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Wohnwagen abstützen und ausrichten – wie du häufige Fehler vermeidest

Wohnwagen abstützen und ausrichten – wie du häufige Fehler vermeidest

Wie richte ich meinen Caravan aus? Darf ich zum Nivellieren die Stützen verwenden? Und wie bocke ich ihn bei längeren Standzeiten auf? Drei der wohl am häufigsten gestellten Fragen unter Wohnwagen-Einsteigern – und ein Thema, bei dem leider viel Halbwissen kursiert. Wir erklären dir, wie es richtig geht und was du auf keinen Fall tun solltest.

Grundwissen: Übersicht über die verschiedenen Wohnwagen-Stützensysteme

Mechanische Stützen

Standardmäßig sind Wohnwagen in aller Regel mit vier mechanischen Stützen (“Steckstützen”) ausgestattet, die an den Ecken des Caravans sitzen und von Hand hoch- und heruntergekurbelt werden. Diese Stützensysteme sind in unterschiedlichen Varianten und Belastungsgraden für alle Wohnwagen-Chassis erhältlich und können meist problemlos ausgetauscht bzw. nachgerüstet werden.

Zum Aus- und Einfahren der Wohnwagenstützen benutzt du eine Kurbel, die ähnlich wie eine Markisenkurbel gebaut ist und genau so eingesetzt wird.

Manchmal siehst du aber auch Camperkollegen, die mit einem Akkuschrauber an den Stützen hantieren. Diese “Alternative für Faule” (die wir übrigens auch nutzen) erscheint auf den ersten Blick sehr charmant, birgt aber ihre Tücken: Wenn du den Akkuschrauber zum Beispiel mit zu hoher Leistung fährst, kann das zu Schäden am Gewinde, an der Schraubaufnahme und sogar am Aufbau führen. Chassis- und Stützenhersteller wie die Firma AL-KO raten daher gerade Anfängern von dieser Technik ab.

Elektrische Stützen

Deutlich komfortabler läuft das Ganze bei Stützensystemen mit Elektromotor ab. Hier fahren die Stützen auf Knopfdruck aus, du musst also nicht mehr auf dem Boden herumrobben und die Armmuskeln spielen lassen.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Rückenproblemen wie auch für Camper, die häufig den Standort wechseln, ein unschätzbarer Vorteil! Ein weiteres Plus dieser Variante: Wohnwagen mit elektrischen Stützen können näher an Hecken oder anderen Parzellenbegrenzungen geparkt werden, da du keinen Platz mehr fürs Kurbeln einplanen musst.

Hydraulische Stützen

Die Königsklasse unter den Stützensystemen bilden die hydraulischen Stützen. Anders als bei Wohnmobilen ist diese Technik bei Caravans noch relativ neu und wird unseres Wissens bislang nur von der Firma E&P angeboten (Stand: Mai 2020). Dieses System besteht aus zwei Hauptstützen an der Achse und vier Eckstützen, die per Bedienpanel, kabellosen Touchscreen oder Smartphone gesteuert werden.

Das Faszinierende an diesem, zugegebenermaßen nicht ganz billigen, Modell: Der Wohnwagen richtet sich vollautomatisch aus. Ein manuelles Nachjustieren ist in aller Regel nicht mehr nötig. Im Unterschied zu Kurbelstützen oder elektrischen Stützen verursacht das Nivellieren über dieses neue System keine Schäden an Boden und Aufbau.

Wohnwagen abstützen und ausrichten – Dos und Don’ts

Bist du erst einmal auf dem Campingplatz angekommen, muss der Wohnwagen abgestellt, ausgerichtet und gestützt werden. Hier passieren die häufigsten Fehler, denn noch immer denken viele Camper, dass die Stützen auch zum Nivellieren das Caravans verwendet werden dürfen. Das ist nicht der Fall!

Wenn du deinen Wohnwagen mit den Stützen anhebst, ob zum Ausrichten oder z.B. einen Reifen zu wechseln, wirken ungeahnte Kräfte auf Boden und Chassis ein. Im schlimmsten Fall, vor allem bei häufigerem Einsatz, kann sich das Fahrgestell verziehen und es entstehen Schäden am Aufbau.

Die bislang einzige Ausnahme bildet wie gesagt das hydraulische Stützensystem levelC, das durch seine spezielle Bauweise tatsächlich auch zum Nivellieren und Anheben verwendet werden darf.

Bei “normalen” Stützen, ganz gleich, ob manuell oder elektrisch, gehst du wie folgt vor:

  1. Wohnwagen auf der Parzelle abstellen.
  2. Die Ausrichtung mit der 2LINK-Wasserwaagenfunktion oder einer im Fahrzeuginneren (möglichst in Achsnähe) angebrachten kleinen Wasserwaage prüfen.
  3. Eventuelle Schräglage in der Querachse (“Hängen” auf einer Seite) über einen Auffahrkeil unter dem betroffenen Rad ausgleichen.
  4. Mit dem Stützrad den Wohnwagen in der Längsachse ausrichten.
  5. Bei stärker abfallendem Gelände kann eine Nivellierung über einen zweiten Auffahrkeil am anderen Caravan-Rad nötig werden (deshalb die Keile am besten gleich im Doppelpack kaufen).
  6. Stand erneut über die Wasserwage prüfen
  7. Bei Bedarf die Position des Wohnwagens auf dem Auffahrkeil / den Auffahrkeilen korrigieren und am Stützrad nachjustieren.
  8. Sobald alles passt, Stützen herunterkurbeln, bis sie festen Bodenkontakt haben.
  9. Stützen keinesfalls so weit ausfahren, dass sich der Wohnwagen anhebt! 

Wohnwagen abstützen bei Überwinterung und längeren Standzeiten

Du ahnst es sicherlich schon: Bei längerem Abstellen ist ein “Aufbocken” über die Stützen ebenfalls tabu. Grundsätzlich ist dies heute auch nicht mehr nötig – die modernen Fahrwerke sind so konstruiert, dass sie das Überwintern oder anderweitige lange Standzeiten gut überstehen. 

Was jedoch Schaden nehmen kann, sind die Federungen und vor allem die Reifen. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, den Caravan bzw. die Achsen über kleine “Böckchen” zu entlasten. Die beste Stelle dafür ist in Achsnähe – hier ist das Fahrgestell besonders stabil gebaut. 

Achtung: Den Wohnwagen dabei bitte nicht “aus der Achse heben”, denn auch das kann dem Fahrwerk schaden. Es reicht völlig aus, die Räder soweit zu entlasten, dass sie noch leichten Bodenkontakt haben. 

Die Stützen können für einen stabilen Stand zusätzlich ausgefahren werden.  

Empfehlenswert ist es außerdem, den Caravan immer mal wieder zu bewegen, um Standschäden am Reifen vorzubeugen – vor allem, wenn er nicht aufgebockt wird.

Radwechsel: Wagenheber oder Wohnwagenstützen?

Auch wenn es dich jetzt wahrscheinlich langsam nervt, wiederhole ich es noch ein letztes Mal: Stützen heißen Stützen, weil man damit den Wohnwagen stützt. Dies gilt natürlich auch für diese Frage.

Wenn du also nicht gerade das oben bereits genannte levelC-System besitzt, darfst du den Caravan auch bei einem Reifen- bzw. Radwechsel nicht mit den Stützen aus dem Stand heben – erst recht nicht so hoch, dass das Rad freidreht und abmontiert werden kann. Denn hier, noch mehr als beim Nivellieren, würden ungeahnte Kräfte auf den Unterbau deines Wohnwagens wirken und könnten Fahrgestell und Aufbau schwer beschädigen.

Deshalb solltest du dir auf alle Fälle einen Wagenheber besorgen. Am besten einen, der speziell für das Chassis deines Caravans konzipiert ist bzw. vom Chassishersteller selbst vertrieben wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine mechanische oder eine hydraulische Variante handelt – Hauptsache, er kann das Gewicht deines Wohnwagens stemmen und lässt sich problemlos an den vorgesehenen Aufnahmepunkten am Chassis ansetzen.

Beim levelC sieht die Sache anders aus: Hier tragen nicht die vier Eckstützen, sondern die zwei Hauptstützen an der Achse den Löwenanteil des Gewichts. Deshalb kannst du diese Stützen sorglos auch zum Reifenwechsel nutzen – in diesem Fall besteht keine Gefahr, dass sich dein Fahrgestell verzieht oder die Stempel in den Aufbau drücken.

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Wenn, wie beschrieben, die Kurbelstützen keine oder nur geringe Last aufnehmen dürfen, warum wird dann bei den (Ersatz-) Ausdrehstützen eine maximale Last angegeben, die pro Stütze 600 kg oder mehr beträgt?
    Wie soll ich denn auf dem Campingplatz den Wohnwagen bei engen Platzverhältnissen ohne Zugfahrzeug auf einen Auffahrkeil heraufgeschoben bekommen?
    Gelegentliches Reinigen und Abschmieren der Gewinde und Gleitbahnen macht Sinn.

  2. Zur Längsnivellierung verwende ich auch das Spornrad.
    Bei der seitlichen Nivellierung verwende ich einen hydraulischen Wagenheber und hebe die entsprechende Seite an. Ist das falsch ??? Ich çampe seit Anfang der 70er Jahre. Den Akkuschrauber verwende ich auch. Hatte von 1980 bis 1987 ein Wohnmobil, Pfeil eins.
    Liebe xxxxxLGrüße vom Lutz

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