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Mit 72 Jahren, da fängt das Campen an – COMO-Module für den Kastenwagen

Mit 72 Jahren, da fängt das Campen an – COMO-Module für den Kastenwagen

Was macht man, wenn man 72 Jahre alt ist, schon ein paar Jahre in Rente und die Sonne scheint? Man gründet mal eben gemeinsam mit einer Zufallsbekanntschaft ein Unternehmen und verkauft ab sofort Module für Campingfahrzeuge. So jedenfalls war das bei Gerd Thiede und Sepp Klement, die mit COMO ein System entwickelt haben, mit dem sich fast jedes größere Fahrzeug ohne langwierigen Ausbau in einen Camper umwandeln lässt – für den Wochenendtrip oder für länger.

„Und dann ist man plötzlich wieder Jungunternehmer“, sagt Rentner Sepp Klement mit einem Grinsen. Knapp ein Jahr ist es her, dass er durch seine Leidenschaft für Oldtimer zufällig auf Gerd Thiede trifft. „Schon nach kurzer Zeit war klar, dass wir uns gemeinsam für Camper-Module begeistern und trotz der vielen Angebote am Markt Potenzial sahen. Seitdem haben wir den Ruhestand in die Wüste geschickt.“

Unter dem Namen COMO haben die beiden inzwischen verschiedene Küchen-, Betten- und Schrankmodule ausgetüftelt, die sie von Fall zu Fall modulieren und fast jedem Kastenwagen anpassen können. Besonders spannend ist das Modell „COMO Camper“, bei dem Bett und Küche in einem Tetris-System zusammengebaut sind und sich außerhalb des Fahrzeugs zur Aufbewahrung wie eine Landkarte zusammenfalten lassen. Vorausgesetzt man hat eine blasse Ahnung, wie man eine Landkarte wieder zusammenfaltet, ohne sie zu zerreißen.

Der COMO Camper mit Lattenrost

„Wenn das Basisfahrzeug groß genug für ein Bett ist, dann kann man auch eines einbauen!“, sagt Sepp Klement pragmatisch. Ausgerüstet haben die „Jungunternehmer“ bereits einen Opel Combo, einen Citroen Berlingo, einen VW Caddy und einen Dacia Dokker. „Wir wollten etwas Leichtes, schnell zu Realisierendes und Kleines bauen. Es sollte extrem robust sein und statt Brettern unter der Matratze einen ordentlichen Lattenrost haben“, erklärt Gerd Thiede. Ist ja auch wichtig, ein vernünftiges Bett. Vielleicht ein Vorteil, dass die beiden Erfinder keine zwanzig mehr sind und durchaus einkalkulieren, dass das Campen in fortschreitendem Alter nicht mehr so schmerzfrei verläuft wie noch zu Studentenzeiten.

Das Modul „COMO Camper“ besteht aus einer Heckküche, die 52 cm x 41 cm x 110 cm groß ist und leer 23 Kilo wiegt. Dazu kommen ein Bett-Unterbau, der sieben Kilo wiegt und der bereits genannte Lattenrost mit zehn Kilo. Nicht zuletzt dann noch die Matratze, die zwölf Kilo auf die Waage bringt. Das ist deutlich mehr als eine Isomatte, klingt aber nicht so sehr nach Hexenschuss. „Wir bevorzugen eine Liegefläche von 180 Zentimetern“, beschreibt Sepp Klement. „Die Breite der Matratze beträgt für Busse in der Regel 140 Zentimeter und für Hochdachkombis etwas weniger. Statt eines Doppelbettes kann auch ein Einzelbett in der Breite von 70 Zentimetern zum Einsatz kommen.“ Zusammengenommen wiegt kein Einzelteil mehr als 23 Kilo und kann in den meisten Fällen von einer einzelnen Person bewegt und aufgebaut werden.
Befestigt wird der „COMO Camper“ mit einer Schiebe-Öse, die an beinahe allen Stellen im Auto angebracht werden kann. Dazu gibt es einen Zurrgurt für festen Halt.

COMO: Umbau zum Camper in wenigen Minuten

Und wenn man gerade mal keine Lust auf Vanlife hat, dann kann man das gesamte Küchen-Bett-Modul einfach entzurren, rausnehmen und in die Garage stellen. Hochkant benötigt das zusammengeklappte Gestell nur 54 x 41 Zentimeter Platz. Klar, Lattenrost und Matratze kommen noch mal extra dazu. Die Konstruktion mit dem Lattenrost hat nicht nur Vorteile bei der Bequemlichkeit. Den COMO-Gründern war es auch wichtig, dass es keine Staunässe unter der Matratze gibt. „Deshalb verwenden wir keine Kaltschaummatratzen und keine festen Platten als Unterbau“, weist Sepp Klement auf die Besonderheit hin. Stattdessen gibt es eine dreilagige Auflage, die aus extra feuchtigkeitsdurchlässigem Material besteht. Sie stammt wie viele andere Bauteile aus der Schweiz. „Qualität Made in Germany und Switzerland war uns bei der Entwicklung sehr wichtig“, gibt Klement zu. Der Bezug der Matratze kann jederzeit abgenommen und gewaschen werden.

Das Küchenmodul im Heck der Konstruktion besitzt Auszüge für Kühlbox, Kocher und Arbeitsplatten. Ein Gaskocher wird mitgeliefert. Das Manko jedoch: Es ist kein fließendes Wasser mit Tank vorgesehen. Etwas, auf das die COMO-Bauer bei diesem Modul bewusst verzichtet haben. „Wir wollten nicht, dass eine kleine Pumpe kaltes Wasser in eine Spülschüssel befördert. Anschließend wird das Wasser meist in der Natur entsorgt. Das fanden wir nicht gut. Viel besser ist es, die Einrichtungen des Campingplatzes zu nutzen“, so Sepp Klement. „Durch das Weglassen der Kanister und Pumpen haben wir außerdem enorm viel Platz gespart.“ Dabei geben die beiden jedoch davon aus, dass ihre Kunden Urlaub auf einem Campingplatz mit sanitären Anlagen machen. Für eine autarke Reise mit dem Van und Freistehen in der Natur passt dieses Küchenkonzept also nicht.

Dafür gibt es neben dem COMO Camper dann das Modul COMO Mobil, das als reiner Küchenblock ohne Bett fungiert und mit elektrischer Pumpe 19 Liter Frisch- und Abwasser händeln kann. Allerdings ist es eher für Messen, Catering und als Picknickküche gedacht.

Das Modul COMO Camper gibt es ab 1.770 Euro. Ihr könnt es online bestellen oder erst einmal nach vorheriger Absprache im oberbayrischen Ampfing besichtigen. Auch wenn die Coronazeit es den Gründern schwer gemacht hat, wollen die beiden Rentner im Unruhestand nicht aufgeben. Dazu stecken zu viel Begeisterung und Innovationsgeist in ihnen. Auch mit 72 Jahren.

Fotos (c): Peter Hinz-Rosin, Ebersberg / COMO

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