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Camping und Reisen mit Behinderung: Hürden abbauen und Bewusstsein schaffen

Camping und Reisen mit Behinderung: Hürden abbauen und Bewusstsein schaffen

Camping mit Handicap – (k)ein Tabuthema

Behinderungen oder Einschränkungen in der Beweglichkeit können jeden treffen – dich, mich, deine Kinder, heute, morgen oder nächste Woche. Durch eine angeborene Fehlbildung, einen Verkehrsunfall, eine Erkrankung oder aus Altersgründen. Und was dann?

Eines ist sicher: Für Menschen mit Handicap gibt es auch heute noch eine Riesenmenge an unnötigen Alltagshindernissen, die endlich abgebaut werden müssen. Auch und gerade im Bereich Camping und Reisen.

Wir beschäftigen uns bei CamperStyle schon seit Längerem mit mit der Thematik und haben dabei immer wieder festgestellt, dass die Campingbranche in punkto Barrierefreiheit leider etwas hinterherhinkt. Deshalb haben wir uns entschieden, dem Thema „Campen mit Handicap“ in unserem Magazin eine eigene neue Kategorie zu widmen.

Warum eine Artikelserie zu diesem Thema?

Um dem Camping und Reisen mit Handicap mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wird es in den nächsten Wochen eine mehrteilige Artikelserie geben. Hier möchte ich Informationen und Tipps für Betroffene sammeln, aber auch dazu beitragen, dass Mitcamper ohne Behinderung sowie Platzbetreiber, Fahrzeughersteller und Zulieferer für das Thema sensibilisiert werden – denn Barrierefreiheit beginnt im Kopf. Dich erwartet also eine Reihe spannender Beiträge – von barrierefreien Fahrzeugen und Campingplätzen bis hin zu Geschichten aus dem Camperalltag mit Handicap.

Bewusstsein schaffen und Hürden abbauen

Ich gebe zu, während der Recherche zu der Artikelserie, ist mir das Thema ans Herz gewachsen. Ich habe mit Betroffenen, Partnern und Eltern gesprochen und nach den wichtigsten Problematiken gefragt.

Bei den ganzen Erfahrungen und Geschichten, die mir berichtet wurden und von denen ich gelesen habe, ist mir eines ganz deutlich bewusst geworden: Obwohl jeder von uns vielleicht direkt oder indirekt irgendwann in eine solche Situation kommen könnte, wird kaum darüber gesprochen oder nachgedacht. Wir nehmen es einfach hin, dass viele unserer Mitmenschen keinen Zugang zu bestimmten Orten und Einrichtungen haben.

In unserem Team ist niemand selbst betroffen, doch wir wollen, dass auch unsere Camperkollegen mit Handicap schöne, sorglose Reisen unternehmen und möglichst selbstbestimmt ihre Urlaube genießen können. Und wir haben das Glück, dass uns jede Menge Menschen in dieser Herzensangelegenheit unterstützen und sich bereit erklärt haben, uns für Interviews, Beratungen und Umfragen zur Verfügung zu stehen.

Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die mir nicht nur mit Rat und Tat, sondern auch mit großer Offenheit bei der Erstellung meiner Artikel geholfen haben!

Ein großes Manko: Fehlende Barrierefreiheit im Alltag

Ein Spaziergang am Strand, eine Wanderung über Stock und Stein, eine Fahrt mit der Straßenbahn oder der Kirchenzugang über ein große Freitreppe – all diese mehr oder wenig großen Hindernisse überwinden wir im Alltag spielerisch und ohne drüber nachzudenken. Aber was ist mit den Menschen, für die das nicht möglich ist?

Seit ich häufiger alleine mit dem Kinderwagen unterwegs bin, fallen mir viele Dinge auf, über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht hatte. Es gibt jede Menge (Alltags-)Situationen, in denen ich auf Hilfe angewiesen bin oder Angebote, auf die ich ganz verzichten muss, da sie nicht barrierefrei sind.

Wenn ich wieder einmal vor einem Hindernis stehe – und davon gibt es unglaublich viele – frage ich mich häufig: „Wie machen das bloß Rollstuhlfahrer?“. Ich stelle mir das nicht einfach vor, wenn man andere um Hilfe bitten muss, weil irgendein ignoranter Straßen- oder Gebäudeplaner nicht an abgesenkte Bürgersteige gedacht hat oder der Zutritt zum Restaurant aufgrund fehlendem barrierefreiem Zugang verwehrt bleibt.

Und ich frage mich: „Wenn es im Alltag schon so zahlreiche Hindernisse gibt, wie ist das dann unterwegs auf Reisen?“

Funktioniert Camping und Reisen mit Behinderung?

Es gibt zwar viele kleine Ansätze, barrierefreies Campen und Reisen zu ermöglichen, jedoch finden sich dazu keine durchgängigen Konzepte, keine einheitlichen Ansätze und keine allgemein gültigen Vorschriften – was das Reisen mit Handicap nach wie vor stark beeinträchtigt.

Klar ist natürlich, dass bei den vielen unterschiedlichen und teils sehr individuellen Arten von Behinderungen und Bedürfnissen kein Patentrezept existieren kann, mit dem alle Probleme auf einen Schlag gelöst werden. Doch der Abbau von Barrieren wie Treppen, Schwellen oder Stolperfallen ist für jede Form der körperlichen Einschränkung essenziell wichtig – und hilft übrigens nicht nur Menschen mit Handicap, sondern auch Senioren oder kleineren Kindern dabei, ihren Alltag selbstbestimmt leben zu können!

Viele unterschiedliche Arten von Behinderungen

Behinderungen führen fast immer zu Einschränkungen – und wie Ralf von Reisemobil-handicap.de ganz richtig ausdrückt: „Nichtbehindert zu sein, ist ein Geschenk“. Auch können Handicaps ganz unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen haben.

Manche Behinderungen sind sichtbar, von anderen bekommen die Mitmenschen (auf den ersten Blick) nicht viel mit. Nicht jeder Behinderte sitzt in einem Rollstuhl und nicht nur Rollstuhlfahrer benötigen barrierefreie Reiseziele!

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Behinderungen: von körperlichen und geistigen Behinderungen über Seh-, Sprach- und Hörprobleme, Down-Syndrom, Autismus, Spastik, Multiple Sklerose und vieles mehr. Jede Behinderung hat unterschiedliche Auswirkungen und Bedürfnisse. So wird bei einer körperlichen Behinderung in der Regel eine Art Hilfsmittel benötigt. Dieses können sein: Rollstühle, Rollatoren, Krücken oder ein Gehstock. Andere Menschen mit Behinderung sind auf Medikamente oder externe Apparate wie Sauerstoff- oder Dialysegeräte angewiesen.

Trotzdem können die betroffenen Menschen – je nach Grad der Behinderung – in den meisten Fällen reisen und campen. Es müssen dafür allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt werden.

Unterschiedliche Konzepte: rollstuhlfreundlich – barrierefrei – behindertengerecht

Wenn man die Beschreibungen zu Reisezielen, Einrichtungen und Freizeitangeboten liest, tauchen immer wieder Wörter, wie „rollstuhlfreundlich“, „barrierefrei“ und „behindertengerecht“ auf. Hier ist es wichtig zu wissen, dass eigentlich nur die Bezeichnung „barrierefrei“ wirklich aussagekräftig ist.

Denn nur der Zustand einer Barrierefreiheit bezeichnet eine leichte Zugänglichkeit und ist an gesetzliche Bestimmungen geknüpft. „Rollstuhlfreundlich“ und „behindertengerecht“ wird zunehmend ungebräuchlicher, da mit diesen Bezeichnungen keine umfassende Zugänglichkeit bzw. Benutzbarkeit für alle Menschen bezeichnet werden kann. (Quelle: Wikipedia)

Die Barrierefreiheit wird durch das deutsche Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) geregelt. Hier ist genau festgelegt, welche Voraussetzungen vorhanden sein müssen, um die Bezeichnung „barrierefrei“ tragen zu dürfen.

§4: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen, sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig.“
(Quelle: Bundesministerium für Verbraucherschutz)

Leider ist die Barrierefreiheit noch keine gesetzliche Vorgabe, deshalb können viele Einrichtungen, Campingplätze & Co. selbst entscheiden, ob sie Barrierefreiheit anbieten möchten oder nicht.

Camping ist eine praktische Urlaubsform für Menschen mit Handicap

Beim Camping ist man flexibel, relativ unabhängig und kann seinen Tag selbst gestalten. Das finden wir alle großartig, aber gerade auch für Menschen mit Behinderung ist diese Reiseart eine tolle Alternative.

„Camping bietet einige Vorteile und wesentlich mehr Privatsphäre als zum Beispiel ein Hotel. Auf einem Campingplatz kann sich jeder Gast individuell in seinen vier Wänden aufhalten und seinem (gewohnten) Alltag nachgehen. In einem Hotel sind Urlauber meist an bestimmte Regeln und Zeitfenster gebunden, wie zum Beispiel zu vorgegebenen Zeiten in angemessener Kleidung zum Essen gehen zu müssen“, berichtet Georg, der Administrator der Facebookgruppe „Camping mit Handicap …(das Original)“.

Auch Gruppenmitglied Rosi bestätigt, dass die Kombination Barrierefreiheit und Hund in Hotels eher selten möglich oder sehr kostenintensiv ist. Gleiches gilt für Ferienhäuser oder Ferienwohnungen, die beide Kriterien erfüllen.

Herausforderungen im Camping- und Reisealltag

Die Herausforderungen, mit denen Menschen mit Handicap im Camping- und Reisealltag konfrontiert sind, sind zahlreich und ganz unterschiedlicher Art. Das ist auf Reisen eigentlich nicht viel anders im gewohnten Umfeld, wo es leider ebenfalls immer wieder Hürden zu überwinden gibt.

Unfassbar fand ich persönlich allerdings, dass selbst auf konkrete Nachfrage bei den Campingplätzen und Hotels nicht selten falsche Angaben bezüglich der Barrierefreiheit gemacht werden. Von diesen Fällen haben mir gleich mehrere Betroffene berichtet. Vermutlich liegt das auch am mangelnden Bewusstsein darüber, was Reisende mit Handicap wirklich brauchen.

Die größten Herausforderungen stellen folgende Punkte dar:

Sanitäranlagen

Die Sanitäranlagen sind häufig nicht für jede Art von Behinderung angelegt bzw. ausgestattet. Gerade auf einfachen Campingplätzen unter 3 oder 4 Sternen seien behindertengerechte Bäder nur sehr, sehr selten zu finden, erklärt Rosi.

Optimalerweise sollten die Sanitäranlagen geräumig, barrierefrei, beheizt und mit Handgriffen ausgestattet sein. Ein weiteres Plus wäre es, wenn die Räume nur mit einem separaten Schlüssel zugänglich wären. Da viele Sanitäranlagen öffentlich zugänglich sind, wird der Platz gerne von Nicht-Behinderten genutzt oder häufig sogar willkürlich beschädigt.

Ein positives Beispiel ist das Euroschlüssel Projekt des CBF Darmstadt. Hier werden gegen eine geringe Gebühr Euroschlüssel an Betroffene vergeben. Mit diesem einheitlichen Schlüssel können kostenlos bestimmte behindertengerechte Sanitäranlagen aufgeschlossen werden. Inzwischen passt der Schlüssel für über 12.000 Schlösser in ganz Europa.

Im Idealfall befinden sich Behindertenparkplätze – oder auf Campingplätzen die Stellplätze – in unmittelbarer Nähe der entsprechenden Sanitäranlagen, damit der Weg für Menschen mit Handicap nicht so weit ist. Leider ist auch das eher eine Seltenheit, wie mir mehrere Betroffene schildern.

Ebenso wäre es wünschenswert, wenn sich Menschen mit Behinderung wenigstens auf die Touristeninformationen verlassen könnten, doch selbst diese halten häufig keine Behindertentoilette vor.

Behindertenparkplätze

Ausgewiesene Behindertenparkplätze sind für Menschen mit Schwerbehinderung eine große Hilfe. Leider ist die Beschilderung nicht immer eindeutig, teils werden auch Schilder überklebt, die Farbe der verblichenen Bodenmarkierungen nicht erneuert oder ignorante nicht-behinderte Mitbürger „übersehen“ die Schilder einfach. So kommt es nicht selten vor, dass Parkplätze unberechtigt in Beschlag genommen werden und Betroffene auf Nachfrage dann zu hören bekommen: „Ich war nur kurz auf´m Klo“. Das ist definitiv nicht Sinn der Behindertenparkplätze!

Aber selbst wenn die Parkregelung eingehalten wird und besagte Plätze frei sind, sind die Behindertenparkplätze häufig nicht richtig durchdacht. Immer wieder kann man beobachten, dass die Parklücken nicht breit genug sind. Oder dass der Bordstein vor dem Behindertenparkplatz nicht abgesenkt ist – so muss die betroffene Person zunächst am Auto vorbei über die Fahrbahn, um von dort wieder auf den Gehsteig zu kommen, schildert Martin von Randgruppenexpress.de das Problem.

Allgemeine Barrierefreiheit auf dem Campingplatz

Ein großes Thema ist natürlich auch die Barrierefreiheit auf dem übrigen Platz – hier gibt es zum Teil starke Steigungen und Treppen, die für Menschen mit Behinderungen und Bewegungseinschränkungen ein großes Hindernis darstellen. Auch die Stellplätze selbst sind oftmals nicht befestigt und die Wege daher mit einem Rollstuhl nicht befahrbar.

Auf manche Plätzen sind die Rezeption und der dazugehörige Supermakt oder auch die Touristeninformation nicht barrierefrei zu erreichen – du kannst dir vorstellen, dass das Reisen in so einer Situation nicht sehr entspannt ist.

Und natürlich ist auch in jedem Urlaub gerade für Rollstuhlfahrer das Thema Bordsteine ein Problem. Wenn der Gehsteig nicht abgesenkt ist, sind die meisten Rollstuhlfahrer auf Hilfe angewiesen. Ebenso, wenn es sich um nicht barrierefreie Zugänge handelt, also keine Rampe zur Verfügung steht.

Wege auf den Campingplätzen oder am Hotel

Campingplätze, Stellplätze und Hotelanlagen sind oft mit einem Netz aus Kies- oder Sandwegen angelegt. Das mag vielleicht schön aussehen und eine günstige Lösung sein, jedoch kann sich jeder vorstellen, wie unpraktisch dies für Rollstuhlfahrer ist. Gleiches gilt für größere Grasflächen – vor allem bei nassem Wetter können sie kaum noch mit dem Rolli befahren werden.

Zugang zum Wasser und Wellnessbereich

Es gibt zahlreiche Campingplätze, die sehr schön an einem See oder Meer gelegen sind oder sogar einen Pool oder Wellnessbereich anbieten. Der Großteil der befragten Camper mit Handicap berichtet allerdings, dass diese Plätze für sie nur selten in Frage kommen, da der Zugang zum Wasser oder Wellnessbereich meist nicht barrierefrei ist.

Auf einigen Plätzen wird zwar ein barrierefreier Meerzugang angeboten, in der Realität sieht das dann allerdings anders aus: die ins Wasser führende Rampe ist (trotz Hilfe) viel zu steil, es gibt scharfe, große Steine am Meeresgrund oder der Wasserspiegel ist nach der Rampe viel zu niedrig“, erklärt mir Claudia, ebenfalls Mitglied der aktiven Facebook-Community „Camper mit Handicap“. Da die Verletzungsgefahr viel zu hoch ist, muss das Baden in solchen Fällen leider ausfallen.

Besonders Rollstuhlfahrer haben in vielen Fällen einen erhöhten Wärmebedarf und würden gerne den Wellnessbereich und die Sauna nutzen. Leider ist auch der Schwimm-, Sauna- und Wellnessbereich in nur ganz wenigen Fällen barrierefrei und behindertengerecht und / oder es fehlt der behindertengerechte Wasserzugang, wie mir Petra berichtet. Claudia ergänzt, dass sie beispielsweise viele Campingplätze in Österreich angeschrieben hat, die mit Wellness und Sauna werben. Auf keinem einzigen der Plätze ist der Saunabereich jedoch mit Rolli zu erreichen. Auch an diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig es ist, endlich über echte Inklusion zu diskutieren.

Planung

Das A und O für einen Urlaub mit Handicap ist die Planung. Dass die Betroffenen sich hier sehr intensiv einarbeiten müssen, wird schnell klar. Ralf von Reisemobil-Handicap antwortet auf die Frage nach seinen Herausforderungen im Campingalltag: „Ich plane so, dass es (fast) keine Herausforderungen gibt.“ Und auch Camperin Sylvie berichtet, dass sie sich im Vorfeld umfassend informieren und den Urlaubsort dementsprechend aussuchen muss. Wieder andere Reisemobilisten mit Handicap können sich den Campingplatz erst vor Ort anschauen, um herauszufinden, ob er für ihre Bedürfnisse passend ausgestattet ist. Ein riesiger Aufwand für ein paar schöne Urlaubstage!

Stellplätze

Auf den meisten einfachen Campingplätze, aber auch teilweise auf den größeren, teuren Plätzen sind häufig naturbelassene Stellplätze zu finden. Das mag schön aussehen, für Behinderte ist das leider ein großer Minuspunkt. Ebenso tritt häufig das Problem auf, dass die Stellplätze uneben angelegt sind oder Löcher aufweisen – besonders für Rollstuhlfahrer, aber ebenso für Gehbehinderte oder Senioren sehr unpraktisch.

Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln

Auch der Zugang zu Bus und Bahn ist häufig erschwert, da es zu viele Barrieren gibt. Das Erkunden der Umgebung auf eigene Faust wird dadurch um einiges erschwert oder gar unmöglich gemacht.

Mitmenschen

Die Hilfsbereitschaft der Mitcamper lässt leider nach und Camper mit Handicap können sich nicht mehr auf Hilfe verlassen. Das ist einer der Gründe, weshalb Georg in seinem Wohnwagen inzwischen einen Rangierantrieb verbaut hat, so dass er selbständig ein und ausparken kann. Auch ein Vorzelt lässt Camper mit einer Behinderung schnell an ihre Grenzen stoßen. Das Modell muss möglichst einfach und schnell aufzubauen sein, ansonsten muss eine Markise ausreichen.

Wünsche an Mitcamper

Das Zusammenleben mit den Campingnachbarn kann ebenfalls eine Herausforderung darstellen, deshalb haben mir die Interviewten auch ein paar Wünsche an ihre Camperkollegen mit auf den Weg gegeben:

Ganz allgemein wünschen sich alle Befragten ein freundliches Miteinander sowie mehr Akzeptanz, Hilfsbereitschaft und vor allem Toleranz„Wir sind alle nur Menschen und niemand hat es verdient, von oben herab behandelt zu werden“, erklärt Martin bestimmt.

Auch Werner und Marion, Betreiberin der Seite Marionbender.com gehen mit ihren Aussagen in diese Richtung: „Die oft gelobte Solidarität und Toleranz unter Campern vermissen wir leider an vielen Stellen. Camper mit Handicap sind wohl zu selten um diese dann als selbstverständlich zu betrachten. Leider sind schon wir oft auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen.“

Hilfsbereitschaft sollte allerdings nicht mit Aufdringlichkeit verwechselt werden. Wie Martin erklärt, sollte man zum Beispiel Rollstuhlfahrer*innen immer erst fragen, bevor man den Rollstuhl anfasst – und das bitte möglichst von vorne. Es sei zwar vielleicht nett gemeint, aber die im Rollstuhl sitzende Person erschrecke sich verständlicherweise, wenn jemand ohne Vorwarnung den Rollstuhl anschiebe.

Abgesehen davon zählt ein Rollstuhl immer zum Intimbereich der bewegungseingeschränkten Person. Deshalb sollte man immer kurz vorfühlen und bitte nicht beleidigt sein, wenn die Hilfe aus welchen Gründen auch immer ablehnt.

Und Werner appelliert an Senioren ohne Bewegungseinschränkugnen, bitte nicht die Behindertenbäder oder -parkplätze zu blockieren, sondern diesen Platz für Behinderte frei zu lassen.

Ich weiß, das war jetzt viel Input – vor allem für Leser, die sich mit dem Thema bisher noch nicht näher beschäftigt haben. Ich freue mich, dass du bis zu dieser Stelle „durchgehalten“ hast und hoffe, dass auch zahlreiche Nichtbehinderte die Artikelserie weiter mitverfolgen werden!

In Kürze folgt der nächste Teil mit weiteren Erfahrungen, Tipps und Infos!

Danksagung

Ich habe intensiv im Internet recherchiert und mich unter anderem in der Facebookgruppe „Camping mit Handicap …(das Original)“ umgehört. Die Informationen waren sehr vielseitig, spannend und in vielen Punkten komplett neu für mich.

Ein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle dem Administrator der Gruppe: Georg G., für die tolle Unterstützung. Vielen Dank auch an Claudia, Sylvie, Rosie, Petra, Gabi, Marion und Werner für ihren Einsatz. Desweiteren möchte ich Martin und Ralf für ihre Offenheit und die großartigen Tipps ganz herzlich danken. Ohne euch alle wäre dieser Beitrag nicht möglich gewesen!

Titelbild. (c) pressmaster / Depositphotos.com
Fotos: (c) Tanja Klose & Pixabay


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Liebt das Reisen, Schreiben und Fotografieren. Sie reist mit Partner und Tochter bevorzugt im Wohnmobil.

Lieblingsspots: Kanada & Norwegen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Liebe Tanja,
    das ist ein Klasse Start in die geplante Artikelserie – und ich kann alles nur bestätigen. Reisen mit einer Mobilitätseinschränkung bedeutet Planen, noch mehr Planen, Nachfragen, Kompromisse schließen. Aber auch: es ist möglich, es macht Spaß, es öffnet Horizonte. Natur, fremde Kultur, Geschichte, das Leben an anderen Orten auf der Welt – all dies bereichert so unglaublich. Und ich finde es wirklich toll, dass Ihr dieses Thema aufgreift und so immer mehr Menschen Mut macht, zu reisen, die Welt zu entdecken und die eigenen Grenzen weiter zu stecken! Auch im Rollstuhl kann man die Welt entdecken!

    1. Liebe Zypresse,

      herzlichen Dank für die netten Worte und das tolle Feedback.
      Ich freue mich sehr, dass das Thema so gut ankommt. Wie du schon schreibst, ist auch für mich einer der Hauptpunkte den Menschen Mut zu machen, dass Reisen durchaus möglich sind. Aber auch die Aufklärung für die Reise- und Campingbranche finde ich persönlich ganz wichtig.

      Lieben Dank und viele Grüße,
      Tanja

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