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Sonne im Tank: Mit dem solarbetriebenen VW Bus durchs Land

Sonne im Tank: Mit dem solarbetriebenen VW Bus durchs Land

Der graue und knubbelige VW Bus rollt über den Highway. Vorbei an Küstenlandschaften und Berghängen. Wo wohl die nächste Tankstelle ist? Vollkommen egal. Solange die nächste Wolke weit genug weg ist. Denn der VW Bus von Brett und Kira Belan fährt voll solarbetrieben. Wo der Tank einmal war, sind jetzt Batterien. Das Paar hat das Fahrzeug zwei Jahre lang komplett umgebaut und düst jetzt mit vier Panelen auf dem Dach und zwei Kindern auf dem Rücksitz quer durch die USA.

This is a Fully Solar Powered Electric VW Bus

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Brett Belan war schon immer ein Tüftler, der sich für alternative Antriebe interessiert hat. „Vor zwölf Jahren habe ich ein Golf-Auto auf Solarbetrieb umgebaut“, erinnert sich der aus Minnesota stammende Reisefan. „Schon damals habe ich gedacht: Wow, geht das wohl auch bei einem großen Fahrzeug, mit dem ich dann auf dem Highway herumfahren kann?“ Brett probierte es aus und kaufte sich einen 1973er VW Bus. Einziges Ärgernis: „Selbst für Modelle in schlechtem Zustand wollten sie immer noch 3500 bis 4000 Euro haben.“

Umbau vom VW Bus in ein solarbetriebenes Fahrzeug

Doch wer investiert nicht gern in so ein kultiges Fahrzeug? Brett kaufte den Bus und begann mit dem Umbau zum vollständig solarbetriebenen Campervan. Zuerst ersetzte er den herkömmlichen Motor durch einen elektrischen AC51 Motor, der etwa 50 Kilo leichter war. „Ich bin froh, dass ich hier Gewicht sparen konnte und zugleich genau die Zugkraft hatte, die ich brauche“, freut sich Brett.
Zusätzlich benötigte er nun noch Batterien. Dazu verbaute er ein Set aus zwölf Trojan T-1275 Bleisäure-Batterien. „Natürlich hätte ich für mehr Reichweite auch Lithium-Eisenphosphat-Batterien nehmen können, aber die hätten drei Mal so viel gekostet“, sagt Brett. „Ich möchte, dass so ein Fahrzeug am Ende auch bezahlbar bleibt.“

Die Reichweite des solarbetriebenen VW Bus’ beträgt 80 Kilometer. Das Aufladen der Solarpaneele dauert einen Tag. Nichts also für den hastigen Jetsetter. Doch genau das möchte Brett erreichen: „Der Bus erlaubt es dir, wirklich tief in die Natur einzutauchen und dort in Ruhe zu verweilen. Du hast alles dabei, was du brauchst. Es gibt keinen Grund zur Eile. Du musst nicht noch mal eben schnell etwas holen.“ In der Tat ist es mit der Innenausstattung durch Kühlschrank, Induktionsherd, Spüle und heimeligem Bett möglich, mindestens eine Woche lang vollkommen autark zu leben. Na ja, wenn die Sache mit den Wolken nicht dazwischenkommt. Denn sämtliche Stromversorgung – für Antrieb und Elektrogeräte – ist abhängig von der Sonnenkraft. Das bedeutet auch: Je mehr Schokoladenpudding du im Kühlschrank lagerst, desto weniger weit kommst du mit dem Reststrom auf der Straße.

1200 Watt auf dem Dach und ein Zelt zum Entspannen

Für den Notfall hat Brett jedoch auch einen Anschluss verbaut, der es erlaubt, das Fahrzeug an einer Stromtankstelle aufzuladen. Das dauert dann auch nur knapp zweieinhalb Stunden. Die vier Solarpaneele bilden zusammen ein 1200 Watt-Modul und auf dem Dach so angelegt, dass man sie in einem Winkel von 40 Grad kippen kann, um eine optimale Sonneneinstrahlung zu erhalten. Außerdem praktisch: Der Platz im Camper vergrößert sich dadurch. In der Kabine, die beim Aufklappen unterhalb der Solarzellen entsteht, können Brett und Kira mit ihren beiden Kindern schlafen. Sogar stehen kann man somit im VW Bus – und ein kleines Fenster in der Zeltplane gibt es auch. Nur bei starkem Wind ist die hohe Konstruktion nicht sehr praktisch.

Am Armaturenbrett gibt es für jedes Solarpaneel eine eigene Anzeige. So kannst du kontrollieren, wann der „Sprit“ zur Neige geht. „Ich habe zwischen den Paneelen, Batterien und dem Motor meine eigenen Verbindungen und Kabel gebaut“, erklärt Brett stolz. „Ich wollte sichergehen, dass alles perfekt und effizient ist.“ Bald möchte er den solarbetriebenen VW Bus weiterentwickeln und doch noch bessere Batterien einbauen, um die Reichweite auf 250 Kilometer zu erhöhen. Denn nach einer erfolgreichen Fahrt von 2300 Kilometern entlang der amerikanischen Westküste möchte die Familie bald einmal quer durch den Kontinent reisen. Der komplette Umbau samt Fahrzeugkauf und Inneneinrichtung hat die Belans etwa 21.000 Euro gekostet. In Serie für andere produzieren möchten sie den Bus nicht.

Die DIY-Fans Brett und Kira Belan

Brett war schon seit der Highschool an Technik interessiert. Es wuchs in Duluth, Minnesota auf, umgeben von Jagd, Fischerei und einem Werkzeugkasten. Später machte er seinen Bachelor in Maschinenbau an der Michigan Technological University. Seine Frau Kira wurde in Monterey, Kalifornien, geboren. Ihre Hobbys waren schon immer Kochen, Gärtnern und Nähen – Hauptsache selbstgemacht. Es folgte eine Ausbildung zur Masseurin. Heute vertreibt sie ihre eigenen organischen Pflegeprodukte. Schon als die beiden sich kennenlernten, redeten sie davon, ein elektrisches Fahrzeug zu bauen. Sie probierten mehrere Ideen aus. „Aber der Bus war die ultimative Sache“, freut sich Kira. Und damit reisen die Belans gemeinsam mit ihren sechs und neun Jahre alten Kindern quer durch die Staaten.

Fotos (c): Kira Belan


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War schon immer eher Pippi Langstrumpf als Annika. Arbeitet als freie Texterin und Fotografin bei Zeilenaufbruch und liebt Roadtrips überall auf der Welt.

Lieblingsspots: USA und Südeuropa.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Das ist ja mal ein super-innovatives Projekt, ob es dafür wohl in Deutschland TÜV gibt?

    Hier ist das mit universellen Fahrzeugen ja nicht ganz so einfach, wie ich es leider aus Erfahrung mit meinen amerikanischen Schulbus weiß, siehe auch hier im Magazin https://de.camperstyle.net/schulbus-umbau/

    Für einen Skoolie hatte ich auch schon mal (ganz kurz) dran gedacht, den auf Strom umzurüsten, da ja genügend Platz auf dem Fahrzeug für Solarpaneele ist und genügend Platz unter dem Fahrzeug für Berge an Batterien ist. Aber mit dem SEgen vom TüV und dann noch bezahlbar? Ich glaube nicht. Wer wissen will, was man zum Tüv beachten muss, kann auch mal in meinem Blog nachschauen: https://www.wolfgangwilbois.de/was-du-alles-beachten-musst-damit-die-ummeldung-zum-wohnmobil-funktioniert/

    Ansonsten ist der Elektro-Bulli definitiv ein Super-Projekt!
    Viele Grüße
    Wolfgang

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