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Wildcamping in Griechenland: Regelungen und Tipps

Wildcamping in Griechenland: Regelungen und Tipps

Stille, absolute Stille! Wir stehen mit unserem Wohnmobil inmitten der griechischen Bergwelt. Um uns herum ist nichts als unberührte Natur. Kaum zu glauben, dass es solche einsame und ursprüngliche Orte noch gibt. Das ist einer der Gründe, wieso es mir das Land der Götter so angetan hat. Darüber hinaus trumpft es mit einer faszinierenden Geschichte, uralten Gebäuden, traumhaften Stränden, köstlichem Essen und gastfreundliche Menschen auf. Kein Wunder, dass mein Freund und ich nun zum zweiten Mal für mehrere Monate mit unserem Wohnmobil durch Griechenland reisen. Unser erster Trip durch Griechenland hat ganze 11 Monate gedauert. Davon waren wir gerade mal zehn Nächte auf einem Campingplatz, in der restlichen Zeit haben wir frei gestanden.

Wie sieht es jedoch in Griechenland mit dem Wildcampen aus: ist es erlaubt oder verboten? Wird es toleriert oder musst du mit aufgebrachten Einheimischen rechnen? In diesem Artikel erfährst du alles, was zu zum Wildcampen und Freistehen in Griechenland wissen musst.

Wissenswertes zu Griechenland

Lass mich dir zuerst ein paar allgemeine Informationen zu Griechenland geben.

  • Die Fläche des Landes beträgt 131.957 km² | Deutschland hat 357.385 km², also wesentlich mehr.
  • Die Einwohnerzahl liegt bei ca. 11.160.000. Das macht im Schnitt 84 Einwohner auf einem km². | In Deutschland leben 82.792.351 Einwohner, pro km² sind das 237 Menschen.

Du siehst, dass die Einwohnerdichte in Griechenland ziemlich gering ist. Und wo wenige Menschen dicht aufeinander leben, geht es in der Regel ziemlich entspannt zu – so auch in Griechenland. Das Motto der Griechen ist „siga, siga“, was so viel bedeutet wie „immer mit der Ruhe“. Gefolgt werden diese Worte gerne von „ávrio = morgen“.

Auf Hektik wirst du maximal in den großen Städten Athen (mit 664.046 Einwohnern) oder Thessaloniki (mit 325.182 Einwohnern) treffen. Wie überall auf der Welt sind Städte nun mal ein Ort des Trubels, da machen die griechischen Großstädte keine Ausnahme.

Kaum lässt du diese hinter dir, findest du viel ursprüngliche Natur und triffst auf entspannte und äußerst gastfreundliche Menschen. Vielleicht hörst du sogar mal den Begriff „Philotimo“, für den es keine wörtliche Übersetzung gibt. Er beschreibt eine Grundhaltung der Griechen und beinhaltet Werte wie Mut, Respekt, Würde, Liebe und Pflicht – für das eigene Leben und das anderer. Nächstenliebe und Gastfreundschaft wirst du bei deinem Besuch in Griechenland garantiert erleben.

Wegen der Verständigung brauchst du dir auch keinen Kopf machen. Die meisten Griechen sprechen hervorragend Englisch, manche sogar ein paar Brocken Deutsch. Nur in ganz ländlichen Regionen kann es passieren, dass nur Griechisch gesprochen wird. Dann greifst du halt auf Hände und Füße zurück, das funktioniert überall.

Das Klima in Griechenland

Wenn ich von unserer langen Reise nach Griechenland berichte, wird mir sofort die Frage nach dem Wetter gestellt. Im Sommer kannst du hier mit ziemlich heißen Temperaturen rechnen, die durchaus bei über 40 Grad liegen können. Im Winter geht es regnerischer zu und die Temperaturen liegen ungefähr bei 10 bis 15 Grad in den Küstenregionen. Im Norden des Landes musst die mit mehr Regen, teilweise sogar Schnee und noch niedrigeren Graden rechnen. Zum Überwintern bieten sich daher zum Beispiel der Peloponnes oder Kreta an.

Wilde Berglandschaften und karibische Strände

Von Griechenland kennen viele vor allem die Inseln. Kreta, Santorin, Korfu oder Rhodos sind wohl die bekanntesten, aber darüber hinaus gibt es noch tausende mehr. Wirklich bewohnt sind von diesen jedoch nur 113. Auch die Halbinseln Chalkidiki und der Peloponnes zählen zu den namhaften griechischen Gebieten, die viele Besucher anziehen. Ein Grund sind die sagenhaften Strände, die mir tatsächlich die Sprache verschlagen haben. Ob mit weißem Sand oder grobem Kiesel, hier ist für jeden Strandliebhaber der passende dabei. Abgerundet wird diese Kulisse durch glasklares, oft tief türkisfarbenes, Wasser.

Während Chalkikidi besonders wegen seiner kleinen Dörfer und der wunderbaren Strände bzw. Buchten so beliebt ist, zieht der Peloponnes auch Wanderer und Kletterer an. Im kleinen Dorf Leonidio entsteht seit ein paar Jahren ein stetig wachsendes Klettergebiet, das aktuell bereits über 1000 Routen bietet. Die meisten Besucher halten sich jedoch an der Westküste des Peloponnes auf, an der es die größeren Sandstrände gibt. Der Osten ist hingegen ursprünglicher, bergiger und bietet dir kleine versteckte Buchten.

Eine ganz andere Landschaft erwartet dich im Norden Griechenlands. Direkt an Albanien angrenzend liegt der Epirus. Hierhin zieht es vor allem Individualtouristen, die auf der Suche nach Natur und Abgeschiedenheit sind, so wie wir. Kennzeichnend für den Epirus sind seine hohen Berge, seine Flüsse, riesige Wälder und alte Dörfer, die bis heute nicht mit dem Auto befahren werden können. Das absolute Highlight ist die Vikos-Schlucht, die sogar im Guinness Buch der Rekorde eingetragen ist. Bei so viel ursprünglicher Natur ist es kein Wunder, dass hier sogar noch Wölfe und Bären leben.

Du siehst, dass Griechenland einiges an unterschiedlichen Landschaften zu bieten hat. Platz zum Wildcampen und Freistehen gibt es genug, aber wie sieht es mit den Gesetzen dazu aus?

Wildcamping in Griechenland

Während im Sommer in Griechenland zahlreiche Campingplätze in allen möglichen Kategorien geöffnet haben, sieht es ab dem Herbst schon anders aus. Wenn du – so wie wir – in Griechenland überwintern und das Land erkunden willst, kommst du um das Freistehen fast nicht drumherum. Öffentliche Stellplätze wie in Frankreich, Portugal oder Spanien findest du hier kaum und wenn, bieten sie selten Ver- oder Entsorgungsmöglichkeiten. Außerhalb der Saison ist somit weitaus mehr Flexibilität gefragt. Um unabhängig von der Entsorgung eines Chemie-Klos zu sein, haben wir uns zum Beispiel für eine Trenntoiletten entschieden.

Tipps, Gesetze und Regeln zum Wildcampen in Griechenland

Die gesetzliche Regelung zum Wildcampen ist eindeutig. Sie besagt, dass „die Errichtung von Zelten oder das Verweilen von Wohnwagen an archäologischen Stätten, Küstenzonen, Stränden, Rändern öffentlicher Wälder und allgemein auf öffentlichen Flächen“ verboten ist. Mehr Infos dazu findest du hier. Soweit die Theorie. In der Praxis gestaltet sich das Wildcampen und Freistehen in Griechenland sehr entspannt. Es hängt natürlich stark davon ab, wo du dich befindest und wie du dich verhältst. Außerdem wird unterschieden, ob du zeltest oder mit einem Wohnmobil oder Wohnwagen unterwegs bist.

Beim wilden Zelten gilt, dass offiziell ein Verbotsschild der Tourismusbehörde vorhanden sein muss. Ist dies nicht der Fall, dann wird das wilde Campen durch viele kommunale Behörden erlaubt. Um ganz sicherzugehen, wäre es jedoch notwendig, dich bei diesen zu erkundigen. Die Strafen für Wildcampen im Zelt reichen von einem Bußgeld bis zu 3000 Euro bis hin zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die in eine Geldstrafe umgewandelt werden kann.

Anders sieht es aus, wenn du mit einem Wohnmobil unterwegs bist. Diesen ist es gestattet, zu parken, aber nicht zu campen. Stühle, Tische, Markisen oder andere Sachen sollten also nicht rausgeräumt werden. In der Praxis zeigen sich die Griechen in diesem Punkt aber als recht tolerant.

Dich in der Hochsaison im August an einen beliebten Strand oder ein berühmtes Ausflugsziel zu stellen, ist keine gute Idee. Auch die direkte Nähe eines Campingplatzes ist nicht geeignet, um wild zu campen. Lockerer sieht es auch, wenn die Saison vorbei ist oder du ein wenig ins Landesinnere fährst. Mehr als einmal ist die Polizei winkend an uns vorbeigefahren und hat uns einen schönen Abend gewünscht. Die Griechen sind ein geselliges Volk und das Zwischenmenschliche ist ihnen wichtig. Ein guter Türöffner ist es, sie auf Griechisch zu grüßen. Wir rufen fast jedem, der uns begegnet, ein freundliches „Jassas“ zu, was so viel heißt wie „Ich grüße Sie/Euch“. Das sorgt meistens für ein herzliches Lächeln und dafür, dass wir willkommen sind.

Damit es beim Wildcampen keine Probleme gibt und du ein gerne gesehener Gast bist, solltest du dich an die üblichen Verhaltensregeln halten:

  • hinterlasse keinerlei Müll oder sonstige Spuren, die auf eine Übernachtung hindeuten,
  • mache kein offenes Feuer,
  • Verhalte dich leise und rücksichtsvoll,
  • bleibe möglichst nur ein oder zwei Nächte am gleichen Ort.

Besonders der Punkt mit dem Feuer spielt in Griechenland eine große Rolle, da die Brandgefahr vom Frühjahr bis in den Herbst hinein extrem hoch ist. So romantisch ein Lagerfeuer sein mag, solltest du lieber darauf verzichten.

Wenn du wild zelten willst, solltest du daran denken, dass es im Norden Griechenlands noch freilebende Bären und Wölfe gibt. Diese sind aber normalerweise scheu und halten Abstand, wenn du sie nicht gerade durch herumliegende Lebensmittel anziehst.

Camping- und Stellplätze finden

In Griechenland gibt es einige naturnahe Campingplätze. Außerhalb der Hauptsaison ist meistens nur noch wenig los, so dass du auf vielen Plätzen deine Ruhe genießen kannst. Auf Chalkidiki haben die meisten nur zwischen Mai und Ende September geöffnet. Öffentliche Stellplätze sind rar und nicht mit den Standards vergleichbar, wie du sie aus anderen europäischen Ländern kennst. Teilweise ist es einfach eine gemähte Wiese, die als Wohnmobil-Stellplatz ausgeschrieben ist.

Diese Apps und Informationen sind hilfreich, um Stell- und Campingplätze zu finden:

Und auch ich habe einen Stellplatztipp für dich. Im Epirus, genau gesagt im imposanten Tzoumerka-Gebirge, liegt das Refugio von Babis und Pola. Auf knapp 1200 Metern Höhe erwarten dich Natur pur, absolute Ruhe und herzliche Gastgeber. Eine Übernachtung im Camper kostet pro Person 2 Euro. Möglichkeiten zu Ver- oder Entsorgung gibt es keine, das solltest du im Vorfeld berücksichtigen. Die Anfahrt führt über eine drei Kilometer lange Schotterpiste.

Die Koordinaten des Platzes sind: 39°30’31.5″N 21°07’29.1″E

Fazit

Während unseres ersten langen Aufenthalts wurden wir nur einmal freundlich von der Polizei gebeten, uns woanders hinzustellen. Sonst hatten wir keine Probleme, schöne Plätze zum Freistehen mit unserem Wohnmobil zu finden. Damit das Wildcampen in Griechenland gut funktioniert, ist höfliches und respektvolles Verhalten das A und O. Die Griechen werden es dir danken und du wirst bestimmt vollgepackt mit tollen Erfahrungen zurückkehren.

Fotos: (c) Nima Ashoff


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Hat den Spaß am Campen mit 38 entdeckt. Seit 2015 lebt sie in einem Oldtimerbus und reist quer durch Europa. Mit dabei sind ihr Partner und ihre Hunde.

Lieblingsspots: Griechenland und Spanien.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Liebe Nima
    ein wunderbarer Artikel, herzlichen Dank dafür.
    Wie sieht es mit Internet aus in Griechenland? Gibt es eine FlatDaten Karte von einem griecheischen Anbieter?
    Herzlichst
    Sevi

    1. Hey Sevi,
      ich freue mich, dass dir der Beitrag gefällt.

      Deine Frage kann ich leider nicht genau beantworten, da wir selber noch auf der Suche nach einem guten Angebot sind. Bisher liegt Cosmote vorne, was die Netzabdeckung betrifft. Allerdings gibt es keine Flat-Angebote. Wir behelfen uns im Moment noch mit unserer spanischen Karte und warten, ob das Weihnachtsgeschäft etwas Attraktives bereit hält.

      Beste Grüße
      Nima

  2. Sehr schön gemacht eure Seite! Auch wenn für mich als Griechenlandfan seit 40 Jahren kaum Neues darin steht. Aber noch Gleichgesinnte bei jüngeren Womo-Campern zu finden ist heute in Zeiten der Yoghurtbecher-Massen mit Apps und Facebook-Tipps nicht mehr häufig und freut mich sehr!
    Erst spät fing ich auch an Reisetagebuch zu führen, dachte früher ich könne alles im Kopf behalten!
    Hier ein paar Links dazu, vielleicht ist die eine oder andere Anregung auch für euch noch dabei?
    Peloponnes
    https://drive.google.com/file/d/0B2eb01KL6SLgem5kZTNuMEw0ajg/view?usp=sharing
    Kreta
    https://drive.google.com/file/d/0B2eb01KL6SLgWjBZMjdPbTl5Y00/view?usp=sharing
    GR 2015
    https://drive.google.com/file/d/0B2eb01KL6SLgQk1VdEk0NXNtUmc/view?usp=sharing
    GR 2016
    https://drive.google.com/open?id=0B2eb01KL6SLgQTFHd1hqZ3pYcFE

    Peter

    1. Hallo Peter, vielen Dank für deine nette Rückmeldung und das umfangreiche Infomaterial, das du mit uns geteilt hast! Wir wünschen dir weiterhin wunderbare Reisen und alle Liebe!
      Nele

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