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Kolumne: Einweisen, Ehezoff und Einparkdramen

Kolumne: Einweisen, Ehezoff und Einparkdramen

Unser lieber Kollege Henning, seines Zeichens Blogger, Wohnmobilbewohner, Facebookgruppen-Aufmischer und bekennender Sarkastiker, wirft in unserer neuen Kolumne einen Blick auf Themen, die die Camperwelt bewegen.

Mit einem Augenzwinkern und dem einen oder anderen bissigen Kommentar analysiert er die oftmals hitzigen Social-Media-Diskussionen rund um Thermomix, Camperhunde, Dickschiffe, Grußverweigerer und Kuschelcamper. Viel Spaß beim Lesen und Bühne frei für Henning!

 

Ich bin sicher nicht der eifrigste Beobachter der Nachbarschaft, aber wenn draußen das Geschrei einsetzt und Motoren aufheulen, dann muss ich gucken. Meist kann man dann beobachten, wie Neuankömmlinge das Wohnmobil auf den Stellplatz rangieren. In aller Regel steigt dazu die Beifahrerin aus, im weiteren Verlauf dieses Textes „Mutti“ genannt. Vati bleibt am Steuer und folgt ihren Anweisungen. So ist es zumindest in der Theorie. Doch selten sind da wirkliche Profis am Werk, die zügig und unauffällig zusammenarbeiten und das Campinggefährt flott in die Lücke flutschen lassen. Es kann aber auch sein, dass mir die gar nicht auffallen, weil die eben ohne vorheriges Aufheulen lassen des Motors und ohne Geschrei irgendwann einfach da stehen.

Bei denen, die mir auffallen, steht die Mutti irgendwo im toten Winkel herum, fuchtelt und schreit, aber Vati macht doch, was er will. Mitunter stockt mir bei diesen Szenen auch der Atem, zum Beispiel wenn sie hinter dem rückwärts rollenden Mobil die Seiten wechselt und an die Rückwand klopft, um nicht überfahren zu werden. Ich weiß von mindestens einem Fall in den letzten Jahren, da ist die einweisende Beifahrerin tatsächlich überfahren worden. Das Thema kann also schnell ziemlich ernst werden und bei der Beobachtung von so manchen Einpark-Dramen frage ich mich, warum sich die Beifahrerin in diese Gefahr begeben hat, vor allem dann, wenn am Heck des Fahrzeugs deutlich eine Rückfahrkamera zu erkennen ist. Wenn beide sich nicht vorher abgesprochen haben und nicht genau wissen, was sie tun oder sogar unterschiedliche Vorstellungen vom anzusteuernden Stellplatz haben, sollte nur die Person am Steuer die Verantwortung beim Rückwärtsfahren tragen.

Ich fahre ja allein, also ohne einweisenden Beifahrer. In seltenen Fällen springen mir wohlmeinende Zeitgenossen bei, die dann irgendwo im Weg oder im toten Winkel herumstehen, schreien und fuchteln und ganz sicher sofort unauffindbar sind, sollte ich doch irgendwo angestoßen sein. Wenn die nicht allzu aufdringlich sind, ignoriere ich sie.

Einmal bin ich in einer sehr knappen Durchfahrt fast stecken geblieben. Links stand ein geparktes Auto, rechts war ein Regenfallrohr und die Hauptstraße war wegen eines Umzugs gesperrt. Da haben sich aus der Schlange hinter mir zwei Mann gefunden, die mich, weil sie ja auch endlich weiter wollten, durch das Nadelöhr hindurch gewunken haben, in dem der eine auf die linke Seite, der andere auf die rechte Seite geachtet hat. Wenn sie sich einig waren, in welche Richtung ich lenken soll, habe ich das gemacht und bin langsam gefahren, waren sie sich nicht einig, habe ich nichts gemacht, denn mit angelegten Spiegeln war da für mich nichts mehr zu sehen.

Bei anderen mobilen Paaren steigt die Mutti selbst dann zum Einweisen aus, wenn der Platz riesig groß und frei von Hindernissen ist. Wenn ich so etwas sehe, komme ich mir immer wie der tollste Autofahrer der Welt vor, dass ich es schaffe, dort ohne Hilfe schadensfrei rückwärts zu fahren.

Natürlich hat man auch in den sozialen Medien eine Meinung zum Einweisen. Dort habe ich schon die recht steile These gelesen, dass ein Beifahrer, der beim Rückwärtsfahren nicht aussteigt, wegen fahrlässiger potenzieller Sachbeschädigung angezeigt werden sollte. Rechtlich ist das sicher nicht haltbar, denn der Fahrer oder die Fahrerin trägt die Verantwortung, niemand sonst. Auch dürften bei strenger Auslegung dieser These Alleinfahrer niemals rückwärts fahren. Sicher gibt es manche in den Gruppen, die das ernsthaft so sehen. Dann müssten aber auch Speditionen wieder zwei Mann auf den Bock eines LKW setzen, was das Gewerbe sehr wahrscheinlich in den Ruin treiben würde.

Neben der Unterhaltung kann ich in diesem Beitrag etwas praktische Lebenshilfe bieten und wenn es nur für das Rückwärtsfahren mit dem Wohnmobil ist: Sehr nützlich ist dabei natürlich eine Rückfahrkamera. Die sollte so eingestellt sein, dass das hintere Ende des Fahrzeugs gerade noch auf dem Bildschirm zu sehen ist. Ähnliches gilt für die Rückspiegel. Darin sollte man noch die jeweils hinteren Ecken sehen können, um den seitlichen Abstand zu Hindernissen einzuschätzen. Wer jetzt mit nicht mehr als Standgas langsam rückwärts rollt und dabei ständig die Außenspiegel und den Monitor der Rückfahrkamera im Auge behält, hat gute Chancen, schadensfrei den anvisierten Platz zu erreichen. Alleinfahrer sind schon durch naheliegende Umstände gezwungen, das immer wieder zu üben. Natürlich gibt es Situationen, in denen die Rückfahrkamera nicht alles zeigen kann, wie niedrige Dachkanten oder unter Gebüsch verborgene Steine. Dann steige ich auch aus, um mir das alles vor Ort anzusehen. Es ist ja auch keine Schande, sich einweisen zu lassen. Nur sollten alle Beteiligten eine Vorstellung davon haben, wie die Verständigung abläuft und was das gemeinsame Ziel der Aktion sein soll. Bei manchen Einweise-Dramen sieht es für mich als unbeteiligten Beobachter nicht so aus, als ob diese Voraussetzungen gegeben sind.


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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Treffend beschrieben, habe mich (fast) wieder erkannt. Und musste laut lachen! Köstlich!
    Jedoch haben wir das „im-toten-Winkel-stehen“ hinter uns, ich stehe jetzt dort, „wo Vati mich sieht“ .
    Frauen sind doch lernfähig 🙂

  2. „…steht die Mutti irgendwo im toten Winkel herum, fuchtelt und schreit, aber Vati macht doch, was er will. “ hahaha köstlich 😀

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