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Versicherung für ein gebrauchtes Wohnmobil: Vollkasko, Teilkasko oder Haftpflicht?

Versicherung für ein gebrauchtes Wohnmobil: Vollkasko, Teilkasko oder Haftpflicht?

Wir haben uns vor Kurzem ein gebrauchtes Wohnmobil gekauft. Neben den üblichen Gedanken zu Grundrissen, Modellen und Preisklassen mussten wir dabei natürlich auch eine Entscheidung treffen, welche Versicherung die beste für uns ist. In diesem Artikel habe ich mit Unterstützung unserer Versicherungsexperten von der RMV all diese Fragen und Antworten zusammengetragen – ein Thema, das sicherlich viele Camper beschäftigt.

Versicherung für ein gebrauchtes Wohnmobil

Vorgeschichte

Unser erstes Fahrzeug hat seinerzeit 5.000 Euro gekostet und wir schlossen damals einfach nur eine Haftpflichtversicherung ab. Diese bezahlt bei Schäden an anderen Fahrzeugen oder Personen.

Eine Teil- oder Vollkasko wollten wir zu dem Zeitpunkt nicht, denn bei dem niedrigen Kaufpreis machte das für uns keinen Sinn. Bei unserem jetzigen Fahrzeug ist das etwas anderes. Es hat fast das Zehnfache gekostet und wir haben einen Teil davon finanziert. Deshalb brauchten wir auf jeden Fall eine Vollkasko. Denn wenn wir nächste Woche einen Unfall damit haben und unser neues Wohnmobil ein Totalschaden sein sollte, müssen wir ja trotzdem weiter die Raten für die Finanzierung zahlen.

Teil- oder Vollkasko sinnvoll?

Für ein hochpreisiges Wohnmobil, auch wenn es gebraucht gekauft wurde, ist eine Vollkasko wichtig und sinnvoll. Erst recht, so lange eine Finanzierung läuft oder das Fahrzeug einen hohen Wert hat. Um diese Entscheidung zu treffen, schaute ich mir den Restwert des Wohnmobils an und kalkulierte die Kosten der Vollkasko pro Jahr. Könnte ich nach zwei Jahren das Fahrzeug von den Versicherungsbeiträgen bezahlen, würde es keinen Sinn machen.

In unserem Beispiel war die Sachlage aber klar: Hier lag der Preis für das Gebrauchtfahrzeug bei ca. 50.000 Euro, deshalb war für uns eine Vollkasko Pflicht – und das wird auch mindestens für die kommenden Jahre noch so bleiben.

Bis zu welchem Fahrzeugalter ist eine Kasko überhaupt möglich?

Bei dieser Frage kommt es auf die Versicherungsgesellschaft an. Einige versichern Fahrzeuge jedes Alters, andere setzen die Grenze bei 15 oder 20 Jahren fest. Unser Partner RMV versichert zum Beispiel Wohnmobile bis zu 25 Jahren, deshalb haben wir hier abgeschlossen.

Neuwert oder Zeitwert: Was wird bei einem Unfall oder Schaden bezahlt?

Auch diese Frage habe ich mir gestellt. Bekomme ich den Neuwert des Fahrzeuges ersetzt? Das waren einmal 347.675 DM. Die Antwort ist: Eher nicht.

Bei einem sogenannten wirtschaftlichen Totalschaden übersteigen die Reperaturkosten den Wert des Fahrzeugs. In diesem Fall zahlt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert. Das bedeutet, den Preis, den ein Fahrzeug gleichen Alters und gleichen Zustandes zum Unfallzeitpunktes kosten würde minus den Wert des Wracks. Wenn man den Schaden selbst verursacht hat, springt die Vollkasko ein. Ist der Unfall unverschuldet, zahlt die gegnerische Haftpflicht.

Bei einem Unwetterschaden deckt übrigens die Teilkasko den Schaden. Und auch hier gilt: Es wird der Wiederbeschaffungswert abzüglich des Wertes des Wracks bezahlt.

Was ist, wenn die Versicherung weniger zahlt als den noch zu finanzierenden Betrag?

Um dir diesen Punkt näher zu erläutern, ziehe ich wieder unser Rechenbeispiel heran:

Du finanzierst ein Fahrzeug für 50.000 Euro, fährst ein Jahr und hast einen Restbetrag von sagen wir ca. 42.000 Euro offen. Du hast einen Totalschaden. Der Wiederbeschaffungswert inklusive Wrack-Wert beträgt aber nur 35.000 Euro. Du bekommst von der Versicherung 35.000 Euro, musst aber noch 42.000 Euro an die Bank zahlen. Ein reales Szenario – vor allem bei Wohnmobilen, bei denen die Preise teilweise extrem unterschiedlich sind.

Dafür bieten Versicherungen eine sogenannte GAP-Deckung an. Sie deckt die Lücke zwischen Fahrzeugwert und Finanzierungsbetrag ab („Gap“ ist das englische Wort für „Lücke“). Da Wohnmobile jedoch häufig sehr langsam an Wert verlieren, ist immer die Frage, ob dieser Fall eintreffen kann.

Sind Anbauteile versichert?

Wichtigster Punkt ist hier laut unseren Experten von der RMV, dass man neue Einbauten der Versicherung meldet. Alle Teile, die fest mit dem Fahrzeug verbunden sind (verschraubt, verklebt etc.), werden mitversichert.

►►Unser Tipp: Achte hier unbedingt auf eine sogenannte „Neu für alt“-Regelung. Beschädigte Teile am Wohnmobil sind normalerweise alt. Sie werden jedoch durch Neuteile ersetzt, welche dann natürlich einen höheren Wert haben. Manche Gesellschaften behalten sich hier Abzüge vor.

►►Achtung: Verschleißteile sind normalerweise nicht gedeckt!

Wie ist das Risiko bei einem Fahrzeug mit unrepariertem Hagelschaden?

Wenn ein Fahrzeug gegen Hagel versichert ist und einen Schaden hat, kann der Besitzer entscheiden, ob er diesen entweder reparieren lässt, oder sich eine Summe auf Basis eines Gutachtens auszahlen lässt. Dies nennt man „Fiktive Abrechnung“. Diese Auszahlung wird zentral in einer Datenbank gespeichert, auf die alle Versicherungen Zugriff haben.

►►Unser Tipp: Kaufst du nun dieses Fahrzeug, kannst du keinen weiteren Hagelschaden mehr von der Versicherung bezahlen lassen. Achte also unbedingt darauf, denn das kann den Kaufpreis eines Wohmobils stark mindern.

Sind Solaranlagen versichert?

Die Versicherung muss wissen, dass eine Solaranlage verbaut ist, dann ist diese auch versichert.

Zusammenfassung:

Nicht jede Versicherung versichert alte Fahrzeuge. Eine Vollkasko ist nur sinnvoll, bei einem hohen Fahrzeugrestwert. Achte unbedingt auf eine „Neu-für-alt“-Regelung!

 


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Technikverliebter Nerd, der mit Frau, Hund und Gasgrill seit 2015 im Wohnmobil lebt – derzeit in einem Clou Liner. Im Winter im Süden, im Sommer im Norden, als digitaler Nomade immer auf Reisen.

Lieblingsspots: Am Wasser.

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