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Schöne Touren in der Bretagne zum Nachfahren – mit Campingtipps

Schöne Touren in der Bretagne zum Nachfahren – mit Campingtipps

Die Bretagne gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen der Campergemeinde. Aufregende Landschaften, malerische Ortschaften, Kunst und Kultur faszinieren die Menschen in ganz Europa. Ich habe dir zwei Routen zusammengestellt, auf denen du das wilde Land im Westen Frankreichs erkunden kannst.

Meer und Mythen – die Bretagne

Ist die Bretagne noch Frankreich? Eingefleischte Bretonen werden die Frage entschieden verneinen. Haben die Bretonen doch eine eigene Sprache und Kultur, ist das Lebensgefühl im Westen Frankreichs ein anderes als im Rest des Landes. „Breizh“ heißt die Bretagne auf bretonisch. Die Abkürzung BZH findest du im Alltag überall, als Autoaufkleber genauso wie in Graffitis oder sogar als Top-Level-Domain. Bretonischer Nationalstolz wird zudem mit dem Hissen der bretonischen Flagge, der schwarz-weißen „Gwenn ha du“ zum Ausdruck gebracht, die du wirklich überall im Straßenbild findest. Im  Radio laufen nicht nur englische und französische Lieder, sondern auch bretonische und keltische. Die Region ist stolz auf ihre lebendige Liedermacherszene! Gefeiert wird landauf, landab auf den Fest-Noz, einer geselligen Zusammenkunft mit Spiel, Tanz und natürlich Musik. Seit 2012 stehen diese typisch bretonischen Feste auf der Liste des immateriellen Kulturerbes. Außerdem ist die Bretagne bekannt für:

Die Megalithkultur: Fast überall in der Bretagne kannst du Menhire und Dolmen, Tumuli, Allée couvertes, Tertres und Alignements entdecken. Zeugen der frühen Besiedlung der Bretagne, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht. Manche dieser prähistorischen Fundstätten stehen einfach auf den Weiden zwischen den Kühen. Große Anlagen sind wichtige Sehenswürdigkeiten auf deinem Roadtrip.

Meer und Küste: 1200 Kilometer misst die Küstenlinie der Bretagne. Wenn du jede Bucht und jeden zerklüfteten Felsvorsprung mitrechnest, kommt sie sogar auf stolze 2.730 Kilometer. Selbst wenn du einen Abstecher ins Landesinnere machst, ist das Meer nie wirklich weit weg. Gerade mal 80 Kilometer beträgt die maximale Distanz.

Leuchttürme: Nirgends findest du in Frankreich so viele Leuchttürme wie an der bretonischen Küste. Besonders groß ist ihre Anzahl im Finistère, wo du der Route der Leuchttürme folgen kannst.

• Crêpes und Galettes: Crêpe und Galette (die herzhafte Variante aus Buchweizenmehl) werden nahezu überall in Frankreich serviert, aber die wahren bretonischen Crêpes lassen sich mit nichts vergleichen. Die Bretonen haben nahezu ein mystisches Verhältnis zum süßen Pfannkuchen und jede Familie hat ihr eigenes Rezept, das von Generation zu Generation weitergegeben und sorgsam gehütet wird. Wichtig bei der Zubereitung sind Eier, Zucker (nicht zu knapp), das richtige Mehl und Butter (salzig muss sie sein, sonst wird es keine bretonische Crêpe). Wagemutige geben überdies etwas Bier (!), Rum oder Vanilleextrakt in den Teig.

Und was ist jetzt das Besondere an der Bretagne?

Ist es die Landschaft? Die Kultur? Sind es die Menschen? Die kulinarischen Verführungen, die überall locken? Ich würde sagen: Die Mischung macht‘s. Und die Details. Halte in einem x-beliebigen bretonischen Dorf an und du wirst immer etwas Außergewöhnliches entdecken. Eine besonders liebevolle Gartenbepflanzung, eine malerische Gasse, ein kleines Atelier, augenzwinkernden bretonischen Humor. Deshalb der wichtigste Tipp: Überfrachte deinen ersten Roadtrip in die Bretagne nicht, lass dir Zeit, um die kleinen und feinen Dinge entlang deiner Route zu entdecken.

Entscheidungshilfe – welche Route soll ich wählen?

Für beide Routen solltest du mindestens eine Woche einplanen. Mehr ist natürlich besser! Dazu kommen noch, je nach deinem Startpunkt, ein bis zwei Tage für die Anfahrt und genauso viele für den Heimweg. Mit viel Zeit im Gepäck lässt du entweder deinen Roadtrip geruhsamer angehen oder kombinierst deine Bretagne-Tour mit den Normandie-Routen.

Aber welche Tour sollst du wählen, wenn die Zeit nur für eine reicht? In der Tat gibt es eingefleischte Süd- und Nord-Fans gleichermaßen. Wenn du es rauer und stürmischer magst, fahr in den Norden und in den Finistère. Der Süden ist lieblicher und wärmer und verwöhnt dich mit ziemlich vielen Sonnenstunden.

Letztendlich muss ich dich vorwarnen: Beide Routen stehen unter dem Motto „Mut zur Lücke“, denn alle Sehenswürdigkeiten in so eine Tour zu packen, ist schlichtweg unmöglich. Die zweite Warnung hinterher: Wenn du dich mit dem Bretagne-Virus infizierst, wirst du ohnehin immer wieder in diese Region reisen wollen oder müssen. Da die Bretagne mittlerweile ein sehr beliebtes Reiseziel geworden ist, vor allem unter Wohnmobilisten, empfehle ich dir, in der Vor- oder Nachsaison zu reisen. Denn auch wenn es nirgends in Frankreich so viele Campingplätze gibt wie hier und allerorten kleine und große Wohnmobilstellplätze vorhanden sind, im Juli und August kann es voll werden – zumindest auf Stellplätzen und in Dörfern und Städten.

Route Nord: Mont-Saint-Michel bis Finistère bei Landéda

Route Nord: Mont-Saint-Michel – Cancale – Rothéneuf – Saint-Malo – Côtes d‘Armor –  Cote Granit Rose – Roscoff – Finistère bei Landéda (ca. 350 Kilometer)

Das Tor zur Bretagne: Die Bucht des Mont-Saint-Michel mit Cancale, die Pointe du Grouin und Saint-Malo

Seit Jahrhunderten streiten sich Bretonen und Normannen um diesen Berg: Den Mont-Saint-Michel. Er und seine Bucht markieren heute die Grenze zwischen Normandie und Bretagne. Einen Zwischenstopp ist der mystische Berg im Wasser immer wert. Von hier aus kannst du deine Fahrt entlang der Bucht bis nach Cancale fortsetzen. Die „Austernhauptstadt“ eignet sich mit ihrem hübschen Hafen und der Aussicht auf die Bucht auf jeden Fall für einen Halt. Ein Stückchen nördlich der Stadt liegt die Pointe du Grouin mit ihren schroffen Felsen und Felseninseln. Weiter geht es über die Küstenstraße Richtung Saint Malo. Nimm dir in Rothéneuf ein bisschen Zeit und besichtige die 300 Skulpturen, die der Einsiedler Abbé Fouré in den Granit geschlagen hat.

Fertigmachen zum Entern! Kaum eine andere Stadt in Frankreich verkörpert so sehr Freibeuter- und Kosarentum wie Saint-Malo. Der erfolgreichste unter ihnen dürfte Robert Surcouf gewesen sein, der alleine 47 feindliche Schiffe erbeutet oder versenkt hat. Er wurde sogar in einer Statue verewigt, die tollkühn aufs Meer zeigt. Sehenswert sind in Saint Malo vor allem der alte Stadtkern Intra Muros und die mächtige Wehrmauer drumherum. Um einmal ringsum zu laufen, solltest du eine Stunde Zeit einplanen. Im historischen Stadtzentrum, das 1944 fast vollständig zerstört und anschließend nahezu originalgetreu wieder aufgebaut wurde, findest du zahlreiche Cafés, Restaurants, Andenkenläden und kleine Galerien. Sehenswert ist der Hafen, in dem ein Nachbau einer Kosaren-Fregatte aus dem 18. Jahrhundert, die „Etoile du Roy“ vor Anker liegt. Bei Ebbe bietet sich ein Strandspaziergang mit Besuch der vorgelagerten Inseln Grand Bé, Petit Bé und Fort National an.

Mach mal Pause

In Cancale kannst du überall direkt am Hafen leckere Austern essen. Das Breizh Café serviert dir authentisch bretonische und erlesene japanisch-bretonische Fusion-Küche – im  Restaurant La Table im ersten Stock am Quai Thomas. Zu einem Spottpreis werden die Austern ganz am Ende des Hafens feilgeboten. Gut zu wissen: Die Parkmöglichkeiten in der Stadt sind begrenzt, mit dem WoMo solltest du außerhalb parken.

Camping- und Stellplätze

Rund um Saint Malo befinden sich mehrere Wohnmobil-Stellplätze. Besonders günstig liegt l’Aire Camping-Cars des Ilots. Auf dem ehemaligen Camping Municipal in Rothéneuf findest du großzügige Stellplätze und die Buslinie 8 bringt dich bis in die Stadt. In der Stadt selber, direkt am „Intro Muros“ kannst du nicht mit dem WoMo parken. Saint Malo hat jedoch einen schönen Municipal zu bieten, von dem aus du das Stadtzentrum fußläufig erreichst. Wenn du es ruhiger magst, empfehle ich dir den Campingplatz d‘Ile verte für die Erkundung von Bucht und Saint Malo.

Die Smaragdküste – von Saint Malo bis zum Cap Fréhel

Rund um Saint Malo findest du viele weitere hübsche Badeorte, etwa Dinard, das in den 1880er Jahren das erste Seebad Frankreichs war. Ich persönlich empfinde die Gegend im Speckgürtel rund um Saint Malo als zu bebaut, weswegen ich dir rate, ein Stück auf der D786 zu fahren und dann einen Abstecher ans Cap Fréhel zu machen. Folge der Beschilderung Fort Latte und Cap Fréhel.

Die Burg La Latte liegt trutzig und stolz auf dem Felsvorsprung. Sofort fühlst du dich mitten ins Mittelalter oder in einen Historienfilm versetzt. In der Tat diente die Burg schon mehrmals als Filmkulisse. Du kannst das ehrwürdige Gemäuer in den Monaten April bis Oktober besichtigen. Im August findet zudem ein großes Mittelalterfest statt. Einen Katzensprung weiter liegt das Cap Fréhel. Hier bekommst du einen guten Eindruck von den Naturgewalten der Bretagne, denn das Cap auf den beeindruckend hohen Klippen ist sturm- und wellenumtost. Dazu kommen im Sommer ein wogendes Meer aus blühenden Pflanzen und zahlreiche Brutvögel, die sich rund ums Cap niedergelassen haben. Wenn der Leuchtturm geöffnet ist, lohnt ein Aufstieg wegen der fantastischen Aussicht.

Mach mal Pause

Südwestlich vom Cap Fréhel lässt sich dein Hunger im kleinen Bistrot Les Caps stillen.

Camping- und Stellplätze

Wenn du in der Nähe des Cap Fréhel dein Nachtlager aufschlagen möchtest, bietet sich der Camping du Pont de l‘Etang an. Der Platz ist mit 900 Stellplätzen zwar sehr groß, liegt aber direkt am Meer und du stehst fast in den Dünen.

Sehnsuchtsziel aller Naturliebhaber: La Côte de Granit Rose

Vom Cap Fréhel führt dich die Tour weiter über die D786, N12 und D786A Richtung Paimpol an die Côte de Granit Rose. Der beeindruckende rosa Granit ist es, der seit jeher Naturliebhaber und Fotografen an den Küstenabschnitt zwischen Paimpol und Trebeurden lockt. Es gibt keine vergleichbare Landschaft in ganz Europa. Überall an der Küste findest du rosarote mächtige Grantitbrocken, als hätten ein paar Riesen versucht, besonders kuriose Skulpturen zu schaffen. Wasser und Wind trugen erheblich zum bizarren Aussehen der Gesteinsformationen bei. Das sind die absoluten Top-Ziele:

• Der Hafenort Ploumanac’h mit seinem aus rosa Granit erbauten Leuchtturm Phare de Mean Ruz.

• Auf dem Zöllnerpfad zwischen Ploumanac’h nach Perros-Guirec kannst du die Landschaft zu Fuß erkunden.

• Besonders bizarre Gesteinsformationen findest du in Trégastel. Die Spektakulärsten kannst du zwischen den Badestränden Coz-Porz und Grève Blanche entdecken. Auch in Trégastel lohnt es sich, Schusters Rappen zu satteln und dem Zöllnerweg über die Île Renote zu folgen (circa zweieinhalb Stunden Fußmarsch).

Außerdem:

• An einem Schlechtwettertag lohnt der Besuch des Aquarium Marine de Trégastel.

Spiel, Spaß und Spannung verspricht Le Village Gauloise, das gallische Dorf. Hier erlebst du nicht nur kurzweilige Stunden, sondern unterstützt mit dem Eintritt den Trägerverein, der einen Teil der Gewinne in die Schulen Togos investiert.

Mach mal Pause

Crêpes und Galettes in nahezu unerschöpflicher Fülle bekommst du im TyMai in Trégastel. Für deine frische Campingküche kaufst du die Zutaten Donnerstagvormittag auf dem Markt in Lannion.

Camping- und Stellplätze

Gleich in der Nähe von Paimpol kannst du dein Quartier auf dem Camping Panorama du Rohou aufschlagen. Besonders empfehlenswert, wenn du zu einem Tagestrip zur Île de Bréhat übersetzen möchtest (siehe Extratipp Inselhopping). Im Herzen der Côte de Granit Rose stehst du auf Le Ranolien in Perros-Guirec.

Foto: (c) Emmanuel Berthier | tourismebretagne

Über Moralaix und Roschoff in den Finistère

Damit du dich ein bisschen von deinen Erlebnissen an der Côte de Granit Rose erholen kannst, schicke ich dich über die Straße bis nach Roscoff. Du bist bereits im Finistère, der Granit ist nicht mehr rosa, sondern grau, was wunderbar zum Blau-Türkis des Meeres passt. Von Trégastel bis Roscoff sind es über die D65, D786 und die 58 circa 75 Kilometer. Ein Zwischenstopp in Morlaix lohnt sich übrigens, allerdings sind Parkplätze fürs Wohnmobil im Zentrum eher rar.

Roscoff ist die Geburtsstadt der Thalasso-Therapie in Frankreich. Bereits 1899 kurten im Ort Rheumakranke. Davon abgesehen ist Roscoff wirklich ein sehenswertes Städtchen, das sich seinen authentischen Charme mit opulent verzierten Granithäusern erhalten hat. Sie erzählen die Geschichte vom Reichtum der Stadt, von Händlern und Reedern. Von Roscoff kannst du mit der Fähre nach England und Irland starten oder in nur 15 Minuten auf die Insel Batz übersetzen (siehe Extratipp).

Mach mal Pause

In Roscoff findest du einige gute Restaurants. Probiere doch mal den traditionellen Fleischtopf Kig ha farz, der dir samstags im Surcuf  serviert wird (ich rate dir, einen Tisch zu reservieren). Fisch und frische Meeresfrüchte, sowie Spezialitäten wie bretonisches Fondue oder die meerige Variante des Regionalgerichts, Pesk Ha Farz, bekommst du im La Bonne Etoile kredenzt.

Campingplätze

Direkt am Meer liegt der Campingplatz Ar Kleguer zwischen Saint-Pol-de-Léon und Roscoff.

Let‘s go West – Fjorde und Leuchttürme

Bereit für einen touristischen Geheimtipp? Dann fahre weiter westlich, Richtung Plouescat und die Küste entlang. In Plouescat steht eine der letzten erhaltenen Markthallen aus Holz. Rund um den Ort findest du zudem größere und kleinere Menhire. Der weitere Verlauf der Küste ist von charakteristischen Felsenlandschaften und malerischen Buchten geprägt. Stopps lohnen in Brignogan-Plage und an der Pointe Pontusval. Der höchste Leuchtturm Europas befindet sich ebenfalls an diesem Stück der Küste: Der Phare de l’Île Vierge ist 82,5 Meter hoch und schon von Weitem zu sehen. Tatsächlich steht er auf kleinen Insel, die bei Ebbe zu Fuß erreichbar ist. Eine weitere Besonderheit sind die Abers. Als Abers werden die bretonischen Fjorde bezeichnet. Du findest in diesem Teil des Finistère derer gleich drei: Aber Benoît, Aber Ildut und Aber Wrac’h. Der Aber Wrac‘h lässt sich auf einer Bootstour erkunden; es werden auch Touren angeboten, die durch den Aber und zum Phare de l’Île Vierge führen.

Mach mal Pause

Die urige Auberge du Pont in Lannilis serviert nicht nur frischen Fisch und Meeresfrüchte, sondern veranstaltet immer wieder Konzerte mit regionalen Musikern.

Camping und Stellplätze

Der Camping de Abers in Landéda ist kein Geheimtipp mehr, aber es lohnt sich, vor allem der fantastischen Lage wegen mit Blick übers Meer. Gratis-Konzerte und eine entspannte und freundliche Atmosphäre machen den Platz zu einer Lieblingsdestination deutscher Camper.

Trete von hier aus die Heimreise an, erkunde weiter den Westen oder fahre die südliche Route in umgekehrter Reihenfolge. Vom Campingplatz in Landéda nach Camaret-sur-Mer sind es über die kürzeste Strecke circa 90 Kilometer. Wenn du noch einen Tag Zeit übrig hast, lege ich dir den Abstecher nach Camaret auf jeden Fall ans Herz, selbst wenn du die folgende Südroute nicht fahren magst.

Nesthocker oder Zugvogel? Du kannst von Ort zu Ort auf der Nordroute weiterziehen oder mehrere Tage an einem Ort verweilen und die Umgebung erkunden. Ich empfehle dir den Campingplatz d‘Île Verte, den Panorama du Rohou und den Camping des Abers als Basislager.

Route Süd: Vannes nach Camaret-sur-Mer

Vannes – Quiberon – Lorient –  Pont Aven- Concarneau – Penmarch – Pointe de Raz – Camaret-sur-Mer (ca. 390 Kilometer)

Von Vannes über Quiberon nach Loirent – durch den sonnige Morbihan

Du startest diese Bretagnetour am Golfe du Morbihan, einem Binnenmeer ganz im Süden der Bretagne. Das kleine Meer, so die Übersetzung der bretonischen Wörter mor und bihan, hat eine ganz eigene Flora und Fauna und steht deshalb unter besonderem Schutz. Weitere Besonderheiten: Zweidrittel des Golfes laufen bei Ebbe trocken und überall liegen kleine Inseln und Inselchen im Meer. Neben den Naturschönheiten gilt es ein reichhaltiges kulturelles Erbe zu entdecken.

Vannes ist die Hauptstadt des Départements Morbihan in der südlichen Bretagne. Besonders sehenswert ist die Innenstadt mit ihren pittoresken Häusern und die Stadtmauer. Wenn du eine Stätte der Megalithkultur gesehen haben musst, dann sind es die Steinreihen von Carnac. Insgesamt stehen hier um die 3000 Menhire, meist zu Alignements, Steinreihen, gruppiert. Sie gelten in ihrer Art als die größte Megalithanlage der Welt und stehen als Weltkulturerbe seit 1996 unter dem Schutz der UNESCO. Die Anlage kann ganzjährig besichtigt werden, in der Hochsaison ist allerdings der Andrang entsprechend groß. Weitere faszinierende Dolmen liegen auf dem Gemeindegebiet von Plouharnel.

Deine Reise führt dich weiter nach Quiberon. Die Halbinsel lohnt einen Abstecher, vor allem wenn du Wassersport liebst. Hier gibt es einen der schönsten Surfspots der Bretagne. An der Westküste, der Côte Sauvage, mit ihren kraftvollen und beständigen Wellen, hast du exzellente Bedingungen. Darüber hinaus lädt die Halbinsel zum Wandern, zum Fotografieren oder zum Entspannen und Baden ein. Loirent ganz im Westen des Départements Morbihan ist ein moderner Gegenentwurf zu allen Bretagne-Klischees. Das moderne Stadtbild entstand nicht per Zufall, sondern ist den großen Zerstörungen geschuldet, die Loirent im Zweiten Weltkrieg erleiden musste. Sehenswert ist die Cité de la Voile Éric Tabarly, ein Museum, das sich ganz dem Segeln verschrieben hat. Wenn du dich für Geschichte interessierst, ist direkt nebenan der ehemalige deutsche U-Boot-Stützpunkt und das U-Boot-Museum. Sehenswert ist der Fischereihafen. Im August findet in Loirent das Festival Interceltique statt – ein großes Festival mit keltischer Musik und Kultur.

Mach mal Pause

Vannes ist bestens dafür geeignet, zu Beginn deines Bretagne-Roadtrips deine Vorräte aufzufüllen. Markttage sind im Stadtzentrum mittwochs und samstags (auf der Place des Lices und drumherum). Außerdem verfügt die Stadt über zwei Markthallen, in denen du dich von Dienstag bis Samstag mit frischen Lebensmitteln eindecken kannst. Wenn du auf Quiberon essen gehen willst, solltest du dich von der Promenade Richtung Alten Hafen auf der anderen Seite des Ortes bewegen. Dort findest du die Creperie du Vieux Port. Das Ambiente mit dem wirklich lauschigen Garten ist nett, die Crêpes und Meeresfrüchte ausgezeichnet. Leckeren Fisch und Meeresfrüchte bekommst du im Le Bevedere in Loirent. Mein Tipp: Das Hummermenue mit drei Gängen. Wenn dir ein Menü zu mächtig ist, probiere den Rochenflügel „Aile de Raie“.

Campingplätze

Gleich zwei Campingplätze bieten sich auf deiner ersten Etappe an: Der Camping Municipal „La Falaise“ in Locmariaquer direkt am Strand. Wenn Du Quiberon erkunden möchtest, lege ich dir den Municipal Penthiévre in St.-Pierre de Quiberon  ans Herz. Auch auf diesem Platz stehst du direkt am Meer.

Foto 2: (c) Bernard Begne | Région Bretagne

Der Finistère ruft! Weiterfahrt nach Pont Aven und Concarneau

Die N165 bringt dich aus dem Morbihan raus in den Westen, ins Département Finistère. Für die Bretonen ist hier übrigens die Welt nicht zu Ende, im Gegenteil: Der bretonische Begriff Penn ar Bed bedeutet Anfang der Welt. Wie so oft – eine Frage der Perspektive. Nimm dir Zeit und besuche unterwegs Pont Aven, das nur einen kleinen Umweg von der Nationalstraße entfernt liegt. Plötzlich stehst du mitten drin, in einem impressionistischen Gemälde von Gauguin. Auch wenn der malerische Ort Pont Aven heute sehr touristisch geprägt ist, lässt sich überall die Atmosphäre atmen, die Paul Gauguin und andere Impressionisten inspiriert hat. Viele der alten Gebäude und Mühlen sind bis heute erhalten und Schilder zeigen dir, welche Perspektive der Maler einst eingenommen hat. Es lohnt sich auf Entdeckungsreise zu gehen! Im Musée des Beaux-Arts erfährst du Wissenswertes über die Künstlerschule „École de Pont-Aven“.

Die historische Altstadt von Concarneau gehört zum Pflichtprogramm, wenn du die Südroute wählst. Sehenswert sind die schmalen Gässchen der Ville Close und die Stadtmauer rund um die fast vollständig vom Wasser umschlossene Altstadt, Les Remparts. Hunger musst du nicht leiden, denn in der Ville Close reihen sich die Crêperien dicht an dicht. Du wolltest schon immer mal einen echten Fischereitrawler besichtigen – ganz ohne Gischt und Seekrankheit? Dann besuche das Fischereimuseum. Neben einer Ausstellung über die Fischerei in aller Welt ist der Seitentrawler Hémerica eines der Highlights im Museum. Concarneau ist zudem ein wichtiger Fischereihafen.

Mach mal Pause

Wie schon gesagt: Verhungern wirst du in Concarneau nicht! Wenn du richtig guten Fisch und Meeresfrüchte essen möchtest, empfehle ich dir La Coquille am Fischereihafen.  Einer der wichtigsten Märkte des Finistère findet Freitag vormittags zwischen Markthalle und Freizeithafen statt. Bioprodukte gibt’s mittwochs ab 16.30 Uhr.

Campingplätze

Vor den Toren Concarneaus liegt der Campingplatz Les Sables Blancs, nur 150 Meter vom feinen Sandstrand entfernt. Bis in die Ville Close sind es zu Fuß circa 20 Minuten.

Foto: 1 (c) Alexandre Lamoureux | tourismebretagne; 2 (c) Donatienne Guillaudeau | tourismebretagne

Dolmen, Mehire, Leuchttürme und Klippen – der Finistère im Südwesten

Von Concarneau aus setzt du über die D44 und D785 deine Reise bis Penmarc‘h fort. Oder du fährst etwas nördlich und planst einen Besuch der Stadt Quimper ein. Quimper gehört zu den Städten in der Bretagne, die das Label ville d’art et d’histoire tragen dürfen. Damit werden Städte und Gemeindezusammenschlüsse ausgezeichnet, die die Herausforderung annehmen, geschichtliches Erbe und Architektur zu schützen und gleichzeitig Lebens- und Wohnqualität in den Städten und Regionen zu verbessern. Kurzum: Modernes Leben in alten Gemäuern, lebendige Kultur statt verwaister Innenstädte. Die gesamte Innenstadt versprüht sehr viel Flair und die Cathédrale Saint Corentin ist absolut sehenswert. Mit dem Bau wurde bereits 1240 begonnen. Wirklich fertiggestellt wurde der beeindruckende Kirchenbau allerdings erst 1856.

In Penmarc‘h begegnet dir kulturelles Erbe auf Schritt und Tritt. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen Kapellen und Kirchen und der Kalvarienberg bei der Chapelle de Notre-Dame de Tronoën, der als einer der schönsten der Bretagne gilt. Außerdem gilt es rund um den Ort Dolmen und Mehire aufzustöbern. Der Phare d‘Eckmühl auf der Pointe de Saint-Pierre zählt 60 Meter Höhe und darf sich somit in die Liste der höchsten Leuchttürme Europas einreihen. Von April bis in den November hinein kannst du die 307 Stufen erklimmen und die Aussicht genießen. Von Penmarc‘h führt dich deine Route nordwestlich nach Plogoff und die Pointe de Raz. Hier ist wahrlich die Welt zu Ende. Die Klippen heben sich wild und schroff aus dem Atlantik, sturmumtost sind Meer und Küste.

Mach mal Pause

Rund um Penmarc‘h finden mehrere Märkte statt, die auf deine Agenda gehören: Montag Nachmittag am Leuchtturm Eckmühl in Penmarc’h. Mittwoch Vormittag am Hafen von Kérity in Penmarc’h. Donnerstag Vormittag im Schlosshof von Pont l’Abbé.

Campingplätze

Für die Besichtung von Quimper empfiehlt sich der ganzjährig geöffnete Municipal. Der Campingplatz les Genêts in Penmarc‘h ist familiär und bietet dir viel Komfort und Annehmlichkeiten. Der Platz lädt dich ein, ein paar Tage zu entspannen oder die Wassersportarten vor Ort zu testen.

Foto: (c) Donatienne Guillaudeau | tourismebretagne

Reif für die Halbinsel – Corzon lockt mit Natur und Kultur

Rund 90 Kilometer sind es von der spektakulären Pointe du Raz nach Camaret-sur-Mer.

Lust auf Mittelalter? Dann mache, bevor du die Halbinsel Corzon ansteuerst, einen Stopp in Locronan. Zu recht darf sich das Städtchen als eines der schönsten Dörfer Frankreichs bezeichnen. Schmale, pittoreske Gässchen, Crêperien und kleine Läden laden zum Flanieren durch den mittelalterlichen Ortskern ein. Am südlichen Zipfel der Halbinsel Corzon liegt das Seebad Morgat geschützt in einer Bucht. Camaret-sur-Mer im Westen hat eine besondere Atmosphäre. Der Fischerort zog Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle in die Bretagne, wurde reich mit der Sardinenfischerei, die im 20. Jahrhundert von der Langustenfischerei abgelöst wurde. Heute erzählen dir die Schiffe im Schiffsfriedhof von der ruhmreichen Geschichte der Fischerei in Camaret. Der Schiffsfriedhof ist eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten. Dazu gesellen sich weitere, etwa der Tour Vauban der Befestigungsanlagen, der Steinkreis von Lagatjar oder die Kapelle Notre-Dame de Rocamadour.

Als wenn das nicht genug wäre, die Pointe-de-Pen-Hir südlich von Camaret ist definitiv einer der schönsten Punkte deiner Bretagne-Reise. Schroffe Felsen stürzen sich hinab in den Atlantik, der in fantastischen Bautönen schimmert wie Azurit. Ähnlich karibische Gefühle kommen an der Plage Pen Hat auf, der Surfern ideale Bedingungen beschert.

Mach mal Pause

Leckere Crêpes bekommst du in der Crêperie les Embruns in Camaret- sur-Mer. Die fantastische Aussicht gibt es obendrauf.

Campingplätze

Vor allem von den vorderen Plätzen des Camping Grand Large in Camaret hast du einen wundervollen Blick aufs Meer. Der Strand ist nur 450 Meter entfernt.

Fotos: 1&2 (c) Donatienne Guillaudeau | tourismebretagne; 3 (c) Jean-Patrick Gratien | tourismebretagne

Von Camaret aus lässt sich die Nordroute in umgekehrter Reihenfolge fahren oder du trittst in Richtung Rennes über die N164 die Heimreise an.

Zugvogel oder Nesthocker? Reise von Ort zu Ort oder verweile mehrere Tage an einem Platz. Als Ausgangspunkt für deine Tagestouren empfehlen sich zum Beispiel der Municipal Penthiévre bei Quiberon, les Sables Blanc in Concarneau und schließlich der Campingplatz Le Grand Large in Camaret-sur-Mer.

Extratipp Nummer eins: Inselhopping

Überall an der Küste der Bretagne findest du kleine und größere Inseln und Archipele. Manche von ihnen kannst du zu Fuß erreichen, andere mit dem Kajak erkunden. Auf wieder andere Inseln bringt dich ein Fährschiff. Egal für was du dich entscheidest, es lohnt immer! Für einen Tagesausflug von der Nordroute lohnt sich zum Beispiel die Île de Bréhat, die du ab der Pointe de l’Arcouest in Paimpol ansteuern kannst. Oder du buchst zur Überfahrt eine Erkundungstour durchs Archipel dazu. Die Insel Batz wird dich mit ihrem milden Klima, ihrer Vegetation und ihrem botanischen Garten begeistern. Übersetzen kannst du von Roscoff aus. Auf der Südroute kannst du ab Quiberon zu einer Tagestour auf die Belle Île, die schöne Insel, starten. Du wirst fasziniert sein von der wilden Landschaft, den seltenen Tier- und Pflanzenarten und den ständig wechselnden Lichtstimmungen. Von Conarneau aus ist ein Ausflug auf die Glénan-Inseln mit ihrem karibischen Feeling schon fast Pflicht.

Extratipp Nummer zwei: Das Landesinnere erkunden

Auch wenn die meisten Menschen die Küste entlang schippern, einen Abstecher ins Landesinnere solltest du dir nicht entgehen lassen. Dort wirst du dem Zauber, den Mythen und Geschichten begegnen, die die Bretagne wirklich einzigartig machen. Von beiden Routen aus kannst du die Monts d’Arree, die höchste Erhebung der Bretagne, für einen Tagesausflug ansteuern. Auch wenn die Gipfel nur knapp unter 400 Metern hoch sind, erwarten dich echtes Bergfeeling, mystische Stimmungen und bei gutem Wetter eine fantastische Weitsicht. Im Herzen der Berge liegen zudem Wald und Felsenmeer von Huelgoat, die Wiege zahlreicher Legenden und Mythen.

Fotos ohne Urhebernennung: (c) Barbara Homolka | www.chiennormandie.de


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