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Tiny Toilet Home: Mit umgebauten Klohäuschen gegen Obdachlosigkeit

Tiny Toilet Home: Mit umgebauten Klohäuschen gegen Obdachlosigkeit

Stell dir vor, du kommst um die Ecke und dort steht ein DIXI Klo. Und darin lebt jemand. Undenkbar und schräg? Nicht für Matt “TK” Devine und sein Unternehmen Our Backyard Homes. Gemeinsam mit seinem Team kauft er große, rollstuhlgerechte Toilettenhäuschen – fabrikneu – und baut sie in Mini-Wohnungen für Obdachlose um. Mit dabei sind Bett, Kleiderschrank, Bad, Küche und Dachgarten. Im Moment tourt Matt durch Kalifornien, um andere von seiner ungewöhnlichen Idee zu überzeugen. Zum Glück hatte er zwischendurch ein wenig Zeit für brennende Fragen.

„Das Projekt Tiny Toilet Home ist viel mehr, als nur die Umwandlung eines Klohäuschens in ein Tiny House“, erklärt Matt. „Wir möchten die Leute zum Nachdenken bringen über die Wohnsituation in großen Städten und bezahlbaren Raum zum Leben.“
Matt kommt aus einer Gegend, in der Obdachlosigkeit ein großes Problem ist und sogar Studenten kein Dach über dem Kopf haben. Klingt wie ein Problembezirk im Osten Europas, ist aber Los Angeles.

Doppelbett im Klohäuschen

Ist die mobile Toilette einmal umgebaut, verliert sie ihre ursprüngliche Funktion komplett. Es lebt also niemand in einem Klo! „Wir entfernen alles, was normalerweise im Innenraum ist.“ Matt denkt kurz nach und schmunzelt: „Und wenn mal jemand vorbeikommt, und denkt, er sieht ein Toilettenhäuschen, dann zeigen wir ihm ganz freundlich den Weg zu Starbucks.“
Die „Parzelle“ ist 2,10 Meter breit und 2,50 Meter lang. „Damit haben wir genug Platz für ein Doppelbett und eine Menge Stauraum. Sogar einen kleinen Kleiderschrank.“

Das Tiny Home steht übrigens auf einem Trailer, was noch einmal Platz außerhalb der Kabine schafft. Dort befinden sich dann Küche und Bad. Das ist zumindest beim warmen und trockenen Klima von Kalifornien kein Problem. „Die Sache mit der Isolierung hat auch großartig funktioniert!“, betont Matt in dem Zusammenhang. „Sogar in der drückenden Hitze von Los Angeles im Juli blieb das Abteil ungefähr so kühl wie ein durchschnittliches Appartement. Meist war es bis zu zehn Grad kühler als draußen.“ Matt unterbricht sich selbst. „Naja, wenn es allerdings mal wieder 45 Grad werden, dann haben wir durchaus noch Spielraum zur Verbesserung…“

Tiny Home auf Trailer mit Outdoor-Küche

Die Outdoor-Küche auf dem Trailer besitzt eine mobile Kochmulde und eine Menge Equipment, das man auch in einem normalen Haushalt findet. Die Spüle dient dem Abwasch von Geschirr und als Handwaschbecken für Kleidung. Eine Bank funktioniert als Sitzplatz und zugleich als Stauraum für eine Solarbatterie. Außerdem gibt es eine Komposttoilette und eine Niederwasser-Dusche, in der das Wasser nicht ganz so schnell fließt wie in einer herkömmlichen Dusche.

Das Tiny Toilet Home ist komplett unabhängig von der Umgebung und kann daher überall aufgestellt werden. „Wir haben einen atmosphärischen Wassergenerator eingebaut“, erklärt Matt. „Der zieht pro Tag etwa 25 bis 35 Liter Feuchtigkeit aus der Luft zum Gebrauch. Ich selbst habe nie mehr als zehn Liter pro Tag verbraucht.“ Aber er weist auch auf die Probleme hin: „Der Generator verbraucht Tonnen von Strom. Mit einem großen System für Sonnenenergie klappt das. Aber damit ist das Häuschen dann nicht mehr transportabel, weil es zu schwer wird.“ Er nickt kurz. „Wir arbeiten also noch daran.“
Das Abwasser geht durch einen Filter und bewässert anschließend den kleinen Gemüsegarten auf dem Dach.
Über meine Frage nach einem Heizsystem lacht Matt freundlich. „Bisher war das Wetter hier unten noch nie so kalt, dass wir so etwas brauchten!“

Auf Tour mit dem Tiny Toilet Home

Um sein Projekt bekannt zu machen, tourt Matt momentan durch die Gegend – in einem Tiny Toilet Home. „Meine bisherigen Erfahrungen nach 30 Tagen sind großartig!“, freut er sich. „Ich bin immer noch besonders auf die Langlebigkeit der weichen Wände gespannt. Und die Plane, die das Häuschen eigentlich nur während der Fahr schützen sollte, fungiert inzwischen als Sichtschutz und Schattenspender.“
Matt ist sehr enthusiastisch und steht voll und ganz hinter seiner unkonventionellen Idee. „Auch andere Leute denken inzwischen, dass es eine großartige Sache ist. Viele sind begeistert von unserem Erfindungsreichtum und wie wir den winzigen Raum perfekt nutzen.“

Das einzige, was einige verunsichert, ist die Komposttoilette. „Natürlich muss man sich daran erst gewöhnen, aber ich finde es inzwischen befreiend, zu wissen, dass ich kein Trinkwasser mehr zum Abspülen vergeude.“ Matt ist außerdem ein großer Fan von Zero Waste – also von der völligen Müllvermeidung.

Was Matt über die Zukunft und das Tiny Toilet Home denkt? „Wir haben bereits Anfragen von der Regierung zu unserem Projekt“, sagt er stolz. „Menschen aus aller Welt schreiben uns. Nicht jeder glaubt an uns aber das erwarten wir auch nicht. Uns treibt an, dass wir mit unserer Idee inzwischen viele andere Menschen zum Nachdenken bringen und inspirieren konnten.“

Über Matt Devine und Our Backyard Homes

Matt selbst hat eine ganze Weile lang in seinem Büro gelebt, das eine umgebaute Scheune war. „Ich habe unendlich viele Roadtrips gemacht und bin in Zelten und Hostels durch die Gegend gereist. Und irgendwann habe ich gemerkt: Je mehr Zeug ich dabei habe, desto mehr Stress macht mir das. Wenn du dich aber selbst gut genug kennst und Prioritäten setzen kannst, dann kann Minimalismus die befreiendste Entscheidung sein, die du je treffen wirst.“

Our Backyard Home ist eine Non-Profit-Organisation in den USA. Neben dem Tiny Toilet Home kümmert sich das Unternehmen auch um obdachlose Studenten in Los Angeles und möchte minimalistischen Wohnraum als Lösung für die Wohnungskrise populärer machen. Das Motto lautet: kleine Häuser – große Wirkung!
Und wenn Matt weiter so begeistert dabei ist, dürfen wir gespannt sein.

Fotos (c): Our Backyard Homes

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