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Der Winnebago Brave der Ringbrothers – Unglaublich unmöglich!

Der Winnebago Brave der Ringbrothers – Unglaublich unmöglich!

Röhrende Motoren, Rost, Route 66. Amerikaner und Autos sind ein Kapitel für sich im kleinen Straßenatlas des Größenwahns. Hauptsache gigantisch, laut und zwei Meter über dem Boden. Das dachten sich auch die Brüder Jim und Mike Ring, die die Auto-Werkstatt „Ringbrothers“ führen. Gemeinsam ersteigerten sie einen Winnebago Brave von 1972 und statteten ihn unter anderem mit einem 900 PS Motor und einer Popcorn-Maschine aus. Ein Klo gibt’s nicht.

Es ist eine Auktion, auf der Jim und Mike den 1972er Winnebago Brave abstauben. Für gerade mal 11.000 Euro. Neben ihrer Werkstatt in Spring Green im US-Bundesstaat Wisconsin besitzen sie ein Grundstück am Wisconsin River. Blöd nur, dass sie dort keine Genehmigung bekommen, ein festes Haus zu bauen. Ein mobiles Heim auf Rädern ist jedoch erlaubt. Die Gesetze über das Aufstellen beweglicher Wohnräume wie Camper oder Tiny Houses sind nicht nur in Deutschland speziell und bedürfen einer genauen Prüfung.

Camperausbau mit 900 PS

So passt der ersteigerte Winnebago Brave gut ins Konzept der Brüder. Allerdings ist das Fahrzeug ziemlich heruntergekommen und auch der Chrysler V8-Motor hat schon einiges an Staub gefressen. „Wir waren echt kurz davor, das Ding in der Wüste in Arizona stehenzulassen“, geben die Rings zu. Tagelang schauen sie es missmutig an und fragen sich, was sie sich da angetan haben.

Dann packt sie der Ehrgeiz. Kurz darauf finden sie einen 900 PS starken V8-Motor von Wegner Motorsports. 24.500 Euro legen sie dafür hin. Das Doppelte vom Kaufpreis des Winnebagos. No risk, no fun. Danach schafft es das Wohnmobil in 3,2 Sekunden auf 80 Stundenkilometer. Wie viel Sprit dabei durch die Rohre schießt, verraten die Brüder nicht. Mir stellen sich dabei dezent die Nackenhaare auf.

Durch die neue Power mussten ein neues Getriebe her, ein neuer Kompressor, eine neue Kurbelwelle und ein ganz neues Abgassystem. Wenn schon irre, dann auch richtig.
Bis zu 160 Stundenkilometer schnell sind Jim und Mike mit ihrer umgebauten Kiste bereits gefahren. Ein Schelm, wer bei den doch eher begrenzten Tempolimits der USA (bis maximal 120 Stundenkilometer) an Böses denkt.

Ein rollendes Diner im 50s-Look: der umgebaute Winnebago Brave von 1972

Der eigentliche Witz ist aber, dass die umgebaute Technik des 1972er Winnebago Brave gar nicht das Verrückteste am Wohnmobil ist. Denn was die Rings im Inneren vollbracht haben, lässt selbst den heißesten Motor kalt aussehen.
Die alten Western-Möbel flogen raus. Ersetzt wurden sie durch ein Interieur aus einem Bomberflugzeug des Zweiten Weltkrieges sowie eine Strandbar mit Surfbrett. Die Inspiration zu diesem kafkaesken Design gab der Vater, der den beiden einen riesigen, hölzernen Propeller schenkte, den er in den 1950er Jahren durch den Tausch einiger Liter Benzin erhalten hatte. Daraus bauten die Brüder die Theke der Bar.

Die Wände und Oberflächen sind mit Metall verkleidet und teilweise türkis lackiert, was ihnen einen 70er-Jahre-Touch mit Route-66-Romantik verleiht. Über dem Kompressor befinden sich Glasscheiben, sodass man die martialische Technik auch gebührend bewundern kann. Leuchtende Neonschilder, ein Flachbildfernseher und mit Nieten besetzte, braune Ledersitze von einem 1970er Ford-Bus geben einem vollends das Gefühl, in einem Diner zu sitzen, durch das gleich Doc Brown mit Marty McFly spaziert.

Popcorn und Pizza-Ofen im Wohnmobil

Gegen den Hunger gibt es eine Popcorn-Maschine, einen Pizza-Ofen, eine Feuerstelle und einen Grill mit Kühlbox im Heck.
Für eine abgefahrene Party ist das Wohnmobil genau der richtige Ort. Für eine Reise eher nicht. Denn er hat durch den Umbau weder eine Toilette, noch eine Dusche oder eine Küchenzeile. Wer in der Bar trinkt, muss anschließend in den Busch.

Ursprünglich konnte der Winnebago Brave bis zu sechs Personen beherbergen. Acht mit einem optionalen Etagenbett im hinteren Bereich. Es gab eine Kitchenette mit einem dreiflammigen Herd, einem Ofen, einer Spüle, einem Kühlschrank und Regalen. Das Bad besaß eine Toilette mit fließendem Wasser und einen Tank. Das gesamte Fahrzeug war und ist sechs Meter lang.

Ist der 1972er Winnebago Brave der Gebrüder Ring nun also tatsächlich nur als Wochenend-Tiny-House gedacht? Dann könnte man auf dem Grundstück neben dem Fahrzeug für eine sanitäre Einrichtung sorgen. Doch wozu dann der 900 PS starke Motor? Weil man(n) es kann?
Vielleicht ist das Wohnmobil einfach etwas Unmögliches, das möglich geworden ist. Ein überdimensionales Spielzeug für Bastler. Das röhrt, leuchtet und zeigt, wie verrückt Camperleben sein kann.

Fotos (c): Ringbrothers


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