefhängers zu finden.

Über den Cloefhänger-Erfinder Martin Hager

„Auf einer neunmonatigen Rucksackreise habe ich viele Erfahrungen gemacht und unter anderem tiefe Einblicke in touristische Konzepte bekommen“, erzählt Hager. „Außerdem hatte ich genug Zeit, ein bisschen in den Tag zu träumen und meine Beobachtungen damit zu verknüpfen. Heraus kam die Idee vom Cloefhänger.“
Martin Hager wurde 1976 im Saarland geboren. Er ist diplomierter Elektroingenieur und seit zwanzig Jahren ein großer Outdoor-Enthusiast. Ob mit dem Motorrad durch Kanada, mit dem Kajak auf heimischen Flüssen, auf Hundeschlitten-Tour in Alaska oder auf Trekkingreisen in den Anden – es gibt kaum etwas, was der Abenteurer noch nicht ausprobiert und gemeistert hat. Dagegen ist eine drei Meter hohe Strickleiter jetzt mal wirklich so gar nichts!

Wenn ihr euch ein eigenes, schwebendes Zelt anschaffen möchtet, kommt dafür vielleicht das Tree Tent von Tentsile in Frage.

Fotos (c): Cloefhänger, Franz Weiser, Nils Meiser

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War schon immer eher Pippi Langstrumpf als Annika. Arbeitet als freie Texterin und Fotografin bei Zeilenaufbruch und liebt Roadtrips überall auf der Welt.

Lieblingsspots: USA und Südeuropa.

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