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Wohnmobil, Reisemobil – oder doch ein Camper?

Wohnmobil, Reisemobil – oder doch ein Camper?

Unser lieber Kollege Henning, seines Zeichens Blogger, Wohnmobilbewohner, Facebookgruppen-Aufmischer und bekennender Sarkastiker, wirft in unserer neuen Kolumne einen Blick auf Themen, die die Camperwelt bewegen.

Mit einem Augenzwinkern und dem einen oder anderen bissigen Kommentar analysiert er die oftmals hitzigen Social-Media-Diskussionen rund um Thermomix, Camperhunde, Dickschiffe, Grußverweigerer und Kuschelcamper. Viel Spaß beim Lesen und Bühne frei für Henning!

Wer auf der Landstraße ewig mit ca. 70km/h dahinter zuckeln muss, dem ist es egal, ob das Campinggefährt, an dem es kein Vorbeikommen gibt, nun ein Wohnmobil, ein Reisemobil oder doch ein Camper ist. Ebenso in hauptamtlich eher nicht mit Campingthemen befassten Medien, da werden bewohnbare Fahrzeuge schnell zum Wohnwagen, egal ob mit eigenem Antrieb oder nicht.

Doch in Foren und Gruppen wird die Frage, ob man denn nun ein Wohnmobil oder ein Reisemobil fährt, immer wieder mit großem Ernst diskutiert. Ich ziehe mich in diesen Diskussionen meist, vor allem aus Buchstaben-Ökonomie, auf den Begriff Camper zurück. Damit sind immerhin drei bis vier Zeichen eingespart.

Doch so einfach darf man es sich natürlich nicht machen, außerdem kommt man so schnell in den Verdacht, geizig zu sein.

Vor einer Weile habe ich mir den Unterschied erklären lassen. Also, das ist so:

  • Ein Reisemobilist fährt natürlich ein Reisemobil, wechselt häufig den Standort und nutzt Stellplätze nur zur Ver- und Entsorgung.
  • Ein Wohnmobilist dagegen fährt ein Wohnmobil, bleibt damit oft länger auf einem Fleck, wohnt also in seinem Wohnmobil und beobachtet dabei akribisch die Nachbarschaft, um darüber in den sozialen Netzwerken herzuziehen.
  • Ein Camper tut all das, was schon der Wohnmobilist tut, nur auf einem Campingplatz.

Unschwer zu erkennen, dass diese Erklärung von jemand stammt, der sich selbst als Reisemobilist sieht. Klar dürfte aber auch sein, dass insbesondere Wohnmobilisten und Camper für den Fortbestand dieser Kolumne unerlässlich sind. Würden auf den Straßen nur noch Reisemobilisten herumwuseln und keine Wohnmobilisten mehr auf Stellplätzen, bzw. Camper auf Campingplätzen stehen und die Nachbarschaft beobachten, bräche der Nachschub an kleinen Alltagsdramen wohl ziemlich schnell weg. Denn aus der obigen Beschreibung kann man auch zum Nachteil des Reisemobilisten ableiten, dass der ziemlich Ich-bezogen durch die Lande fährt und sich wenig für seine Mitmenschen interessiert.

Mache ich mir den heiligen Ernst, mit dem Manche das Thema betrachten, für den Moment zueigen, dann ist es wohl so, dass ich mich vom Reisemobilsten zum Wohnmobilisten gewandelt habe. Ich stehe also längere Zeit auf demselben Platz herum. Die direkte Nachbarschaft ist dabei selten auffällig, allenfalls beim Einweisen, dennoch bleibt die Szene natürlich unter Beobachtung, allerdings überwiegend virtuell in Foren und Gruppen, wo sich aus den kleinen Begebenheiten erst die richtigen Dramen entwickeln. Schon aus Gründen der Verkehrssicherheit macht sich das besser als still stehender Wohnmobilist, denn als ständig herumfahrender Reisemobilist. Ein dauernd verfügbares, mobiles Internet hat also sicherlich zu dieser, meiner Wandlung beigetragen.

Erstaunlich auch, dass ein und dasselbe Fahrzeug für den einen ein Wohnmobil und für den anderen ausschließlich ein Reisemobil ist. In diesen Diskussionen habe ich schon erlebt, dass Leute regelrecht beleidigt reagieren, wenn ihnen unterstellt wird, sie hätten ein Wohnmobil. Anderen gibt man eine wirklich harte Nuss zum Knacken mit der Frage, ob sie mit ihrem Wohnmobil reisen oder in ihrem Reisemobil wohnen.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob Wohnwagenbesitzer sich bei diesen Diskussionen entspannt zurücklehnen können mit einem leise gemurmelten „Die spinnen, die …-mobilisten…“. Da soll es immerhin auch Stand- und Reise-Wohnwagen geben.

Der an anderer Stelle bereits erläuterte Grundsatz in Bezug auf die Ausstattung, nämlich „Was ich habe ist gut und sinnvoll, das sollten die Anderen auch haben“ versus „Was ich nicht habe, brauchen die Anderen auch nicht“ greift hier zu kurz, denn wie bereits angemerkt, kann ein und dasselbe Fahrzeug von dem Einen als Wohnmobil und vom Anderen als Reisemobil betrachtet werden, gänzlich unabhängig von der Ausstattung. Den Buchstabensparer, der von hinten „Camper“ ruft, ignorieren wir für den Moment. Es geht also mehr um das Bild, das man von sich selbst hat und damit auch an andere vermitteln will, was auch unmittelbar den heiligen Ernst bei der Erörterung des Themas erklärt. Nur wird es mir vermutlich nie gelingen, das Thema ebenso ernst zu nehmen…


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