Fimg Versicherung Wohnwagen Wohnmobil FAQ 1

Die häufigsten Versicherungsirrtümer – Teil 1: Vertragsabschluss und Schadenregulierung  

In unserer neuen Serie „Versicherungsirrtümer“ klären wir gemeinsam mit unseren Experten über gängige Mythen, Missverständnisse und Halbwahrheiten aus dem Bereich der Wohnwagen- und Wohnmombilversicherungen auf. In Teil 1 sprechen wir mit Dieter Scheffler, Geschäftsführer der RMV, über die Themen Versicherungsabschluss und Schadenregulierung. 

Wie finde ich die beste und günstigste Wohnmobil-Versicherung?

CamperStyle: Eine sehr häufige Frage in Foren und Facebookgruppen ist die nach der „günstigsten“ Versicherung für Wohnmobil und Wohnwagen. Dabei wird angenommen, dass die Leistungen bei allen Anbietern gleich sind und sich lediglich die Preise unterscheiden. Ist das richtig?

Dieter Scheffler: Früher waren viele Versicherungsleistungen in der Tat einheitlich. Heutzutage ist das Vergleichen aber schon etwas schwieriger. Nur die Preise zu vergleichen, reicht hier leider nicht aus, um die passende Versicherung für sich zu finden. Denn jede Versicherung hat ihre ganz eigenen Regelungen und Bedingungen. So kann es bei bestimmten Schäden bspw. ganz unterschiedliche Höchstentschädigungsgrenzen geben. Auch die Regelungen rund um die SF-Klassen unterscheiden sich teils deutlich. Wenn ich beispielsweise aktuell bei SF10 noch 30% des Grundbeitrags zahle, muss das nicht bei einem anderen Anbieter genauso sein. Es lohnt sich also, sich mit den Versicherungsangebot etwas eingehender zu beschäftigen und bei den Punkten, die für einen selbst besonders relevant sind, genauer nachzufragen.

CamperStyle: Und worauf sollte man sonst noch beim Abschluss achten?

Dieter Scheffler: Bei verschiedenen Versicherungsnehmern sind je nach Ansprüchen und Bedürfnissen natürlich unterschiedliche Dinge wichtig. Grundsätzlich sollte man aber wie schon erwähnt genau auf Höchstentschädigungsgrenzen achten. Gibt es hier Einschränkungen oder abweichende Selbstbeteiligungen bei Hagel- und anderen Elementarschäden? Welche Schutzbriefleistungen hat ein Anbieter? Wer darf alles mit dem Fahrzeug fahren? Und kann ich evtl. von bestimmten Sondereinstufungen in höhere SF-Klassen profitieren, die auch langfristig meinen Beitrag vergünstigen? Man sollte sich Gedanken machen, welche Punkte für einen persönlich wichtig sind. Und dann heißt es: Bei den Anbietern nachhaken und vergleichen.

Ist der Wohnwagen über mein Zugfahrzeug versichert?

CamperStyle: Immer wieder stoßen wir auf das Gerücht, dass Wohnwagen über das Zugfahrzeug versichert seien. Heißt das, man braucht gar keine eigene Versicherung für den Caravan? 

Dieter Scheffler: Genauso wie andere Fahrzeuge müssen Wohnwagen in Deutschland mindestens haftpflichtversichert sein. Bei einem Haftpflichtschaden kann es dann sein, dass sich die Versicherung des Zugfahrzeugs und die Versicherung des Wohnwagens die Kosten teilen. Gänzlich über das Zugfahrzeug abgedeckt ist der Wohnwagen aber nicht. Auch im Hinblick auf Teil- und Vollkaskoversicherung muss der Wohnwagen, wenn gewünscht, eigenständig versichert werden.

Wann braucht man eine „Mallorca-Police“?

CamperStyle: Oft fällt beim Thema Versicherung auch der Begriff „Mallorca-Police“. Was ist das denn genau?

Dieter Scheffler: Die Mallorca-Police ist höchstens dann interessant, wenn man regelmäßig im europäischen Ausland Fahrzeuge mietet. Diese Fahrzeuge sind dann entsprechend dem deutschen Versicherungsstandard abgedeckt. Das heißt konkret: Wenn ich mit dem Mietwagen einen Unfall verursache und die maximale Versicherungssumme des Mietwagens nicht ausreicht, um den Schaden zu begleichen, übernimmt meine heimische Versicherung die Restsumme.

CamperStyle: Benötigt man diese Police dann als „normaler Urlauber“ überhaupt? 

Dieter Scheffler: Für die meisten Camper dürfte sie im Grunde unnötig sein. Denn in der Regel ist man ja im Ausland mit seinem eigenen Camping-Fahrzeug unterwegs. Vor allem angesichts dessen, dass die Mallorca-Police auf das europäische Ausland begrenzt ist, dürfte sie für die meisten nur selten greifen.

Außerdem haben sich in Europa die Deckungssummen mittlerweile überwiegend angeglichen. Wenn man ein Fahrzeug über einen seriösen Anbieter mietet, sollte dieses also ohnehin ausreichend versichert sein. Die Mallorca-Police ist deshalb weit weniger relevant, als noch vor 20 Jahren. Das Gerücht, sie sei ein entscheidender Faktor bei der Wahl einer Versicherung, hält sich dennoch.

Schaden an Wohnmobil und Wohnwagen – was zahlt die Versicherung überhaupt?

CamperStyle: Ich habe jetzt also pflichtgemäß eine Versicherung für mein Wohnmobil oder meinen Wohnwagen abgeschlossen. Dann kann ich mich ja beruhigt zurücklehnen – denn wenn etwas passiert, ist alles gedeckt. Oder?

Dieter Scheffler: Es kommt leider manchmal zu Missverständnissen, was überhaupt ein Versicherungsschaden ist und was nicht. Zum Beispiel kann man zwar Pannenhilfe und Abschleppkosten über einen Schutzbrief versichern, die Panne selbst – also z.B. der klassische Reifenplatzer – ist aber kein Schaden, der von der Versicherung übernommen wird. Auch wenn ich selbst in meinem Fahrzeug etwas kaputt mache, kriege ich dafür keine Kosten erstattet. Die Kaskoversicherung springt stattdessen bei einem Unfall ein. Ein Unfall ist nach Definition ein Ereignis, das plötzlich und “von außen” kommt. Über die Vollkasko sind dann auch selbstverschuldete Unfälle versichert, was aber immer noch nicht Schäden wie Kratzer im Innenraum oder eine abgebrochene Fernseher-Halterung einschließt. Über eine Haftpflichtversicherung sind wiederum gar keine Unfallschäden am eigenen Fahrzeug abgedeckt. Diese ist lediglich dazu da, Schäden zu begleichen, die man selbst bei einem Unfallgegner verursacht hat. Man sollte also immer genau klären, für welche Ereignisse man abgesichert sein möchte.

Wie muss ich das Fahrzeug versichern, wenn Freunde oder Verwandte damit fahren möchten?

CamperStyle: Nach der Anschaffung von Wohnwagen oder Wohnmobil kriegen Familie oder Bekannte oft Lust, das Campen auch mal auszuprobieren – und bitten darum, sich das Fahrzeug mal ausleihen zu dürfen. Geht das versicherungstechnisch überhaupt?

Dieter Scheffler: Ob oder wie der Fahrerkreis von der Versicherung begrenzt ist, hängt von der jeweiligen Versicherung ab. Hier einfach mal nachfragen, wer das Fahrzeug laut Versicherung fahren darf und wer nicht. Bei der RMV schließen wir lediglich eine gewerbliche Vermietung aus, das Verleihen an einen Bekannten ist bei uns also kein Problem.
Wer das mobile Reisen erst mal ausprobieren möchte, hat natürlich auch die Möglichkeit, sich ein Fahrzeug zu mieten. In diesem Bereich gibt es verschiedene ‘vermittelnde’ Plattformen oder auch eigenständige Anbieter. Auch hier sollte man sich nach dem Versicherungsschutz erkundigen. Seriöse Anbieter klären darüber in der Regel auch schriftlich auf. Außerdem könnte es sich lohnen, ein Urlaubs-Schutz-Paket abzuschließen, bei dem bspw. Rücktritt, Abbruch und Mietausfall versichert sind.

CamperStyle: Wenn ich mein Fahrzeug verleihe oder vermiete – muss ich das extra melden und steigt dadurch mein Versicherungsbeitrag?

Dieter Scheffler: Es schadet nie, sich nochmal bei der eigenen Versicherung über die Regelungen zu erkundigen und in diesem Zuge der Versicherung Bescheid zu geben. Je nach Anbieter kann es auch durchaus sein, dass der Fahrerkreis zwar zunächst eingeschränkt, aber gegen Aufpreis erweiterbar ist. Die gewerbliche Vermietung ist aber meistens generell ausgeschlossen. Beim eigenen Fahrzeug müsste man dieses deshalb von vornherein als so genanntes „Selbstfahrervermietfahrzeug“ versichern. Das ist merklich teurer und wird von vielen Versicherungen gar nicht erst angeboten. Außerdem müsste das Fahrzeug dazu auch als Selbstfahrervermietfahrzeug zugelassen sein, was z.B. eine jährliche HU- bzw. TÜV-Pflicht zur Folge hat. Eine unkompliziertere Alternative könnte hier evtl. die Vermietung über eine private Vermietplattform sein, die eigene Kooperationen mit Versicherungen haben.

CamperStyle: Und wenn beim Verleihen tatsächlich ein Schaden entsteht?

Dieter Scheffler: Wenn ich mein Fahrzeug verleihe, sollte mir klar sein, dass ein Schaden ggf. auf mich zurückfällt. Denn die KfZ-Versicherung ist nicht personen-, sondern fahrzeuggebunden. Sprich, auch wenn ich mein Fahrzeug verliehen hatte, springt die eigene Versicherung ein und begleicht den Schaden – sofern der Fahrer zum zulässigen Fahrerkreis gehört, den die Versicherung festlegt. Dadurch werde ich bei einem Schaden in der SF-Klasse zurückgestuft und mein Versicherungsbeitrag steigt. Lediglich Teilkaskoschäden wie Sturm, Hagel, Marderschäden etc. haben keine Rückstufung zur Folge.

Wann lohnt es sich, einen Schaden der Versicherung zu melden?

CamperStyle: Bei den meisten Kaskoversicherungen gibt es eine Selbstbeteiligung. Oftmals wird angenommen, dass sich eine Schadenmeldung lohnt, sobald dieser Wert überschritten ist. Ist das wirklich empfehlenswert?

Dieter Scheffler: Wie bereits angerissen, wird man bei einem Schaden in der SF-Klasse zurückgestuft. Die SF-Klasse steht für die angesammelten schadenfreien Jahre und „belohnt“ den Versicherungsnehmer mit günstigeren Beiträgen.
Bei Schäden, die über die Versicherung abgerechnet werden, sinkt also im Folgejahr die SF-Klasse und der Beitrag steigt. Wenn ein Schaden nur mäßig über der Selbstbeteiligungsgrenze liegt und man diesen der Versicherung melden möchte, sollte man die erhöhten Versicherungsbeiträge deshalb mit bedenken. Die Versicherung kann dies eventuell genauer ausrechnen und mitteilen, ab wann sich die Schadenmeldung lohnt. Und keine Sorge: Nur weil die Versicherung über einen Schaden Bescheid weiß, muss man diesen nicht zwangsläufig auch abrechnen lassen. Man kann sich also im konkreten Einzelfall auch erst einmal erkundigen.


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Träumte seit ihrer Kindheit von einem Leben auf Rädern. Tourt jetzt mit Mann und Hund ganzjährig im Wohnwagen durch Europa.

Lieblingsspots: Andalusien, Baskenland & Mexiko.

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