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Campergespräche: Silke & Dirk

Campergespräche: Silke & Dirk

Silke (29) und Dirk (33) sind bekennende Minimalisten. Wenig Geld auszugeben, auf kleinem Raum klarzukommen und kaum Dinge zu besitzen gehört für die beiden sympathischen Abenteurer schon lange zum Alltag. Über ihre Erfahrungen mit diesem Lifestyle berichtet Silke auf ihrem Blog Minimalisch.

Jetzt hat das Paar auch noch die letzte materielle und finanzielle Sicherheit – Wohnung und Job – aufgegeben, um mit ihrem 20 Jahre alten Wohnmobil „Charly“ die Welt zu erkunden. Wir haben die beiden vor ihrer Abreise nach Spanien getroffen und sie für euch ins „Verhör“ genommen.

CamperStyle: Ihr seid ja zum Wohnmobil gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde… 

Silke & Dirk: Ja, denn eigentlich hatten wir vor, uns in Richtung Asien aufzumachen. Es war eigentlich schon alles geplant. Doch wie so häufig, haben wir quasi in letzter Minute alles wieder umgeschmissen und nach langer Suche unseren „Charly“ gefunden.

Silke: Eigentlich war es Dirks Idee und ich bin erstmal ganz schön sauer geworden. Aber dann fand ich es doch ziemlich spannend, zuerst einmal Europa kennenzulernen. Man hat die schönsten Ecken vor der eigenen Haustür, die wollten wir uns nicht entgehen lassen. Zum anderen läuft Asien ja nicht weg – diese Reise werden wir später einfach nachholen.  

Dirk: Außerdem hatten wir überlegt, dass wir früher oder später ja nach Deutschland zurückkommen werden – und dann ist es praktisch, direkt wieder ein Zuhause zu haben, um ganz in Ruhe eine Wohnung suchen zu können. Wenn wir unser Nomadenleben überhaupt aufgeben wollen… 

CamperStyle: Seid ihr denn schon camping- bzw. reiseerfahren?

Silke: Ich eigentlich überhaupt nicht. Mit einem Camper war ich vor „Charly“ noch nur einmal für zwei Wochen in Bayern unterwegs gewesen und auch meine bisherigen Reisen ins Ausland haben sich immer auf maximal zwei Wochen beschränkt. Dirk hatte früher einen VW-Bus, hat aber auch nur kurze Touren innerhalb Deutschlands oder nach Österreich und zum Gardasee unternommen. 

Dirk: In erster Linie lag es daran, dass man zwar immer wollte, aber nie konnte. Entweder weil man in einem Job festhing oder nicht das nötige Geld für ausgedehntere Reisen hatte. Bis wir irgendwann gesagt haben, das kann so nicht weitergehen. Wir wollten endlich die Freiheit haben, neue Orte kennenzulernen und unseren Alltag spontan und nach unseren eigenen Regeln zu gestalten.

CamperStyle: Jetzt habt ihr eure Jobs ja beide aufgegeben – wie kriegt ihr das finanziell hin?

Silke & Dirk:  Wir haben uns in den vergangenen Jahren ohnehin schon extrem eingeschränkt, weil das auch unserer persönlichen Einstellung entspricht. Unsere Erfahrung ist: Besitz belastet. Deshalb haben wir uns nach und nach von allem Überflüssigen getrennt, keine unnötigen Neuanschaffungen mehr getätigt und dadurch ziemlich viel Geld gespart. Jetzt vor der Abreise haben wir auch noch die letzten materiellen Güter – Möbel, Klamotten, Elektrogeräte – verkauft und nur noch persönliche Gegenstände, Erinnerungsstücke, Bücher und Winterkleidung behalten. Die lagern jetzt in Umzugskartons bei Familie und Freunden.

Darüber hinaus werden wir auch auf unserer Reise als Freelancer arbeiten und in Kürze ein E-Book mit Spartipps sowie Online-Kurse für angehende Minimalisten anbieten. Wir hoffen, dass wir uns damit ein zusätzliches kleines Einkommen sichern können.

CamperStyle: Das heißt, man kann euch auch „buchen“?

Silke & Dirk: Ja, wir bieten Dienstleistungen im Bereich Texten, Lektorat und Webseitengestaltung an und Silke coacht auch im Bereich Sparen bzw. richtiger Umgang mit Geld. Wenn jemand einen Auftrag zu vergeben hat, freuen wir uns – und die Reisekasse auch!

CamperStyle: Wie fühlt ihr euch jetzt, so kurz vor dem Absprung?

Silke & Dirk: Wunderbar… befreit, aufgeregt, neugierig! 

CamperStyle: Silke, du schreibst auf deinem Blog Minimalisch über das reduzierte Leben. Hilft dir diese Erfahrung jetzt, dem neuen Abenteuer ohne Angst oder Zweifel entgegenzutreten? 

Silke: Absolut! Und ich kann nur jedem empfehlen, diesen Lifestyle selbst einmal auszutesten – in dem Rahmen, in dem man sich persönlich wohlfühlt. Minimalismus bedeutet für uns nicht, dem aktuellen, häufig wiederholten Dogma zu folgen und nur noch 100 Dinge zu besitzen. Man darf ruhig auch schöne und nützliche Sachen um sich haben, wenn man das braucht. Minimalismus ist vielmehr eine Reduktion auf das Wesentliche. Nicht in materiellen Gütern sein Glück zu suchen, sondern mehr Zeit mit Menschen oder Tätigkeiten zu verbringen, die einem wichtig sind. Sich bewusst zu machen, in welchem Überfluss wir in Europa und vor allem in Deutschland leben und zu erkennen, dass man eigentlich mit viel weniger auskommen kann. Wenn man das einmal verstanden hat, fühlt man sich wesentlich freier und unabhängiger und kann sich auf essenzielle Dinge – Familie, Freunde, schöne Erlebnisse – konzentrieren. Unser Motto ist nicht „No money“, sondern „More money for adventure“!

CamperStyle: Habt ihr schon einen Plan, wie lange ihr auf Tour sein wollt?

 Dirk: Unser Europa-Road-Trip ist zunächst einmal für drei Monate angesetzt, als erstes wollen wir Spanien kennenlernen. Im Anschluss werden wir wohl unser ursprüngliches Ziel, Bali, in Angriff nehmen und dort überwintern, später planen wir einen längeren Trip nach Skandinavien. Was dann kommt, wer weiß…

CamperStyle: 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag zusammen auf engstem Raum zu leben, das wäre für manche Paare der Todesstoß. Wir haben es ja selbst auch schon für ein halbes Jahr gewagt und es keine Sekunde bereut. Habt ihr trotzdem Bedenken, wie sich euer neuer Lifestyle auf eure Beziehung auswirken wird?

Silke & Dirk (lachen): Wir sind ja mittlerweile vier Jahre zusammen, mit gemeinsamer Wohnung und allem drum und dran. Da kennt man die Stärken und Schwächen des anderen schon fast in- und auswendig. Natürlich ist ein Wohnmobil noch einmal ein ganzes Stück kleiner als eine Wohnung. Man kann sich nicht aus dem Weg gehen, aber das war bisher auch noch nie nötig. Wir harmonieren einfach sehr gut miteinander.

Silke: Die Herausforderung besteht eher darin, auch zwischendurch einmal etwas getrennt zu unternehmen. Dirk geht joggen, während ich arbeite oder am Strand liege. Auch das Arbeiten von unterwegs müssen wir ja in gewisser Weise noch lernen.

CamperStyle: Wer darf wie viele Staufächer im WoMo für seine Klamotten nutzen?

Silke & Dirk: Och, eigentlich ist das ganz ausgeglichen, denn wir fahren ja in den Süden und brauchen kaum warme Kleidung. Allerdings haben wir beide extrem viel Unterwäsche eingepackt, daneben Schwimmsachen, jeweils 10 bis 12 T-Shirts und ein paar Hosen. Das sollte für den Anfang reichen – es gibt ja zum Glück auch Waschmaschinen!

CamperStyle: Und „Charly“ ist auch bereit?

Silke & Dirk: Auf jeden Fall! Wir haben ihn sehr gut erhalten und recht schön ausgebaut gekauft, so dass nur noch relativ wenig Umbauarbeiten nötig waren. Doch auch die ganzen „Kleinigkeiten“ haben viel Zeit gekostet: Ein Wasserschaden am Heck musste behoben werden, Gurte wurden freigeschnitten, so dass während der Fahrt einer von uns im Wohnbereich am Computer arbeiten kann, eine Solaranlage installiert, neue Batterien und einen Wechselrichter eingebaut, eine Heckbox für Werkzeug und Co. montiert, die Mechanik der Treppe repariert, die Beleuchtung auf sparsame LED-Lampen umgerüstet und ein Heckregal mit viel zusätzlichem Stauraum gebaut. Abschließend hat „Charly“ eine Endreinigung und sein OK vom TÜV bekommen, so dass es jetzt endlich losgehen kann.

Wir wünschen Silke, Dirk und „Charly“ eine aufregende, erlebnisreiche Zeit mit vielen tollen Begegnungen. Wer mithelfen möchte, die Reisekasse der drei mit dem einen oder anderen Text-, Lektorats- oder IT-Auftrag etwas aufzubessern, kann unter info@minimalisch.de Kontakt aufnehmen. 


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