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Camping und Surfen in Portugal: Eine Lovestory?

Camping und Surfen in Portugal: Eine Lovestory?

Vanlife – ein Lebenstraum vieler Freunde und Bekannten meiner Generation. Kein Wunder: Unabhängigkeit, kein unnötiger Luxus und alle verzichtbaren Besitztümer hinter sich lassen. Das verspricht ein minimalistischer Lebensstil in der Natur, der angeblich glücklich machen soll.

Jeden Morgen mit Blick aufs Meer aufzuwachen?

Die Vorstellung könnte nicht besser sein – von der aufgehenden Sonne geweckt werden, dann erst mal einen Café auf dem Gaskocher machen und als nächstes direkt in die kalten Wellen springen, um so richtig wach zu werden.

Die Wahl fiel auf Portugal, wo ich gemeinsam mit einer guten Freundin die Küste nordwestlich von Lissabon erkunden wollte. Wir hatten uns im selben Jahr in Marokko bei einem Surftrip kennengelernt. Somit sollte auch diese Reise ganz im Zeichen des Surfens stehen und uns durch die Flexibilität mit dem Campervan viele Stunden in den Wellen ermöglichen.

Aber ob ich wirklich mit dem Verzicht auf Komfort, Privatsphäre und eigenes Klo klarkommen würde? Ein paar Zweifel, ob das wirklich gut gehen würde, hatte ich schon. Solange kannten wir uns schließlich noch nicht und in einem Bulli ist es eben einfach eng und es ist fast unmöglich sich mal eben zurückzuziehen.

Gespannt und voller Vorfreude

Bevor wir unsere Reise in Lissabon starten konnten, stand erstmal die Planung und Recherche an. Ein Urlaub im Bulli ist auch ohne eigenes Surfmobil möglich. Dabei sind den Möglichkeiten kaum Grenzen gesetzt: von Privatpersonen kannst du Vans unter anderem bei Goboony oder Yescapa mieten, während größere Unternehmen wie Indie Campers und TUI Campers moderne, luxuriöse Vans in ihrer Flotte haben. Auch kleine Portugiesische Anbieter wie Soul Campers in der Algarve sind eine gute Option.

Nachdem wir unsere Flüge für Mitte September gebucht hatten, mussten wir uns nun nur noch für einen Bus entscheiden. Letztlich buchten wir uns einen Bus bei Indie Campers, welcher sogar gegen Aufpreis mit Surfboards ausgestattet werden kann.

Als wir am 12. September 2018 in Lissabon landeten, wehte uns direkt ein warmer Wind entgegen und wir malten uns bereits unseren zweiwöchigen Trip in den buntesten Farben aus. Wir holten natürlich direkt unseren Mietvan im Indie Campers Depot in Flughafennähe ab und erkundeten zunächst einige Hotspots der portugiesischen Hauptstadt.

(Surf-)Highlights in Lissabon

Zuerst ging es in die LX Factory im Stadtteil Alcântara: Ein Künstlerquartier, das uns mit unzähligen individuellen Shops, Cafés und Restaurants beeindruckte. Anschließend fuhren wir unter dem Wahrzeichen Lissabons, der Ponte 25 de Abril, hindurch nach Belém, dem berühmten Geburtsort der Pasteis de Nata. Die Blätterteigtörtchen mit Vanille-Füllung sind super lecker und definitiv zu empfehlen. Auch die Ponte 25 de Abril kann sich nicht nur von unten sehen lassen. Die knallrote Hängebrücke über den Rio Tejo ist absolut Instagram-tauglich und erinnert stark an die Golden Gate Bridge in San Francisco.

Weiter ging es zum nächstgelegenen Surferstrand nach Carcavelos, etwa 30 Minuten von Lissabon entfernt. Praia do Carcavelos und auch die umliegenden Strände sind perfekt fürs Surfen und eine schnelle Abkühlung. Denn genau darum ging es uns: Endlich ab ins Meer!

Nach den ersten Surfversuchen – der Strand bietet sich bestens für verschiedenste Surflevels an – kehrten wir in einem der vielen Strandcafés an der Promenade ein. Mit perfekter Aussicht und einem Galão (portugiesischer Milchcafé) machten wir es uns bequem.

Wo die erste Nacht verbringen?

Nach etwas Online Recherche entschieden wir uns für den Orbitur Campingplatz in der Nähe von Praia do Guincho. Ein wirklich schöner aber nicht gerade günstiger Campingplatz.

Guincho selbst ist ein wunderschöner wilder Atlantikstrand mit atemberaubenden Sonnenuntergängen – für uns der ideale Ausklang des ersten Urlaubstages. Mit einem Glas Wein machten wir es uns auf unserer Decke gemütlich und genossen den lauen Spätsommerabend.

Am nächsten Morgen wollten wir erst mal so richtig unsere Vorräte auffüllen. Zwar ist es sicher herausfordernd, ein Sternemenü in der kleinen Campingküche zu zaubern, aber für ein paar Snacks oder Pasta-Pesto reicht es allemal.

Nach einem Großeinkauf im Supermarkt ging es zurück nach Guincho, wo tagsüber allerlei Freizeitangebote, darunter Wind- und Kitesurfen und selbstverständlich auch Wellenreiten auf dem Programm standen. Für unsere nach einem halben Jahr etwas eingerosteten Surf Skills war der Spot allerdings nicht gerade ein sanfter Wiedereinstieg. Für einen ersten entspannten Strandtag war Guincho, mit der traumhaften Kulisse aber perfekt geeignet.

Über die Küstenstraße, die von Cascais nach Sintra führt, machten wir uns auf den Weg nach Praia das Maçãs. Die Fahrt durch den Naturpark Sintra-Cascais mit atemberaubendem Ausblick war eines der Highlights der ganzen Reise. Die Sonne stand schon tief und ich hätte mir gewünscht, dass wir ewig so weiterfahren würden.

Im typisch portugiesischen Strandörtchen Praia das Maçãs angekommen, mieteten wir uns einen Stellplatz auf dem Kultur- und Campingpark „Aldeia Da Praia“, der unter anderem auch einen tollen Food Court auf dem Gelände beherbergt. Durch den Geheimtipp einer Freundin buchten wir uns für den nächsten Tag eine Drop-In Stunde im SaltyWay Surfcamp bei der deutschen Sportwissenschaftlerin Julika. Die passionierte Surferin aus Kiel wurde uns als besonders einfühlsame und motivierende Lehrerin empfohlen und der Eindruck hat sich voll und ganz bestätigt. Im Anschluss an die Surfstunde fühlten wir uns endlich wieder vertraut mit Wellen und Brett. Als wir davon hörten, dass das familiäre Surfcamp von Julika auch Drop-In Kletterklassen in der wunderschönen Umgebung rund um Sintra anbietet, entschieden wir uns noch ein paar weitere Tage in Praia das Maçãs zu bleiben und uns diese Chance nicht entgehen zu lassen. Auch wenn das Klettern definitiv eine Herausforderung war, so wurden wir umso mehr durch die wieder einmal außergewöhnlich schönen Landschaften und Ausblicke der Sintra Region belohnt.

Ab ins World Surfing Reserve Ericeira!

Wenn eins bei einem Surfurlaub in Portugal nicht fehlen darf, ist es ein Besuch im authentischen Strandort Ericeira. Das einzige World Surfing Reserve Europas bietet alles, was das Surfer-Herz höher schlagen lässt: Surfschulen und -shops, Shaper und eine großartige Lage direkt am Meer, die kurze Wege zu diversen Surfspots ermöglicht. Keine Frage, dass auch wir unsere Tour entlang der Küste nach Ericeira fortsetzen.

Unseren nächsten Stellplatz fanden wir in dem nur 10 Minuten vom Stadtkern entfernten House of the Rising Mojo. Hier erwartete uns nicht nur ein bezahlbarer, wunderschöner Stellplatz, sondern auch viele kreative, sympathische Menschen aus aller Welt.

Meiner Meinung nach ein weiterer Vorteil einer Reise mit dem Van: ständig neue Leute treffen, häufig mit alternativen Lebensstilen und spannenden Geschichten im Repertoire. Mich haben so einige Bekanntschaften dazu inspiriert einfach mal eine neue Perspektive auf das Leben einzunehmen. Legendär im House of the Rising Mojo sind übrigens auch die spirituell angehauchten Partys, die ab und zu stattfinden und in deren Genuss wir direkt kamen.

Bei Surfnomade informierten wir uns über verschiedene Surfcamp Anbieter in Portugal und wurden so auf die renommierte Surfschule Três Ondas in Ericeira aufmerksam, in welcher wir uns direkt eine intensive Surfstunde buchten. Nach einem langen Tag in den Wellen freuten wir uns umso mehr über ein Restaurant, das genau unseren Vorstellungen entsprach. Im GiG – Green is Good fanden wir nicht nur gesundes, sondern auch richtig leckeres Essen mit vielen vegetarischen und veganen Optionen. Aufgrund der vielfältigen Freizeit Optionen und Surfspots, aber auch weil das Rising Mojo sich als perfektes Van-Zuhause offenbarte, blieben wir gleich eine ganze Woche in Ericeira.

Und obwohl wir uns nach sieben Tagen schon richtig heimisch fühlten, machten wir uns schließlich auf zum letzten Stopp unseres Portugal-Roadtrips: Die Surferhochburg Peniche.

Peniche: Der Roadtrip kommt zum Ende

Als wir am Parque Municipal de Campismo in Peniche ankamen, hielt sich die Begeisterung erstmal in Grenzen. Die großflächige, ziemliche kahle Campingplatz-Realität holte uns nach den zuvor so wunderschönen Stellplätzen nun doch ein. Der Übernachtungspreis stimmte uns dann aber doch wieder etwas positiver und als wir feststellen, dass der Campingplatz nur ca. 250 m vom Meer entfernt lag, war die Welt wieder in Ordnung. Trotzdem würden wir beim nächsten Aufenthalt in Peniche vielleicht nach einem anderen Stellplatz Ausschau halten, weil mir eine gemütliches Feeling immer sehr wichtig ist.

Peniche und Baleal waren für uns toll zum Surfen, da es für jede Bedingung den passenden Surfspot gibt. Dementsprechend sind beide Orte voll von Surfcamps, -schulen, und -häusern. Peniche selbst bietet eine Reihe von liebevoll eingerichteten Cafés und besticht durch sein traditionell portugiesisches Fischerdorf-Feeling.

Die letzten Tage vergingen wie im Fluge und ich konnte es kaum glauben, dass die zwei Wochen bereits vorbei waren, als wir uns auf den Rückweg zum internationalen Flughafen von Lissabon befanden. Auf dieser letzten Fahrt genoss ich noch einmal den salzigen Fahrtwind, unsere Road-Trip Playlist und die wunderschöne Küstenlandschaft in vollen Zügen, bevor es schließlich ins Flugzeug und zurück in die Heimat ging.

Realitycheck Vanlife

Was mir jetzt klar ist: Wenn man zwei Wochen lang auf so engem Raum zusammenlebt und danach noch befreundet ist, hält die Freundschaft wahrscheinlich für immer. Aber darüber hinaus hat auch das Teilen all dieser wunderschönen Momente unsere Freundschaft so sehr bereichert. Auch wenn es in Sachen Komfort mit einem Surfurlaub in einer festen Unterkunft nicht mithalten kann, ist dieses absolute Freiheitsgefühl, das ich während unseres Portugal Road-Trips empfunden habe, mit nichts zu vergleichen. Auch wenn wir am Ende nur einen relativ kurzen Küstenabschnitt Portugals bereisten, kam es mir vor, als hätten wir die ganze Welt erkundet.

Um in einem Van gut leben und nebenbei auch immer wieder Surfen zu können, ist es aus meiner Sicht superwichtig, wirklich ordentlich und sauber zu sein. Wenn das Auto zum Zuhause wird, gehört ein gemütliches Flair einfach dazu. Für mich ist es definitiv auch wichtig, einen schönen Stellplatz in der Nähe vom Surfspot zu haben, wofür ich auch bereit bin, ein paar Euros mehr auszugeben. Und auch wenn ich es mir nicht vorstellen könnte für immer in einem Campervan zu leben, so wird ganz sicher auch mein nächster Surfurlaub ein Roadtrip werden. Denn das Vanlife hat mich überzeugt!

Packliste für den Urlaub im Campervan:

  1. Sonnencreme: Egal wie du reist, in einem sonnigen Land wie Portugal ist Sonnenschutz extrem wichtig. Gerade wenn du viel draußen und im Wasser bist, ist ein Sonnenbrand fast schon vorprogrammiert. Wenn du viel surfen gehst, denk auch unbedingt daran, dass dein Sonnenschutz nicht nur wasserfest, sondern auch wasserverträglich ist, damit die Umwelt nicht darunter leidet.
  2. Stichsalbe/ Insektenschutz: Da du auch abends viel Zeit draußen verbringen wirst und sich ganz sicher die eine oder andere Mücke im Bulli einnisten wird, kommst du um ein paar Stiche kaum herum. Also entweder schon im Vorfeld mit Insektenschutz einsprühen oder eine gute Stichsalbe dabeihaben, wenn es anfängt zu jucken.
  3. Surfponcho: Ein Surfoncho ist nicht nur praktisch, wenn du wirklich Surfen gehst, sondern dient dir auch als tragbare Umkleidekabine. Gerade, wenn mal nicht genug Platz ist, sich im Bus umzuziehen, kannst du mit einem Poncho auch am Strand ganz unauffällig und bequem deinen Wetsuit oder Surfbikini wechseln.
  4. Surfguide Portugal: Weil Online-Empfehlungen gerade beim Thema Surfen des Öfteren irreführend sein können, waren wir froh, mit dem Surfguide Portugal einen wirklich tollen Ratgeber dabei zu haben. Ohne die vielen tolle Anregungen und Insidertipps aus dem Buch hätten wir so machen versteckten Stellplatz in der Nähe von guten Surfspots garantiert nicht gefunden. Hier bekommst du das eBook und hier das Taschenbuch.

Titelbild Surfguide (c) Pia Opfermann

Autorenbeschreibung

Gastautorin Anna aus Lissabon
Als Social-Media Expertin, Yogalehrerin und Ocean-Lover tingle ich durch die Welt und liebe es neue Menschen zu treffen und neue Orte zu erkunden. Als Autorin schreibe ich für den Blog surfnomade.de, denn ich liebe es meine Erfahrungen & Abenteuer rund um das Thema Meer & Surfen mit anderen Menschen zu teilen.

Fotos: (c) Surfnomade.de

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