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Gasprüfungspflicht bei Wohnmobilen vorübergehend ausgesetzt

Gasprüfungspflicht bei Wohnmobilen vorübergehend ausgesetzt

Seit 1976 werden die Flüssiggasanlagen in privat genutzten Fahrzeugen zu Wohnzwecken, wie unsere Reisemobile und Caravans im Amtsjargon genannt werden, nach dem DVGW-Arbeitsblatt G 607 geprüft. Dabei werden Dichtheit und Funktion der Gasanlage gecheckt sowie das Alter der Geräte, der Schläuche und Regler kontrolliert. Die erfolgreiche Gasprüfung wird im gelben Bescheinigungsheft dokumentiert; dort steht auch, zu welchem Termin die nächste Prüfung fällig ist. Das Prüfungsjahr zeigt auch die Prüfplakette, die außen am Fahrzeug angebracht wird. Und damit haben wir einen Nachweis für die Sicherheit und Dichtheit unserer Anlage.

Zum Jahresende nun überraschte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, kurz BMVI, die Wohnmobilisten der Republik mit einer Nachricht. Im „Verkehrsblatt“, dem Amtsblatt des Ministeriums, das im Auftrag der Bundesregierung alle amtlichen Bekanntmachungen für das Verkehrswesen veröffentlicht, las der verdutzte Reisemobilist, dass die Prüfpflicht für Gasanlagen in Wohnmobilen vorübergehend für drei Jahre bis zum 1.1.2023 ausgesetzt wird.

Warum wurde die Prüfpflicht für Gasanlagen in Wohnmobilen ausgesetzt?

Eine berechtigte Frage angesichts der Tatsache, dass es sich um eine der sicherheitsrelevantesten Einrichtungen im Reisemobil handelt.

Bei der Hauptuntersuchung (HU) unserer Freizeitfahrzeuge werden unter anderem die Verkehrssicherheit und die Erhaltung der Bauvorschriften geprüft. Nach der HU-Richtlinie (§29 Anlagen VIII und VIIIa StVZO) wird der Zustand des Fahrzeugs beurteilt und auf Mängel untersucht.

Bisher stellte eine fehlende oder nicht mehr gültige Flüssiggasanlagenprüfung nach dem vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches, DVGW-Arbeitsblatt G 607, einen erheblichen Mangel dar. Und ein erheblicher Mangel nach StVZO Anlage VIII Nummer 3.1.4.3 führt dazu, dass die HU-Prüfplakette nicht erteilt werden darf.

Begründung: Qualitätsüberwachung nicht garantiert

Zwei Gründe nannte das BMVI für die befristete Aussetzung der Gasprüfung. Zum einen sei die sogenannte „messtechnische Rückführung“, also die Kalibrierung der eingesetzten Prüfgeräte, bei der Qualitätsüberwachung in der HU nicht gegeben und zum anderen seien die ausführenden Sachkundigen häufig nicht ausreichend für die Aufgabe qualifiziert.

In der Zeit bis zum 1. Januar 2023 sollen nun die Anforderungen an die verwendeten Messgeräte konkretisiert und die Ausbildung der Prüfer nachgebessert werden.

Für die Wohnmobilisten unter uns bedeutet das nun ganz konkret, dass wir bis Januar 2023 ohne die gelbe Prüfbescheinigung zur HU beim TÜV oder anderen Prüfstellen vorfahren dürfen.

Warum du die Gasprüfung trotzdem machen solltest

  1. Die Flüssiggasanlage wird im Rahmen der HU weiterhin beurteilt und bewertet. So gelten unzulässige, beschädigte oder mangelhaft befestigte Teile der Flüssiggasanlage auch während der Zeit bis zum 1. Januar 2023 als erheblicher Mangel, der zum Nichtbestehen der Untersuchung führt.
  2. In einer gemeinsamen Fachinformation haben der Caravaning Industrie Verband e.V., der Deutsche Verband Flüssiggas e.V. und der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik e.V. erklärt, dass die G 607-Prüfung der Gasanlage von Wohnmobilen weiterhin zulässig ist. Sie empfehlen die Prüfung alle zwei Jahre vor allem aus sicherheits- und versicherungsrechtlichen Gründen durchzuführen.

Auswirkungen auf den Versicherungsschutz

Auch wenn die Prüfpflicht vorübergehend ausgesetzt wurde, kann eine fehlende Gasprüfung sich negativ auf deinen Versicherungsschutz auswirken. Wir haben dazu Dieter Scheffler, Geschäftsführer der RMV Versicherungsservice GmbH, befragt.

Der Versicherungsexperte weist darauf hin, dass eine defekte Gasanlage, je nach Bedingungen des Versicherers, im Schadenfall zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann, wenn der Versicherungsnehmer schon vorher von dem Defekt wusste und sich dieser dann ursächlich auf die Entstehung des Schadens ausgewirkt hat. „Wir bieten daher zusammen mit unserem Risikoträger (KRAVAG ALLGEMEINE) nur Fahrzeugversicherungen an, bei denen auch grob fahrlässiges Verhalten mitversichert ist, was zumindest das finanzielle Risiko für den Kunden minimiert“, so Scheffler.

Dies solltest du unbedingt mit deinem Versicherer abklären.

Gasprüfbescheinigung auf vielen Campingplätzen Pflicht

Und auch auf Campingplätzen kann eine fehlende Gasprüfung Probleme bereiten: Aus Sicherheitsgründen verlangen zahlreiche Betreiber im In- und Ausland die Vorlage der Gas-Prüfbescheinigung beim Einchecken. Kannst du diese nicht vorzeigen, fällt unter Umständen der Urlaub auf deinem Wunschplatz ins Wasser.

Fazit:

Im eigenen Interesse und aus Verantwortung zu deinen Mitreisenden und anderen Verkehrsteilnehmern solltest du keinesfalls auf die Prüfung verzichten. Zu groß ist die Vergiftungs- und Explosionsgefahr, wenn du mit einer ungeprüften Gasanlage unterwegs bist, und zu hoch das Risiko, dass du im Schadenfall keine Versicherungsleistungen erhältst.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Wer glaubt dass die Gasprüfung 2023 dann unter 300€zu haben ist wird sich gewaltig täuschen. Allein an der Sachkunde der Prüfer liegt es mit si cherheit nicht. Die Wirtschaft will kalibrierte

    und geeichte Prüfmittel verkaufen. Dass das Level dazu hochgehalten wird sorgt die DAkkS.
    Ja, vermutlich 300€ mit Tendenz zu mehr

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