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Haar- und Körperpflege beim Camping mit Naturseifen

Haar- und Körperpflege beim Camping mit Naturseifen

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, den nächsten Campingtrip mit nicht viel mehr als einem Klotz Naturseife, ein paar Klamotten und einem guten Buch im Gepäck anzutreten? Wie einfach und leicht wäre der Urlaub dann! Außerdem ist die Vorstellung, sich in jedem Fluss, unter jedem Wasserfall und in jedem See waschen zu können, ohne dabei die Umwelt zu belasten, sehr verlockend. Naturseifen sind gleich zweimal umweltfreundlicher, weil du die Zusatzstoffe aus Shampoos und Duschgels nicht in den Wasserkreislauf gibst und obendrein auch noch ziemlich viel Verpackungsmüll einsparst.

Wie aber funktioniert die Körperpflege mit Naturseifen unterwegs und zuhause? Ist sie eine Bereicherung für deinen nächsten Campingtrip, oder wirst du mit diesem scheinbaren hygienischen Minimalismus nicht glücklich? Gerade unterwegs sind Dinge praktisch, die vielseitig einsetzbar und dabei leicht und platzsparend sind. Was also kann die Naturseife und was nicht?

In diesem Artikel habe ich für dich einen Streifzug durch die Welt der Naturseifen unternommen, sie in Selbstversuchen getestet und wäge ihre Vor- und Nachteile ab, so dass du selber herausfinden kannst, ob ein Campingtrip mit Naturseifen nicht nur nachhaltiger und umweltschonender ist, sondern auch, ob Naturseife vielleicht genau dein Ding ist.

Was verstehe ich unter Naturseifen?

Naturseifen, das sind diese wohlriechenden Stücke, die wir oft auf Märkten oder in Fachgeschäften kaufen können und die keine synthetischen Stoffe enthalten. Manchmal sind sie farbig, manchmal blass, einige riechen stark, andere nach nichts. Schnell wird klar, dass die Varianten in Form, Farbe und Fettgehalt endlos sind. Sehen wir also etwas genauer hin:

Der Begriff „Naturseife“ ist nicht geschützt und somit lässt sich keine klare Grenze ziehen zwischen Naturseife und Seife. Allerdings besteht ein Konsens darüber, was eine Naturseife, die sich mit Recht als solche betiteln darf, nicht enthalten sollte: synthetische Farbstoffe, Konservierungsmittel oder scharfe Tenside auf Erdölbasis. Naturseifen reinigen deine Haut einzig mit verseiften pflanzlichen Ölen (bei Kernseifen manchmal auch tierische Fette) und natürlichem Glycerin. Das funktioniert, weil Seife eine geringere Oberflächenspannung als Wasser aufweist. Damit besitzt sie ein größeres Benetzungsvermögen als andere Stoffe und kann Verschmutzungen lösen und wegspülen. Mit Sicherheit hast du schon festgestellt, dass Seife beim Einreiben der Hände Blasen wirft und somit ein Schaum entsteht (ja, das funktioniert auch ohne scharfe Tenside), der den Dreck aufnimmt. Sogar Fette und Öle kannst du von deiner Haut waschen. Dabei ist es egal, ob du Naturseife oder synthetische Seife benutzt. Der Dreck kommt weg!

Die Geschichte der Naturseifen

Diese Vorgänge haben sich Menschen bereits zu Nutze gemacht, bevor man sie erklären konnte. Schon weit vor dem Jahr Null haben Menschen (vor allem im heutigen Griechenland und in Ägypten) seifenähnliche Gemische verwendet, die aus Pflanzenasche und Tierfetten bestanden. Die ersten Naturseifen sind somit eine uralte Tradition. Doch erst viele Jahre später begann man in den arabischen Ländern, Öl und Lauge miteinander zu erhitzen. So wurden die ersten Naturseifen unseren heutigen Seifenstücken immer ähnlicher.

In früheren Jahrhunderten waren alle Seifen als Naturseifen zu verstehen, da die Inhaltsstoffe noch weitgehend natürlich waren und blieben. Nicht immer jedoch erfreuten sich diese Naturseifen ihrer heutigen Beliebtheit. Vor dem Mittelalter waren Seifen für die Körperpflege auf der ganzen Welt verbreitet, mit dem Ausbruch von Pest und Cholera aber nahmen die Menschen fälschlicher Weise an, dass Wasser und Seife dem Körper schade. So reinigte man sich nur noch trocken und vermied auch frische Luft. Erst ab dem 17. Jahrhundert konnten diese fälschlichen Annahmen wieder bereinigt werden. Zu den bekanntesten Ländern für die Herstellung hochwertiger Naturseifen zählen heute, aufgrund ihres geschichtlichen Werdeganges, immer noch Frankreich und Spanien.

Wie werden Naturseifen hergestellt?

Für das Herstellen von Naturseifen benötigst du keine komplizierten und teuren Geräte. Somit könntest du deine eigenen Naturseifen theoretisch zuhause herstellen. Die Herstellung an sich ist ebenfalls nicht sonderlich kompliziert, allerdings braucht sie etwas Übung und viel Vorsicht. Du solltest auch sauber arbeiten, denn beim Seifensieden hantierst du mit aggressiven Stoffen, die bei falscher Handhabung für deine Gesundheit gefährlich werden können. Das Herstellen von Seife braucht Zeit, Ruhe und Vorbereitung. Daher lohnt es sich manchmal, Naturseifen einfach von geübten Profis zu kaufen. Überall auf der Welt finden sich kleinere Seifenmanufakturen, die oft jahrelange Erfahrung im Seifensieden haben. Ein netter Nebenaspekt hierbei ist, dass du mit dem Kauf und der Verwendung von Naturseifen nicht nur die Umwelt schonst, sondern meist auch kleine Betriebe unterstützt und nicht die großen Konzerne.

Jetzt aber mal ans Eingemachte. Wie werden Naturseifen nun genau hergestellt?

Seife entsteht durch die Zerlegung von Fetten und Ölen. Diesen Prozess nennt man Verseifung und er wird durch die Vermischung von Natronlauge (Natriumhydroxid) oder Kalilauge mit Fetten und Ölen in Gang gesetzt. Dabei bestimmt das Verhältnis aus Ölen und Natriumhydroxid zum Großteil die Eigenschaften der Naturseife. Das Herstellen der Seifenlauge ist dabei der riskanteste Schritt, da sich das Natriumhydroxid zusammen mit Wasser erwärmt und in dieser hohen Konzentration – aufgrund der ätzenden Wirkung – nicht mit deiner Haut in Berührung kommen sollte. Bei diesem Arbeitsschritt solltest du daher in der Heimwerkstatt unbedingt Handschuhe und Schutzbrille tragen.

Durch die Zusammenführung von Natriumhydroxid und Ölen entsteht ein Seifenleim. Diesem Leim werden dann andere Zutaten wie Honig, Lavendel oder Kaffeebohnen hinzugegeben. Dann wird der Seifenleim in Formen gefüllt. Als Formen empfehlen sich Silikongefäße oder im Do-it-yourself-Bereich auch selbstgebaute Holzkästen. Auch nach dem Gießen entwickelt der Seifenleim weiter Hitze, dadurch verseift der Leim für etwa 24 Stunden immer weiter. Nach einem Tag wird die noch etwas weichere Seife meist in handliche Stücke geschnitten und darf etwa drei bis vier Wochen weiter reifen. Beim Reifeprozess sinkt der pH-Wert der Seife immer weiter, bis er hautverträglich geworden ist. Mithilfe von pH-Teststreifen kann der Reifegrad der Seifenstücke immer wieder getestet werden.

Welche Inhaltsstoffe werden verarbeitet?

Wie schon beschrieben, werden Natronlauge oder Kalilauge verwendet, um Öle zu zersetzen. Beliebte Öle sind Kokosnussöl, Rapsöl, Reiskeimöl, Sesamöl, Sojaöl und natürlich Olivenöl. Bei einer richtigen Naturseife stammen diese Öle aus biologischem Anbau, ebenso wie alle weiteren Zutaten, die deiner Seife ihren Duft (ätherische Öle), die Farbe (zum Beispiel Kakao) oder eine Körnigkeit (zum Beispiel geriebene Schalen) verleihen.

Beliebte und häufige Zutaten bei Naturseifen sind Zitrone, Rose oder Lavendel. Sehr verbreitet ist aber auch die Zugabe von Rosmarin, Salbei, Thymian, Pfefferminze oder Honig. Du findest heutzutage sogar Seifen mit Gemüse oder Eigelb.

Worauf wird in Naturseifen verzichtet?

Die günstigen Fertigseifen aus dem Supermarkt werden oft unter der Verwendung von Fettresten aus Schlachtabfällen hergestellt oder enthalten billigen tierischen Talg. Da diese tierischen Fette unangenehm riechen, muss den Seifen viel künstliches Parfum beigesetzt werden, das nur noch sehr entfernte Verwandtschaft mit echten ätherischen Ölen genießt. Da dieser Vorgang nicht gerade Lust aufs Waschen macht, werden moderne Flüssigseifen aus synthetisch hergestellten Stoffen, sogenannten Detergenzien, hergestellt, die die tierischen Fette ersetzen. Daher werden diese Seifen auch als Syndets bezeichnet. Syndets bilden durch Tenside ihren starken Schaum. Zu diesen oft austrocknenden Tensiden gesellen sich bei herkömmlichen Seifen oft auch noch Silikone und Konservierungsstoffe. Keiner dieser Inhaltsstoffe ist tatsächlich empfehlenswert für deine Haut.

Wofür kann ich Naturseifen anwenden?

Naturseifen verwendest du gut und gerne zur Haar- und Körperpflege, aber auch im Haushalt oder für die Wäsche. Einige Naturseifen sind sogar speziell für die Haarwäsche konzipiert. Aber auch Seifen für deinen Vierbeiner sind auf dem Markt erhältlich. Durch Mischverseifung (Verseifung unter der Zugabe von Natrium und Kalium) entsteht eine stärker schäumende Naturseife, die beispielsweise für die Rasur geeignet ist. Naturseifen lassen sich aber auch im Haushalt vielfältig anwenden. Dazu empfiehlt sich besonders Kernseife.

Wie wende ich Naturseife richtig an?

Eine fertig „gereifte“ Seife hat bereits den richtigen pH-Wert und du musst bei der normalen Handwäsche nicht viel beachten. Bei Kernseife solltest du mit dem alltäglichen Gebrauch, wie bereits beschrieben, etwas vorsichtiger sein.

Manche Naturseifen haben einen höheren Rückfettungsgrad und eignen sich besonders gut zur täglichen Handwäsche und auch für den ganzen Körper. Der Anteil an Fetten und Ölen kann vor der Herstellung berechnet werden, um sicherzugehen, dass die fertige Seife einen Fettüberschuss aufweisen wird.

Die meisten Seifensieder arbeiten mit einem Überfettungsanteil von 3 % bis 10 %. Spezielle Peelingseifen weisen sogar einen Fettanteil von 15 % auf. Peelingseifen werden oft gröbere Stückchen von Kaffeesplittern, Rosmarin, Thymian, Meersalz, geriebene Schalen, Samen, Nüssen oder Orangen zur Hautstraffung hinzugegeben. Generell gilt, dass ein hoher Fettanteil die Haltbarkeit deiner Naturseife verringert. Besonders Seifen auf Olivenölbasis sind sehr empfehlenswert und auch für Babys verträglich.
Eine weitere Möglichkeit, Naturseife zu einem richtigen Pflegeprodukt zu machen, ist die Zugabe von Stutenmilch, Schafmilch oder Lanolin (Schafwollfett).

Bei der Herstellung von Rasierseifen und Haarseifen wird auf eine hohe Überfettung verzichtet. Bei diesen kosmetischen Anwendungen eignet sich ein Fettüberschuss von 2 % bis 5 %.

Ein Klassiker unter den Naturseifen ist die Alepposeife. Bis heute wird sie nach einer uralten Rezeptur auf die gleiche Art und mit denselben Zutaten hergestellt. Alepposeife besteht aus Olivenöl und Lorbeeröl. Kein Palmöl, keine synthetischen Stoffe, kein seltsamer Geruch, keine Nebenwirkungen. Alepposeife eignet sich zur Körperwäsche ebenso wie zur Handwäsche. Einige Blogger sind auch der Meinung, dass sie sich sogar für die Haarwäsche eignet.

Wenn du Naturseifen auf Reisen oder zuhause im Haushalt verwenden möchtest, solltest du hierfür ebenfalls auf Seifen mit einem geringen Fettüberschuss zurückgreifen. Hier eignen sich vor allem Kernseifen. Ich finde allerdings, dass sich Teller auf Reisen direkt nach dem Essen auch mal ganz ohne Spülmittel abwaschen lassen. Bei stärkeren Verschmutzungen reicht oft schon ein wenig Naturseife auf deiner Spülbürste, anstatt ein halber Liter Spüli im Abfluss oder Abwassertank – und dann womöglich in der freien Wildbahn. Für die Verwendung von Naturseife im Haushalt ist ein wenig Weiterverarbeitung empfehlenswert. Warum sich besonders Kernseife dazu eignet, erkläre ich dir jetzt ein wenig ausführlicher.

Kernseife Spezial

Auch die berühmte Kernseife zählt zu den Naturseifen. Bei der Herstellung von Kernseife wird dem Seifenleim Salz hinzugefügt. Hierdurch tritt ein Prozess in Kraft, der als Aussalzen bezeichnet wird. Durch das Aussalzen trennen sich Stoffe wie Glycerin ab und zurück bleibt die reine Kernseife. Kernseife ist also frei von überschüssigem Fett und Zusatzstoffen. Auch werden ihr keine ätherischen Öle oder Farbstoffe hinzugefügt, was sie besonders für Allergiker sehr verträglich macht. Kernseife ist aufgrund ihres Herstellungsprozesses härter als andere Seifen und hält sich länger. Zur regelmäßigen Hautpflege ist sie aber durch ihre fehlenden Fettanteile weniger gut geeignet. Kernseife ist weitaus alkalischer als andere Naturseifen, was ihr eine hohe Reinigungswirkung verleiht.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings für Veganer und streng genommen auch für Vegetarier: Kernseife wird traditionell aus tierischen Fetten hergestellt. Nicht gerade erfreulich ist außerdem, dass vegane kommerzielle Varianten heutzutage in den meisten Fällen aus Palmöl hergestellt werden. Durch die weltweit hohe Nachfrage an Palmöl schadet der kommerzielle Anbau von Palmöl den Anbauländern und unserem Planeten. Beim Kauf von Kernseife solltest du auf diese beiden Faktoren achten. Du kannst vegane Kernseife auf Basis von biologisch angebautem Palmöl finden. Es gibt sogar kleine Manufakturen, die es ganz ohne Palmöl versuchen. Eine davon ist die griechische Firma Patounis, die eine vegane Kernseife aus Oliventresteröl herstellt und dabei komplett auf Konservierungs-, Farb- und Dufstoffe verzichtet.

Einsatzgebiete von Kernseife

Jetzt weißt du, was Kernseife allgemein von Naturseifen unterscheidet. Wofür aber eignet sich Kernseife besonders gut?

  • Klar, Kernseife eignet sich für die Handwäsche. Speziell aber für hartnäckige Verschmutzungen, zum Beispiel nach der Werkstattarbeit oder nach dem Streichen.
  • Kernseife eignet sich durch ihre entfettenden Eigenschaften besonders für die Behandlung von Pickeln. Sie raubt diesen Plagegeistern durch Fettentzug den Nährboden. Einfach trocken auf die entsprechende Stelle reiben.
  • Zur Entfernung von starker Hornhaut ist ein Fußbad mit Kernseife sehr empfehlenswert.
  • Falls du dich beim Tomatensoße-Kochen im Camper einmal bekleckert hast, kannst du Kernseife wunderbar zur Vorbehandlung von Flecken verwenden.
  • Kernseife eignet sich außerdem zur Herstellung von richtigem Waschmittel und sogar für Spülmittel. Hierzu muss der rohe Seifenblock allerdings noch weiterverarbeitet werden. Die meisten Rezepte für selbstgemachtes Wasch- und Spülmittel empfehlen dir die Hinzugabe von Natron oder Soda und ätherischen Ölen. Probiere es doch auf der nächsten Tour einfach mal aus.
  • Mit ein wenig Vorbereitung kannst du wunderbar deine eigenen selbstgemachten Feuchttücher auf Reisen mitnehmen. Du gibst alten Stoffresten destilliertes Wasser, Kokosöl und Kernseife hinzu, verstaust diese Mischung in einem verschließbaren Behälter und so sind deine Feuchttücher sogar wiederverwendbar.
  • Das nächste Anwendungsgebiet, das ich dir vorschlagen möchte, braucht etwas Mut und ist womöglich Geschmackssache: Zähneputzen mit Kernseife. Im nächsten Absatz kannst du von meinem Selbstversuch lesen.

Selbstversuch Zähneputzen mit Kernseife

Sich den Mund mit Seife auswaschen? Ist das nicht eine von diesen althergebrachten und verschrobenen Erziehungsmethoden aus längst vergangenen Zeiten? Bei meiner Recherche zu diesem Artikel bin ich aber genau darauf gestoßen: Die eigenen Zähne mit Kernseife putzen! Tatsächlich empfehlen einige Selbstversorger-Blogs diese Methode.

Das klingt unglaublich und vor allem unglaublich ekelhaft. Ich habe mich aber durchgerungen. Dieses Vorgehen wollte ich dir nicht weiterempfehlen, wenn beim nächsten Campingurlaub die Zahnpasta leer ist, ohne es selbst ausprobiert zu haben. Also habe ich es getan.

Zur Vorbereitung braucht es nichts, außer die eigene Zahnbürste, ein wenig Wasser und natürlich Kernseife. Mit der Zahnbürste schrubbe ich ein paar Mal über den Seifenblock. Meine arme Zahnbürste! Und jetzt bin ich selbst dran… was soll’s, Augen zu und ab dafür in den Mund. Bloß nichts runterschlucken. Der ekelhafte Seifengeschmack bleibt vorerst aus und stattdessen fühlt sich die Seife weich im Mund an. Nach ein paar Sekunden putzen, fängt es mächtig an zu schäumen. Jetzt kommt auch der typische Geruch von Kernseife in Form von Geschmack in meinem Mund und beim Ausatmen in der Nase dazu. Ich putze weiter und versuche nicht darüber nachzudenken.

Wirklich schlimm ist es irgendwie nicht. Ausspucken, ordentlich mit Wasser den Mund ausspülen, fertig. Tatsächlich fühlt sich mein Mund frisch an, auch wenn ich den minzigen Geschmack nach dem Zähneputzen etwas vermisse. Sofort denke ich darüber nach, eine Kernseife mit Minzöl herzustellen. Meine Zähne glänzen und der Mund fühlt sich weich an. Ein bisschen kernseifig schmeckt es noch, aber eklig ist nun wirklich anders. Ja, ich würde es wieder tun! Kernseife ist nicht meine neue Lieblingszahnpasta, aber jetzt weiß ich, dass es geht und was zu tun ist, wenn die Zahnpasta unterwegs einmal leer sein sollte.

Ganz so einfach ist der Naturseifenminimalismus also doch nicht. Zusammenfassend habe ich folgendes Fazit: Für die Körperwäsche benötigst du eine stärker fettende Seife, für die Haarwäsche und die Rasur eine weniger fettende Seife und für den Haushalt eine, die gar keinen Fettüberschuss aufweist. Womöglich möchtest du auch auf ein wenig Wellness im Urlaub nicht verzichten und packst dir noch eine Peelingseife ein. Realistisch gesehen kannst du aber mit einer Haar- und Körperseife und einer Haushaltsseife wunderbar Urlaub machen. Ich habe unterwegs auch schon Reisende getroffen, die alles mit einer Seife erledigen und damit total glücklich sind. Als Creme nach der Wäsche eignen sich ein paar Tropfen einfaches Oliven-, oder Kokosöl aus der Küche – ganz ohne merkwürdige Nebenwirkungen, künstlichen Geruch und Plastikmüll. Naturseife ist in meinen Augen eine Bereicherung für das Reisen.

Kann ich Naturseifen auch zum Duschen/Baden draußen verwenden?

Diese Frage stellt sich sofort, wenn wir über Naturseifen nachdenken und die Antwort ist nicht schwer: Ja, das geht, allerdings solltest du darauf achten, nicht gleich jeden Goldfisch in dem Teich miteinzuseifen, in dem du dich wäscht. Gehe sorgsam vor und achte beim Kauf darauf, dass die Seife wirklich nur biologisch abbaubare Stoffe enthält.

Worauf sollte ich beim Kauf von Naturseifen sonst noch achten?

Beim Kauf von Naturseifen kannst du auf einige Kleinigkeiten achten, um sicherzustellen, dass du auch das bekommst, nach dem du suchst: Natur pur ohne böse Überraschungen. Es gibt einige Zertifikate, die garantieren, dass in einer Naturseife keine synthetischen Inhaltsstoffe zu finden sind. Diese Naturkosmetiksiegel sind beispielsweise: BDIH, Nature oder Ecocert. Eine Empfehlung kann ich dir aber auch für den Kauf von Seifen bei kleinen Herstellern aussprechen. Hier findest du zwar meist keine Zertifikate, dafür aber greifbare Ansprechpartner.

Sieh dir die Inhaltsstoffe von Naturseifen in jedem Fall an. Achte darauf, dass deine neue Naturseife kein Palmfett und keine Paraffine enthält. Auch um eine endlos lange Zutatenliste solltest du einen großen Bogen machen. Die meisten dieser Zutaten sind völlig unnötig und schaden deiner Haut und der Umwelt. Achte außerdem darauf, dass die verwendeten Öle und Kräuter aus kontrolliert biologischem Anbau stammen.

VorteileNachteile
  • Das Schöne an Naturseifen ist, dass sie keine chemischen Substanzen wie Silikone, Parabene, Tenside, Konservierungsstoffe oder Emulgatoren enthalten. Somit sind Naturseifen besser für die Umwelt und was der Umwelt nicht schadet, verträgt auch deine Haut. Außerdem enthalten die meisten Naturseifen keine tierischen Fette aus fragwürdiger Herkunft.
  • Feste Seife ist gut für die Haut, auch wenn einige Menschen glauben, sie müssten flüssige Duschgels verwenden, da der pH-Wert von normalen Seifen zu hoch für ihre Haut sei. Unter der Dusche vermischt sich die Seife aber mit Wasser und so musst du keine Bedenken haben. Flüssige Duschgels fühlen sich zwar öliger an, allerdings ist eine gute und rückfettende Naturseife ebenso nett zu deiner Haut und noch viel netter zur Umwelt. Allein schon deshalb, weil sie nicht in einer Plastiktube wohnt. Somit sind Naturseifen im Gegensatz zu Duschgels auch Erdölfrei, denn Erdöl lässt sich glücklicherweise nicht verseifen – aber zu Plastik verarbeiten. Übrigens musst du auch keine Bedenken um Mikroplastik haben, wenn du Naturseifen verwendest.
  • Obwohl eine Naturseife auf den ersten Blick etwas teurer ist als ein Duschgel, sparst du mit der Verwendung von Naturseifen trotzdem ziemlich viel Geld, wenn du es auf einige Jahre hochrechnest. Du verwendest nämlich viel weniger Seife, somit hält dein Seifenstück extrem viel länger als eine Duschgeltube. Außerdem greifst du mit einer sparsamen Waschmethode den Säureschutzmantel deiner Haut nicht durch Überdosierung an. Gerade Menschen, die zu Neurodermitis neigen, sollten daher feste Seife verwenden.
  • Manche Menschen munkeln, dass feste Seifen weniger hygienisch seien, da sie jeder am Waschbecken in die Hand nimmt. Allerdings haben Viren und Bakterien auf einem Seifenstück überhaupt keine Chance, auf einem Pumpenspender aus Plastik hingegen schon.
  • Auf Reisen kannst du mit einer festen Naturseife besonders punkten, denn diese läuft im Gepäck garantiert nicht aus.
  • Außerdem kannst du Naturseifen auch mal draußen verwenden, da ihre Inhaltsstoffe biologisch abbaubar sind. In industriell hergestellten Waschmitteln finden sich häufig Duftstoffe, Tenside, Farbstoffe, Konservierungsstoffe und andere kleine Quälgeister.
  • Vielleicht spielt für dich nicht nur der eigene Geldbeutel, sondern auch die Natur und womöglich sogar noch die ethischen und sozialen Aspekte eine Rolle? Bei Naturseifen aus kleinen Manufakturen hast du die größte Gewissheit, dass alles stimmt!
  • Viele Menschen greifen zu den herkömmlichen Duschgels, Shampoos, Wasch- und Spülmitteln, da die Verpackungen vielversprechende Aussagen machen. Ich habe schon vieles im Drogeriemarkt entdeckt, was die Haarwäsche mir scheinbar bescheren möchte: Lebensfreude, Glück und Wohlbefinden. Vielleicht ja bald noch Reichtum und ewiges Leben? Versprechen tätigen die meisten Naturseifen nicht, deswegen haben sie es schwerer, sind aber ehrlicher.
  • Auch bei Naturseifen genügt den meisten Menschen nicht eine einzige Seife für Körper, Haare und Haushalt. Dies würde ich jedoch nicht als Nachteil sehen, denn ohne die Verwendung von Naturseifen nutzen wir Menschen noch viel mehr verschiedene Mittelchen: Spülmittel, Waschmittel, Putzmittel, Gesichtswasser, Duschgel, Rasiergel, Shampoo, Peeling, Abschminkwasser, Zahnpasta und vieles Mehr. All das ersetzt du mit ein bis drei Seifenstückchen vollkommen.
  • Für viele Menschen sind Naturseifen zur Haarpflege gewöhnungsbedürftig. Ich habe selbst in einigen Versuchen alternative Haarwaschmittel getestet und bin noch nicht mit den Ergebnissen zufrieden. Ich werde weiter forschen! Bei gefärbtem Haar ist die Anwendung von Haarseife nicht zu empfehlen, da die Farbe dann schneller auswaschen kann. Das gilt aber nicht für blondiertes Haar. Wenn du deine Haare mit Haarseife und sehr kalkhaltigem Wasser wäscht, solltest du mit Zitronensaft oder Essig nachspülen, damit kein gräulicher Kalkschleier auf deinem Haar zurückbleibt.
  • Manche Naturseifen haben einen sehr geringen Überfettungsgrad und trocknen die Haut aus. Nutze für die Körperwäsche lieber Naturseifen mit höherem Fettanteil.
  • Die Nutzung im Haushalt braucht ein wenig mehr Vorbereitung und Übung. Wenn du bei der Herstellung vom Spülmittel oder Ähnlichem aber ein wenig ätherisches Öl verwendest, duftet alles frisch und du wirst bald merken, dass du den Geruch von künstlichen Waschmitteln und Parfums nicht mehr so gerne riechst.
  • Naturseifen sind nicht in jedem Supermarkt erhältlich.
  • Mein Fazit zu Naturseifen

    Schlussendlich kann ich dir empfehlen: Probiere es aus und vielleicht kannst du dein eigenes Leben und deine Reisen ein wenig einfacher und umweltfreundlicher machen. Ich verwende seit Jahren gerne Naturseifen, vor allem unterwegs. Besorge dir ein hübsches Metalldöschen, das im besten Fall nicht rostet und gebe diesem Döschen einen zentralen Platz in deinem Camper. So machst du dir den Einstieg zum Umstieg leichter. In der Dusche zuhause ist eine hochwertige Naturseife auf einem hübschen Tellerchen außerdem sehr dekorativ. Womöglich ist nicht jede der Anwendungen das Richtige für dich, aber mit ein wenig Forschung findest du bald deine ganz eigenen Methoden. Es lohnt sich!

    Fotos: (c) Geraldine Schüle

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