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Kolumne: Camper und Hunde – oder: Ist der Stuhl fest, war das Tier gesund

Kolumne: Camper und Hunde – oder: Ist der Stuhl fest, war das Tier gesund

Unser lieber Kollege Henning, seines Zeichens Blogger, Wohnmobilbewohner, Facebookgruppen-Aufmischer und bekennender Sarkastiker, wirft in unserer neuen Kolumne einen Blick auf Themen, die die Camperwelt bewegen.

Mit einem Augenzwinkern und dem einen oder anderen bissigen Kommentar analysiert er die oftmals hitzigen Social-Media-Diskussionen rund um Thermomix, Camperhunde, Dickschiffe, Grußverweigerer und Kuschelcamper. Viel Spaß beim Lesen und Bühne frei für Henning!

 

Das Thema ist heikel, ich weiß das genau – weil ich schon dutzende Hunde-Diskussionen in den sozialen Medien miterlebt habe. Meist mussten die vom Admin nach mehr oder weniger kurzer Zeit wegen grober Verstöße gegen die bürgerliche Höflichkeit wieder geschlossen oder gar gelöscht werden.

Doch bevor wir uns in die Niederungen des virtuellen Stellplatzes begeben, zunächst ein kurzer Blick auf das wahre Leben. Natürlich rein subjektiv, weil ich hier nur meine eigenen Erfahrungen mit Hunden und ihren Herrchen oder Frauchen wiedergeben kann:

Die ganz überwiegende Mehrheit der Campinghunde ist unauffällig. Sie bellen selten und bleiben dort, wo sie bleiben sollen. Es kann durchaus sein, dass ich manchen Hund in der Nachbarschaft auch gar nicht wahrgenommen habe. Häufchen sehe ich ab und zu, ebenso sehe ich aber auch immer wieder Hundehalter, welche die Hinterlassenschaft der Vierbeiner sofort aufsammeln.

In seltenen Fällen sind mir fremde Hunde bisher unangenehm aufgefallen. Meist dann, wenn die mich bei jedem Schritt vor meine Aufbautür anknurren oder ankläffen, weil sie auch meine Parzelle zu ihrem Revier rechnen. Manche Fellnasen kommen auch vorbei und wollen neugierig an meinem Abendessen oder meiner Kaffeetasse schnuppern. In der Regel sind die Besitzer dann unsichtbar und ich habe meine liebe Not, den Vierbeiner wieder nach Hause zu schicken.

Bei Hunden von Freunden oder Bekannten gibt es zwei Fraktionen:

  • Die einen sind gute Freunde und kommen gerne vorbei, um sich kraulen zu lassen und damit ich ihnen Blödsinn erzähle.
  • Die anderen ignorieren mich, was mir auch recht ist. Ich muss nicht jeden Hund zwanghaft kraulen und streicheln, obwohl das eine beruhigende Beschäftigung ist.

Das nur vorab, denn in den Diskussionen zum Thema Hund auf dem virtuellen Stellplatz gerät man sehr leicht in den Verdacht, ein Hundehasser zu sein. Diese Diskussionen beginnen entweder damit, dass sich ein Hundebesitzer über irgendeine Form von Hundeverbot beschwert oder ein Nicht-Hundebesitzer beschwert sich über das Verhalten von Hunden und deren Haltern auf Stell- oder Campingplätzen. Die vernünftigen Stimmen merken dann an, dass das Problem am oberen Ende der Leine zu suchen ist und dass es immer wieder schwarze Schafe unter Hundehaltern gibt. Mit dieser sicherlich richtigen Feststellung könnte man die weitere Diskussion auf sich beruhen lassen und dann wäre hier auch dieser Text zu Ende.

Das können aber die wirklichen Hundefreunde so nicht stehen lassen. Hundefreunde ist auch eine unzureichende Beschreibung für diesen Personenkreis, Hundevergötterer trifft es besser.

Es ist unvermeidlich, dass in diesen Diskussionen die Hundehäufchen erwähnt werden. Alle, also wirklich alle online vertretenen Hundebesitzer sammeln quasi automatisch jede Hinterlassenschaft umgehend auf, wie diese nicht müde werden zu betonen. Trotzdem liegt immer wieder etwas herum. Das führt mich zu zwei möglichen Schlussfolgerungen:

  1. Die Besitzer von Hunden, deren Häufchen man auf Wegen und Plätzen noch findet, haben kein Internet. Eigentlich unwahrscheinlich im 21. Jahrhundert.
  2. Diejenigen, welche Hundehaufen sehen, haben ein Wahrnehmungsproblem. Denn, wie wir ja aus dem Internet wissen, sammelt wirklich jeder Hundebesitzer die Häufchen auf. Es ist also gar nicht möglich, dass noch welche herumliegen. Wer glaubt, die trotzdem gesehen zu haben, ist sicher Opfer derselben Leute geworden, die uns weis machen wollen, es gäbe da im westlichen Ostwestfalen einen Ort namens Bielefeld. Wer nicht weiß, was ich damit meine, kann kurz nach der „Bielefeld-Verschwörung“ googeln.

Um nicht von den Hundevergötterern als Hundehasser bezeichnet zu werden, ziehe ich mich in diesen Diskussionen schnell auf folgenden schwer angreifbaren Standpunkt zurück: „Wenn der Stuhl fest ist, war das Tier gesund. Das sollte uns freuen. Mehr Meinung steht mir als Nicht-Hundehalter doch gar nicht zu.“

Für echte Hundevergötterer ist die Diskussion auch an diesem Punkt noch nicht zu Ende. Die merken an, dass ein Hund natürlich nie, wie manche Zweibeiner, Müll in der Landschaft verteilen würde. Diese Argumentation ist so grotesk, dass mein lästerliches Hirn das weiter spinnen muss.

Ich springe denen dann mit dem Argument zur Seite, dass man jetzt nicht etwa annehmen sollte, der Hund würde den leeren Kaffeebecher nur deshalb nicht in die Botanik schmeißen, weil er kein Kleingeld hat, um einen Kaffee zu kaufen. Nein, der tut das nicht, weil er der bessere Mensch ist, auf jeden Fall ein moralisch höheres Wesen. Dem hat bisher noch kein Hundevergötterer ernsthaft widersprochen. Allenfalls das Beispiel mit dem Kaffee und dem Kleingeld halten manche für an den Haaren herbeigezogen. Doch davon, dass ihr Hund der bessere Mensch ist, sind sie felsenfest überzeugt.

Manche zitieren auch Loriot, der irgendwann gesagt hat: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“. Bekanntermaßen war Vico von Bülow Humorist, der das sicher nicht so ernst gemeint hat, wie jene Hundevergötterer auf dem virtuellen Stellplatz, die allen entgegen schmettern: „Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos.“ Manche schließen auch die Möglichkeit des Lebens ohne Hund aus und verkürzen das Zitat zu: „Ein Leben ohne Hund ist sinnlos.“

Nun, ich mag mein Dasein ungern als sinnlos bezeichnen lassen, schon gar nicht in dieser Phase der Diskussion. Aber ich stehe längst auf verlorenem Posten, denn nicht nur der Hund ist moralisch überlegen, auch sein ihn vergötterndes Herrchen oder Frauchen.

Alle ohne Hund sind verbissene Hundehasser, die man sowieso nicht als Nachbarn haben möchte. Auch wurde schon dazu aufgerufen, deren Beschwerden doch einfach zu ignorieren. Mit solchen und ähnlichen Aussagen stärken sich die Hundevergötterer in diesen Diskussionen gern gegenseitig den Rücken. Das kann man kaum noch irgendwo nachlesen, weil diese Diskussionen kurz nach Erreichen dieses Punktes gelöscht werden. Aber ich war so gemein, mir das aufzuschreiben

Ich habe die verbliebenen Mitdiskutanten bewusst Hundevergötterer genannt, denn normale Hundehalter sind an diesem Punkt längst aus der Geschichte ausgestiegen. Das tue dann auch ich, nicht ohne mich dafür zu entschuldigen, wie undankbar ich dafür bin, dass ich dieselbe Luft atmen darf, wie die vergötterten Vierbeiner.


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Fährt seit 1992 mit Wohnmobilen in der Gegend herum. Zuerst im VW-Bus, dann im Sprinter-Kastenwagen und seit Sommer 2013 lebt er Vollzeit im Alkovenmobil.
Reisen, noch als braver Angestellter mit sechs Wochen Jahresurlaub, führten von Island bis zur Krim und vom Nordkap bis Gibraltar. Seit ein paar Jahren ist es mit dem Nine-to-Five-Brotjob vorbei und er tingelt als Privatier durch die Lande. Im Sommer in Deutschland, im Winter gerne auch mal in Italien und Portugal.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Ein schöner Artikel zu einem stets bewegenden Thema. Ergänzen möchte ich noch das die meistern Vergötterer mittlerweile nicht mehr nur an einen „Gott“ zu glauben scheinen. Vielmehr kann man häufig zwei oder mehr beobachten, was die im Artikel erwähnten Reibungspunkte nicht unbedingt reduziert ;-).

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