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Mieten statt kaufen – Privates Campersharing

Mieten statt kaufen – Privates Campersharing

Reisemobil privat (ver)mieten?

Teilen ist in – das wissen Sparfüchse und Umweltbewusste spätestens, seit privates und kommerzielles Carsharing zum Trend geworden ist. Dass dieses Erfolgsmodell auch bei Reisemobilen funktioniert, zeigt ein Start-up aus Berlin: PaulCamper.

PaulCamper ist die erste und bis dato größte Plattform für privates Campersharing in Deutschland. Für Menschen, die ein Wohnmobil besitzen, es aber nicht durchgehend nutzen, eine tolle Gelegenheit, anderen Interessierten eine kostengünstige Reisealternative zu bieten und ihre eigenen Ausgaben etwas zu reduzieren.

Wir haben ein Interview mit Dirk, dem Gründer von PaulCamper, geführt.

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CamperStyle: Wie lange gibt es euch schon?

Dirk: Offiziell seit Januar 2013. Da habe ich mit meinem eigenen Camper angefangen. Mittlerweile betreut die PaulCamper GmbH rund 2.500 Mieterinnen und Mieter sowie über 230 Vermieterinnen und Vermieter in ganz Deutschland. Tendenz stark steigend, aber dennoch deutlich zu wenig, um der Nachfrage gerecht zu werden. Deshalb würden wir uns freuen, wenn sich viele neue Vermieter bei uns anmelden!

CamperStyle: Wie bist du auf diese doch etwas „verrückte“ Idee gekommen, aus deinem eigenen Camper ein Business zu machen?

Dirk: Drei Monate mit einem Campingbus durch Australien haben meine Leidenschaft für unabhängiges und einfaches Reisen entfacht. Morgens an einem schönen Fleck aufzuwachen, einen Kaffee im Freien zu genießen und erst dann zu entscheiden, wo einen der Tag hintreibt, ist pure Freiheit für mich. Zurück in Deutschland merkte ich schnell, dass es hier an einem entsprechenden Angebot mangelt.

Klassische Wohnmobilvermietungen und deren Wohnmobile waren für mich zu teuer und zu wenig individuell. Also kaufte ich mir selbst einen Camper, den Paul. Ich beschloss, aus der Not eine Tugend zu machen und das anzubieten, was ich selbst nicht gefunden hatte: Einen günstigen und einfachen Camper, vollständig ausgestattet. Dabei sollte alles einfach und transparent sein, denn Saisonpreise, Zusatzkosten und Kilometerbegrenzung gefielen mir selbst nie. Schnell entwickelte sich daraus eine Leidenschaft, die vor allem im persönlichen Kontakt mit den Mietern liegt. Ihre strahlenden Augen und die Freude in ihren Gesichtern bewogen mich schließlich, meinen Job an den Nagel zu hängen und PaulCamper ins Leben zu rufen. Ich war sicher, dass es da draußen noch mehr Menschen geben musste, die ihren Camper gern mit anderen teilen würden.

CamperStyle: Bei PaulCamper hat jedes Fahrzeug einen Namen. Warum ist das so und wer lässt sich die alle einfallen?

Dirk: Mein eigener Camper hatte ja schon einen Namen und ich fand das super, weil es den Vermietprozess persönlicher machte. Dieser persönliche Bezug spielte von Anfang an auch in unserer Firmenphilosophie eine wichtige Rolle. So ergab es sich von selbst, dass alle weiteren Camper ebenfalls einen Namen haben mussten. Wenn einem Besitzer die Namensfindung schwer fällt, helfen wir da natürlich gerne weiter!

CamperStyle: Wer kann bei euch mieten oder vermieten?

Dirk: Mieten kann bei uns prinzipiell jeder, der eine gültige Fahrerlaubnis hat und nicht bereits negativ aufgefallen ist. Die individuellen Mietbedingungen, wie zum Beispiel Alter und Fahrpraxis legt dagegen jeder Vermieter selbst fest. Am Ende ist es auch der Vermieter, der entscheidet, ob er dem Interessenten sein Wohnmobil anvertraut oder nicht. Das ist sehr wichtig, denn bei PaulCamper vermieten ja ausschließlich private Personen ihr Wohnmobil. Sie mögen zwar offiziell gewerblich handeln, der Unterschied zu klassischen Wohnmobilvermietern ist jedoch, dass die PaulCamper-Vermieter ihre Wohnmobile auch selbst nutzen. Daher ist eine Vertrauensbasis zwischen Mieter und Vermieter extrem wichtig.

CamperStyle: Welche Vorteile bringt die private Vermietung mit sich?

Dirk: Die meisten Wohnmobile bleiben bis auf zwei oder drei Urlaube im Jahr ungenutzt. Nicht nur, dass sie sich dadurch quasi „totstehen“, es kostet auch eine Menge Geld. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die gerne mit einem Wohnmobil verreisen möchten. Klassische Wohnmobilvermieter sind, wie bereits erwähnt, jedoch zumeist deutlich teurer, die Preismodelle sind komplex und der Vermietprozess ist unpersönlich. Darüber hinaus zeigt sich, dass es gerade den Vermietern eine Menge Spaß macht, ihren Camper mit Gleichgesinnten zu teilen und sich unternehmerisch zu betätigen. Sie treffen sich vorab, geben sich gegenseitig wertvolle Tipps und bereiten sogar manchmal eine persönliche Reisebox vor. Mittlerweile hat sich eine richtige PaulCamper-Community entwickelt und die Leute bleiben untereinander in Kontakt.

CamperStyle: Wie kommen Vermieter und Kunden „zusammen“, wie werden die Vermietungen abgewickelt?

Dirk: Aktuell ist es so, dass die Mietinteressenten das für sie passende Fahrzeuge bei uns auswählen. Wir fragen dann alle relevanten Informationen ab und machen einen Vorabcheck, so dass in der Regel nur erstgemeinte Anfragen zum Vermieter gelangen. Mit diesen Daten stellen wir dann den Kontakt zwischen beiden Parteien her. Von da an läuft alles direkt zwischen Vermieter und Mieter. Es werden die letzten Details, wie z. B. Übergabezeiten und Parkmöglichkeiten, geklärt. Im Idealfall lernen sie sich vorab persönlich kennen. Nimmt der Vermieter das Mietgeschäft an, erstellt er den Mietvertrag. Nach der Zahlung der Miete muss dann nur noch die Zeit bis zur Abreise überbrückt werden.

CamperStyle: Welche Voraussetzungen müssen bei den vermieteten Fahrzeugen erfüllt sein?

Dirk: Im Wesentlichen müssen die Wohnmobile technisch zuverlässig sein, was durch eine jährliche Hauptuntersuchung gewährleistet wird. Zudem muss jedes Wohnmobil als Selbstfahrervermietfahrzeug zugelassen und versichert sein. Neben der Versicherung ist auch ein europaweiter Schutzbrief obligatorisch, damit den Mietern im Pannenfall erste Hilfe garantiert ist.

CamperStyle: Was ist eurer Erfahrung nach wichtig für Vermieter und Kunden? 

Dirk: Wichtig für Vermieter ist, dass mit ihrem Fahrzeug pfleglich umgegangen wird, dass sie gegen Schäden abgesichert sind und dass sie bestimmen können, wem sie ihr Fahrzeug anvertrauen. Darüber hinaus ist ihnen der persönliche Kontakt und die Erreichbarkeit von PaulCamper sehr wichtig. Für die meisten ist diese Art der unternehmerischen Betätigung Neuland und sehr aufregend. Sie erwarten, dass wir sie professionell betreuen, z. B. in punkto Mietpreishöhe und Profilgestaltung.

Unsere Mieter legen sehr viel Wert auf ein aussagekräftiges und „echtes“ Profil, also auf die Beschreibung, die bereits vorhandenen Bewertungen, einen gepflegten Kalender sowie auf die Bilder von Fahrzeug und Vermieter. Sie möchten wissen, wer dahinter steckt. Zudem erwarten sie Einfachheit und Transparenz. Das betrifft das Handling unserer Website genauso wie die Preisgestaltung, unsere Kommunikation und die Ausstattung der Camper. Wir sind stolz darauf, dass wir all diese Anforderungen bereits erfüllen und arbeiten daran, sie weiter zu verbessern.

CamperStyle: Welche Sicherheiten bietet ihr Vermietern und Kunden?

Dirk: Da gibt es eine Menge. Das Wichtigste für beide Parteien sind wohl der Mietvertrag, der alle Rechte und Pflichten regelt sowie die notwendige Vermietversicherung inklusive europaweitem Schutzbrief. Damit sind die größten Risiken wie Schäden oder Pannen für Mieter und Vermieter abgedeckt bzw. geregelt. Für die Vermieter sind darüber hinaus folgende Punkte essenziell: die Abwicklung der Mietpreiszahlung und Kaution vor Übergabe des Campers, ein sauberes Übergabeprotokoll, eine Sperrung negativ aufgefallener Mieter, eine Vorselektion von Mietanfragen – was uns suspekt vor kommt, wird erst gar nicht weiter geleitet – sowie die Möglichkeit, sich gegen Veruntreuung sowie Vertrags- und Verkehrsrechtsstreitigkeiten abzusichern. Mietern bieten wir neben einem anwaltlich geprüften Mietvertrag und einer Vermietversicherung auch Sicherheit in Form von Bewertungen. Jeder Mieter kann den Vermieter und dessen Fahrzeug nach der Reise bewerten. Das ist für eine Vermittlungsplattform sehr wichtig ist, um Vertrauen und Transparenz zu schaffen. Als Absicherung der Reise bietet PaulCamper einen Camper-Reiseschutz an. Darin ist neben einer Reise-Rücktrittsversicherung, eine Urlaubsgarantie, eine Reise-Gepäck-Versicherung sowie eine Selbstbehalts-Ausschlussversicherung (SBAV) enthalten.

CamperStyle: In welchen Preisspannen bewegen sich die bei euch angebotenen Camper und Reisemobile pro Tag, inklusive der notwendigen Versicherungen?

Dirk: Klassische Camper, also z. B. VW-Busse gibt es ab 59 Euro pro Tag. Größere Wohnmobile bewegen sich zwischen 75 und 119 Euro, je nach Alter. Zu dem Tagespreis kommen keine weiteren Kosten hinzu. Es gibt keine Service- oder Übergabepauschalen oder Extrakosten, zum Beispiel für Campingmöbel. Auch die Kilometer sind im Mietpreis enthalten. Übrigens haben wir Einzelstücke wie einen frisch restaurierten VW T2. Den bekommt man bei uns für 119 Euro pro Tag.

CamperStyle: Wie hoch sind die Kautionen?

Dirk: Die Kautionen variieren je nach Höhe der Selbstbeteiligung im Rahmen der Vollkasko. Sie reichen von 500 bis 800 Euro für Kastenwagen und von 500 bis 1.500 Euro für z. B. Alkoven oder Integrierte. Im letzten Jahr hatten wir größtenteils 500-Euro-Kaution für alle Aufbauarten. Das war super für die Mieter, aber nicht so adäquat für die größeren Fahrzeuge. Daraus haben wir gelernt. Eine etwas höhere Selbstbeteiligung und damit auch eine höhere Kaution schärft das Verantwortungsgefühl. Wer die SB reduzieren möchte, dem bieten wir über einen Partner eine Selbstbehalts-Ausschlussversicherung an. Sie reduziert gegen ein geringes Entgelt die SB auf 250 Euro je Schadensfall. Die Kaution wird allerdings trotz einer solchen Versicherung in voller Höhe fällig.

CamperStyle: Wie viele Fahrzeuge werden mittlerweile über eure Plattform angeboten?

Dirk: Aktuell vermitteln wir knapp knapp 240 Fahrzeuge. Sechzig Prozent davon sind Kastenwagen. Ein Segment, das nicht so häufig bei klassischen Vermietungen vertreten ist und sich größter Beliebtheit erfreut.

CamperStyle: Aktuell werden ja hauptsächlich Wohnmobile und Camper angeboten, sollen langfristig auch mehr Wohnwagen dazukommen?

Dirk: Ja, sollen sie. Auch für Wohnwagen gilt, dass sie mit einer entsprechenden Vermietversicherung abgesichert sein müssen. Seit Kurzem können wir auch diese über einen Kooperationspartner anbieten.

CamperStyle: Findet man bundesweit Fahrzeuge über eure Plattform oder ist das Angebot regional begrenzt?

Dirk: Die privaten Wohnmobilbesitzer kommen aus allen Ecken Deutschlands, und so stehen auch die Fahrzeuge überall in Deutschland, von der größten Stadt bis zum kleinsten Dorf. Ein weiterer großer Vorteil für Mieter.

CamperStyle: Plant ihr, euer Angebot auch flächendeckend auf das europäische Ausland auszudehnen?

Dirk: Irgendwann schon. Aber erstmal ist in Deutschland noch genug zu tun. Unter anderem die Konzeption einer maßgeschneiderten Versicherungslösung.

CamperStyle: Wie sind eure Erfahrungen und Rückmeldungen bisher?

Dirk: Meine eigenen guten Erfahrungen und Erlebnisse mit Paul hatten mich dazu bewogen, PaulCamper ins Leben zu rufen, und das Feedback unserer Kunden ist ebenfalls super. Wir erhalten sehr viel Zuspruch, auch bei unseren regelmäßigen Vermietertreffen, auf denen wir uns alle untereinander persönlich kennenlernen und austauschen können. Natürlich gibt es auch negative Rückmeldungen. Das gehört dazu. Unser Konzept ist bewusst eine Alternative zu bestehenden Angeboten und passt damit nicht zu jedem.

CamperStyle: Warum ist „Camper Sharing“ aus eurer Sicht ein Zukunftsmodell?

Dirk: Das Teilen von Besitztümern ist eine wachsende Bewegung. Das sieht man am Deutlichsten an den existierenden erfolgreichen Angeboten, wie AirBnB oder den vielen Carsharing-Angeboten, die vor ein paar Jahren gar nicht denkbar gewesen wären. Das Verhältnis zu Besitz verändert sich. Einige erkennen, dass Besitz belastet. Sie kaufen weniger und das, was sie nutzen möchten, muss auch nicht unbedingt nagelneu sein. Anderen wird klar, dass es mehr Sinn macht, ihren Besitz besser auszulasten. Damit diese beiden Gruppen sich gezielt treffen, bieten das Internet und die Entwicklung von Smartphones und Tablets die passende Infrastruktur. Unabhängig von diesen Entwicklungen begeistern sich immer mehr Menschen für das individuelle Reisen mit einem Campingbus oder Wohnmobil, möchten aber nicht gleich eines kaufen. Privates Campersharing ist da eine sinnvolle, individuelle Ergänzung zu klassischen Angeboten. 

Weitere Infos findet ihr unter: www.PaulCamper.com

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Fotos: (c) PaulCamper

In Teil 1 unserer Serie erfahrt ihr, warum Mieten eine gute Option sein kann.

In Teil 2 unserer Serie lest ihr: Wohnwagen, Kastenwagen, Wohnmobil – Welches Campingmobil passt zu mir?

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