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Ratgeber Wohnwagen auflasten – Möglichkeiten, Varianten, Vor- und Nachteile

Ratgeber Wohnwagen auflasten – Möglichkeiten, Varianten, Vor- und Nachteile

Die richtige Beladung ist entscheidend für die Fahrsicherheit beim Wohnwagen. Denn wenn Anhänger falsch beladen oder überladen sind, können sie schnell außer Kontrolle geraten und schwere Unfälle verursachen. Doch was tun, wenn die vom Hersteller vorgesehene Zuladung nicht ausreicht? Hier kann eine Auflastung die Lösung für dich sein!

Bei Wohnwagen mit viel Zusatzausstattung ist häufig die Differenz zwischen Leergewicht und zulässigem Gesamtgewicht nicht sehr hoch. In extremen Fällen bleiben ­manchmal nur noch unter 100 Kilo, die durch Campingmöbel, Markise, Rangierantrieb sowie Kleidung, Zubehör, Geschirr, Werkzeug oder eine zweite Gasflasche schnell erschöpft sind.

Eine Auflastung schafft zusätzliche Lademöglichkeiten und ist in unterschiedlichen Varianten durchführbar.

Aber Achtung: Ob und in welcher Form dein Caravan aufgelastet werden kann, hängt von verschiedensten Faktoren und deren Zusammenspiel ab. Deshalb ist es unbedingt nötig, dass du dich zum einen beim Aufbau-Hersteller deines Wohnwagens erkundigst und beim Chassis-Hersteller ausführlich beraten lässt.

Falls du ein älteres Schätzchen oder gar einen Oldtimer besitzt, kann es sein, dass du hierfür etwas Geduld mitbringen musst. Je nach Baujahr müssen die Hersteller unter Umständen in einem sehr langwierigen Rechercheprozess nach den entsprechenden Dokumenten suchen. Sollten die entsprechenden Infos dort nicht mehr aufzutreiben sein, wird man dich vielleicht auch an den TÜV zur weiteren Prüfung verweisen.

Stufe 1: Dokumentenauflastung

Häufig sind die Fahrwerke bereits für höhere Gewichtsgrenzen ausgelegt, der Anhänger wurde jedoch zum Beispiel aus Gründen der Fahrerlaubnis oder der zulässigen Zuglast des Pkw auf ein geringeres Gesamtgewicht zugelassen.

In diesem Fall reicht es oft schon aus, sich vom Hersteller eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen zu lassen. Die Fahrzeugprüfstelle (TÜV, Dekra, etc.) muss die Änderung abnehmen, damit sie anschließend von der Zulassungsstelle in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden kann.

Diese Variante ist sehr kostengünstig und kommt ohne technische Eingriffe aus. In der Regel ist hier eine erhöhte Zuladung von bis zu 100 kg möglich.

Stufe 2: Austausch der Achsabfederung

Sollte eine Dokumentenauflastung für deinen Wohnwagen ausreichen, kann technisch nachgeholfen werden. In einem ersten Schritt könntest du beim Chassis-Hersteller anfragen, ob die Gummirundschnüre in den Achsen gegen längere und/oder stärkere Ausführungen ersetzbar sind.

Auch in diesem Fall wäre eine Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts von bis zu 100 kg zu erreichen.

Stufe 3: Austausch von Fahrgestell-Komponenten

Solltest du den gewünschten „Spielraum“ alleine durch einen Austausch der Federsysteme nicht erreichen, können auch einzelne Fahrwerkskomponenten ausgetauscht und durch leistungsfähigere Systeme ersetzt werden. Dies betrifft dann beispielsweise die Auflaufeinrichtung, Teile des Rahmens und/oder die Achse(n) des Caravans.

Dafür werden technische Änderungen am Fahrgestell vorgenommen, die Kombinationsmöglichkeiten der Komponenten sind vielzählig.

Abhängig vom Modell deines Caravans kämen hier zum Beispiel in Frage:

  • Achse + Traverse
  • Achse + einzelne Rahmenteile
  • Achse + Bremse und Auflaufeinrichtung
  • Achse + Stoßdämpfer

Je nach Kombination sind durch diese Form der Auflastung in der Regel zwischen 100 und 300 kg, in einzelnen Ausnahmefällen sogar bis zu 400 kg oder mehr denkbar.

Stufe 4: Austausch des kompletten Fahrwerks mit allen Komponenten

Falls das vorhandene Chassis beschädigt ist, eine Auflastung mit den oben genannten Methoden und Bauteilen nicht erfolgen kann, oder die Kosten für Reparatur oder Montage unverhältnismäßig hoch sind, besteht auch die Möglichkeit, das komplette Chassis auszutauschen.

Hierbei wird das Fahrwerk im Ganzen vom Aufbau getrennt und durch ein neues ersetzt. Dafür müssen zwingend die Zeichnungsnummer sowie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Caravan-Herstellers vorliegen, damit die Anbindungspunkte des Aufbaus und die Lage der Achse korrekt ermittelt werden können und dein Wohnwagen auch nach dem Umbau wieder sicher unterwegs ist.

Dies ist mit Abstand die teuerste, aber auch nachhaltigste Form der Auflastung.

Sofern die neuen Gewichtsgrenzen vom Aufbauhersteller genehmigt sind und im gesetzlichen Rahmen dessen liegen, was von einem Pkw noch gezogen werden darf, ist hier in punkto zusätzlicher Zuladung (fast) alles möglich. Üblicherweise bewegt sich das Ganze aber im Bereich um die 300 bis 500 kg, die du gewinnen kannst.

Bei allen vorgestellten Auflastungsformen stützen wir uns auf grobe Richt- und Durchschnittswerte. Auch hier gilt natürlich wie immer: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Was brauchst du zur Prüfung einer Auflastung?

Um festzustellen, ob und wie dein Caravan aufgelastet werden kann, benötigt der Chassis-Hersteller einige Angaben von dir.

Allgemeine Angaben

  • Wohnwagen-Hersteller
  • Wohnwagen-Typ
  • Fahrgestellnummer
  • Seriennummer
  • Zeichnungsnummer des Chassis (beim Caravan-Hersteller zu erfragen)
  • Tag der Erstzulassung
  • Aktuelles zulässiges Gesamtgewicht
  • Gewünschtes zulässiges Gesamtgewicht

Spezifische technische Daten

  • Achse: Daten des Achstypenschilds (mittig oder seitlich versetzt an der Achse)
  • Auflaufeinrichtung: Typ und Ausführung (üblicherweise in Höhe des Handbremshebels zu finden)
  • Radbremse (Prägung auf der Rückseite der Ankerplatte)
  • Zugverbindung: Typ und Gewichtsbereich der Holme
  • Reifengröße und Traglast (seitlicher Code am Reifen)

Kosten für eine Auflastung

Die Preise für eine Auflastung variieren je nach Auflastungstyp und den individuellen Voraussetzungen bei deinem speziellen Fahrzeug sehr stark. Deshalb können wir auch hier nur ungefähre Anhaltspunkte geben:

  • Dokumentenauflastung: Eine Dokumentenauflastung bekommst du ab ca. 200 Euro. Falls noch eine Bremsberechnung durch den Chassis-Hersteller durchgeführt werden muss, werden ca. 250 Euro fällig.
  • Austausch der Achsabfederung: Soll die Achsabfederung ausgetauscht werden, musst du mit ca. 400 Euro (für Einachser) und ca. 800 Euro (für Tandemachser) rechnen. Inklusive einer Bremsenwartung läge das Ganze bei etwa 750 bzw. 1.500 Euro.
  • Austausch von Fahrgestell-Komponenten: Werden einzelne Fahrgestell-Komponenten getauscht, wirst du für eine einfachere Ausführung (z.B. Achse plus Traverse) bei ca. 1.500 Euro landen, müssen Achse und Rahmenteile dran glauben, kostet das Ganze ca. 3.000 Euro.
  • Austausch des kompletten Chassis: Für die „Königsklasse“ unter den Auflastungen, den Austausch des kompletten Fahrwerks, musst du noch ein Stück tiefer in die Tasche greifen. Hier liegt die Preisspanne zwischen ca. 4.500 für Einachser und 5.500 Euro für Tandemachser.

Zu zu den o. g. Preisen kommen jeweils noch die Gebühren für TÜV, DEKRA oder andere Sachverständige hinzu. Diese solltest du im Vorfeld beim entsprechenden technischen Dienst abfragen.

Die Gebühren für den „Papierkram“, z.B. die Eintragung oder Neuausstellung des Fahrzeugscheins, betragen üblicherweise zwischen 100 und 120 Euro, sind aber bei manchen Anbietern im Servicepaket der Auflastung schon inklusive.

Fazit: Vor- und Nachteile einer Auflastung

Durch die erhöhte Zuladung ersparst du dir jede Menge Stress und kannst entspannt in den Urlaub starten, ohne auf zu viel verzichten zu müssen.

Solltest du – vielleicht auch unbewusst – in der Vergangenheit überladen gefahren sein, stellt das nicht nur ein gravierendes Verkehrsrisiko für dich und andere dar, sondern belastet auch deinen Wohnwagen. Dies führt wiederum zu einem erhöhten Verschleiß am Aufbau sowie an Bremsen, Achse, Federung, ATC und/oder Auflaufeinrichtung und damit zu einer erheblichen Wertminderung.

Vor der Auflastung solltest du aber auch einige wichtige Punkte beachten – denn selbst wenn die Anpassungen nur auf dem Papier erfolgen, können höhere Folgekosten entstehen oder veränderte Verkehrsbestimmungen greifen:

Zum einen solltest du auf die zulässige Gesamtmasse des Gespanns achten, denn diese hat Auswirkungen auf deine Fahrerlaubnis: Bis zum Gewicht von 3,5 Tonnen greift der „normale“ B-Führerschein, bis 4,2 Tonnen reicht Erweiterung B96 aus, ab 4,2 Tonnen wird Klasse BE benötigt.

Zum anderen kann es passieren, dass du trotz 100er-Zulassung für deinen Wohnwagen die 100 kmh nicht mehr fahren darfst. Dies ist der Fall, wenn die zulässige Gesamtmasse deines Wohnwagens nach der Auflastung die Leermasse des Zugfahrzeugs überschreitet. Ausführliche Infos hierzu findest du in unserem Beitrag „100er-Zulassung für den Wohnwagen“.

Um festzustellen, welche Auflastung für dich wirklich Sinn macht, welche Möglichkeiten es ganz konkret für deinen Caravan gibt und was du in der Folge beachtet solltest, solltest du dich unbedingt beim Hersteller deines Chassis (z.B. AL-KO) beraten lassen.

Ablastung

Solltest du den – zugegebenermaßen eher unüblichen – Weg anstreben, um eine Reduzierung des zulässigen Gesamtgewichts zu erreichen, kannst du deinen Wohnwagen ablasten lassen. Dies kann unter Umständen dann Sinn machen, wenn dein Camper über eine sehr hohe Zuladung verfügt, du aber z.B. nur einen B-Führerschein besitzt.

Hier musst du in der Regel nichts weiter beachten, da in den allermeisten Fällen nur eine Dokumentenablastung über Technischen Dienst erfolgt, die keine Auswirkungen auf die Fahrdynamik hat.

Sofern du mit der Ablastung also nicht unter das aktuelle Leergewicht deines Caravans kommst, ist das eine sehr günstige Angelegenheit. Eventuell musst du aber zusätzlich zur TÜV-Prüfung und der Eintragung in den Fahrzeugpapieren auch noch ein geändertes Typenschild bei deinem Wohnwagenhersteller beantragen.

Titelbild: (c) AL-KO Fahrzeugtechnik


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Technikverliebter Nerd, der mit Frau, Hund und Gasgrill seit 2015 im Wohnmobil lebt – derzeit in einem Clou Liner. Im Winter im Süden, im Sommer im Norden, als digitaler Nomade immer auf Reisen.

Lieblingsspots: Am Wasser.

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