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Wohnmobil-Versicherung im Ausland: Wo ist sie gültig? Was ist gedeckt? Was muss man beachten?

Wohnmobil-Versicherung im Ausland: Wo ist sie gültig? Was ist gedeckt? Was muss man beachten?

Nach unserem ersten Beitrag haben uns viele Leserfragen zum Thema Reisen ins Ausland erreicht – deshalb haben wir wieder die Experten unseres Partners RMV befragt und die wichtigsten Infos für euch zusammengestellt – denn wenn ihr mit eurem Wohnmobil oder Wohnwagen verreisen wollt, insbesondere außerhalb Europas, gibt es einiges zu beachten. Auf jeden Fall solltet ihr euch vorher bei eurer Versicherung nach den gültigen Konditionen erkundigen und, falls nötig, für bestimmte Länder zusätzliche Policen abschließen.

In welchen Ländern gilt die Wohnwagen- und Wohnmobil-Versicherung?

Ganz gleich, ob Haftpflicht oder Kasko – in der Regel beschränkt sich die Wohnmobil- und Wohnwagenversicherung auf das geographische Europa und häufig (aber nicht immer) auf einige Mittelmeeranrainer-Staaten wie Tunesien und MarokkoBei anderen Ländern müsst ihr bei Einreise eine Grenzpolice abschließen, die euch aber in diesem Land (nur) haftpflichtversichert!

►►Unser Tipp: Über eine Erweiterung der Kasko-Versicherung stellt euch euer Versicherer eventuell auf Anfrage eine separate Versicherungsbestätigung aus, die je nach Anbieter auch jeweils um den asiatischen Teil Russlands und der Türkei ergänzt werden könnte. Wichtig ist in diesem Fall, sofern vom Versicherer aus möglich, die Internationale Versicherungskarte („Grüne Karte“) vor der Reise erweitern zu lassen.

Wie viel kostet eine erweiterte Kasko-Versicherung?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Manche Versicherer bieten eine solche Erweiterung gar nicht an, manche für einen bestimmten Zeitraum und bestimmte Länder, in manchen Fällen ohne Zusatzkosten, in manchen Fällen gegen Aufpreis. Das kann stark variieren – nach Versicherer, aber auch bei ein und demselben Versicherer nach Zeitraum und Land. Unseres Wissens nach kann eine Erweiterung der Kasko-Versicherung, wenn überhaupt, nur für Länder erfragt werden, für die der Versicherer auch die Haftpflicht erweitert. „Exotische“ Ziele sind da also leider raus. Es hilft wieder mal: Nachfragen, nachfragen, nachfragen. 

Was ist die Grüne Karte?

Die Internationale Versicherungskarte (kurz IVK), aufgrund ihrer Farbe auch „Grüne Karte“ genannt, ist ein internationales (größtenteils europäisches) System zur Regelung des Versicherungsschutzes  außerhalb des Heimatlandes.

Mit dieser Karte weist ihr im Ausland nach, dass für euer Fahrzeug in diesem Land eine Kfz-Haftpflichtversicherung besteht. Auf der Karte sind mit dem Länderkürzel die Länder aufgeführt, in welchen Ländern der Haftpflicht-Versicherungsschutz gilt.

Wo und in welchem Umfang ist die Grüne Karte gültig?

Ob und in welchen Ländern ihr zusätzlich teilkasko- oder vollkaskoversichert seid, ist rein eine Sache zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer und hat nichts mit der Grünen Karte zu tun. Deshalb solltet ihr vor Reiseantritt genau in den Bedingungen nachlesen oder im Zweifel beim Versicherer anfragen. Meist beschränkt sich die Gültigkeit aber ebenfalls auf Europa.

Hier ein Beispiel für die Grüne Karte:

Die Länderkennungen, die nicht „ge-X-t“ sind, sind automatisch in der Versicherung eingeschlossen. Die ge-X-ten sind zwar prinzipiell auch im Grüne-Karte-System, aber nicht von Vornherein inkludiert. Andere Länder, wie z.B. China, werden dagegen von kaum einer Versicherung gedeckt.

►►Unser Tipp: Es kann aber auch bei nicht dort eingeschlossenen Ländern (oft: Marokko, Tunesien, Türkei, Russland) sein, dass der Versicherer einen Schutz für den Zeitraum der Reise gewährt und eine gesonderte Grüne Karte ausstellt – manchmal gegen Aufpreis. Es kann sich also lohnen, rechtzeitig vor Reiseantritt beim Versicherer nachzuhören.

►►Achtung: In manchen Ländern müsst ihr die Karte vorzeigen und dürft ohne sie nicht einreisen. Im Schengener Raum wird das zwar kaum noch nachgehalten, das Mitführen der Grünen Karte kann aber trotzdem noch Pflicht sein. Um auf Nummer Sicher zu gehen, solltet ihr sie auf jeden Fall dabei haben, da die Regelungen nicht überall einheitlich sind und es viel Spielraum in der Handhabung gibt.

Besonders bei nur teilweise europäischen Ländern (Russland, Türkei) solltet ihr die Karte auf jeden Fall an Bord haben, wenn möglich schon mit einer Erweiterung – denn selbst wenn ihr nur den europäischen Teil bereisen wollt, können die Beamten an der Grenze darauf bestehen, dass ihr zur Einreise eine Grenzpolice abschließt.

Wie lange ist die Grüne Karte gültig?

Die Standard-Karte ist in der Regel 5 Jahre gültig und muss dann erneuert werden. Dazu einfach beim Versicherer kurz und formlos Bescheid geben, das ist keine große Sache!

Bei Neuanmeldung wird auch die Grüne Karte automatisch mitgeschickt, wenn die Police ausgestellt wird. Dies kann ein paar Tage dauern. Braucht ihr die Grüne Karte schneller, weil ihr z.B. nach der Anmeldung eures Fahrzeugs direkt losfahren möchtet, fragt einfach beim Versicherer nach – häufig kann sie auch schon vorab ausgestellt werden und benötigt nur die Zeit des Postweges. Die Grüne Karte muss im Original vorliegen. In digitaler Form ist sie nicht gültig. 

Wieviel kostet das Ausstellen der Grünen Karte?

Nichts. Die Internationale Versicherungskarte wird kostenlos ausgestellt und euch zugeschickt. Einzige Ausnahme: Wenn ihr um eine kostenpflichtige Erweiterung bittet.

Brauche ich einen gültigen deutschen TÜV (HU), um im Ausland versichert zu sein?

Menschen, die lange Reisen planen oder dauerhaft im Wohnmobil unterwegs sind, stellen sich oft die Frage, ob man auch ohne gültige Hauptuntersuchung („TÜV“) weiter versichert ist.

Dieter Scheffler, Geschäftsführer bei der RMV, erklärt: „In diesem Fall befindet man sich in einer Grauzone. Der Versicherer überprüft zunächst mal nicht, ob ein gültiger TÜV besteht. Verursacht der Versicherungsnehmer einen Schaden, muss die Haftpflichtversicherung zahlen. Kommt im Nachhinein aber heraus, dass das Fahrzeug keinen TÜV hatte, könnte die Versicherung unter Umständen Geld vom Versicherungsnehmer zurückfordern. Neben Problemen mit der Versicherung könnte es natürlich auch zu einem Bußgeld für das Fahren ohne TÜV oder im schlimmsten Fall sogar zu einem Strafverfahren kommen.“

Was genau ist im Ausland versichert?

Im Grunde, wie im Inland, sofern sich „Ausland“ auf das europäische Ausland bezieht. Wenn man im Inland haftpflichtversichert ist, ist man dies auch im europäischen Ausland. Wenn man im Inland teil- oder vollkaskoversichert ist, ist man dies wiederum i.d.R. auch im europäischen Ausland. Das kann je nach Versicherer variieren, ist aber in den Bedingungen nachzulesen. Wie immer, im Zweifel: Nachfragen!

Besonderheit im Ausland bei Unfall mit einem ausländischen Fahrzeug

Ein Unfall ist im Ausland noch unangenehmer, da man sich in der Regel mit den örtlichen Gesetzen und Besonderheiten nicht auskennt und häufig auch die Sprache nicht oder nicht fließend beherrscht. Daher ist es hier extrem wichtig, die Abläufe und Knackpunkte zu kennen:

Auslandsschadenschutz

Werdet ihr durch ein ausländisches Fahrzeug geschädigt, müsste die Haftpflicht des Unfall-Verursachers zahlen. Dies kann aber Komplikationen mit sich bringen. RMV-Geschäftsführer Dieter Scheffler kann das aus seiner Berufserfahrung bestätigen: „Wir kriegen oft mit, wie kompliziert Abrechnungen über ausländische Versicherungen sein können. Zur Sprachbarriere kommen oft noch abweichende Regelungen, oder der Unfallverursacher ist gar nicht erst versichert. In diesen Fällen ist man über einen Auslandsschadenschutz abgesichert, der bei uns zum Beispiel Bestandteil des Spezial-Reisemobil-Schutzbriefs ist. Andere Anbieter handhaben dies unter Umständen anders. Manche haben keinen Auslandsschadenschutz oder bieten diesen evtl. im Rahmen anderer Versicherungsleistungen als dem Schutzbrief an. Hier sollte man sich informieren.“

Der Auslandsschadenschutz ermöglicht die unkomplizierte Abrechnung über die ‚heimische‘ Versicherung und nach deutschem Recht.

Wie verhalte ich mich bei einem Unfall im Ausland?

Die Polizei in Bulgarien, Kroatien, Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei muss auch Bagatellschäden offiziell aufnehmen, damit die ausländische Versicherung den Schaden später reguliert. Hier solltet ihr euch wenn möglich eine Kopie des Polizeiprotokolls geben lassen.

In anderen europäischen Ländern rückt die Polizei für kleine Schäden oft gar nicht erst aus, aber auch hier gilt: sicher ist sicher. Die Polizei zu informieren, kann nie schaden; vor allem wenn man sich nicht sicher ist, wie Unfälle vor Ort üblicherweise geregelt werden.

Nimmt die Polizei den Unfall nicht auf, sollte man vor allem Name, Adresse, Kennzeichen, Haftpflichtversicherung und möglichst Versicherungsnummer des Unfallgegners notieren. In Italien und Frankreich kann man die letzten beiden Angaben einer Plakette an der Windschutzscheibe des Autos entnehmen – bei Verständigungsproblemen oder zur Kontrolle einfach einen Blick darauf werfen!

Sollte die Versicherungsgesellschaft und/oder die Versicherungsnummer des Unfallgegners nicht bekannt sein, könnt ihr beim Zentralruf der Autoversicherer anrufen. Aus dem Ausland ist dieser unter der Nummer +49 40 300 330 300 zu erreichen. Dort muss man lediglich das Kennzeichen des Unfallgegners, den Schadentag und das Unfallland angeben und kann entsprechende Versicherungsinformationen erfragen. Die Hotline ist von montags bis freitags zwischen 8 und 20 Uhr erreichbar. Dies gilt natürlich auch bei Unfällen innerhalb Deutschlands. In diesem Fall ist unter der Nummer 0800 250 260 0 sogar 365 Tage im Jahr rund um die Uhr jemand zu erreichen.

Europäischer Unfallbericht hilft

►►Unser Tipp: Auch wenn es nicht unbedingt nötig ist, seid ihr immer auf der sicheren Seite, wenn ihr euch im Vorfeld ein paar Vordrucke des europäischen Unfallberichts einpackt, in dem alle wichtigen Angaben notiert werden können. Dieser ist in sämtlichen Sprachen verfügbar und kann im Internet auf Deutsch und in der Sprache eures Reiselandes heruntergeladen werden. So können beide Parteien in einem vereinheitlichten Formular alle wichtigen Angaben in ihrer Muttersprache eintragen.

Dieses Formular gebt ihr dann am besten an eure Versicherung weiter. Auch das ist zwar nicht zwingend vorgeschrieben, vor allem bei Bagatellschäden, aber dient euch als zusätzliche Sicherheit.

Was tun, wenn ich selbst einen Unfall im Ausland verursacht habe?

Ist der Fall ganz klar, dann braucht der Unfallgegner eure persönlichen Daten, Kennzeichen, die Versicherungsgesellschaft und Versicherungsnummer

Ist die Sache nicht ganz eindeutig, raten die Experten, zunächst einmal zurückhaltend zu agieren. Ihr solltet keine Schuldbekenntnisse an Ort und Stelle abgeben, sondern den Unfall zunächst ganz sachlich aufnehmen lassen bzw. selbst aufnehmen.

So oder so solltet ihr nichts unterschreiben, dessen Inhalt ihr nicht vollständig versteht. Sofern ihr möglichst viel und sorgfältig dokumentiert, lässt sich alles Weitere dann auch im Nachhinein klären.

Checkliste: Was tun bei Unfall im Ausland?

  • Unfallstelle sichern bzw. bei geringfügigem Schaden die KFZ aus der Gefahrenzone entfernen.
  • Sollte es Verletzte geben, Notruf wählen. Die Nummer 112 gilt europaweit.
  • Die Polizei informieren.
  • Falls diese kommt und den Schaden aufnimmt, eine Kopie des Unfallberichts geben lassen.
  • Daten des Unfallgegners aufnehmen:
    • Name
    • Adresse
    • Kfz-Kennzeichen
    • Haftpflichtversicherung und Versicherungsnummer 
  • Eigene Daten bereitstellen:
    • Name
    • Adresse
    • Kfz-Kennzeichen
    • Haftpflichtversicherung und Versicherungsnummer 
  • Ggf. Daten von Zeugen aufnehmen.
  • Unfallhergang und –ort sowie Schaden dokumentieren, Fotos machen, ggf. Skizzen.
  • Falls ein Schutzbrief vorhanden ist: entsprechende Hotline anrufen, um – falls nötig – den Transport des Fahrzeugs zur Werkstatt u.ä. zu regeln.
  • Versicherung informieren – Schadenhotline anrufen. Dort wird das weitere Vorgehen besprochen und ggf. bei der Problemlösung geholfen.
  • Auch bei potenziellen leichten Verletzungen anschließend zum Arzt gehen und sich ein Attest über die Verletzungen ausstellen lassen. Dies kann später für Schadenforderungen wichtig sein.

Hier könnt ihr die Checkliste herunterladen und ausdrucken.

Habt auch ihr Fragen zum Thema Versicherung?

Schickt uns eure Fragen und Themenwünsche an die E-Mail-Adresse redaktion@camperstyle.net – wir greifen die häufigsten Themen auf und beantworten sie gemeinsam mit den Experten der RMV in weiteren ausführlichen Ratgeberartikeln.

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Titelbild: (c) razvanphoto / Depositphotos.com


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Träumte seit ihrer Kindheit von einem Leben auf Rädern. Tourt jetzt mit Mann und Hund ganzjährig im Wohnwagen durch Europa.

Lieblingsspots: Andalusien, Baskenland & Mexiko.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
    1. Hallo Valery, ich kenne jetzt die konkrete Situation nicht. Geht es um ein Gebrauchtfahrzeug? Oder welche konkreten Zweifel hast du an der Echtheit der Karte? Der einfachste Weg wäre wahrscheinlich, die Karte bei der Versicherung vorzulegen, bei der das Fahrzeug angemeldet ist. Dort kann man dir sicherlich sagen, ob das Dokument tatsächlich dort ausgestellt wurde und gültig ist. Hilft dir das erstmal weiter? Viele Grüße! Nele

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