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Nachhaltigkeit auf Reisen – wie geht das?

Nachhaltigkeit auf Reisen – wie geht das?

„Es ist unglaublich, wie viele Plastikbecher hier überall rumliegen.“ Das habe ich in Griechenland neulich zu meinem Freund gesagt und damit eine Unterhaltung zum Thema Nachhaltigkeit ins Rollen gebracht. Wir sind nun seit fast vier Jahren ohne Unterbrechung auf Reisen, eine lange Zeit. Was mich dabei immer häufiger beschäftigt, ist die Frage, wie ich unterwegs Nachhaltigkeit praktizieren kann. Oder schließt sich das alleine schon dadurch aus, dass ich überhaupt reise?

In diesem Artikel tauche ich ein wenig tiefer ins nachhaltige Reisen ein und gebe dir Anregungen, wie du es selber umsetzen kannst.

Was bedeutet nachhaltiges Reisen?

Bei Nachhaltigkeit denken viele zuerst an Themen wie Müllvermeidung oder einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, wie Benzin und Strom. Nachhaltig zu reisen beinhaltet jedoch auch, sich rücksichtsvoll in der Natur zu verhalten und möglichst auf biologische Produkte zurückzugreifen. Zur Chemie für Campingtoiletten gibt es inzwischen wirkungsvolle umweltfreundliche Alternativen. Und mit wenigen natürlichen Zutaten kannst du ganz leicht Spülmittel, Cremes oder andere Kosmetikartikel selber herstellen. Wie das geht, erfährst du in diesem Artikel.

Für mich geht nachhaltiges Reisen jedoch noch einen Schritt weiter und über den ökologischen Aspekt hinaus. Ich verstehe darunter auch, sich im sozialen Bereich rücksichtsvoll zu verhalten und sich der Kultur eines Landes anzupassen. Offen zu sein und sich auf die Menschen einzulassen.

Mit diesem Artikel geht es mir nicht darum, den ökologischen Zeigefinger zu erheben und mahnend auf die anderen zu zeigen. Es geht auch nicht um eine „ganz oder gar nicht“ Haltung. Natürlich ist Autofahren nicht gut für die Umwelt, das weißt du genauso gut wie ich. Dennoch werde ich dir jetzt nicht vorschlagen, nur noch auf dem Waldboden unter freiem Himmel zu campen oder vom Auto auf ein Pferd umzusteigen. Es geht vielmehr darum, sich der Möglichkeiten bewusst zu werden und einige davon tatsächlich zu nutzen.

Andere Länder, andere Sitten

Spanien, Griechenland, Portugal und Albanien sind die Länder, die ich in den letzten Jahren bereist habe. Die Unterschiede zwischen ihnen in Bezug auf das Umweltbewusstsein sind zum Teil enorm.

Zwar liegt in Spanien in einigen Regionen noch immer sehr viel wilder Müll herum, aber ein ökologisches Umdenken ist bei vielen Menschen bereits im Gange. So findest du, gerade in größeren Städten, immer mehr Bio-Läden oder Unverpackt-Geschäfte. Und landesweit gibt es für die verschiedenen Müllsorten entsprechende Container.

In Griechenland ticken die Uhren noch ganz anders. Es liegt weitaus mehr Müll herum und seine Plastikflasche einfach in die Natur zu werfen, scheint für viele vollkommen normal zu sein. Unabhängig von dem Müllthema ist es in Griechenland jedoch noch sehr gut möglich, in kleinen Läden einzukaufen. Große internationale Supermarktketten sind hier noch nicht an allen Ecken und Ende anzutreffen.

Vorleben statt missionieren

Mir ist es in einem anderen Land wichtig, mit den dortigen Sitten vertraut zu werden, denn diese geben mir einen besseren Einblick in das alltägliche Leben. Das bedeutet aber nicht, dass mir alle Sitten auch zusagen bzw. ich sie nicht hinterfragen darf. In Griechenland gehört zum Beispiel der Frappé – ein kalter Kaffee – zum Alltag wie der Eiffelturm zu Paris. Schnell in eine Bar springen, einen Frappé holen und weiter geht’s, das ist hier normal. Allerdings ist es auch normal, dass der geliebte Frappé in einem Plastikbecher verkauft wird. Die Sache mit dem kalten Kaffee finde ich durchaus gut, die mit dem Becher nicht.

▶▶Lösung: Nimm einfach einen eigenen Coffe2Go Becher mit und bitte darum, dass man dir den Kaffee darin mitgibt. Oft ist das gar kein Problem.

Das Gleiche gilt fürs Einkaufen. Es ist ganz einfach auf Plastiktüten zu verzichten und stattdessen deine eigene Tasche mitzunehmen. Kein Verkäufer reagiert darauf sauer, vielleicht höchstens ein wenig überrascht. Nun sind diese beiden Tipps nicht neu und gelten nicht nur auf Reisen, sondern auch zu Hause. Doch unterwegs ist es manchmal schwerer nachhaltig zu leben, weil die Umstände nun mal andere sind.

Nachhaltig einkaufen – unterstütze die Einheimischen

Ziel beim nachhaltigen Einkaufen ist es, die Menschen vor Ort zu unterstützen statt internationaler Supermarktketten. Gut eignen sich dazu Wochen- oder Bauernmärkte, bei denen die Qualität der Produkte oft deutlich besser ist. Außerdem wurden die Sachen nicht erst durch die ganze Welt kutschiert. In Spanien kannst du auf dieser Webseite recherchieren, wo und wann ein Markt stattfindet. Zwar ist die Seite auf Spanisch, aber mit Hilfe eines Übersetzungstools lässt sie sich leicht verstehen. Für Griechenland habe ich eine eigene Auflistung von Wochenmärkten in Griechenland zusammengestellt. Natürlich kannst du auch vor Ort jemanden fragen, zum Beispiel den Betreiber des Campingplatzes oder eine Touristeninformation. Das Gleiche gilt auch fürs Essengehen.

Nachhaltige Restaurants

  • Sieht das Restaurant aus, als wäre es nur auf das schnelle Geld von Touristen aus?
  • Ist zu erkennen, dass das Restaurant regionale Produkte verwendet?
  • Geht es um „All you can eat“, bei dem am Ende ein Großteil des Essens im Müll landet?
  • Werden regionale oder internationale Speisen angeboten? Bei internationalen ist es definitiv schwieriger, saisonale und regionale Produkte zu nutzen.

Auch bei Restaurants solltest du also lokale Anbieter den großen Ketten bevorzugen, doch selbst da gibt es natürlich Qualitätsunterschiede. Eine Übersicht nachhaltiger Restaurants in Deutschland findest du auf der Seite Greentable.

Angst vor Sprachbarrieren sind in der Regel völlig unbegründet. Auf meinen Reisen habe ich bisher immer gute Erfahrungen mit der Hilfsbereitschaft der Menschen gemacht. Und wo Worte fehlen, kannst du einfach auf Hände und Füße zurückgreifen.

Nachhaltige Campingplätze und Freizeitaktivitäten

Muss es wirklich ein All-Inklusive Campingplatz in einer Touristenhochburg sein? Dort ist in der Regel von der Kultur des Landes nicht mehr viel zu spüren. Nachhaltigkeit beinhaltet jedoch, den Charakter einer Region sowie die dortigen Lebensräume für Menschen und Tiere zu erhalten, nicht zu zerstören. Es gibt inzwischen eine immer größer werdende Zahl an Plätzen, denen Umweltschutz am Herzen liegt. Sie achten beispielsweise auf diese Faktoren:

  • Sonnenenergie zum Erzeugen von Strom und/oder warmem Wasser
  • Müllvermeidung und Mülltrennung
  • Angebot von regionalen Produkten im Mini-Markt
  • Zeitschaltuhren für Klimaanlagen
  • u.v.m.

Solche Campingplätze findest du im Internet meistens mit der Zusatzbezeichnung „Ecocamping“ oder „Ökocamping“. Hilfreiche Seiten zum Recherchieren sind zum Beispiel die Suche von Bookitgreen.

Auch deine Freizeitaktivitäten kannst du nachhaltig gestalten und zwar so, dass du die Natur schonst und deine Aktivitäten zu den regionalen Bedingungen passen. Eine Skihalle in Spanien zu besuchen, würde also nicht dazu zählen. Genauso wenig eignen sich Massenveranstaltungen, bei denen keine Rücksicht auf das Wohl der Tiere oder der Natur genommen wird.

Wandern, Radfahren, Ausflüge zu Schluchten, kleinen Dörfern, Museen, Märkten oder Naturschutzgebieten sind nur eine handvoll Möglichkeiten. Dazu kommen jede Menge an sportlichen Aktivitäten, die umwelt- und naturverträglich sind. Angst vor Langeweile brauchst du also nicht zu haben.

Weitere Ideen und Tipps zum nachhaltigen Reisen

Nachhaltiges Reisen fängt schon in deinen eigenen vier Wänden an und zwar mit der Auswahl dessen, was du einpackst.

  • Nimm wirklich nur das mit, das du wirklich brauchst und verfalle nicht kurz vorher nochmal in einen Shoppingwahn. Oft landen dabei Dinge im Einkaufswagen, die letztendlich überflüssig sind und anschließend im Müll landen. Hilfreich sind Packlisten, um dich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  • Achte beim Buchen von Campingplätzen darauf, ob sie sozial- und umweltverträglich sind und frage ggf. nach. Damit setzt du bei den Anbietern ein Zeichen und zeigst, dass dir das Thema wichtig ist.
  • Biete freie Plätze im Auto über die Mitfahrzentrale an.
  • Benutze vor Ort öffentliche Verkehrsmittel, gehe zu Fuß oder fahre mit dem Rad.
  • Informiere dich vorab über dein Reiseland und die dortige Kultur. Eigne dir ein paar Wörter der Landessprache an, um dich bedanken oder grüßen zu können.

Fazit

Nachhaltig zu reisen geht weit über Stromsparen und Mülltrennung hinaus. Bewusstes Einkaufen und eine umweltverträgliche Freizeitgestaltung sind mindestens genauso wichtig. Ganz vorne steht für mich jedoch, sich auf das Land und die Menschen einzulassen. Du wirst sehen, dass dir dies viele schöne Erlebnisse beschert.


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