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Wildcamping in Frankreich – Regeln und Tipps zum Freistehen

Wildcamping in Frankreich – Regeln und Tipps zum Freistehen

Mit Frankreich verbinde ich neben fantastischem Rotwein und feinster Küche auch die raue bretonische Küste, die Weite der Provence, die mondäne Côte d’Azur und das rebellische Korsika. Wie kannst du all das am besten im Rahmen einer Campingreise erleben? Ich habe das flächenmäßig größte Land der EU bereits mehrfach selbst mit dem Camper bereist und – abhängig von der jeweiligen Region – unterschiedliche Erfahrungen mit möglichen Übernachtungsplätzen gemacht.

Wie wohl überall auf der Welt gehen mit einer höheren Bevölkerungsdichte strengere Regeln und Gesetze einher. Das gilt auch für das Thema Tourismus und Camping. Die Bevölkerungsdichte in Frankreich ist deutlich niedriger als zum Beispiel in Deutschland:

  • 103 Einwohner je Quadratkilometer in Frankreich; 231 Einwohner je Quadratkilometer in Deutschland
  • rund 67 Mio. Menschen in Frankreich; rund 82,5 Mio. Menschen in Deutschland
  • 20 Prozent der französischen Gesamtbevölkerung leben in der Metropolregion Paris.

Wildcamping in Frankreich – Was gibt es zu wissen?

Die Küste gehört in Frankreich nach altem französischen Recht der gesamten Bevölkerung, so dass grundsätzlich niemand eine Erlaubnis zum wilden Camping erteilen kann. Ähnlich verhält es sich mit den Hauptsehenswürdigkeiten und Naturschutzgebieten des Landes. Die französische Tourismuszentrale schreibt auf ihrer Internetseite, dass Wohnmobile grundsätzlich überall parken dürfen, wo es allgemein gestattet ist, sofern „durch die Größe des Wohnmobils der Verkehr oder die Sicht der anderen Verkehrsteilnehmer nicht behindert wird, maximal jedoch für 7 Tage“.

Allerdings darf an solchen Übernachtungsplätzen keinerlei Campingverhalten gezeigt werden. Tische, Sonnenschirme oder Stühle aufzustellen, ist also nicht gestattet. Zum reinen Übernachten findest du aber relativ einfach einen Platz. Wir haben zum Beispiel an der Atlantikküste bei Arcachon eine recht entspannte Nacht auf einem Parkplatz am Straßenrand verbracht, um schon vor Sonnenaufgang die „Dune du Pilat“, die größte Wanderdüne Europas, zu besteigen.

Richtige Wildnis ist das natürlich nicht und mit naturnahem Camping hat es ebenfalls nicht unbedingt etwas zu tun. Hierfür kannst du dein Glück auf privatem Grund mit der Zustimmung des Eigentümers versuchen oder dich einfach so unauffällig verhalten, dass niemand deine Anwesenheit bemerkt. Selbstverständlich gilt wie überall auf der Welt die Regel, dass nach der Übernachtung nichts auf diese hindeuten sollte. Hinterlasse keinen Müll und bleibe möglichst nur eine Nacht am gleichen Ort.

Relativ leicht findest du Plätze in den einsameren Bergregionen der Alpen oder Pyrenäen, im ländlichen Landesinneren oder – mit etwas Glück – außerhalb der Hauptsaison an den wilderen Küsten. Du musst dir jedoch immer darüber im Klaren sein, dass du gegebenenfalls von den Behörden weggeschickt werden kannst. Im schlimmsten Fall kann sogar ein Bußgeld von bis zu 1.500 Euro verhängt werden. Generell gelten die Franzosen Reisenden gegenüber, insbesondere Wanderern und Radfahrern, aber als sehr freundlich und aufgeschlossen.

Wir haben im Norden Korsikas selbst an der Küste völlig unbehelligt eine Nacht verbringen können, traumhafter Meerblick inklusive. Aber auch wenn du mal keinen geeigneten Platz zum freien Übernachten findest, gibt es in Frankreich viele sehr nette, simple Campingplätze, bei denen du einfach auf einer großen Wiese stehen kannst. Manchmal haben uns die Besitzer noch eine Flasche Cidre oder etwas anderes aus der eigenen Produktion verkauft. Das hat den Charme, dass du gleich noch etwas mehr vom Land, den Leuten und der Kultur mitbekommst.

Die französische Tourismuszentrale bewirbt unter anderem „Camping auf dem Bauernhof“. Die Adressen findest du unter (bienvenue-a-la-ferme.com, leider nur auf französisch) oder „Camping in den Weinbergen“ (france-passion.com, die Seite gibt es auch auf deutsch). Gegen eine geringe Gebühr bieten viele Gemeinden sogenannte „Camping Municipal“ (camping-municipal.org, Website auf französisch). Ansonsten ist die App „iOverlander“ auch in Europa ein guter Tipp. Dort findest du Infos zu diversen etablierten und wilden Stellplätzen sowie sonstige nützliche Adressen für Reisende.

Besondere Vorsicht ist an französischen Autobahnraststätten geboten. Dort habe ich schon von einigen sehr unschönen Vorfällen gehört, bei denen schlafende Reisende in ihren Fahrzeugen überfallen und ausgeraubt wurden. Ich würde dir auf der Durchreise deshalb dazu raten, von der Autobahn abzufahren und dir in einer nahegelegenen Ortschaft einen Übernachtungsplatz zu suchen.

Etwas anders können sich die Regeln an bestimmten Orten übrigens für Wanderer verhalten, die lediglich in der freien Natur biwakieren möchten. In einigen Nationalparks ist das Nächtigen unter bestimmten Voraussetzungen gestattet (unter anderem muss eine Stunde Fußweg zwischen Campingplatz und Ausgang liegen). Nähere Informationen erhältst du bei der jeweiligen Parkverwaltung oder den Fremdenverkehrsämtern der einzelnen Departments. Ansonsten gelten auch hier, wie für alle Camper, die üblichen Verhaltensregeln und etwas Gespür für die jeweilige Umgebung.

Fazit

Wie viele Länder Westeuropas ist Frankreich nicht gerade ein Paradies für das Wildcamping. Mit etwas Recherche und vor allem Umsicht, Rücksichtnahme und Freundlichkeit der lokalen Bevölkerung gegenüber kannst du allerdings auch in Frankreich den ein oder anderen freien Stellplatz finden. Auf jeden Fall gibt es gerade außerhalb der Hauptreisezeit viele Möglichkeiten zum naturnahen Camping, bei dem du gegebenenfalls gleich noch einen Einblick in die französische Kultur erhalten kannst. Die (deutsche) Seite der Tourismuszentrale findest Du unter de.france.fr mit vielen nützlichen Tipps und Links für deinen nächsten Frankreich Urlaub. Bon Voyage!

Fotos: (c) Ali Ramthun


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Ist mit Mann Malte und Landrover „Dulli“ in Übersee unterwegs. Liebt Abenteuer, das minimalistische Reisen und exotische Länder.

Lieblingsspot: Südamerika

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