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Markise und Vorzelt richtig sichern – Damit auch bei Unwetter alles sitzt!

Markise und Vorzelt richtig sichern – Damit auch bei Unwetter alles sitzt!

Bist du auch schon einmal mitten in der Nacht aus dem Camper gesprintet, um die Markise einzufahren? Oder – schlimmer noch – hat es dir gar bei Sturm das Vorzelt aus der Verankerung gerissen? Eine Erfahrung, die leider so mancher Campingfreund teilt. Zum Glück gibt es gute Lösungen, um auch bei Wind und Wetter in Ruhe durchzuschlafen. Hier erfährst du, welches Zubehör sinnvoll ist und welche Sturmsicherung es für Markisen und Vorzelte gibt.

Vorzelt richtig abspannen

Grundsätzlich fängt alles erst einmal mit dem richtigen Aufbau an. Ein Blick in die Aufbauanleitung verhindert hier unnötigen Frust. Außerdem hilft es, das Zelt, gerade wenn es neu ist oder du es länger nicht benutzt hast, vor dem Urlaub einmal in Ruhe aufzubauen. Eventuell ist es auch hilfreich, Fotos zu machen und die Stangen zu markieren. So sitzen im Urlaub die Handgriffe und du kannst außerdem sicher sein, dass alles vollständig ist.

Bevor du aufbaust, schau dir noch einmal den Platz gut an und räumst herumliegende Steine oder Äste weg. Wenn möglich, stellst du dich am besten so, dass das Zelt und insbesondere der Eingang nicht direkt zur Wetterseite liegt.

Wichtig: Der Aufbau beginnt immer vom Fahrzeug aus! Leg dir am besten vorher alles bereit, was du benötigst (Werkzeugtipps findest du weiter unten). Hat dein Zelt einzelne Vorder- und Seitenwände lässt du diese erst noch liegen – sie werden erst später eingehängt. Zunächst wird das Gestänge aufgebaut. Wenn alles steht, ziehst du zuerst die Vorderwand und dann die Seitenwände ein. Achte darauf, dass die Nähte dabei exakt parallel zur Giebelstange und den Eckstangen verlaufen. Nun schließt du alle Reißverschlüsse und schaust dir das Ganze noch einmal an. Verlaufen die Reißverschlüsse vertikal und horizontal gerade? Sitzt der Mittelwinkel seinem Namen entsprechend in der Mitte? Sind die Zelthäute glatt gezogen?

Im nächsten Schritt ist es wichtig, das Gestänge richtig auszuspannen, damit die Zelthaut straff sitzt. Glatte Zeltflächen bieten dem Wind weniger Angriffsfläche. Achte beim Abspannen darauf, dass die Giebelnaht nicht direkt auf der Giebelstange sitzt, sondern davor.

Das andere Gestänge richtest du im Gegensatz dazu so aus, dass die Nähte exakt auf den Stangen liegen. Die Zeltecken und die Abspannung spannst du mit Heringen ab, die Enden der Reißverschlüsse mit Erdnägeln. Denk auch daran, den Scheuerschutz an den Schellen zu montieren. Er verhindert, dass die Zelthaut beschädigt wird.

Die richtige Sturmsicherung für dein Vorzelt

Mit einer guten Sturmausrüstung kannst du dein Vorzelt bei Unwetter richtig sichern. Am besten legst du dir mehrere Sturmbänder für Vorzelte zu (auch „Tie Downs“ genannt), die es häufig schon in passenden Sets gibt.

Jetzt musst du das Sturmband richtig befestigen. Hierbei kommt es auch auf die Auswahl der Heringe an (siehe weiter unten). Sturmbänder sind in der Regel aus strapazierfähigem, breitem Gurtmaterial und haben eine feste Arretierung, die sich nicht von alleine lösen kann. Damit sind sie deutlich belastbarer, als einfache Abspannleinen, die normalerweise als Zubehör mitgeliefert werden.

Ich kann dir nur raten, hier nicht nachlässig zu sein, sondern alle Ankerpunkte auch zu nutzen. Wichtig ist auch, das Vorzelt komplett zu verschließen, so dass der Wind weder unter noch in das Zelt wehen kann. Für die Sturmsicherung von Vorzelten gibt es darüber hinaus auch spezielle Sturmbänder, die zusätzlich über das Zelt gelegt und gespannt werden. Diese strapazieren aber möglicherweise die Zelthaut, da durch bei Wind durch die konstante Bewegung eine Reibung entstehen kann. Hier empfiehlt sich ein zusätzlicher Scheuerschutz. Einige Campingprofis raten übrigens dazu, die Sturmbänder, die über das Vorzeltdach gelegt werden, in sich zu drehen – das soll ein nerviges nächtliches „Schlagen“ verhindern.

Auf jeden Fall solltest du die jeweiligen Herstellerangaben genau beachten. Die Firma Isabella z.B. empfiehlt, die Sturmbänder NICHT komplett straffzuziehen, damit sie bei Bedarf nur ein Abheben des Vorzelts verhindern, aber nicht konstant auf Zug sind.

Markise richtig aufbauen und abspannen

Freischwebend oder mit Stützfüßen, zum Einhängen oder fest montiert, elektrisch oder mit Handkurbel: Die Auswahl an Markisen ist riesig. Markisen, die nicht fest in einer Kassette verstaut sind, fädelst du am besten vom Bug aus in Kederschiene ein und schiebst sie langsam nach vorne. Dann steckst du das Gestänge in die Halterung. Stell dabei die Stützen so ein, dass die Markise vom Fahrzeug weg sowie zur einer Seite hin ein leichtes Gefälle hat, damit Regenwasser ablaufen kann!

Wenn alles steht und das Dach gespannt ist, kannst du – falls vorhanden – die Seitenwände einhängen und die Markise abspannen. Hier gilt: Lieber nach und nach mehr Zug auf die Abspannung geben, um eine gleichmäßige Zugverteilung zu erreichen. Grundsätzlich sollte eine Markise mit Stützfüßen oder ein Pavillon immer durch Abspannungen gesichert sein, wenn du sie aus den Augen lässt. Achte darauf, die Stützen unbedingt auch nach vorne abzuspannen, nicht nur zur Seite. Nur so verhinderst du, dass die Markise vom Wind hochgehoben und beschädigt wird.

Markise gegen Sturm sichern

Wie bei den Vorzelten auch, empfiehlt sich bei Wind, die Markise mit Sturmbändern zu sichern. Die meist mitgelieferten dünnen Nylonseile halten längst nicht so viel aus, wie ein extra für Wind ausgelegtes Sturmband für Markisen. Die Montage ist kinderleicht: Die Sturmbänder werden einfach in die Kederleiste der Markise eingezogen bzw. an den entsprechenden Ankerösen eingehakt.

Bei Markisen mit Seitenwänden würde ich empfehlen, diese vorsichtshalber auszuhängen und im Camper zu verstauen, wenn stärkerer Wind angesagt ist oder du den Platz für längere Zeit verlässt. Aber auch hier gibt es die Möglichkeit, mit Sturmbändern zu arbeiten. Zusätzlich empfiehlt es sich, die Abspannleinen zu verwenden, damit auch alles wirklich straffgezogen ist.

Freischwebende Markisen sind am windempfindlichsten; sie verfügen aber üblicherweise über einen Windsensor, der sie von alleine einfährt.

Hering ist nicht gleich Hering

Für die Bodenverankerung der Sturmbänder sind die einfachen Universalheringe, die meistens als Grundzubehör beim Kauf von Vorzelt oder Markise dabei sind, in der Regel nicht die beste Wahl. Du kennst das sicher: Bei harten Untergründen ist es mitunter richtige Schwerstarbeit, sie in den Boden zu bekommen. Ohne Gummihammer geht da gar nichts und wenn sie einmal drin sind, bekommst du sie nur mit Mühe wieder herausgezogen. Verbogen sind sie dann häufig auch noch. Bei weichen Böden dagegen lösen sie sich ebenso schnell wieder, wie du sie hineingetrieben hast. Oft reicht da wirklich eine kleine Böe.

Besser sind hier schon so genannte V-Pegs oder Y-Pegs – breitere V- oder Y-Profile, die schon deutlich mehr Halt bieten. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Materialien, angepasst an den Untergrund, in dem sie verwendet werden sollen.

Ich selber nutze die dritte und aus meiner Sicht beste Variante, nämlich Schraubheringe. Auch hier kannst du zwischen unterschiedlichen Materialien und Größen wählen. Ein echter Vorteil: Es gibt sie in Signalfarben! Das erleichtert das Wiederfinden beim Abbau enorm.

Schraubheringe haben Sechskantköpfe und du kannst sie in weichere Böden mit einem Schraubadapter von Hand eindrehen. Bei harten Böden helfen ein Akkuschrauber oder eine Knarre. Den passenden Aufsatz für die Schraubherige liefern viele Hersteller gleich mit. Bei sehr hartem Boden kannst du den Akkuschrauber auch nutzen, um die Löcher vorzubohren. Das vereinfacht das anschließende Einschrauben der Heringe.

Dazu passende Ankerplatten, mit denen der Zelt- oder Markisenfuß zusätzlich gesichert werden kann, verhelfen dem Ganzen zu noch mehr Halt. Einige Hersteller bieten hier Sets an, die je nach Ausstattung extra für Markisen oder Zelte zusammengestellt sind – neben den verschiedenen Heringen sind auch passende Hakenclips, der Schraubadapter und eine passende Tasche inklusive.

Tobias Göhre, Junior-Geschäftsführer beim Schraubhering-Hersteller Wurmi, empfiehlt: „Je nach Bodenbeschaffenheit ist es nicht immer nötig, die Heringe komplett einzudrehen. Wichtig ist, jedoch, dass das Gewinde des Schraubherings komplett in der Erde sitzt! In diesem Fall müssen die Clips zum Abspannen nicht oben am Schraubhering angebracht, sondern in Bodennähe fixiert werden. Das verhindert eine unerwünschte Hebelwirkung und die Sturmhaken bleiben an Ort und Stelle. Bei weicheren Böden rate ich zu längeren Schraubheringen – auch hier ist Mithilfe des mitgelieferten Zubehörs in der Regel eine Abspannung in Bödennähe möglich.“

Im CamperStyle-Team wird das Sturmbandset von Frankana Freiko bzw. das Thule Hold Down Side Strap Kit in Kombination mit den Schraubherigen und Platten aus dem Wurmi Markisenset genutzt – bislang erfolgreich und sturmschadenfrei! 🙂

Sicherheit geht vor

Was solltest du also tun, wenn du Vorzelt oder Markise über Nacht oder für längere Zeit stehen lassen möchtest? Auf jeden Fall den Wetterbericht beachten – das hilft schon einmal sehr. Ich erinnere mich zu gut an eine Nacht in der Camargue, in der plötzlich und ebenso heftig der berühmt-berüchtigte Mistral aufzog, und wir mitten in der Nacht unser zum Teil zerstörtes Equipment aus den umliegenden Büschen zusammensuchen mussten. Bequemlichkeit kann hier richtig teuer werden.

Deshalb würde ich Vorzelt und Markise immer gut mit dem richtigen Zubehör befestigen. Eine grundsätzliche Empfehlung, ab welcher Windstärke du dein Vorzelt besser abbauen sollte, ist schwer zu geben, denn das hängt sehr stark von den individuellen Wetterverhältnissen und Windströmungen ab. Auch bei der Markise gibt es unterschiedliche Empfehlungen, je nach Hersteller.

Im Zweifelsfall gilt aber stets: Sicherheit geht vor! Das heißt, bei Gewitter- oder Sturmwarnung ist es besser die Markise rechtzeitig einzufahren. Schließlich ist sie ja das Teil mit dem geringsten Widerstand und am Ende kann es sonst passieren, dass das Gestänge dank Sturmband steht, aber der Stoff in Fetzen hängt. Beim Vorzelt verteilt sich die Belastung zwar auf mehrere Punkte, aber auch hier ist bei echtem Sturm das Abbauen die zwar umständlichere, aber bessere Lösung. Du willst doch auch bei Wind und Wetter in Ruhe durchschlafen!

Stolperfallen vermeiden

Die meist schwarzen Sturmbänder sind vor allem nachts oder von Menschen mit Sehbehinderung häufig nur schwer zu erkennen. Um zu verhindern, dass du selbst oder einer deiner Nachbarn drüberstolpert, solltest du sie irgendwie markieren, zum Beispiel mit orangen oder gelben Fähnchen. Alternativ kannst du natürlich auch ein selbstklebendes Reflektorband aufbringen oder Exemplare in einer Warnfarbe auswählen.

Werkzeug- und Zubehörtipps

Natürlich kannst du dir im Notfall das nötige Equipment bei den Platznachbarn leihen, aber Hand aufs Herz: In jedes WoMo gehört ein anständiges Werkzeugset. Hier eine Liste, was du für deine Arbeiten rund um Vorzelt und Markise dabei haben solltest:

  • verschiedene Schraubendreher (Schlitz und Kreuz)
  • Gummihammer und Ziehhilfe für Heringe
  • Akkuschrauber, Universal-Bohrerset und bei Schraubheringen auch Schraubadapter
  • Knarrenkasten
  • eine Bürste zum Säubern der Kederschiene
  • Handfeger und Schaufel
  • Panzertape, Kabelbinder und Nahtdichtmittel

Außerdem ist für die Montage von Vorzelt oder Markise ein Tritt oder eine kleine Leiter hilfreich.

Ich hoffe, diese Tipps haben dir weitergeholfen, und wünsche dir einen sturm- und hagelfreien Campingsommer!

Fotos: (c) CamperStyle


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Verdient ihr Geld mit Schreiben, um es dann für Reisen wieder auszugeben. Hat mehr als zwanzig europäische Länder bereist, die meisten davon per Campingbus oder Wohnmobil – vom Nordkapp bis nach Marokko, von Luxemburg bis Polen.

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