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VanLife: Erlebnisse von unterwegs

VanLife: Erlebnisse von unterwegs

Traumhafte Sonnenuntergänge an einsamen Stränden. Gesellige Abende am Lagerfeuer mit Gleichgesinnten. Atemberaubende Ausblicke vom Bett auf die umliegende Landschaft. So stellt sich manch einer das VanLife vor: wildromantisch, abenteuerlich, aufregend.

17 Monate leben wir nun in unserem Bus Horst und erkunden Europa. In dieser Zeit ging es tatsächlich einige Male romantisch, abenteuerlich und aufregend zu. Es gab aber auch genügend Momente, die wir uns im Vorfeld nicht ausgemalt hatten. So wie an Heiligabend, als sich eine junge Hündin dazu entschließt, bei uns einziehen zu wollen. Oder wie in Spanien, als im Dunkeln auf einmal ein Fremder an unseren Bus klopft. Und wie neulich, als meinem Freund vorgeworfen wird, er habe jemanden mit einem Messer attackiert.

Das Leben im Van bringt einige Geschichten mit sich. Wenn wir mit anderen Leuten zusammentreffen, die im Camper wohnen, ist immer für ausreichend Gesprächsstoff gesorgt. An ein paar dieser Erlebnisse möchte ich euch heute teilhaben lassen.

Ali – der Mann aus der Sahara

Januar 2016, Andalusien, 21.00 Uhr.

Wir stehen komplett einsam an einem abgelegenen See. Außer uns ist niemand da, um uns herum herrscht absolute Stille. Aber was ist das: da bewegt sich eine Taschenlampe auf uns zu?
Kurz darauf klopft es an unsere Tür, Steve macht auf. Vor uns steht ein Mann, ca. 30 bis 40 Jahre alt, in schmutziger Kleidung. In holprigem Spanisch stellt er sich als Ali vor und zeigt uns seinen Ausweis, damit wir seinen Namen lesen können. Er stammt aus der Sahara und arbeitet ganz in der Nähe als Schafhirte. Er wollte nur mal fragen, ob wir irgendwas bräuchten?

Völlig überrascht verneinen wir seine Frage, denn wir sind mit allem bestens versorgt. Wir wechseln noch ein paar Worte, dann macht sich Ali auf den Weg zurück zu seiner Unterkunft.
Am nächsten Abend kommt er wieder und wir laden ihn zu uns in den Bus ein. Er erzählt uns über seine Familie und über die Jobs, denen er in Spanien nachgeht. Sicherheit, dieses Wort kennt er nicht. Er nimmt jede Arbeit an, den er bekommen kann, und muss jederzeit damit rechnen, wieder entlassen zu werden.

Dennoch beklagt er sich nicht, im Gegenteil. Für Ali scheint sein Leben in Ordnung zu sein.
Am nächsten Morgen weckt er uns um 07.30 Uhr, so haben wir es mit ihm ausgemacht. Er möchte uns in seinem spärlich eingerichteten Wohnwagen mit frischem Tee bewirten. Und obwohl Ali wirklich nur das Nötigste besitzt, gibt es sich allergrößte Mühe, dass es uns an nichts fehlt. Er kocht uns Eier, schenkt uns etwas von seinem Brot und bereitet leckeren Tee zu. Und damit wir uns die Füße nicht dreckig machen, legt er den Boden mit Pappe aus.
Noch ein paar Mal treffen wir Ali, dann ist er auf einmal weg. Sein Wohnwagen steht bereit für den nächsten Gelegenheitsarbeiter. Wo Ali hingegangen ist, das wissen wir nicht. Gerne hätte ich mich von ihm verabschiedet, aber das war nicht möglich.

Ali, der Mann aus der Sahara, hat mich mit seiner Offenheit beeindruckt. Die Begegnung mit ihm werde ich wohl nie vergessen.

Ein echter Krimi

Ich sitze im Bus und bereite gerade das Essen vor. Mein Freund Steve ist mit den Hunden draußen, um sie zu füttern. Auf einmal sehe ich aus dem Augenwinkel Blaulicht und höre Steve mit jemandem reden. Was ist da denn los? Ob uns die Polizei von dem Platz wegschicken möchte?

Kurz darauf kommt Steve rein und holt unsere Ausweise. Die Polizei hätte ihm mitgeteilt, wir sollen uns für diese Nacht besser einen anderen Stellplatz suchen, hier sei es nicht sicher. Ein Mann, bewaffnet mit einem Messer, würde wohl am Strand herumlaufen.

Hm, das klingt unheimlich. Ich gehe also mit Steve zurück zu den Polizisten, damit sie kurz einen Blick auf unsere Ausweise werfen können, als ein Grieche mit seinem Auto neben uns hält. Er steigt aus und redet wie wild auf einen der Polizisten ein. Dabei zeigt er immer wieder auf Steve und wirft ihm böse Blicke zu. Der Polizist, der gerade unsere Ausweise kontrolliert, tritt mit uns ein wenig zur Seite und fragt: „Kennen Sie den Mann?“
Wir: „Nein, wir haben ihn noch nie gesehen.“
Polizist: „Er sagt, Sie haben ihn mit einem Messer angegriffen.“
Wir: „???“

Mit dieser Entwicklung haben wir nicht gerechnet, aber da wir nun wirklich niemandem mit einem Messer attackiert haben, bleiben wir vollkommen ruhig und freundlich. Das merkt auch der Polizist, der kurz darauf sagt: „Packt am besten gleich zusammen und schlaft heute Nacht woanders.“

Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, machen den Bus innerhalb weniger Minuten startklar und lassen diesen Krimi schleunigst hinter uns.

Merle, die Busbesetzerin

Dass es in Griechenland viele Streunerhunde gibt, weiß ich durch meine früheren Reisen hierhin. Und ich weiß auch, dass die griechischen Streuner meist sehr freundliche Hunde sind. Ein ganz besonders liebenswertes Exemplar ist Merle, die seit Mitte Januar offiziell zu unserem Team zählt.

Aufgetaucht ist sie an unserem Bus an Heiligabend. Scheu, aber neugierig hat sie sich zuerst uns, dann das Bus-Innere angesehen. Als dabei die Wasserpumpe angesprungen ist, ist sie vor Schreck aus dem Bus gesprungen. Eine Minute später kam sie wieder rein und hat ihre Erkundungstour fortgesetzt.

Ihr gefiel unser rollendes Zuhause so gut, dass sie sich umgehend zum Bleiben entschieden hat! Weder ich, noch mein Freund oder unsere beiden anderen Hunde konnten ihrem Charme irgendwas entgegensetzen. Merle kam, sah und siegte auf ganzer Linie. Jetzt, nach nur sechs Wochen, können wir sie uns schon nicht mehr wegdenken – Merle ist eine echte Perle! 🙂

Tja, das ist eben VanLife – unvorhersehbar und immer voller Überraschungen…

Welche aufregenden oder kuriosen Dinge sind dir schon auf deinen Reisen passiert? An welche Erlebnisse denkst du gerne zurück? Erzähl uns von deinen kuriosen, eindrucksvollen oder auch beängstigenden Momenten!

Fotos: (c) Nima Ashoff

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