Camping Mit Dem Wohnwagen An Einem See

Camping mit dem Wohnwagen – was du als Einsteiger wissen musst

Du hast keine Lust mehr auf Zelt, Hotel oder Ferienwohnung? Du möchtest Freiheit genießen und trotzdem komfortabel Urlaub machen? Dann ist womöglich ein Wohnwagen-Urlaub genau das Richtige für dich. Wie du das passende Modell für dich findest, wie du sicher durch die Lande kutschierst und worauf du sonst noch achten solltest, das erklären wir dir in diesem Text.

Zugfahrzeug und Wohnwagen – es muss passen

Um es ganz einfach zu machen: Ein Wohnwagen oder Caravan ist ein für den Campingurlaub ausgestatteter Anhänger, der an einen PKW oder auch an einen Bulli angehängt wird. Das heißt, dass du ein geeignetes Zugfahrzeug benötigst, um einen Wohnwagen zu bewegen. Dabei müssen das Zugfahrzeug sowie Gewicht und Größe des Anhängers zueinander passen. Eigentlich versteht sich von alleine, dass ein Fiat 500 keinen 1.500 kg-Anhänger durchs deutsche Mittelgebirge ziehen kann. Du fragst dich, welcher Anhänger zu deinem Auto passt? Wer könnte dir die Frage besser beantworten als die Niederländer. Deshalb wirf doch mal einen Blick auf diese Internetseite, wo du per Zugwagenrechner ausrechnen kannst, ob PKW und Caravan zusammen passen.

Solltest du mit der Idee eines eigenen Wohnwagens liebäugeln, dann ist es wichtig, nicht nur einen Blick auf die Wunschobjekte zu werfen, sondern genauso darüber nachzudenken, ob dein Auto als Zugfahrzeug geeignet ist. Hast du bereits eine Anhängerkupplung oder muss diese noch nachgerüstet werden?

Weitere Fragen, die du dir vor dem Kauf stellen solltest, sind:

  • Welchen Wohnwagen darf ich mit meinem Führerschein fahren?
    Alle Infos zu den verschiedenen Fahrerlaubnisklassen für Gespanne findest du in diesem Artikel.
  • Wo steht der Wohnwagen, wenn er nicht genutzt wird?
    In Deutschland darf ein abgekuppelter Wohnwagen nur maximal 2 Wochen an einer öffentlichen Straße geparkt werden.
  • Wo ist er im Winter untergebracht?
    Wenn du keine passende Garage hast, findest du sicher auch in deiner Stadt Anbieter, die Stell- bzw. Hallenplätze vermieten. Diese Kosten dafür bewegen sich je nach Art des Platzes und deiner Region in der Regel zwischen 25 und 70 Euro monatlich – das solltest du bei einer Neuanschaffung bereits im Kopf haben.

Warum eigentlich ein Wohnwagen?

Früher war die Frage Wohnwagen oder Wohnmobil eindeutig auch eine Prestigefrage: Wohnwagen waren etwas für Familien und spießige Dauercamper; Bullis und Wohnmobile symbolisierten Freiheit und Abenteuerlust. Doch diese Zeiten sind zum Glück längst vorbei. Auf den Campingplätzen triffst du Menschen aller Art – sowohl im Wohnwagen als auch im Wohnmobil oder Zelt – und selbst beim WOA (Wacken Open Air) können die Besucher heute Wohnwagen vor Ort mieten oder reisen mit dem eigenen an.

Das haben auch die Hersteller erkannt und setzen bei der Innenausstattung ihrer Modelle immer mehr auf ein junges Publikum. Geblieben ist, dass besonders Familien den Wohnwagen-Komfort zu schätzen wissen. Gerade wenn du länger am selben Ort bleibst, kannst du z.B. mit einem passenden Wohnwagen-Vorzelt ordentlich Urlaubsquadratmeter schaffen und trotzdem Ausflüge unternehmen, ohne abbauen zu müssen. Und es gibt inzwischen auch barrierefreie Wohnwagen, die mit einem Rollstuhl befahrbar sind. Mehr zu Vor- und Nachteilen findest du in unserem Artikel „Wohnmobil, Kasten oder Campingbus„.

Wohnwagen mieten oder kaufen?

Am besten erst das eine, dann das andere! Hast du bereits Urlaub im Wohnwagen gemacht oder ist das ganz neu für dich? Viele von uns werden ja bereits im Mutterleib mit dem „Campervirus“ infiziert, aber wie sieht es mit deiner Partnerin/ deinem Partner aus? Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob Camping im Wohnwagen das Richtige für euch ist, dann probiert es doch erst einmal mit einem Mietwohnwagen. Den kannst du relativ einfach mieten, zum Beispiel fest auf einem Campingplatz stehend. Schau dich mal unter den diversen Wohnwagenvermietungen im Netz oder in den Kleinanzeigen um. Etwas schwieriger
wird es, wenn du mit dem Mietwohnwagen auf Reisen gehen möchtest, aber auch hier gibt es
Anbieter: Bei PaulCamper zum Beispiel kannst du deutschlandweit vollausgestattete Wohnwagen
mit der kompletten Campingausstattung von Privatleuten mieten oder – wenn du inzwischen
stolzer Besitzer bist – natürlich auch selbst vermieten und so deine Urlaubskasse aufbessern.
Weitere Anbieter wie Cologne Camper oder der ADAC zum Beispiel, aber auch lokale Händler,
bieten Wohnwagen zur Miete an.

Selbst wenn du überzeugt bist und der Kaufimpuls bereits da ist, kann mieten erst einmal sinnvoll sein, um beispielsweise Größe, Grundriss und Ausstattung auszuprobieren. Hier gibt es tatsächlich riesige Unterschiede, wie du spätestens dann feststellst, wenn du dich auf dem Markt umschaust. Das Angebot reicht vom Mini-Wohnwagen für ein bis zwei Personen, ausgestattet mit Sonnensegel, aber ohne WC und Dusche, bis hin zum zweigeschossigen Luxusmodell mit Wellnessbereich und Sonnenterrasse – alles eine Frage des Budgets und Anspruchs. Und selbstverständlich kannst du deinen Wohnwagen auch gebraucht kaufen. Der Markt ist auch hier groß.

Wo darf ich mit dem Wohnwagen stehen?

Bevor es endlich losgeht, solltest du dir Gedanken über die Strecke zum gewünschten Ziel machen. Schau vorher nach geeigneten Plätzen für Zwischenübernachtungen, wenn der Weg nicht in einem Rutsch zu machen ist. Gerade für Wohnwagen sind die Regeln ziemlich starr. Freies Stehen/Wildcampen ist nahezu überall verboten.

Ausnahme: Zur sogenannten „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ darfst du eine Nacht übernachten – offiziell allerdings nur auf Park- oder Rastplätzen und ohne den Campingtisch und die Stühle nach draußen zu stellen oder gar das Vorzelt aufzubauen. Bei einer Kontrolle zu erklären, dass dich die Fahrtüchtigkeit ausgerechnet auf diesem abgelegenen Picknickplatz am See verlassen hat, könnte schwierig werden. Im Zweifelsfall wirst du einfach weggeschickt; es kann aber auch ein Bußgeld drohen.

Der Übernachtungsplatz deiner Wahl sollte also ein zugelassener Campingplatz sein. Entsprechende Campingführer, die dir bei der Campingplatzsuche helfen, bieten u.a. die Webseite camping.info oder auch Organisationen wie der ADAC oder ACSI an – im Netz sowie in ausgedruckter Form. Das Angebot reicht vom kleinen einfachen Platz mit Duschhaus bis hin zum Luxusplatz mit Spaßbad und Kinderanimation. Wenn du Lust auf etwas andere Übernachtungsplätze hast, dann schau auch mal auf Landvergnügen. Hier findest du derzeit fast 600 Bauernhöfe in Deutschland, die Stellplätze anbieten. Gerade mit Kindern ist das eine tolle Idee!

Jetzt geht’s los – richtig beladen, fahren und abstellen

Endlich ist es so weit, also alles rein, was rein passt und los geht’s? Halt, so einfach geht das nicht. Wichtig ist, den Wohnwagen sorgfältig zu be- und vor allem nicht zu überladen. Wir haben im Artikel „Wohnwagen richtig beladen – eine Frage der Sicherheit!“ dazu bereits eine Checkliste erstellt; schau am besten mal rein.

Bist du überhaupt schon einmal mit einem Gespann gefahren? Geradeaus geht vielleicht gerade noch, aber rückwärtsfahren, abbiegen und auch Fahrten am Berg sollten unbedingt vor der ersten richtigen Fahrt geübt werden. Aber keine Angst: Das alles kann man lernen. Der ADAC und andere Organisationen bieten extra Fahrertrainings für Wohnwagengespanne an. Wenn du dich nicht für ein Fahrertraining begeistern kannst oder es zeitlich nicht schaffst, kannst du mit einer Begleitperson auf einem großen Parkplatz in Ruhe einige Manöver ausprobieren und das richtige Einweisen üben.

Besonders Rückwärtsfahren ist mit einem Anhänger eine Herausforderung, weil der Anhänger auch dann nach rechts und links ausweicht, wenn du starr gerade rückwärts lenkst. Das richtige Gegenlenken ist aber mit etwas Übung kein Problem. Wie schnell man auch als Anfänger die wichtigsten Handgriffe erlernen kann, kannst du in dieser kleinen Videoserie zu unserem Einsteiger-Workshop sehen, den wir zusammen mit PaulCamper organisiert hatten.

Eine Sorge, die Wohnwagen-Gespann-Fahrer immer wieder plagt, ist die Angst vor dem Aufschaukeln des Anhängers. Eine vorausschauende, behutsame Fahrweise ist ein möglicher Schutz. Du kannst dir aber auch unseren Bericht zu einer technischen Lösung ansehen: Ein Antischlingersystem wie z.B. das ATC lässt sich nachrüsten und verhilft zu deutlich mehr Stabilität.

Wichtig vor Fahrtantritt ist ebenfalls, dass du dich mit den besonderen Verkehrsregeln für Fahrzeuge mit Anhänger vertraut machst. So gilt für Gespanne normalerweise auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Eine Ausnahme stellt die so genannte „100er-Regelung“ dar. Diese besagt, dass du bis zu 100 km/h fahren darfst, wenn Zugfahrzeug und Anhänger bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Schau dir zur Sicherheit außerdem noch einmal die Verkehrszeichen an, die du bisher mit einem PKW getrost ignorieren konntest. Diese gelten jetzt auch für dich, wenn du mit einem Gespann unterwegs bist – z.B. die mit den Nummern 277 und 1048-11. Eine Übersicht aller Verkehrszeichen nach StVO findest du hier.

Endlich da – die ersten Handgriffe auf dem Campingplatz

Hast du endlich das schönste Plätzchen auf dem Campingplatz gefunden, trennen dich nur noch wenige Handgriffe von Entspannung und/oder Abenteuer. Gerade Anfängern können wir das richtige Ausrichten nicht oft genug ans Herz legen. Nicht nur, dass sich Schranktüren wie von Zauberhand alleine öffnen und das Wasser hartnäckig in der Spüle stehenbleibt – es benötigt tatsächlich nur sehr wenig Gefälle in eine Richtung und schon rollt man in der Nacht durchs Bett oder wacht mit Kopfschmerzen auf. Erholsamer Schlaf adé. Eine alte Camper-Binsenweisheit besagt: Je schöner der Platz, desto unebener ist der Boden …

Deshalb ist der Griff zur Wasserwaage keinesfalls übertrieben. Eine gute Hilfe sind so genannte Kreuzwaagen, die dir zwei Richtungen gleichzeitig anzeigen. Es gibt aber auch elektronische Lösungen, die direkt an der Deichsel montiert werden, wie z.B. die 2Link-Box mit passender App für dein Smartphone. Für das Ausrichten solltest du dir schon vorher so genannte Nivellierungshilfen zulegen, die es von verschiedenen Herstellern in zahlreichen Ausführungen gibt. Das Angebot reicht vom klassischen Auffahrkeil bis hin zu Steckplatten oder Luftkissen. Übrigens: Die Kurbelstützen werden erst zum Schluss ausgefahren. Sie heißen nämlich zu Recht „Stützen“ – und nicht „Heber“ oder „Ausrichter“ 🙂

Jetzt kannst du den Strom anschließen und den Kühlschrank darauf oder auf Gas umstellen. Wenn du noch Tipps zur Gasversorgung benötigst: Auch da haben wir bereits Hinweise zusammengestellt, die du unter dem Stichpunkt „Gasflaschen beim Camping“ findest.

Falls du es noch nicht getan hast, kannst du nun noch die Toilette einsatzbereit machen und abschließend das Vorzelt oder die Markise anbringen (denk am besten auch direkt an die richtige Sicherung).

Falls dein Caravan eine Diebstahlsicherung hat, nimm diese direkt in Betrieb, dann kannst du es später nicht vergessen. Dass du den Wohnwagen verschließen solltest, auch wenn du ihn nur kurz verlässt, ist eine Selbstverständlichkeit. Zwar ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich Camper nicht gegenseitig schaden oder beklauen, aber so ein Campingplatz ist keine uneinnehmbare Festung.

Weitere Sicherheitshinweise findest du in unserem kostenlosen E-Book. Zusammen mit zwei Experten haben wir zahlreiche nützliche Tipps sowohl für Gespannfahrer als auch für Wohnmobilisten zusammengestellt.

Fazit

Es liest sich komplizierter, als es tatsächlich ist. Die Erfahrung zeigt, dass du die meisten Regeln und Handgriffe ganz schnell verinnerlichst. Und dann heißt es: Füße hoch, die Natur genießen und einfach tun, was dir und deinen Mitreisenden Spaß macht!

Fotos: (c) CamperStyle


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Verdient ihr Geld mit Schreiben, um es dann für Reisen wieder auszugeben. Hat mehr als zwanzig europäische Länder bereist, die meisten davon per Campingbus oder Wohnmobil – vom Nordkapp bis nach Marokko, von Luxemburg bis Polen. Lieblingsspots: San Sebastian, Lissabon & Schweden

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