skip to Main Content
Kanutour auf der Mecklenburgischen Seenplatte: Ein Wochenende in der Natur

Kanutour auf der Mecklenburgischen Seenplatte: Ein Wochenende in der Natur

Heute haben wir uns zwei ganz besondere Gastautoren an Bord geholt: Miri und Micha von Outdoornomaden. Die beiden „Outdoormenschen“ und Fotografen berichten auf ihrem Blog über die kleinen und großen Abenteuer des Reisens und des digitalen Nomadentums. Auch sie haben vor einiger Zeit unser größtes Hobby zum Beruf gemacht und halten seitdem überall auf der Welt Herzensmomente fotografisch fest. Ihre Fotoarbeiten findest du auf Miri & Micha. Viel Spaß beim Lesen ihres tollen Reiseberichts zur Kanutour auf der Mecklenburgischen Seenplatte!

Es ist Hochsommer, seit Tagen brennt die Sonne unermüdlich auf uns hinunter. Der perfekte Zeitpunkt um ein Wochenende in der Natur zu verbringen. Schon seit einiger Zeit haben wir mit dem Gedanken gespielt, mal wieder ein paar Tage auf Kanutour zu gehen und heute ist es soweit: Wir packen unsere Sachen zusammen und nehmen den Zug Richtung Süden. Nur anderthalb Stunden später fühlen wir uns wie in einer anderen Welt: Rechts und links der Gleise dichter Wald, nur ab und zu erhaschen wir einen Blick auf blaues Wasser oder einzelne Häuser. Willkommen auf der Mecklenburgischen Seenplatte!

Stürmischer Start in unsere Kanutour: Von Kratzeburg zum Jamelsee

Am Bahnhof angekommen, müssen wir uns erst einmal orientieren und werfen einen Blick auf unsere Wasserwanderkarten. Die Kanustation entdecken wir auf der Karte ganz in der Nähe des Bahnhofs, stellen aber fest, dass wir den Weg wohl auch ohne diese ganz gut gefunden hätten. Kratzeburg ist winzig und wohl unter Wasserwanderern so beliebt, dass alle Einsatzstellen und Kanu-Stationen ausgeschildert sind.

▶▶ Tipps für die Anreise mit dem Zug:

Aus Berlin: mit dem Regionalzug in 1,5h
Aus Rostock: mit dem Regionalzug in 1h
Aus Hamburg: mit RE & ICE in 3,5h

▶▶ Tipps zur Planung:

Packliste für mehrtägige Kanutouren

An der Kanu-Station läuft alles ganz locker und unkompliziert ab. Entgegen unserer Gewohnheit mit einem Kajak zu paddeln, entscheiden wir uns spontan für einen großen Aluminum-Kanadier. Wir sind gespannt Neues auszuprobieren und freuen uns unglaublich auf die vor uns liegende Tour. So paddeln wir kurze Zeit später schon die ersten Schläge auf den offenen See hinaus. Gerade jetzt hat der Wind deutlich zugenommen, sogar erste weiße Schaumkronen sind zu sehen. Wir müssen ganz schön kräftig paddeln um überhaupt voran zu kommen und sind trotz des kühlen Windes kräftig am Schwitzen. Wir bemerken, dass unser großer Kanadier ziemlich windanfällig ist, das waren wir von unseren kleinen Kajaks so bisher nicht gewohnt.

Sobald wir auch nur eine Sekunde verschnaufen, schiebt uns der Wind wieder viele Meter zurück. „Na das kann ja was werden“, denken wir schon wenige Minuten nach unserem Start und sind insgeheim froh heute die meiste Zeit durch süße, windgeschützte Kanäle paddeln zu dürfen.

Kurze Zeit später ist es soweit: Der See verengt sich immer weiter bis wir schließlich in den oberen Havelkanal hinein paddeln. Zeit für eine kleine Verschnaufpause. Hier ist es unglaublich ruhig und friedlich. Das Wasser ist unbewegt, kein Rauschen des Windes übertönt hier die Geräusche des Waldes. Ein paar Minuten sitzen wir einfach nur in unserem Kanu, genießen und stauen. Wow, wir wissen nicht wann wir das letzte Mal solch vollkommende Stille wahrnahmen.

Von nun an kommen wir mit unserem Kanu viel entspannter voran. Ohne Gegenwind scheinen wir durch die engen Kanäle zu fliegen, so leise und fließend bewegen wir uns. Die Zeit vergeht schnell, dann sehen wir schon die erste Umtragestelle.

Der Havelkanal ist hier zwischen dem Schulzensee und dem Pagelsee für ganze 800 Meter unterbrochen. Für uns heißt es nun aussteigen, ausladen und diese Stelle zu Fuß umgehen. Für den Transport unseres (doch recht schweren) Kanadiers steht zum Glück eine Metalldraisine bereit. Mit etwas Schwung und reichlich Kraft findet dieses schnell ein passendes Plätzchen auf dem Wagen und schon geht die Fahrt los. Gemeinsam mit einigen anderen Kanuten schieben wir den nun 5 Boote schwereren Wagen Schritt für Schritt zur Einsetzstelle am Pagelsee. Puh, der heutige Tag verlangt uns ganz schön Muskelkraft ab. Dennoch: Was für ein Abenteuer!

Danach liegt der gemütliche Teil des Tages vor uns. Wir paddeln durch die engen Kanäle der Steinhavel und passieren kleine, wilde Seen. Hier inmitten des Naturschutzgebietes Mecklenburgische Kleinseenplatte ist nicht einmal das Betreten des Ufers erlaubt. Welch eine Ehre, diese magische Gegend zu Wasser passieren zu dürfen. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Schneller als wir es für möglich gehalten hätten erreichen wir den Campingplatz „Zum Hexenwäldchen“ am Jamelsee.

Noch bis in die Nacht hinein sitzen wir am Ufer des Sees und beobachten die Sterne. Was für ein wunderschöner Fleck Erde, hier im Herzen Mecklenburgs!

Highlights der Etappe:

  • Die gesamte Etappe liegt in der Kernzone des Nationalparks und es darf nur entlang der Tonnen gepaddelt werden. Komplett wilde Natur, wie du sie sonst selten zu Gesicht bekommst!
  • Umtragestelle: 800m lang, zwischen Schulzensee und Pagelsee mittels bereitstehender Lore

Etappe 2: Vom Jamelsee zum kleinen Labussee

Mit dem Sonnenaufgang werden wir langsam wach. Der erste Blick aus dem Zelt, gilt dem Himmel: Hinter den grünen Hügeln sehen wir die Sonne aufblitzen umringt von schönsten Blau. In unseren Gesichtern breitet sich ein dickes Grinsen aus und euphorisiert krabbeln wir aus dem Zelt. Was kann es schöneres geben, als so geweckt zu werden? Schon nach einem Tag hier in der Seenlandschaft haben wir eine unglaublich angenehme, innere Ausgeglichenheit gefunden. Unser Alltag und die Arbeit scheint meilenweit entfernt, und mit ihm all die kleinen Dinge, welche uns sonst so schnell aus der Ruhe bringen.

Glücklich holen wir beim Campingimbiss ein paar frische Brötchen und machen es uns vor dem Zelt bequem. Schon jetzt ist die Sonne unglaublich stark, es wird ein heißer Sommertag werden!

Gegen 10 Uhr haben wir all unsere Sachen zusammengepackt und unser Kanu wieder ins Wasser gesetzt. Es geht weiter! Heute haben wir uns entschieden nur eine kurze Etappe einzulegen, denn der kleine Labussee, welcher unser heutiges Ziel ist, liegt nur wenige Kilometer entfernt.

Doch die Steinhavel hält auch heute wieder so einige Überraschungen für uns parat. Das Wasser ist so unglaublich klar, dass wir die Fische um unseren Kanadier herum sehen können und wir entdecken viele, uns unbekannte Vogelarten, welche hier scheinbar weniger scheu sind.

Wir können gar nicht genug von der Schönheit der Natur bekommen und halten immer wieder an, um die Tiere zu beobachten oder zu fotografieren. Während wir so langsam vorantreiben, bemerken wir, dass inzwischen vereinzelte Holzhäuser die Ufer säumen. „Wo sind wir denn nun gelandet?“, fragen wir uns, und werfen einen Blick auf unsere Wasserwanderkarte. Wir sind in Blankenförde, einem winzigen Dorf hier inmitten der mecklenburgischen Seenlandschaft! Die Häuschen sehen urig aus und wir können unsere Blicke kaum abwenden. Ein älterer Herr schaut aus seinem geöffneten Fenster auf uns Kanuten herunter und wir winken fröhlich zurück. „Wie wäre es wohl hier zu leben?“, fragen wir uns, und paddeln langsam weiter.

Wenig später öffnet sich der Kanal zum Useriner See hin, welchem wir über seine gesamte Länge folgen. Glücklich stellen wir fest, dass heute der Wind wohl auf unserer Seite ist, denn dieser pustet schön konstant von hinten und schiebt uns und unser Kanu in Richtung der anderen Uferseite. Die perfekte Gelegenheit um schon einmal die Karten zu studieren. Auf so einem großen See den so winzig kleinen Havelkanal zu finden, ist nämlich gar nicht so einfach und erfordert etwas Geduld. So auch dieses Mal: Von dem großen Wegweiser ist weit und breit noch nichts zu sehen. Dafür finden wir aber den auf der Karte eingezeichneten FKK-Campingplatz und müssen etwas schmunzeln. Solche Camping-Konzepte sind ja typisch für Mecklenburg. Wir legen nicht an und lassen uns vom Wind weiter über den See schieben.

Immer wieder halten wir Ausschau nach dem Zeichen für den Kanal. „Ach, guck mal da ist es!“, plötzlich taucht das große, weiße Quadrat hinter ein paar Büschen und Bäumen auf. Wir schnappen unsere Paddel und mit kräftigen Zügen schieben wir unser Kanu in den Kanal hinein. Weit kommen wir nicht, denn im Kanal erwartet uns bereits das nächste Abenteuer: Die erste Schleuse!

Dass wir die Schleuse so schnell erreichen, hätten wir nicht erwartet. Auf der Karte hätten wir die Entfernung deutlich größer eingeschätzt. Dort angekommen, müssen wir allerdings feststellen, dass wir die letzte Schleusung knapp verpasst haben. Weit und breit ist sonst niemand zu sehen. Der Blick auf das Schild verrät, dass der nächste Scheusvorgang auch erst für den Nachmittag angesetzt ist. Schade, das hätten wir gerne erlebt! Zum Glück gibt es nebenan einen Lorenwagen. Wieder einmal sind wir erstaunt, wie durchdacht die Infrastruktur für Kanuten hier in der Mecklenburgischen Seenplatte ist.

Da wir gestern bereits das Umsetzen mittels Lore geübt hatten, geht heute alles Hand in Hand, schon sitzt unser Kanadier auf der anderen Seite wieder im Wasser. An dieser Stelle verlassen wir die innere Zone des Naturschutzgebietes, und mit diesem auch die Zone des Motoren-Verbotes. Vor uns liegt der Große Labussee und wir sind gespannt was uns hier nun erwarten wird!

Gespannt beobachten wir das Geschehen und sind überrascht. Tatsächlich hat sich einiges geändert: Wir treffen auf Angler, vereinzelte Hausboote und finden einige kleine Häuschen an der Wasserkante.

Wir entscheiden uns den bekannten Campingplatz am großen Labussee links liegen zu lassen und steuern stattdessen den unter Wasserwanderern recht unbekannten Campingplatz am Kleinen Labussee an. Ein Blick auf unsere Karte zeigt ernüchterndes: Der Campingplatz ist dort nicht einmal eingezeichnet. Das muss ja ein echter Geheimtipp sein, denken wir, und sind gespannt, was uns erwartet.

Die Highlights der 2. Etappe:

  • Nationalpark-Information und Fotoausstellung: in Blankenförde, nahe der Fachwerk-Kirche
  • Umtragestelle / Schleuse: zwischen großem Labussee und Useriner See
  • Tolle Badestelle: nahe dem „Campingplatz Kleiner Labussee“ am Weißen See

Etappe 3: Vom Kleinen Labussee zum Gobenowsee

Als die ersten Sonnenstraßen unser Zelt küssen stehen wir auf. Uns gefällt es, unseren Tagesablauf nur nach der Sonne zu richten. Aufstehen, wenn es hell wird, schlafen, sobald es dämmert. Was könnte es natürlicheres geben als das?

Mit dem ersten Licht packen wir unser Kanu und machen uns auf den Weg zu unserem Ziel, der Kanu-Station Wustrow. Von dort aus wird uns der Betreiber des Kanu-Verleihs aus Kratzeburg abholen. Unglaublich, dass nun schon der letzte Tag unserer Tour angebrochen ist.

▶▶ Tipp: Wenn dir drei Tage Kanu-Reise nicht genug sind, schau mal hier. Hier findest du einen Routenvorschlag und Erfahrungsbericht über eine sieben-tägige Kanutour auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

An das Ende unserer Reise möchten wir nun aber noch gar nicht denken. Gerade jetzt, wo auf der Seenplatte noch alles ruhig ist, können wir die Natur in vollen Zügen genießen. Das Wasser der Seen ist spiegelglatt, um unser Kanu herum springen Fische. In regelmäßigen Paddelschlägen schieben wir uns durch die noch ruhende Natur. Dieses sanfte Licht am Morgen, die vollkommene Stille, die Stimmung ist magisch.

Schneller als wir es dachten kreuzen wir den Großen Labussee und folgen wieder der Steinhavel. Inzwischen erwacht die Welt um uns herum aus dem Schlaf. Die ersten Angler werfen ihre Ruten aus und wir geben uns Mühe sie großzügig zu umrunden.

Schließlich erreichen wir den Woblitzsee und staunen. Das andere Ufer können wir nur mit zusammengekniffenen Augen erkennen. Schemenhaft bildet sich dieses am Horizont ab und wir können nur raten, was uns dort erwarten wird.

Mit der kühlen Luft des Morgens paddeln wir frisch und motiviert drauf los. Wow, im Vergleich zu den letzten Tagen ist hier so viel los! Während wir so den See über seine gesamte Länge folgen, passieren wir einige alte Holzstege, sehen Ferienhäuschen mit Garten, ja sogar einen riesigen Ferienpark! Auch der Kleinstadt Wesenberg kommen wir nun immer näher. Das zeigt sich natürlich auch auf dem Wasser. Wir begegnen mehreren Motorbooten, Paddlern und Anglern und nach Tagen der Ruhe freuen wir uns und winken ihnen freudig zu.

Bald schon sehen wir das große, weiße Quadrat zwischen den Bäumen auftauchen, welches uns den Weg in den nächsten Kanal weißt. Wir tauchen ein, dann ist es Zeit für eine Pause. An der Kanumühle ziehen wir unser Kanu an Land und lassen uns auf den Picknickbänken am Wasser nieder. Zeit etwas Kraft zu tanken!

Schließlich steht das letzte Abenteuer unserer Kanu-Tour bevor: Die große Schleuse von Wesenberg! Als wir die Schleuse noch nicht einmal sehen können, liegen links am Kanalrand schon kleine wie große Motorboote dicht an dicht. „Müssen wir jetzt hier hinten warten?“, fragen wir uns. Wir sind etwas ratlos. Dann entdecken wir zwei Kanuten, recht weit vorne, und entscheiden diesen zu folgen. „Die beiden werden sich bestimmt auskennen“, denken wir uns. Da sollten wir Recht behalten. Ganz vorn, gleich an der Schleuse, erkennen wir schließlich weitere Wasserwanderer, sowie ein großes Schild. „Wasserwanderer hier warten“, steht darauf. Hier sind wir richtig.

Später beginnt der Schleusenwart mit der Einweisung der Boote. Zuerst dürfen die ganz großen Motorjachten einfahren, dann kleinere Hausboote. Wir Wasserwanderer sollen die offenen Lücken füllen. Schließlich ist in der Schleuse kein Quadratmeter Wasser mehr frei.

Hinter uns schließen sich die Tore und das Wasser fließt in einem Affenzahn ab. Wenig später sitzen wir einige Meter tiefer und dürfen ausfahren. War ja alles halb so schlimm!

Nun stehen die letzten Kilometer unserer Tour an und wir nehmen die Umgebung mit vollen Zügen in uns auf. Unsere Route führt uns nun durch die verwunschenen Kanäle der Schwaanhavel, welche als eines der Highlights der Mecklenburgischen Seenplatte gelten. Auch wir lieben die engen Kanäle, sowie die Wildnis die hier herrscht.

Highlights der 3. Etappe:

  • Hochseilgarten: Am Ferienpark Woblitzsee
  • Kleiner Landgang: Besuch der Kleinstadt Wesenberg
  • Lieblings-Rastplatz: Kanu-Mühle bei Wesenberg
  • Sogar international berühmt: Die wilde Schwaanhavel
  • Lieblingscampingplatz: Kanustation Wustrow

Wusstest du: Alle hier genannten Campingplätze zählen zu unserer Meinung nach zu den Schönsten der Mecklenburgischen Seenplatte. All unsere Lieblinge findest du hier.

Bald schon, und viel schneller als wir es erwartet hatten, erreichen wir die Umtragestelle an der Kanustation Wustrow. Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht tragen wir unser Kanu hoch zur Straße und treffen dort auf den Wagen unseres Kanuverleihs, der schon für uns bereitsteht. Nach dem Verladen des Kanus steigen wir in das Auto. In den wenigen Minuten die unserer Fahrer braucht um zurück zu unserem Ausgangspunkt zu gelangen, lassen wir die Erlebnisse der vergangenen Tage Revue passieren.

Fotos: (c) Miri und Micha | Outdoornomaden

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann teile ihn mit deinen Freunden!

Bitte bewerte diesen Beitrag:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Bei einer Bewertung speichern wir deine IP-Adresse um Mißbrauch zu verhindern. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Hallo, schöner Bericht. Ich frage mich aber, warum müsst ihr schmunzeln wenn ihr an einem FKK Campingplatz vorbei fahrt?
    Gruß Stefan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top