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Hundestrände in Frankreich – eine schwierige Liebesbeziehung

Hundestrände in Frankreich – eine schwierige Liebesbeziehung

Frankreich ist für mich immer noch das gelobte Hundeland. Die meisten Franzosen sind ausgesprochen hundefreundlich und sehr entspannt im Umgang mit dem Vierbeiner. Allerdings schließt das nicht automatisch ein, dass du deinen Hund mit an den Strand nehmen darfst. Im Folgenden berichte ich dir von den Regelungen.

Ein einheitliches Gesetz, ob und wann Hunde an den Strand dürfen, gibt es in Frankreich nicht. Jede Gemeinde legt das selbst fest. In der Regel findest du am Strandzugang entsprechende Schilder vor. Manche Schilder untersagen dir zum Beispiel das Betreten zu bestimmten Tageszeiten. In vielen Gemeinden ist der Strand für mehrere Monate komplett für Hunde gesperrt. Manchmal ist auch nur der bewachte Strandabschnitt für deine Fellnase verboten und auf dem wilden Strand daneben wirst du mit Hund toleriert.

Vielerorts herrscht Leinenpflicht: „Uniquement tenus en laisse“, „Nur an der Leine erlaubt“, lautet dann der Hinweis. Außerhalb der Hauptreisemonate wird an vielen Orten der Hund am Strand toleriert. Je touristischer ein Ort ist, desto länger geht die Saison. Grundsätzlich rate ich dir, wenn möglich, die Hauptreisemonate der Franzosen, Juli und August, zu meiden, wenn du mit Hund ans Meer willst. Falls du nicht am Strand liegen, sondern spazieren gehen willst, weiche auf die Morgen- oder Abendstunden aus. Hier bei uns in der Manche zum Beispiel triffst du vor 10 Uhr keine Badegäste an und hast in der Regel den Sandstrand für dich alleine.

Grundsätzlich gilt: Diese Regelungen sind permanenten Änderungen unterworfen. Ein neuer Bürgermeister oder das Bemühen der Gemeinde, das begehrte Label „Pavillon Bleu“ (das für sauberes Badewasser und besondere Umweltbemühungen verliehen wird) zu erhalten, kann dazu führen, dass ein Strand zur Tabuzone für Hunde wird.

Du wirst aber in vielen Orten in Frankreich feststellen, dass die Franzosen selbst Verbotsschilder eher als Angebot wahrnehmen, das schlichtweg ignoriert wird. (Ob du dem Vorbild der Franzosen folgen willst, musst du selbst entscheiden. Als ich noch nicht in Frankreich gelebt habe, war es völlig undenkbar, mich als Tourist einfach über Verbote hinweg zu setzen. Nach zwei Jahren im Land bin ich definitiv französischer geworden 😊).

Was erwähnt werden sollte: Längst nicht mehr wird überall großzügig über gelebte Anarchie hinweggesehen. Die Stadt Saint-Malo in der Bretagne hat dem „Volkssport“ von Einheimischen und Touristen, Hundeverbote am Strand nicht einzuhalten, den restriktiven Kampf angesagt. Auch von anderen Orten ist bekannt, dass die Strände in den Sommermonaten mittlerweile kontrolliert werden und Hundehalter wirklich nicht an den Strand kommen.

Wie finde ich heraus, ob ein Strand ein Hundestrand ist?

Zum einen kannst du dich beim Rathaus deines Ferienortes erkundigen, ob und wann Hunde an den Strand dürfen. Auch die Tourist-Infos der Regionen haben zum Teil eine Übersicht über die Strände, die Hundestrände sind. Zum anderen kannst du auf einschlägigen französischen Seiten nachschauen. Aber Achtung: Nicht immer sind die Daten wirklich aktuell. Aber einen ersten Anhaltspunkt kannst du dir mit diesen Webseiten verschaffen:

Das Team von Plages.tv bereist nach eigenen Angaben alle französischen Küsten. Auf der Seite kannst du nach Region und Vorlieben filtern. Wenn du nach Hundestränden suchen willst, klickst du im Menü auf das Hundesymbol für „plages autorisées aux chiens“. Bei jedem einzelnen Strand ist genau angegeben, wie der Strand beschaffen ist (zum Beispiel sable, Sandstrand), ob der Strand frequentiert ist, wie der Zugang ist. Wenn ein grünes Häkchen bei Chiens autorisés steht, musst du in der Regel keine Einschränkungen befürchten.

Eine weitere Recherchequelle ist die Seite Animaux sur la Plage, die ebenfalls laufend aktualisiert wird. Hier kannst du auf der interaktiven Karte deinen Wunschort anklicken und bekommst angezeigt, ob dein Hund dich begleiten darf oder nicht.

Diese Vokabeln solltest du im Zusammenhang kennen:

  • Plage interdite aux animaux pendant l’été – Strand, an dem im Sommer Tiere verboten sind
  • Plage autorisée aux animaux – Strand, an dem Tiere zugelassen sind
  • Plage avec espace autorisé aux animaux – Strand mit einem Teilbereich, an dem Hunde zugelassen sind
  • Plage autorisée aux animaux à certains horaires – Strand, an dem Tiere zu bestimmten Zeiten zugelassen sind (zum Beispiel vor 9 Uhr und nach 19 Uhr).

Umsicht und Rücksicht – eine Selbstverständlichkeit

Auch wenn Hunde erlaubt sind, Umsicht und Rücksicht auf andere Strandbenutzer sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Nimm dir ausreichend Kotbeutel mit, denn öffentliche Spender sind in Frankreich eher die Ausnahme als die Regel. Mülleimer wirst du in den meisten Fällen nur an den Strandzugängen finden. An manchen wilden „sauvages“ Stränden noch nicht einmal das.

Es ist also nötig, dass du deinen Müll wieder mitnimmst und gegebenenfalls auf dem Camping- oder Stellplatz entsorgst.

Wie mit der Leinenpflicht umgehen? Ich handhabe das so, dass ich meine Hunde an der Schleppleine lasse, wenn (viele) andere Strandnutzer unterwegs sind. Mit der Schleppe können die Hunde sich ausreichend bewegen und ich signalisiere gleichzeitig meinem Gegenüber, dass der Hund nicht unkontrolliert auf ihn zurennen kann. Für Menschen, die Angst vor Hunden haben, ist dies ungemein wichtig! Wenn wir früh morgens unterwegs sind (und keiner außer uns da ist) darf es auch ungehemmten Freilauf geben.

Bußgelder – das solltest du wissen

Hundekot nicht aufzusammeln, kostet 68 Euro Strafe, seinen Hund unkontrolliert streunen zu lassen, 35 Euro. Wenn du an einem nicht autorisierten Strand erwischst wirst, kann das ein Bußgeld von 11 Euro zur Folge haben.

Die schönsten Hundestrände Frankreichs in beliebten Urlaubsregionen

Ich habe in dieser Zusammenstellung nur Strände aufgeführt, die wirklich das ganze Jahr für dich mit Hund nutzbar sind. Meine persönliche Erfahrung zeigt aber, dass die Halbwertszeit dieser Informationen sehr kurz sein kann. Versuche, dich immer schlau zu machen, bevor du losfährst, ob das alles noch so stimmt.

Natürlich gibt es weit mehr als die von mir hier beschriebenen Strände, auch in der Hauptsaison. In der Nebensaison wirst du meist keine Probleme mit Hund am Strand haben. Und an vielen Urlaubszielen gibt es zwischen den offiziellen und bewachten Badestränden Plätze, an denen es keinen stört, wenn du dort mit deinem Hund unterwegs bist.

Grundsätzlich ist es an der Küste des Atlantiks und am Ärmelkanal entspannter mit Hund als am Mittelmeer. Allerdings musst du hier auf Gezeiten, Wellen und Unterströmungen achten, die für dich und deinen Hund gefährlich werden können.

Hauts-de-France

Du kennst den Film Willkommen bei den Sch‘tis? Das ist der Norden Frankreichs und die Leute sind wirklich so herzlich wie im Film 🙂 Hauts-de-France besteht aus den ehemaligen Regionen Nord-Pas-de-Calais und Picardie. An vielen Stränden hast du hier Gelegenheit, nicht nur Wasserspaß mit deinem Hund zu haben, sondern auch Seehunde zu sehen. In Berck-sur-Mer darfst du mit Hund den Plage des Sternes zusammen mit Hund nutzen. Direkt am Strand liegt der Campingplatz du Halloy. Die Authie-Bucht zwischen Berck-sur-Mer und Fort-Mahon-Plage ist ein Traumziel für Naturliebhaber. Auch in Fort-Mahon-Plage darfst du außerhalb der bewachten Zone mit Hund an den Strand.

Normandie

In der Haute-Normandie wirst du in den Sommermonaten manches Mal Probleme bekommen, einen passenden Strand für dich und deinen Hund zu finden. Denn kennzeichnend für die Region ist die hohe Steilküste. Dazwischen liegen kleine Badebuchten. Kiesstrand ist vorherrschend und meist ist der Zugang für Hunde im Sommer untersagt. Aus meiner facebook-Gruppe waren im Sommer 2018 Urlauber mit Hund in Varengeville-sur-Mer am Strand und total begeistert. Aber Achtung: Die Zufahrt ist nicht fürs Wohnmobil geeignet, es empfiehlt sich im Ort beim Hotel La Terrasse zu parken.

Wenn dir das zu abenteuerlich ist: In Criel-sur-Mer ist ein Strandabschnitt für Hunde zugelassen, es gibt einen Campingplatz und einen Stellplatz für Wohnmobile. An vielen anderen Orten der Haute-Normandie darfst du in den Sommermonaten mit Hund die bewachten Badestrände nicht betreten.

Etwas besser ist die Situation in der Basse-Normandie, schon weil du meist wirklichen Sandstrand vorfindest und mehr Platz am Strand ist. Trotzdem wurden auch hier in den meisten Orten die Regelungen verschärft, selbst in den ruhigsten Gemeinden wurden Strände in der Hauptsaison gesperrt. Am besten suchst du dir einen ruhigen Strand abseits der bewachten Badestrände, wo du in der Regel noch mit Hund alle Freiheiten genießen kannst.  Ein wirklich cooler Strand ist Utah Beach. Hier kannst du Strandurlaub mit Geschichte verbinden. 300 Meter vom Strand entfernt liegt der Campingplatz Utah Beach. Hier wohnt der erste Hund sogar kostenlos. Viele Infos zu den Stränden in der Normandie findest du auf meiner Seite chienNormandie.

Bretagne

In der Bretagne ist es während der Hochsaison ebenfalls schwierig, einen Strand mit Hund zu finden. Immerhin wurde im Finistère aber das ganzjährige Strandverbot für Hunde gelockert und jetzt auf die Zeit vom 1. Juni bis 30. September beschränkt. Die Gemeinden können von dieser Regelung abweichen, müssen aber Zeiten und Abschnitte, an denen Hunde verboten sind, genau definieren. Unter Hundefreunden sehr beliebt ist Kerlouan, wo du mit Hund das ganze Jahr an den Strand kannst. Hier kannst du zum Beispiel auf dem Camping Plage de Meneham einen entspannten Urlaub verbringen. Auch in Roscoff gibt es einige Strände, die für Hunde frei sind. Im Morbihan gilt Plouharel als eine der hundefreundlichsten Städte.

Vendée

In der Vendée gibt es zwei Orte, die ein Toutou-Tourisme haben, eine Touristinformation, bei der du spezielle Infos für deinen Hundeurlaub erhältst. La Tranche-sur-Mer liegt etwas südlich, die Destination Les Sables d’Olonne etwas nördlich im Département. In La Tranche-sur-Mer sind zwei der Strände das ganze Jahr über mit Hund zugänglich, die Plage Flandre Dunkerque und die Plage de la Belle-Henriette. An den übrigen Stränden werden Hunde am Strand außerhalb der bewachten Badezonen und -zeiten  toleriert.  Campingplätze gibt es in La Tranche-sur-Mer mehrere. Besonders hundefreundlich ist der Camping La Grand Vallee .

Charente-Maritime

Das ganze Jahr über an den Strand darfst du etwas nördlich von Royan, an die Côte Sauvage bei La Tremblade. Offiziell gilt Leinenpflicht und du darfst nicht in die bewachten Badezonen. Im angrenzenden Wald findest du mehrere Campingplätze. Wenn du es ruhig und ohne Animation magst, könntest du auf dem Campingplatz Camping Atlantique Fôret residieren. La Tremblade hat zudem einen Wohnmobilstellplatz.

Aquitaine

Ganz im Süden Frankreichs am Atlantik kannst du an vielen wilden Stränden mit deinem Hund Urlaub machen, abseits der bewachten Badestrände findet sich an vielen Orten ein Plätzchen, wo Hunde geduldet werden. Ein besonders weitläufiger Strand ist Saint Girons Plage. Die Gemeinde Vielle-Saint-Girons hat zudem noch einen Badesee, an den du deinen Hund ebenfalls mitbringen darfst. Der Campingplatz am Strand, Camping Les Tourterelles, lässt zwar nur ein Haustier pro Stellplatz zu, hat aber Hundeduschen und eine Toutou-Bar (eine Hundebar mit Wasser und/oder Leckerlies) für seine vierbeinigen Bewohner.

Pyrénées-Orientales

Dich zieht es eher ans Mittelmeer mit Hund? Dort sind in der Hochsaison viele Strände für Hunde nicht erlaubt, ein paar hundefreundliche Städte habe ich aber doch gefunden. Ganz im Süden etwa Torreilles, das lediglich vorschreibt den Hund an die Leine zu nehmen. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ja, denn einen Haken hat die Sache. Es gibt zwar viele Campingplätze, aber nur die wenigsten sind für den Urlaub mit Hund geeignet. Der eine lässt nur Hunde bis 10 Kilogramm Gewicht zu, der andere hat fast nur noch Mobilhomes auf dem Platz. Am besten bist du wahrscheinlich auf dem Platz Camping les Tropics aufgehoben, der seit 2019 zu Yelloh!Village gehört.

Côte d‘Azur

La Croix Valmer schuf 2017 den ersten offiziellen Hundestrand an der Côte d‘Azur. Das Experiment schien sich für die Gemeinde nicht gelohnt zu haben, seit 2018 sind an ausnahmslos allen Stränden Hunde verboten, auch in der ehemaligen Hundezone. Die benachbarte Gemeinde La Ramatuelle dagegen lässt an allen Stränden Hunde zu. Und mehr Côte d‘Azur als hier kannst du gar nicht haben. Zahlreiche Restaurants und Bars befinden sich direkt am Plage de Pampelonne, der vor allem durch den Film „Und ewig lockt das Weib“ mit Brigitte Bardot weltberühmt wurde. Auch einige der Louis de Funès-Filme wurden hier gedreht. Hier befindet sich auch der legendäre Club 55. Wenn du in Ramatuelle campen möchtest, gibt es einige Campingplätze direkt in Strandnähe, zum Beispiel den familiären Platz Les Eucalyptus.

Mit Hund am Strand in Frankreich – mein Fazit

Wenn du mit Hund am Strand in Frankreich Urlaub machen willst, hast du in der Nebensaison meist keine Probleme, denn hier werden vielerorts Hunde am Strand geduldet. In den Hauptreisemonaten wird es jedoch zunehmend schwieriger, wirklich einen tollen Strand zu finden, der für Hunde zugelassen ist. Explizit für Hunde ausgewiesene Strandbereiche sind rar. Am besten fragst du in der Touristeninformation nach, wie die aktuellen Bestimmungen sind. Ansonsten kannst du dich am Verhalten der Einheimischen und der französischen Urlauber orientieren.

Fotos: (c) Barbara Homolka | www.chiennormandie.de


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