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Unwetterwarnungen: Sind Wohnwagen und Wohnmobil sicher bei Gewitter?

Unwetterwarnungen: Sind Wohnwagen und Wohnmobil sicher bei Gewitter?

Ich glaube jeder, der das Campen liebt, kennt es: Das Gewitter, das nach einem heißen Tag über einen hereinbricht. Besonders in diesem Sommer kommt es auch in Deutschland immer wieder zu starken Unwettern. So ein Gewitter ist aber nicht für jeden ein faszinierendes Naturschauspiel. Für manche stellt es eine beängstigende Naturgewalt dar, die es in der Tat ja auch ist. Auch ich habe bereits mehrfach erlebt, wie Blitze rund um meinen Camper in die Berge einschlagen und der Donner das mobile Heim erschüttert hat. Aus diesem Grund habe ich mich damit beschäftigt, wie es um unsere Sicherheit steht, wenn wir bei einem Gewitter mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs sind.

Wann entsteht ein Gewitter?

Damit sich ein Gewitter bilden kann, bedarf es vieler Faktoren. Ich versuche es so einfach wie möglich zu erklären: Eine große Gewitterwolke bildet sich dann, wenn feuchtwarme Luft in die kältere Troposphäre aufsteigt. Sobald der transportierte Wasserdampf die Taupunkttemperatur erreicht und kondensiert, entsteht Kondensationswärme. Dadurch nimmt die Dichte der Luft innerhalb der Wolke ab. Durch die ungleichen Dichteverhältnissen von Wolke und Umgebungsluft bekommt das Luftpaket weiteren Auftrieb, bis es eine Höhe erreicht, in der die Temperatur wieder abnimmt.

Wenn in dieser Höhe nun starke vertikale Aufwinde innerhalb der Gewitterwolke auftreten, entsteht Reibungsenergie. Die im Wasserdampf enthaltenen unterschiedlich großen Eiskristalle transportieren unterschiedlich starke Ladungen. An dem Punkt, wo Auf- und Abwinde aufeinandertreffen, werden sie getrennt. Das wiederum führt zu elektrischen Spannungen, die durch einen Blitz entladen werden.

Wann wird es gefährlich und wie kannst du dich schützen?

Nur 10 % aller Blitze schlagen überhaupt in den Boden ein. Aber wenn der Blitz einer von diesen 10 % ist und du dich in weniger als 10 Kilometern Entfernung von ihm aufhältst, kann es für dich gefährlich werden. Denn nicht nur im Gewitterzentrum können Blitze entstehen.

Es gibt die einfache 30/30-Regel. Um die Entfernung abzuschätzen, kannst du die Sekunden zählen, die zwischen der visuellen Wahrnehmung des Blitzes und dem akustischen Eintreffen des Donners vergehen. Wenn es etwa 30 Sekunden sind, befindet sich das Gewitter in ca. 10 km Entfernung. Ab diesem Moment solltest du einen sicheren Ort aufsuchen und ihn bis 30 Minuten nach dem letzten, wahrgenommenen Donner nicht mehr verlassen. Denn erst dann ist das Gewitter wirklich vorbei.

Blitze suchen sich meist exponiert stehende hohe Objekte, zum Beispiel Bäume. Dabei ist der Blitz, was die Art des Baumes betrifft, nicht wählerisch. Das alte Sprichwort, „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“, ist damit hinfällig. Kein alleinstehender Baum der Welt bietet dir bei einem Blitzeinschlag angemessenen Schutz. Ist der Bestand eines Waldes gleich hoch, bieten die Bäume gemeinsam zumindest etwas Schutz. Auf das Baden solltest du, bis auf in der heimischen Badewanne, bei Gewitter grundsätzlich verzichten. Dich flach auf den Boden zu legen, ist ebenfalls keine gute Maßnahme.

Das sicherste Verhalten bei Gewitter ist, dich in einen Graben oder eine Mulde zu hocken, die Füße zusammenzustellen, die Beine mit den Armen zu umschließen und den Kopf einzuziehen. Ziel ist es, den Bodenkontakt so gering wie möglich zu halten. Wenn du einen Rucksack dabei hast, ist es also eine gute Idee, dich in der beschriebenen Position darauf zu setzen. So ist das Risiko von einem Blitz getroffen zu werden, relativ gering. 100 % sicher bist du allerdings nur in einem sogenannten Faraday’schen Käfig. Und dazu komme ich jetzt.

Der Faraday’sche Käfig – was ist das?

Grundsätzlich versteht man unter einem Faraday’schen Käfig ein hohles Objekt, dessen rundum geschlossene Hülle aus einem elektrisch leitfähigem Material besteht. Das ist zum Beispiel bei Autos der Fall.

Da die Hülle ein elektromagnetisches Feld bildet, das größer ist als das im Innenraum, wird die elektrische Ladung eines einschlagenden Blitzes abgefangen und entlang der Hülle verschoben. Einfach gesagt, die elektrische Leitfähigkeit ist vom Einschlagpunkt bis zum Boden gegeben. Die Energie des Blitzes wird um den Käfig herumgeleitet und über die Felgen in den Boden abgegeben. Die nicht leitfähigen Reifen werden durch die geringe Distanz zwischen Felge und Boden überbrückt. Somit bleibt das Innere des Käfigs von der eintreffenden Energie unberührt.

Doch nicht jedes Fahrzeug bildet einen Faraday’schen Käfig. Der GFK-Aufbau eines Wohnmobils zum Beispiel, ist ein „Loch im Käfig“, da GFK nicht elektrisch leitfähig ist. Wie sieht es denn nun hier mit der Sicherheit aus? Da ich selbst in einem Wohnmobil mit GFK-Hochdach unterwegs bin, interessiert mich diese Frage persönlich sehr. Ich möchte dich, egal was für ein Fahrzeug du auch fährst, gerne darüber aufklären, wie es bei einem Gewitter um deine Sicherheit im Wohnmobil und Wohnwagen steht.

Die Sicherheit im Wohnmobil und Wohnwagen bei Gewitter

Ein wichtiger Punkt für jeden Camper – die Stellplatzwahl! Solltest du schon vor dem Abstellen deines Fahrzeuges ein Gewitter ausmachen können, meide Hügel, alleinstehende Bäume, große freie Flächen oder Küstenstreifen. Damit gehst du der Gefahr schon im Voraus ein Stück weit aus dem Weg.

Aber fangen wir bei Kastenwagen und Campingbussen an: Fahrzeuge, die komplett aus einem elektrisch leitfähigen Material bestehen – wie es bei Kastenwagen und Campingbussen meist der Fall ist – sind sehr sicher. Genauso sieht es auch bei Wohnwagen und Wohnmobilen mit Aluminium-Aufbau aus. Denn Aluminium ist kurz nach Silber eines der leitfähigsten Materialien, die es gibt. Allerdings solltest du es vermeiden, metallische Gegenstände, die mit der Karosserie zusammenhängen, zu berühren. Abwaschen, Duschen und der Aufenthalt im Vorzelt sind ebenfalls tabu! Diese Verhaltensregeln gelten übrigens nicht nur für Fahrzeuge mit einer elektrisch leitfähigen Außenhaut, sondern allgemein für jedes Fahrzeug!

Jetzt kommen wir zum Knackpunkt: Ist dein Wohnwagen oder Wohnmobil mit GFK- oder Kunststoffaufbau genauso sicher? Das hängt von einem kleinen Detail ab.

  • Hat das Fahrzeug nur eine Kunststoffbeplankung, die auf einem Metallgerippe befestigt ist?
    Dann wirkt wieder das Prinzip des Faraday’schen Käfigs.
  • Besteht der Wohnwagen/das Wohnmobil rein aus Kunststoff?
    Dann kann es gefährlich werden, denn weder GFK noch Kunststoff sind elektrische Leiter. Der Blitz könnte dich, durch den Aufbau hindurch, als „Zwischenstation“ auf dem Weg zum Boden nutzen. Tipp: Während eines Gewitters solltest du es auf jeden Fall meiden, dein Bett unter dem Hochdach zu nutzen oder dich mit dem Kopf in Dachnähe zu befinden. Relativ gut schützen kannst du dich, indem du dich in der Fahrerkabine aufhältst. Bei den meisten Fahrzeugen besteht diese nämlich rundum aus Metall. Dadurch bildet zumindest das Fahrerhaus einen Faraday’schen Käfig, der die Energie des Blitzes von deinem Körper fernhält. Wenn du einen Wohnwagen hast, kannst du dich während des Gewitters in dein Auto setzen.

Allgemeine Sicherheitshinweise für Camper

Sollte dich trotz Vorsichtsmaßnahmen einmal ein Gewitter beim Campen überraschen, gibt es ein paar Dinge, die du beachten solltest.

Hier nochmal alle wichtigen Verhaltensregeln kurz und knapp zusammengefasst.

Bei Gefahr:

1. Schließe deine Türen, Fenster, Hub- oder Klappdächer.
2. Halte deinen Kopf aus dem Dachbereich fern, ganz gleich ob sitzend, liegend oder stehend.
3. Trenne das 230 V Kabel von deinem Camper, da es sonst zu Überspannungen kommen kann.
4. Schalte deine Elektrogeräte aus.
5. Mache auf keinen Fall den Abwasch.
6. Gehe nicht Duschen.
7. Halte dich nicht im Vorzelt auf.
8. Fasse keine metallischen Gegenstände an, die mit der Karosserie verbunden sind.

Fazit

Sollte es in deinem nächsten Campingurlaub donnern und blitzen, musst du dir keine größeren Sorgen machen, solange du dich an diese einfachen Regeln hältst. Auch wenn ich nach langer Recherche keine Berichte über Blitzopfer beim Camping finden konnte und das Risiko von einem Blitz getroffen zu werden minimal ist, halte auch ich mich ab sofort an diese Regeln – sicher ist sicher.

Fotos: (c) Tim Reisberg


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Freiheitsliebender Reiseverrückter aus Norddeutschland. Lebt und reist seit 2017 gemeinsam mit Freundin und Camperhündin „Lucy“ im 25 Jahre alten Mercedes-Oldie – immer auf der Suche nach neuen Abenteuern.

 

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