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Fahrsicherheitstraining für Camper – Warum auch du darüber nachdenken solltest

Fahrsicherheitstraining für Camper – Warum auch du darüber nachdenken solltest

Du fährst in deinem PKW mit 130 km/h auf der linken Spur über die Autobahn. Auf dem Beifahrersitz liegen ein paar Unterlagen, Smartphone, Tablet und eine Flasche Wasser sowie ein Sandwich. Plötzlich zieht vor dir ein Auto mit auf deine Spur und bremst dich aus.

Statt beherzt zu bremsen, zögerst du, steigst nur leicht aufs Pedal und versuchst, auf die rechte Fahrbahn auszuweichen. Warum? Weil du in Gedanken bei den Dingen auf dem Beifahrersitz warst, die alle herunterfallen könnten. Mit der rechten Hand hast du vielleicht sogar noch versucht, das Sandwich davon abzuhalten, sich um dein Smartphone zu wickeln.

Mit dem PKW ist das Fahrmanöver mit viel Glück noch einmal gut gegangen – mit einem Wohnmobil oder Wohnwagen hätte das ganz anders aussehen können. Denn ein Campingfahrzeug mit hohem Schwerpunkt oder gar ein Anhänger hätte sich bei einer solchen Lenkaktion wahrscheinlich aufgeschaukelt und wäre ausgebrochen.

Um gefährliche Situationen wie diese zu vermeiden, ist wichtig, stets konzentriert und in der korrekten Sitzposition zu fahren, aber auch, das eigene Fahrzeug gut zu kennen und im Notfall richtig zu reagieren. All das kannst du in einem Fahrsicherheitstraining lernen.

Fahrsicherheitstrainings sind sinnvoll

Ich fahre seit mehr als 20 Jahren unfallfrei, habe vor vielen Jahren schon ein solches Fahrertraining mit dem PKW absolviert und war erstaunt über die Bremswege und das Verhalten der Fahrzeuge. Und es ist so langsam auch mal wieder an der Zeit, dieses Wissen aufzufrischen. Wenn wir im Sommer zurück in Deutschland sind, werden wir uns für ein Training anmelden, diesmal mit dem Wohnmobil. Meine Kollegin Nele hat letztes Jahr mit dem Wohnwagen teilgenommen und konnte auch als routinierte Fahrerin noch viel lernen. Hier geht es zu ihrem Erfahrungsbericht.

Du denkst dir jetzt vielleicht: „Wenn man doch seit Jahrzehnten ohne einen Unfall fährt, warum braucht man dann überhaupt so einen Kurs?“

Die Sache ist ganz einfach: In 99 Prozent der Fälle reichen deine Fahrerfahrung und dein Können wahrscheinlich aus. Was ist jedoch in einer Extremsituation? Was tust du, wenn dir ein Reh direkt vors Fahrzeug springt? Oder viel schlimmer: ein Kind? Wenn dein Wohnwagen bei 100 km/h auf der Autobahn plötzlich zu schlingern beginnt oder du mit dem Wohnmobil einem plötzlichen Stauende ausweichen musst?

Zu 99 Prozent geht immer alles gut. Das eine übrige Prozent ist das Problem. Jederzeit kann etwas Unvorhersehbares passieren. Außerdem ist das Fahrverhalten eines Wohnmobils oder Wohnwagengespanns in keiner Weise mit dem eines Pkw zu vergleichen.

Deshalb ist ein solches Training ein bisschen wie eine Versicherung: Du brauchst sie so gut wie nie im Leben – wenn du sie jedoch einmal brauchst, dann wirklich dringend.

Was beinhaltet ein Fahrsicherheitstraining?

Die Inhalte eines Fahrsicherheitstrainings für Wohnmobile oder Wohnwagengespanne sind speziell auf den Alltag von Campern ausgerichtet:

  • Du erfährst alles Wissenswerte über Beladung, Ladungsverteilung und Ladungssicherung. So hast du beim Fahren den Kopf frei und musst dir keine Gedanken über umherfliegende „Geschosse“ oder Gewichtskontrollen machen. Außerdem haben richtig beladene Fahrzeuge ein deutlich besseres Fahrverhalten. Schau dir dazu schon einmal unseren Artikel zum richtigen Beladen eines Wohnwagens und eines Wohnmobils an.
  • Du lernst dein Fahrzeug besser kennen. Viele Wohnmobile und Wohnwagen stehen den größten Teil des Jahres einfach nur auf dem Stellplatz herum. Damit die Technik, die deine Fahrsicherheit gewährleistet immer einsatzbereit ist, lernst du, wie und was du vor Fahrtantritt überprüfen solltest. Außerdem stehen Rangieren, Slalom sowie Kurven- und Rückwärtsfahren auf dem Lehrplan. Danach parkst du auch mit dem größten Gefährt wie ein Profi ein!
  • Du frischst lange vergessenes Wissen wieder auf. Die richtige Sitzeinstellung, die korrekte Lenkradhaltung, der Spiegel- und Schulterblick – in der Fahrschule haben wir das alle einmal gelernt. Aber es ist lange her. Diese Dinge sind einfach umzusetzen und können im Notfall den entscheidenden Unterschied machen.
  • Und am Allerwichtigsten: Du übst, wie du dein Fahrzeug in Extremsituationen wieder unter Kontrolle bekommst. Vollbremsungen, Ausweichmanöver oder massives Aufschaukeln stehen im normalen Fahralltag – zum Glück! – nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Deshalb weiß kaum jemand, wie man solche Situationen souverän meistert. Beim Fahrtraining lernst du unter fachkundiger Anleitung, was im Fall der Fälle zu tun ist, und kannst das neue Wissen auf dem abgesicherten Gelände auch gleich in die Tat umsetzen.

Wenn auch du dein Fahrzeug besser kennenlernen möchtest, mach einfach bei unserem Gewinnspiel mit. Wir verlosen ein ADAC-Fahrsicherheitstraining für Wohnmobile und Wohnwagengespanne.

Inhalte beim Fahrsicherheitstraining für Wohnmobil-Fahrer*innen

  • Tipps zur richtigen Beladung
  • Slalom fahren
  • Einschätzung der Fahrzeug-Abmessungen
  • Bremsen auf unterschiedlichen Fahrbahnuntergründen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten
  • Fahrassistenzsysteme
  • Sicheres Kurvenfahren
  • Notmanöver: Bremsen in der Kurve
  • Praxisübungen und Tipps für gekonntes Rückwärtsfahren und Rangieren

Inhalte beim Fahrsicherheitstraining für Gespannfahrer*innen

  • Tipps zur richtigen Beladung
  • Tipps zum An- und Abkuppeln
  • Slalom/Bremsen auf unterschiedlichen Fahrbahnuntergründen
  • Anwendung unterschiedlicher Bremstechniken
  • Einschätzung der Fahrzeug-Abmessungen
  • Erarbeitung von Notfallstrategien (Ausweichen, Schlingern, Fahrassistenzsysteme)
  • Praxisübungen und Tipps für gekonntes Rückwärtsfahren und Rangieren

Neben den vielen praktischen Übungen bekommst du von den Trainern auch unzählige Tipps und Tricks rund um den Wohnwagen bzw. das Wohnmobil. Diese helfen dir nicht nur in Extremsituationen sondern auch im normalen Alltag mit deinem Fahrzeug. So kommst du entspannter und sicherer ans Ziel.

Überladung ist auch ein Problem für die Fahrsicherheit

In den Kursen werden unter anderem auch das zulässige Gesamtgewicht und die damit verbundene maximale Zuladung thematisiert. Was sind Achslasten und warum darf ich diese nicht überschreiten? Und was kann ich tun, wenn ich ein Fahrzeug mit wenig Zuladungsreserven besitze? Auf all diese und viele weitere Fragen bekommst du Antworten.

Wir haben selbst auch schon Artikel zum richtigen Beladen, da kannst du dir sicher eine Menge Tipps mitnehmen:

Verhalten in Notsituationen

Neben dem angepassten Fahren an die jeweilige Situation lernst du das Verhalten in Gefahrensituationen. Was muss ich tun, um bei einem Bremsmanöver den kürzesten Bremsweg zu haben? Wie lange brauche ich überhaupt, um auf die Bremse zu treten? Warum bremsen viele Menschen viel zu zaghaft? Vielleicht kennst du so eine Situation selber schon.

Wie reagiert mein Fahrzeug auf glatter Fahrbahn und wie reagiere ich entsprechend darauf? Wohnmobile und Gespanne verhalten sich ja ganz anders als ein einzelner PKW.

Ich hatte die Möglichkeit, mit dem Trainer und Experten Jürgen Kramer vom ADAC Fahrsicherheitszentrum in Augsburg zu sprechen. Ich habe ihn gefragt, was die größten AHA-Momente seiner Teilnehmer sind. Er sagte mir:

Viele Teilnehmer sind überrascht beim Bremsen auf unterschiedlichen Fahrbahnbelegen. Vor allem davon, wie stark sich der Bremsweg einer glatten Fahrbahn verlängert.

Dass sich beim Verdoppeln der Geschwindigkeit der Bremsweg vervierfacht, hat jeder in der Fahrschule gelernt. Dieses in der Praxis jedoch auszuprobieren und selbst zu erleben ist immer noch einmal etwas anderes. Ebenso wie lange es dauert, bis man überhaupt reagiert und bremst.

Der dritte Punkt, den viele Teilnehmer unterschätzen ist die Sitzposition und wie man das Lenkrad hält. Beides kann zu kürzeren Bremswegen und entspannterem Fahren führen, wenn man es richtig macht.

Wo kann ich so ein Fahrsicherheitstraining absolvieren?

Der ADAC bieten in vielen Standorten in Deutschland solche Kurse an. Mehr Infos zu den Preisen und Standorten findest du hier:
https://www.sicherheitstraining.net/wohnmobil-wohnwagen-training,378.html

Auch bei anderen Anbietern wie der deutschen Verkehrswacht, einigen TÜV-Stellen oder dem einen oder anderen Wohnwagen- und Wohnmobil-Hersteller kannst du Fahrsicherheitstrainings buchen.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Du brauchst einen gültigen Führerschein für das Fahren mit deinem Wohnmobil oder Gespann. Außerdem benötigst du für viele Trainings ein eigenes Fahrzeug.

Fazit

Bei einem Fahrtraining lernst du nicht nur dein Fahrzeug oder Gespann besser kennen und beherrschen, sondern erfährst auch, wie du entspannter fährst. Das richtige Verhalten in Notsituationen kannst du auf andere Art und Weise nicht wirklich trainieren, deshalb ist ein Fahrsicherheitstraining aus meiner Sicht absolut sinnvoll für jeden Fahrer und jede Fahrerin – ganz gleich, ob Einsteiger oder Fortgeschrittene.

Du kannst natürlich auch auf freier Straße mal probeweise eine Vollbremsung durchführen. Ob diese jedoch richtig erfolgt ist, du also korrekt gebremst hast, sieht nur ein geschulter Trainer von außen.

Abschließend noch ein wichtiger Tipp, den mir ADAC-Fahrtrainer Jürgen Kramer mit auf den Weg gegeben hat:

Entspannt starten, ruhig bleiben und sich gut auf die Fahrt vorbereiten sind die einfachsten und wichtigsten Punkte, die jeder für sich schon einmal im Vorfeld einer Reise umsetzen kann. Schließlich ist es Urlaub und der soll vor allem Spaß machen!


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