Der Trollstigen In Norwegen

Keine Angst vor der Fahrt über den Trollstigen

Unsere Fahrt mit dem Wohnmobil über den Trollstigen in Norwegen

Mein Puls rast, während ich hier auf dem Rastplatz stehe und den Berg vor mir emporschaue. An die engen Straßen hier in Norwegen haben wir uns in den letzten Wochen fast schon gewöhnt. Ebenso wie an das zahlreichen Berge hinauf und hinabfahren. Allerdings ist der Trollstigen nochmal eine ganz besondere Herausforderung und mir ist jetzt schon ganz flau, wenn ich an die vor uns liegende Auffahrt denke.

Nachdem ich das Treiben auf dem grauen Zick-Zack-Band vor mir noch eine Weile beobachtet habe, gehe ich zurück zu meiner Familie ins Wohnmobil. “Ich bin soweit”, sage ich und es kann losgehen.

Aber was ist der Trollstigen eigentlich?

Einst war er ein schmaler Pfad, bis der Ausbau 1936 fertig war und die Strecke für den Straßenverkehr freigegeben wurde. Der Trollstigen ist heute eine bei Touristen sehr beliebte Bergstraße in Fjord-Norwegen. Die als RV63 bekannte Straße hat ein Gefälle von bis zu 9% und ist für ihre elf Haarnadelkurven berühmt. “Trollstigen” heißt übersetzt “Trollleiter” und wenn du dir die Straße von unten anschaut, bekommst du eine Ahnung, wieso sie diesen Namen trägt.

Wir fädeln uns noch gerade eben vor einem gelben Reisebus in den Verkehr, denn ich kann mir ganz bestimmt etwas Besseres vorstellen, als diese Strecke hinter einem Bus herzugondeln. Mein Partner und gleichzeitig (zu meinem Glück) auch der Fahrer ist die Ruhe selbst und nimmt geschmeidig die erste, noch harmlose Kurve. In einer guten Entfernung fahren uns zwei Wohnmobile voraus. Bisher kam uns noch kein Fahrzeug entgegen, aber das wird sich ganz bestimmt in den nächsten Sekunden ändern.

Wir bekommen schon einen beeindruckenden Ausblick auf die Wassermassen, die von dem Wasserfall “Stigfossen” den Berg hinunterpreschen. Eine geschwungene Steinbrücke ist oben am Berg zu sehen.

Lage des Trollstigen

Die Bergstraße liegt in Fjord-Norwegen und verläuft zwischen Valldal (35 Kilometer südlich) und Åndalsnes (20 Kilometer nördlich). Die Strecke Trollstigen ist Teil der bekannten Landschaftsroute “Geiranger – Trollstigen”, welche insgesamt 104 Kilometer misst.

Die erste Haarnadelkurve liegt vor uns. Ich atme nochmal tief durch. Das ist gar nichts für meine Nerven und ich gebe zu, ich bin in solchen Situationen keine gute Beifahrerin. Ich bin sehr froh, dass unsere Tochter in das Spiel mit ihrem Teddy vertieft ist. Babygeschrei könnte hier jetzt wohl niemand gebrauchen. Die erste Haarnadelkurve nehmen wir ohne Probleme und weiterhin ohne Gegenverkehr.

Je weiter wir fahren und je höher wir kommen, desto gigantischer wird der Ausblick. Unter uns ist schon das nächste Wohnmobil zu sehen. Wir haben Glück, dass der Regen – der uns schon die letzten Tage begleitet – für ein paar Stunden eine Pause einlegt. Denn diese Strecke im strömenden Regen wünscht man sich nicht.

Welche Fahrzeuge findest du auf dem Trollstigen?

Der Trollstigen ist für alle Arten von Fahrzeugen geöffnet. Fahrradfahrer, Motorräder, Autos, Wohnmobile, Autos mit Wohnwagen, Busse und auch LKWs sind auf der Serpentinenstraße anzutreffen.

Die Fahrt über den Trollstigen ist wesentlich entspannter, als ich es mir vorgestellt habe. Nichtsdestotrotz klopft mein Herz munter weiter – wer weiß, was noch kommt. Auch die nächsten Kurven sind sehr entspannt zu fahren. Die Fahrer in den Fahrzeugen sind wohl überwiegend Touristen und die Busfahrer den Touristenansturm gewöhnt, so dass wir finden, dass alle sehr relaxt und rücksichtsvoll fahren.

Das erste Fahrzeug, das die Möglichkeit hat, hält in einer Haltebucht und das andere passiert. Da wir klare Sicht haben, kann ich – als Beifahrerin – die vor uns liegende Stecke und den Gegenverkehr sehr gut beobachten. Nebenher mache ich Fotos und versuche den Blick auf die Schönheit dieser Landschaft zu richten.

Was gibt es Sehenswertes auf der Fahrt über den Trollstigen?

Bei der Fahrt über den Trollstigen gibt es neben einer atemberaubenden Aussicht über das Tal und die Haarnadelkurven, einen beeindruckenden 320 Meter hohen Wasserfall, den Stigfossen und eine gigantische Bergwelt. Oben angekommen findest du im Trollstigen Besucherzentrum ein Café und einen Souvenirshop. Ein kurzer Weg führt zu zwei unbedingt empfehlenswerten Aussichtsplattformen. Vom Besucherzentrum aus kannst du außerdem zu einigen Wanderungen starten.

Die hohen Berge sind imposant und das Wasser des Wasserfalls fliest durch das weite Tal – die Aussicht ist wirklich atemberaubend. Richtige Halte- oder Parkmöglichkeiten – um die Aussicht zu genießen – gibt es auf dem Trollstigen keine. Einzig ein kurzer Seitenstreifen direkt vor der Stigfossenbrücke. Dieser Parkplatz ist – wie zu erwarten – natürlich voll besetzt und wir haben keine Möglichkeit anzuhalten.

Wir hören die Wassermassen mit viel Getöse den Berg hinunterrauschen. Die nächsten Haarnadelkurven liegen vor uns. Wir befinden uns zum Glück gerade neben einer Haltebucht, als uns ein Bus entgegen kommt. Die Straße an sich ist zu schmal, als dass er passieren könnte. Dank der Haltebucht können wir uns aber ein Stück weiter an den Rand drängen und der Bus quetscht sich ganz langsam an uns vorbei. Viel Platz ist nicht zwischen unseren Fahrzeugen.

Reiseplanung für den Trollstigen

Wenn du eine Fahrt über den Trollstigen planst, solltest du als erstes die Wetterbedingungen checken. Denn sobald Schnee fällt, wird der Trollstigen geschlossen und eine Überfahrt ist nicht möglich. In der Regel kannst du dir merken, dass die Passstraße von Anfang Juni bis Ende September befahrbar ist. Desweiteren empfehle ich dir, einen Puffertag einzulegen, wenn das Wetter am Reisetag sehr regnerisch und nebelig gemeldet ist. Denn diese Straße und die Wahnsinnsaussicht wirken natürlich nur, wenn du auch tatsächlich etwas siehst. Im Nebel stelle ich mir die Fahrt zwar sehr gespenstisch aufregend vor, aber auch sehr anstrengend, da du die Kurven noch schlechter einsehen kannst.

Ich habe es nicht so mit der Höhe, doch hier komme auch ich nicht drumherum, einen Blick nach unten zu werfen. Das graue Teerband schlängelt sich durch die grün-graue Landschaft und die Fahrzeuge sehen aus wie kleine Spielzeuge. Ein faszinierender Anblick.

Aber die nächste Kurve liegt vor uns und so muss ich den Blick wieder nach vorne und oben richten. Zwei Radfahrer kommen uns mit vollem Speed entgegen. “Das ist bestimmt ein tolles Gefühl”, sage ich zu Christian. Nur über den Anstieg auf der Anfahrt wollen wir lieber nicht nachdenken.

Je höher wir kommen, desto beeindruckender wird die Aussicht. Der riesige Wasserfall zieht sich wie ein weißes Band durch die Landschaft, die Bergspitzen liegen nur noch wenige hundert Meter über unseren Köpfen und so langsam werden die Aussichtsplattformen vom Trollstigen sichtbar. Der Parkplatz, wo wir zu Beginn unserer Fahrt über die Serpentinenstraße gehalten haben, ist kaum noch zu erkennen.

Wir überholen einen Radfahrer, der sich den Berg hinaufquält, ein Jogger kommt uns auf der Straße entgegen – hier ist was los. Der Trollstigen kann übrigens auch erwandert werden. Querfeldein führt ein Pfad hinauf, wobei immer wieder die Straße überquert werden muss.

Das Fahren auf dem Trollstigen

Entlang des Trollstigens gibt es einige schmale Stellen, wo keine zwei Fahrzeuge nebeneinander herpassen. Entlang der Bergstraße gibt es allerdings immer wieder Haltebuchten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass in der Regel sehr rücksichtsvoll gefahren wird. Du musst allerdings jederzeit damit rechnen, ein Stück zurücksetzen zu müssen. 2005 wurde die Strecke überarbeitet und einige Kurven und Engstellen wurden ausgebaut, dementsprechend ist die Fahrt heute schon wesentlich entspannter, als noch vor einigen Jahren.

Die letzte Kurve ist geschafft und die erste Aussichtsplattform liegt direkt vor uns. Wenige Meter weiter passieren wir das Trollstigen-Besucherzentrum. Der Ansturm ist groß und dementsprechend voll ist der Parkplatz. Wir ergattern einen der Wohnmobilplätze, packen unsere Wertsachen zusammen und machen uns auf den Weg zu den Aussichtspunkten. Diese solltest du auf keinen Fall verpassen, der Ausblick ist gigantisch und die Bilder werden wir lange nicht aus unseren Köpfen bekommen.

Fazit unserer Fahrt über den Trollstigen mit dem Wohnmobil

Auch nach der Fahrt über den Trollstigen senkt sich mein Puls nur ein wenig, was aber eher den großartigen Landschaften zuzuschreiben ist. Ja, das Fahren mit einem Wohnmobil auf dem Trollstigen ist eine Herausforderung und erfordert eine ordentliche Portion Geduld, aber Angst haben brauchst du davor nicht. Es gibt zahlreiche Ausweichbuchten und die Fahrer fahren in der Regel vorsichtig und relativ rücksichtsvoll. Du solltest für die Fahrt über den Trollstigen unbedingt ausreichend Zeit einplanen: Nicht nur des Fahrens wegen, sondern auch um die traumhaften Aussichtspunkte voll auskosten zu können. Hier lohnt sich ein Verweilen. Hier kannst du nachlesen, was dich noch auf einer Fahrt mit dem Wohnmobil durch Norwegen erwartet.

Außerdem haben wir in zwei weiteren Beiträgen Informationen zu den norwegischen Fjorden und Tipps zum Campen in Norwegen für dich zusammengestellt.

Fotos: (c) Tanja Klose

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare
  1. Also eigentlich ist der Trollstigen auch nur eine Paßstraße und kein so großes Problem, Reisebusse fahren da drüber, die meisten Wohnmobile sind ja doch kleiner. An einigen Stellen ist es zwar eng und man muss zurücksetzen, aber das Problem hat man an vielen sehenswerten Strecken in Norwegen (z.b. an Fjorden). Meiner Erfahrung nach ist die Strecke zwar spektakulär, aber nicht unbedingt extrem ungut zu befahren.

    1. Hallo Christian,

      das stimmt. Die Frage, wie problematisch solche Strecken tatsächlich sind, hängt sicherlich ganz viel von der Erfahrung und dem eigenen Sicherheitsempfinden ab. Tanja hat ja rückblickend auch für sich festgestellt, dass es doch gar nicht weh getan hat… 🙂 Und wir werden die Route wohl ebenfalls mal mit unserem Gespann in Angriff nehmen (12 Meter!), mal sehen, wie es uns dabei ergeht.

      Liebe Grüße!
      Nele

      1. nele ich wünsche euch alles gute. es lohnt sich auf jeden fall. ihr müßt nur ein wenig vorsicht walden lassen, aber deine tanja hat ja ein gutes gefühl sollte man meinen.
        ich wünsche euch tolle tage in norwegen.
        udo

        1. Vielen Dank! Erstmal geht es für uns nach Portugal, in die Sonne. Norwegen wird wohl nächstes Jahr auf dem Programm stehen 🙂
          Liebe Grüße und auch für euch weitere wunderbare Reisen! Nele.

    2. da muß ich dir recht geben christian ,wir sind auch schon mehrmals diese strecke gefahren.
      es ist immer wieder beeindruckend. überhaupt norwegen.

    1. Liebe Kerstin,

      herzlichen Dank für das Lob. Ich freue mich, dass ich dir das Gefühl vermitteln konnte. Vielleicht erlebst du die Fahrt ja selbst einmal und gibst uns ein Feedback, ob es sich auch real für dich so anfühlt.

      Viele Grüße,
      Tanja

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