Produkttest AL-KO Rangierantrieb Rangiersystem Mover Ranger

Produkttest: Der AL-KO Rangierantrieb „Ranger“

Auf unseren Reisen haben wir sie oft gesehen und ihnen neidvolle Blicke zugeworfen: Camperkollegen, die mit einer Fernbedienung in der Hand ganz entspannt ihre Wohnwagen einparken und feinjustieren – kleine Caravan-Pirouetten inklusive – während man selbst mit hochrotem Kopf versucht, das tonnenschwere Ding bergauf zwischen die anderen Fahrzeuge zu manövrieren. Am besten, ohne den Stromkasten oder den liebevoll restaurierten Bulli des Nachbarn mitzunehmen. Die Firma AL-KO Fahrzeugtechnik hat uns jetzt erlöst: Seit rund zwei Monaten dürfen wir den nagelneuen Rangierantrieb „Ranger“, der erst im August auf dem Caravan Salon in Düsseldorf präsentiert wurde, exklusiv testen:

Rangiersysteme – nur was „für alte Leute“?

Auch wir haben anfangs etwas überheblich herumposaunt, dass wir beim Rangieren ja wohl keine technische Unterstützung bräuchten. Schließlich seien wir doch jung, gesund und halbwegs fit, und außerdem gebe es ja auf fast jedem Platz auch andere Menschen, die mal eben mit anpacken können. In der Praxis hat sich das allerdings für uns dann sehr schnell relativiert.

Wir sind – für Wohnwagenreisende eher untypisch – auf unseren Touren nie länger als ein paar Tage an einem Ort, dementsprechend oft müssen wir den Wohnwagen auf- und wieder abbauen und herumrangieren. Manchmal sogar täglich. Da wir außerdem in aller Regel auf naturnahen Plätzen oder Privatgrundstücken unterwegs sind, die häufig in unebenem Gelände liegen, nicht parzelliert sind und keinen befestigten Untergrund aufweisen, ist das Geschiebe manchmal ganz schön lästig. Und in Einzelfällen sogar gefährlich, denn bei zwei Gelegenheiten wäre uns der Wohnwagen an einer Steigung fast entglitten (die Folgen will man sich gar nicht ausmalen), ein anderes Mal hätte er um ein Haar Jalil den Fuß plattgewalzt, ein weiteres Mal ist er uns wegen einer Bodenwelle auf die Stoßstange unseres Zugfahrzeugs geknallt und hat dort eine schöne Delle hinterlassen.

Deshalb liebäugeln wir nun schon seit ein, zwei Jahren mit einer Rangierhilfe landläufig auch „Mover“ genannt. Als die Firma AL-KO Fahrzeugtechnik dann im vergangenen Frühjahr auf uns zukam und uns ihren damals noch in der Entwicklung befindlichen Ranger vorstellte, waren wir direkt begeistert. Denn damit gibt es nun auch aus dem Hause AL-KO ein Produkt zum „Einsteigerpreis“ (aktuell 1.190 Euro zzgl. Batterie) – aber in der gewohnt robusten AL-KO Qualität.

Unser Eindrücke während der Testphase

Testbedingungen:

  • Wir haben den Ranger etwa zwei Monate lang mit unserem Wohnwagen (1,35 t zulässige Gesamtmasse) auf mehreren Touren im „normalen“ Campingalltag getestet und ihn zusätzlich noch an speziellen Test-Tagen vor besondere Herausforderungen gestellt. 
  • Unter anderem musste er Steigungen meistern, kleinere Hindernisse überwinden (Holzbrettchen,  Bodenhügel, etc.), unseren Wohnwagen über Matschwiesen, durch Pfützen oder zwischen Stromkästen und Büschen hindurchbefördern, sich immer wieder auf der Stelle um seine eigene Achse drehen, Auffahrkeile zigfach rauf- und runterrollen und den Caravan zum Ankuppeln millimetergenau an unser Zugfahrzeug oder Parzellenbegrenzungen heranbringen. 
  • Kleines Detail am Rande, das wir anfangs nicht bedacht hatten: Rangierantriebe (auch die anderer Hersteller) bewegen den Wohnwagen mit schneckenartiger „Geschwindigkeit“ – wir haben das nicht genau gemessen, aber wir schätzen so maximal um die 1 bis 2 km/h. Das ist natürlich für die Sicherheit der Umstehenden ein wichtiger Aspekt, für etwas weitere Distanzen zwischen Zugfahrzeug und Parzelle sind die Antriebe somit allerdings nur bedingt geeignet – oder ihr bringt viel Geduld mit… 🙂 
  • Da der Ranger ja noch ganz neu auf dem Markt ist, können wir natürlich zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussagen über seine Langlebigkeit und andere Qualitätsmerkmale treffen. Wir werden ihn jedoch in Absprache mit dem Hersteller einem Dauertest unterziehen (siehe auch Disclaimer am Ende des Textes) und über eventuelle weitere Entwicklungen berichten.

„Fahrverhalten“ und der Bedienung:

  • Die Handhabung der Fernbedienung zwar nicht ganz so intuitiv wie der Joystick beim Mammut-System, aber man bekommt ganz schnell Routine. Die Rangiermanöver selbst sind sehr präzise und fast „ruckelfrei“, so dass man problemlos quasi bis zum Anschlag an Hindernisse heran- bzw. sehr nahe an ihnen vorbeifahren kann. 
  • Bei stärkeren Unebenheiten oder dem Überfahren kleinerer Hindernisse verläuft die Fahrt nicht zu 100% linear, sondern die Bewegungen des Stützrades und damit auch des Wohnwagens passen sich leicht an die Bodenbeschaffenheit an. Insgesamt bleibt der Ranger aber wunderbar in der Spur
  • Auch die immer wieder hintereinander durchgeführten 360-Grad-Drehungen um die eigene Achse bekommt der Kleine astrein hin. 
  • In der offiziellen Leistungsbeschreibung hat der Hersteller an einigen Stellen sogar etwas untertrieben. Auf der AL-KO Homepage wird z.B. die Maximalhöhe für Hindernisse mit 2 Zentimetern festgelegt, wir haben deutlich mehr geschafft (ca. 5 cm – liegt evtl. am Gewicht unseres Wohnwagens, das sich mit 1,35 t deutlich unter der maximalen Kapazität des Rangers bewegt). Auch der Abstand zwischen Fernbedienung und Wohnwagen, innerhalb dessen der Ranger noch optimal gesteuert werden kann, war in unseren Tests wesentlich höher als die in der Betriebsanleitung genannten 5 Meter – wir haben es in der Regel auf gut die doppelte Reichweite gebracht. 
  • Nasses, rutschiges Gras, unebene Untergründe, Kieswege oder Mulden im Boden stellen kein Problem dar. 
  • An stärkeren Steigungen wird der Wohnwagen zwar noch einen Tacken langsamer, rollt aber beständig und ohne Murren immer weiter bergauf – bis die Batterie schlapp macht. 
  • Das Austarieren des Fahrzeugs mit Auffahrkeilen, ein Bild, das man normalerweise eigentlich nur von Wohnmobilen kennt, ist jetzt auch mit unserem Wohnwagen möglich. 
  • Das Ankuppeln am Zugfahrzeug kann nun ebenfalls ohne Ehekrisen („Links! Links!!! Li-hiiiiiii-nks!!! Ach so, das andere Links…!“) absolviert werden.

Für wen ist der Ranger geeignet – und für wen nicht?

Allgemein und markenunabhängig kann man sagen, dass vor allem diejenigen, die (wie wir) gerne auf etwas rustikaleren Plätzen nächtigen, sehr mobil und vielleicht sogar als Alleinreisende unterwegs sind, mit einem Rangierantrieb ihren Campingalltag erheblich angenehmer gestalten können.

Wer schon beim Herunterkurbeln der Wohnwagenstützen technische Hilfe braucht, weil er oder sie unter stärkeren körperlichen Beeinträchtigungen leidet (v. a. Arm, Schulter, Nacken-/Rückenbereich) oder sich allgemein mit dem Bücken sehr schwer tut, ist mit einem elektrischen Anstellsystem, wie z.B. beim Mammut, sicherlich besser beraten. Gleiches gilt natürlich für Camper, die schlicht und einfach bei der Inbetriebnahme ihres Rangiersystems nicht selbst Hand anlegen wollen und hier ein Extra an Komfort wünschen.

Für alle anderen, die auf der einen Seite Wert auf solide AL-KO Qualität und ein robustes Produkt mit langer Garantielaufzeit legen, auf der anderen Seite aber für diese Zusatzanschaffung nicht allzu tief in die Tasche greifen wollen, ist der Ranger aus unserer Sicht eine hervorragende Option.

Denn selbst eine nicht übermäßig kräftig gebaute und komplett sportabstinente Frau wie Nele kostet es keine große Mühe, die Walzen anzukurbeln (mit etwas Übung hat man schnell den optimalen „Kurbelwinkel“ raus :)) — und man kann den Wohnwagen dann ohne Hilfe einer zweiten oder gar dritten Person ganz bequem und zielgenau bewegen.

Fazit: „Ein Leben ohne Rangierantrieb ist möglich, aber sinnlos!“

Natürlich ist dieses leicht abgewandelte Loriot-Zitat augenzwinkernd gemeint. Nach wie vor sind wir der festen Überzeugung, dass man auch ohne einen „Mover“ ein glücklicher und überaus mobiler Camper sein kann. Aber wie das nun mal mit dem Komfort so ist: Man gewöhnt sich sehr schnell daran und möchte ihn schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen.

So geht es uns mit dem Ranger auch. Er verschafft uns ein ganz neues Gefühl der Unabhängigkeit, denn endlich brauchen wir uns keine Gedanken mehr über Parzellengrößen, Steigungen, Bodenbeschaffenheiten, enge Passagen oder die Hilfsbereitschaft der Campingplatznachbarn zu machen. Außerdem müssen wir nicht mehr unsere lange einstudierten „Einwinkmanöver“ beim Ankuppeln ans Zugfahrzeug durchführen und können den Wohnwagen nach der Rückkehr von unseren Reisen problemlos am Einstellplatz zwischen die sehr eng geparkten anderen Fahrzeuge einrangieren.

Ein besonderer Bonus ist für uns noch, dass Nele und Zoe nun auch mal ganz alleine losziehen können, ohne auf andere angewiesen zu sein.

Technische Daten zum Ranger

  • Anstellung: Manuell mit Kurbel
  • Anbringung Mechanik: Unten am Chassis (keine Bohrungen oder Anpassungen am Fahrwerk nötig)
  • Anbringung Elektronik: Batterie und Steuerungsmodul im Innenraum des Caravans (Staukasten o. Ä.)
  • Gewicht: 37 kg (2-Motoren-Set), 74 kg (4-Motoren-Set) zzgl. Batterie
  • Erhältlich für: Einachser und Tandemachser
  • Maximale Last: Wohnwagen bis max. 1,8 t (Einachser, 2 Motoren) bzw. 2,5 t (Tandemachser, 4 Motoren) zulässiges Gesamtgewicht
  • Steigfähigkeit: bis 18 %
  • Geschwindigkeit: ca. 1 km/h (unbestätigt, nur von uns geschätzt)
  • Material Walzen: Aluminium
  • Material Schutzgehäuse: Kunststoff
  • Fernbedienung: Tasten (im Unterschied zum Joystick beim „Mammut“)
  • Garantie: 5 Jahre (nach Registrierung)
  • Service: weltweit
  • Preis: 1.190,00 Euro (2-Motoren-Set), 2190,00 Euro (4-Motoren-Set) zzgl. Batterie

Montiert wird der Ranger üblicherweise in den AL-KO Kundencentern oder an autorisierten AL-KO Servicestützpunkten. Wer handwerklich sehr versiert und mit dem nötigen Equipment ausgestattet ist, kann den Einbau eventuell aber auch selbst erledigen.

Weitere Informationen und technische Daten findet ihr unter: www.alko-tech.com/ranger

Danksagung: Wir bedanken uns herzlich bei den Betreibern des wunderschön gelegenen, kleinen Campingplatzes “An der Kost” in Hattingen, wo wir unser Testbericht-Video drehen durften. Obwohl wir aufgrund des bescheidenen Wetters (Regen, Gewitter, Sturm) deutlich mehr Tage als vereinbart dort verbringen mussten, standen uns der Platzwart Herr Schäfer und seine Frau durchgehend mit Rat und Tat beiseite und hatten immer ein freundliches Wort für uns. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und kommen gerne wieder, dann aber so richtig schön zum Entspannen! 🙂

Disclaimer: Die Firma AL-KO Fahrzeugtechnik hat uns den Ranger zur Verfügung gestellt, um uns zu ermöglichen, das Gerät direkt nach der Präsentation auf dem Caravan Salon exklusiv für unsere Leser zu testen. Das Unternehmen hatte keinerlei Einfluss auf die Art, den Inhalt und die Ausgestaltung unserer Berichterstattung, sondern wurde nur zur Klärung von technischen Rückfragen beratend herangezogen.

Weitere Informationen zu unserer Zusammenarbeit mit AL-KO Fahrzeugtechnik findet ihr in diesem Beitrag.

Kostenlose Tipps und Infos per Mail erhalten

Registrieren Sie sich jetzt, um eine Email zu erhalten, wenn ich neue Inhalte publiziere.

Kein Spam, keine Weitergabe deiner Daten an Dritte!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Suche