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Campergespräche: Jenny & die „Weltwunderfamilie“

Campergespräche: Jenny & die „Weltwunderfamilie“

Zu fünft im Kastenwagen, unterwegs an den exotischsten Reisezielen – Jenny, Alex und ihre Kids zeigen, dass man auch mit Nachwuchs die Welt entdecken kann. Auf ihrem Blog „Weltwunderer“ berichten sie über ihre Abenteuer in Nah und Fern und geben tolle Tipps fürs Reisen mit der ganzen Familie.

CamperStyle: Wer gehört eigentlich alles zu den Weltwunderern?

Jenny: Die Weltwunderer sind Alex (39) und ich (37) mit Weltwundertochter (11), Weltwundersohn (7) und Weltwunderbaby (1,5). Ich arbeite als freie Lektorin, Redakteurin und Reisebloggerin, Alex ist neuerdings fest angestellter Grafiker. Zu Hause werden wir noch unterstützt von Katze Nelson, die bleibt während unserer Reisen aber lieber daheim und lässt sich von den Zwischenmietern verwöhnen.

CamperStyle: Wart ihr vor euren Kindern bereits vom „Camping-Virus“ infiziert?

Jenny: Camping gehört für uns als DDR-Kinder zu einem ordentlichen Urlaub dazu – unsere schönsten Urlaubserinnerungen sind vom Camping an der Ostsee, damals noch in Steilwandzelten mit unheimlich viel Gestänge, in Klapp-Zelten auf Hängern oder in klitzekleinen Wohnwagen. Nicht nur wegen des Geldes halten wir diese Tradition jetzt auch als Erwachsene aufrecht.

Wie toll das Wohnmobilfahren ist, haben wir zuerst in Neuseeland gelernt. Dort sind wir Anfang der 2000er in einem kleinen ausgebauten Campingbus herumgereist und haben es geliebt. Als die Kinder dann da waren, wussten wir genau, wie wir mit ihnen Urlaub machen würden!

CamperStyle: Wie lange seid ihr schon als Familie unterwegs?

Jenny: Unsere Älteste, die gerade 11 geworden ist, war bereits mit sieben Monaten mit uns an der Ostsee campen und hat bald darauf ihre erste Flugreise angetreten. Wenn wir so im Familienalbum blättern, kommen wir uns neuerdings schon ganz schön alt vor!

CamperStyle: Welche Länder habt ihr gemeinsam bereist?

Jenny: Wir waren 2011 zusammen für zwei Monate in Neuseeland, im nächsten Jahr haben wir uns Vietnam und Kambodscha angeschaut. Als ich mit unserer Jüngsten schwanger war, haben wir einen Camping-Roadtrip durch Norwegen gemacht und diesen Sommer sind wir zu fünft nach Japan gereist.

CamperStyle: Warum im Campervan statt bequem im Hotel mit Rundumversorgung? 

Jenny: In Südostasien schlafen wir sehr gern auch mal im Hotel und freuen uns dann über den Pool, den Service und das Frühstücksbuffet. Aber das ist eine ganz andere Art des Reisens.

Im Campervan kommt man einem Land und seinen Bewohnern viel näher, man kann leichter abseits der ausgetretenen Pfade reisen und wirklich Neues entdecken, das nicht im Reiseführer steht. Wir waren in Japan oft die einzigen Europäer weit und breit, das war sehr spannend und lustig. Andererseits konnten wir uns im Campervan auch komplett zurückziehen, wenn wir mal Ruhe brauchten.

Mit einem Wohnmobil reist man autark – man kann nach Belieben irgendwo stehenbleiben oder auch weiterfahren, man übernachtet an spannenden, einsamen und meist wunderschönen Orten, genießt nachts die Geräusche der Natur und kuschelt sich gemütlich zusammen. Unser Sohn, der im Hotel ständig zum Leisesein ermahnt werden muss, kann hier draußen herumtoben, soviel er will.

Da wir Roadtrips lieben, sitzen wir auch gern längere Zeit im Auto, staunen über die Aussicht, hören Musik und quatschen. Unser Essen haben wir im Kühlschrank dabei und können auch fix mal was kochen. Ganz abgesehen davon ist es auch unheimlich praktisch, nicht ständig das ganze Familiengepäck ein- und auspacken zu müssen.

CamperStyle: In welchem Fahrzeug seid ihr unterwegs und wie kriegt ihr da die ganze Rasselbande unter?

Jenny: Ein eigenes Wohnmobil haben wir (noch) nicht. Bisher sind wir in den günstigen Kastenwagen-Modellen gereist, wo abends die umgeklappte Rückbank bzw. der Esstisch zum Bett werden. Die Kinder schlafen dann oben im Klappdach, wir Eltern unten – neuerdings mit Baby in der Mitte.

CamperStyle: Wie lange hat eure längste Tour gedauert?

Jenny: In Neuseeland waren wir zwei Monate unterwegs. Danach haben wir uns dann doch gefreut, mal wieder in zwei getrennten Motelzimmern mit breiten Betten zu schlafen.

CamperStyle: Wie funktioniert das mit den Zwergen, wie kommen die jungen Weltwunderer mit anderen Kulturen, der Zeitumstellung, dem fremden Essen und den Ortswechseln klar?

Jenny: Kinder sind da sehr locker und flexibel, wenn man ihnen ein wenig Zeit lässt. Wir planen in den ersten Tagen immer Extrazeit für den Jetlag ein und machen kleines Programm. Von Tokio haben wir nicht viel mehr gesehen als einen Stadtpark mit Schwimmbad und Spielplatz und halt das normale Straßenleben – das war aber spannend genug!

Beim Essen sind wir auch daheim recht international und experimentierfreudig. Zum Glück gibt es in unserer Heimatstadt Dresden von Afghanisch bis Vietnamesisch alles, was das Herz begehrt. Da essen auch die Kinder meist gern mit, so dass sie auf Reisen dann wenige Berührungsängste haben.

Das heißt natürlich nicht, dass es gar keine Probleme gibt – aber „Das esse ich nicht!“-Revolten lassen sich meistens auf Übermüdung und Stress zurückführen. Da gibt es dann halt mal Kekse zum Abendbrot 😉

CamperStyle: Wie hält man die Kids auf längeren Trips bei Laune?

Jenny: Mit der Zeit sammeln sich da Erfahrungswerte an, und zwar auf beiden Seiten. Die Großen haben inzwischen ihre Devices zum Daddeln und Musikhören dabei und beschäftigen netterweise auch ihre kleine Schwester, wenn die das wünscht. Bisher schaut die auch gern allein Bilderbücher an oder aus dem Fenster.

Wir Eltern müssen nur ab und zu mal eingreifen und Streit schlichten oder neue Spielideen anbringen. Da funktionieren Spiele ohne Zubehör wunderbar. Unsere Favoriten sind „Wer bin ich“, „Würdest du lieber“ und der Klassiker „Ich packe meinen Koffer“. Mit der Kleinen heißt es wohl bald wieder „Ich sehe was, was du nicht siehst“… Auf unserem Blog haben wir mal einen Beitrag zum Thema „Kinder beschäftigen im Wohnmobil“ veröffentlicht, da gibt es einige Tipps.

Und, ganz wichtig: Die Fahrten dürfen nicht zu lang werden. Alle zwei Stunden machen wir Rast und steigen für längere Zeit aus, für einen Stadtbummel, eine kurze Wanderung oder auch den täglichen Einkauf.

CamperStyle: Was ist das Schwierigste, wenn man mit Kindern auf solch lange Reisen geht? Welche Herausforderungen müsst ihr da gemeinsam meistern?

Jenny: Je länger die Reise, desto länger ist die Vorbereitung. Und die ist wirklich anstrengend, weil sie ja neben dem normalen Alltag läuft, der ohnehin schon vollgepackt ist. Ich empfinde die Tage und Stunden vor der Abreise wirklich als das Schlimmste am ganzen Reisen, darauf könnte ich echt verzichten.

Auf der Reise macht uns Eltern dann der Mangel an Zweisamkeit zu schaffen; bis auf die Stunden im Fahrerhaus, wo wir uns oft lange unterhalten, ist kaum Zeit, um etwas zu zweit zu unternehmen oder auch nur zu kuscheln – gleich kommt eines der Kinder und wirft sich eifersüchtig dazwischen. Na, und von Privatsphäre in der Nacht kann im Campervan auch keine Rede sein!

CamperStyle: Wie macht ihr das mit der Schulpflicht?

Jenny: Bisher haben wir das Problem umgangen, unsere letzte Neuseelandreise haben wir extra auf den Winter vor der Schuleinführung unserer Großen gelegt. Die anderen Reisen haben gut in die Sommerferien gepasst, einmal sind wir eine Woche später zurückgekommen, was kein Problem war.

Eine längere Freistellung wird jedoch sehr schwierig werden, das haben wir aus dem Schulleiter der Grundschule schon herausgekitzelt. Aber kommt Zeit, kommt Rat – davon lassen wir uns jedenfalls unsere Urlaubspläne nicht verderben!

CamperStyle: Welche Länder eignen sich aus eurer Sicht am besten für Reisen mit Kindern und warum?

Jenny: Die ganze Welt eignet sich dafür – wenn die Eltern sich bereit fühlen, an ein Ziel zu reisen, dann sind sie auch in der Lage, ihre Kinder dorthin mitzunehmen. Die oft genannte Einschränkung, man solle nicht in Krisengebiete reisen, gilt doch für Erwachsene genauso?!

Bisher sind wir mit unserer Wahl der Reiseziele jedenfalls sehr zufrieden gewesen, wir fühlten uns überall willkommen und sicher.

CamperStyle: In eurem Blog seid ja auf Neuseeland spezialisiert. Warum gerade dieses Land?

Jenny: Das kann man nur fragen, wenn man noch nicht da war (lacht). Aber im Ernst: 99 Prozent der Neuseeland-Reisenden sind absolut verzaubert und werden schwören, dass es kein schöneres Land auf dieser Erde gibt, wetten? Und wir haben reichlich Vergleiche!

CamperStyle: Kürzlich habt ihr euch aber ein noch exotischeres Reiseziel ausgesucht: Japan – eher keine klassische Destination für Camper. Was hat euch dort hingezogen und wie hat es mit dem Campen vor Ort geklappt?

Jenny: Als Anime- und Sushi-Fans hatten wir auf dem Rückflug von Neuseeland schon auf einem Stopover in Tokio Blut geleckt und wollten seitdem unbedingt wiederkommen. Dass man in Japan überhaupt Campervans mieten kann, habe ich zufällig entdeckt, als wir die Flüge schon gebucht hatten – die übrigens gar nicht so teuer waren.

Japan hat uns komplett überrascht, es war genauso und gleichzeitig ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Und dass man supereinfach per Campervan durchs Land kommt, hat uns ebenfalls umgehauen. Man darf prinzipiell überall stehen, wo kein Parkverbot ist, es gibt zigtausende Rastplätze für Autoreisende und eine Infrastruktur vom Feinsten.

CamperStyle: Was hat euch und eure Kids auf eurer Japan-Tour besonders fasziniert? 

Jenny: Die Kinder waren vom ersten Tag an begeistert, denn in unserem Apartment wartete ein riesiges Totoro-Sitzkissen und es gab Onigiri aus dem Supermarkt um die Ecke. Bei fast 40°C waren sie natürlich am liebsten im Wasser, also sind wir von Küste zu Küste gefahren und haben zwischendurch immer wieder an Seen und Flüssen gehalten – manchmal in richtig abgeschiedenen Gegenden, manchmal zwischen hunderten japanischen Familien, die auch Sommerurlaub machten. Dabei haben wir sogar eine Surfer-Kommune auf Shikoku entdeckt!

Ich kann gar nicht alles aufzählen, was uns in Japan begeistert hat, es gab täglich etwas zu bestaunen. Am meisten faszinierten uns aber die Japaner an sich – sie sind so unglaublich höflich, rücksichtsvoll und kinderfreundlich, dass wir jeden Tag aufs Neue baff waren. Noch nirgends haben wir uns so willkommen gefühlt.

CamperStyle: Welche Geheimtipps könnt ihr anderen Japan-Campern verraten und was muss man als Camper dort beachten? Wie haben die Einheimischen auf euch reagiert?

Jenny: Selbst in der Weltstadt Tokio waren wir als Europäer eine bestaunte Rarität. Aber die meisten Japaner gingen sehr offen auf uns zu und freuten sich, ein gemeinsames Foto zu machen oder ein paar Worte Englisch zu sprechen. Die Japaner reisen selbst sehr gern durch ihr Land und tun das bevorzugt in kleinen, ausgebauten Vans – sozusagen Mini-Campervans. Wir waren also immer in guter Gesellschaft.

Auf unserem Blog haben wir die wichtigsten Online-Quellen für andere Japanreisende gesammelt. Wer kein Japanisch kann, der kommt an unserem Vermieter JapanCampers.com nicht vorbei, einen anderen englischsprachigen gibt es nämlich nicht. Ebenso wertvoll ist der Blog GoCamperJapan.com, wo wir die tollsten geheimen Stellplätze und wertvolle Tipps zum How-to gefunden haben. Ich weiß gar nicht, wie wir das sonst gemacht hätten…

CamperStyle: Wo wird euch euer nächster Roadtrip hinführen?

Jenny: Neuseeland steht fest auf dem Plan, allerdings leider erst in einigen Jahren – wir müssen noch viel sparen. Bis dahin wollen wir gern mal länger nach Schweden fahren und dort die Schären erkunden. Auch Mexiko reizt uns sehr wegen der Maya-Ruinen, dann wohl aber eher wieder in der Hotel-mit-Pool-Variante. Man kann ja nicht immer Campervan fahren… 🙂

CamperStyle: Unsere zweite Heimat Mexiko legen wir euch natürlich ganz besonders ans Herz, wir selbst haben erst letztes Jahr wieder mehrere Monate auf den Spuren der Maya dort verbracht. Wohin auch immer es euch aber verschlägt, wir wünschen euch tolle Erlebnisse, viele nette Reisebegegnungen und den Weltwunderkids jede Menge aufregende Entdeckungen! Vielen Dank für das spannende Interview!

Wer Jenny und ihre Familie auf ihren weiteren Reisen begleiten möchte, sollte auf www.weltwunderer.de vorbeischauen. Dort könnt ihr auch mit den Fünfen in Kontakt treten und euch tolle Tipps holen.

Fotos: (c) Weltwunderer


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